Timea Tankó
Timea Tankó (* 1978 in Leipzig) ist eine ungarisch-deutsche literarische Übersetzerin und Dolmetscherin, die ungarische und französische Literatur ins Deutsche überträgt.[1] Für ihre Übertragung von Miklós Szentkuthys Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus erhielt sie 2021 den Preis der Leipziger Buchmesse; 2026 wurde sie zusammen mit András Visky für Die Aussiedlung mit dem Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt ausgezeichnet.[2][3]
Leben
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Timea Tankó wurde 1978 in Leipzig geboren und verbrachte ihre Kindheit in Ungarn und Deutschland.[4] Sie studierte Kulturwissenschaften und Übersetzung mit Französisch und Spanisch in Leipzig.[4] Am Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie der Universität Leipzig absolvierte sie den Studiengang Diplom-Übersetzer und schloss das Studium 2004 als Diplom-Übersetzerin ab.[5] Sie unterrichtete von 2001 bis 2010 Ungarisch an der Universität Leipzig. Sie lebt in Berlin.[1]
Wirken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Seit 2003 arbeitet Tankó freiberuflich als literarische Übersetzerin und Dolmetscherin für Ungarisch; sie übersetzt aus dem Ungarischen und Französischen, und zu den von ihr übertragenen Autoren gehören Ádám Bodor, Andor Endre Gelléri und István Kemény.[6] Sie beschrieb Szentkuthys Text Apropos Casanova als wuchernd und barock strukturiert, während die Übersetzung ins Deutsche Umbauten der ungarischen Satzordnung, umfangreiche Recherche und ein spielerisches Arbeiten mit deutschen Komposita verlangte.[7] József Debreczenis Kaltes Krematorium. Bericht aus dem Land namens Auschwitz erschien im November 2024 in ihrer Übersetzung bei S. Fischer.[8]
Auszeichnungen
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 2019: Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse für die Übersetzung von Löwenchor von György Dragomán.[9]
- 2020: Exzellenzstipendium des Deutschen Übersetzerfonds.[1]
- 2021: Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung für die Übersetzung von Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus von Miklós Szentkuthy.[2]
- 2026: Nominierung für den Preis der Leipziger Buchmesse für die Übersetzung von András Viskys Die Aussiedlung.[10]
- 2026: Internationaler Literaturpreis – HKW zusammen mit András Visky für Die Aussiedlung, wobei die Auszeichnung beim HKW Autorinnen und Autoren ebenso wie Übersetzerinnen und Übersetzer würdigt.[3]
Übersetzungen (Auswahl)
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Aus dem Ungarischen
- Zsigmond Móricz: Der glückliche Mensch. Guggolz, Berlin 2023, ISBN 978-3-945370-40-7.
- Ádám Bodor: Die Vögel von Verhovina. Variationen über letzte Tage. Secession, Zürich/Berlin 2022, ISBN 978-3-907336-19-9.
- Miklós Szentkuthy: Apropos Casanova. Das Brevier des Heiligen Orpheus. Nachwort György Dalos. AB – Die Andere Bibliothek, Berlin 2020, ISBN 978-3-8477-0427-0.
- József Debreczeni: Kaltes Krematorium – Bericht aus dem Land namens Auschwitz. Nachwort Carolin Emcke. S. Fischer, Frankfurt am Main 2024, ISBN 978-3-10-397544-4.
- György Dragomán: Löwenchor. Novellen. Suhrkamp, Berlin 2019, ISBN 978-3-518-42851-1.
- Mátyás Dunajcsik: Unterwasserstädte. Erzählungen. Übersetzung zusammen mit Lacy Kornitzer. Akademie Schloss Solitude, Stuttgart 2017, ISBN 978-3-946839-00-2.
- Péter Gárdos: Fieber am Morgen. Roman. Hoffmann & Campe, Hamburg 2015, ISBN 978-3-455-40557-6.
- Andor Endre Gelléri: Die Großwäscherei. Guggolz, Berlin 2015, ISBN 978-3-945370-04-9.
- Andor Endre Gelléri: Stromern. Erzählungen. Guggolz, Berlin 2018, ISBN 978-3-945370-18-6.
- András Gerevich: Teiresias’ Geständnisse. Gedichte. Aus dem Ungarischen von Orsolya Kalász, Timea Tankó und Monika Rinck. Akademie Schloss Solitude, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-937158-73-0.
- Krisztián Grecsó: Lange nicht gesehen. Claassen, Berlin 2007, ISBN 978-3-546-00410-7.
- István Kemény: Liebe Unbekannte. Braumüller, Wien 2013, ISBN 978-3-99200-098-2.
- Károly Méhes: Insgeheim. Wieser Verlag, Klagenfurt 2007, ISBN 978-3-85129-684-6.
- Szilárd Rubin: Die Wolfsgrube. Kriminalroman. Rowohlt, Berlin 2013, ISBN 978-3-87134-753-5.
- Szilárd Rubin: Der Eisengel. Rowohlt, Berlin 2014, ISBN 978-3-87134-789-4.
- Iván Sándor: Geliebte Liv. dtv, München 2006, ISBN 978-3-423-24558-6.
- Zoltán Sebők: Parasitäre Kultur. Kulturverlag Kadmos, Berlin 2008, ISBN 978-3-86599-012-9.
- Antal Szerb: In der Bibliothek. dtv, München 2006, ISBN 978-3-423-24562-3.
- Miklós Vajda: Mutterbild in amerikanischem Rahmen. Braumüller, Wien 2012, ISBN 978-3-99200-046-3.
- András Visky: Die Aussiedlung. Suhrkamp, Berlin 2025, ISBN 978-3-518-43245-7.
Aus dem Französischen
- Carl Aderhold: Die Roten. Roman. Arche, Zürich 2017, ISBN 978-3-7160-2760-8.
In das Ungarische
- Esther Kinsky: Üdülő [Sommerfrische]. Scolar Kiadó, Budapest 2010.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Literatur von und über Timea Tankó im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Timea Tankó bei die horen
Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- 1 2 3 Preis der Leipziger Buchmesse 2021 für Iris Hanika, Heike Behrend und Timea Tankó. In: leipziger-buchmesse.de. 28. Mai 2021, abgerufen am 6. Juli 2026.
- 1 2 Und die Gewinnerinnen sind: Timea Tankó, Heike Behrend, Iris Hanika. In: Deutschlandfunk Kultur. 28. Mai 2021, abgerufen am 6. Juli 2026.
- 1 2 Internationaler Literaturpreis des HKW: Weine nicht, Mama, ich werde über alles schreiben. In: taz.de. 5. Juli 2026, abgerufen am 6. Juli 2026.
- 1 2 Timea Tankó. In: internationales literaturfestival berlin. Abgerufen am 6. Juli 2026.
- ↑ Timea Tankó erhält den Preis der Leipziger Buchmesse 2021. In: Universität Leipzig. 31. Mai 2021, abgerufen am 6. Juli 2026.
- ↑ Die Aussiedlung. In: Haus der Kulturen der Welt. Abgerufen am 6. Juli 2026.
- ↑ Übersetzerin Timea Tankó über „Apropos Casanova“: Ein Buch wie ein Spiegelkabinett. In: Deutschlandfunk Kultur. 25. Juni 2021, abgerufen am 6. Juli 2026.
- ↑ NYT kürt die „10 Best Books of 2024“. In: Börsenblatt. 12. Dezember 2024, abgerufen am 6. Juli 2026.
- ↑ Ehrungen für Stelling, Jähner und Wemme. In: Deutschlandfunk Kultur. 21. März 2019, abgerufen am 6. Juli 2026.
- ↑ Preis der Leipziger Buchmesse 2026: Das sind die Nominierten. In: Börsenblatt. 25. Februar 2026, abgerufen am 6. Juli 2026.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Tankó, Timea |
| ALTERNATIVNAMEN | Tankó, Tímea |
| KURZBESCHREIBUNG | ungarisch-deutsche Übersetzerin |
| GEBURTSDATUM | 1978 |
| GEBURTSORT | Leipzig |