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Esther Kinsky

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Esther Kinsky auf der Leipziger Buchmesse 2018

Esther Kinsky (* 12. September 1956 in Engelskirchen[1]) ist eine deutsche Schriftstellerin und Übersetzerin.

Esther Kinsky wuchs im Rheinland auf und studierte in Bonn Slawistik. Nach Jahren in London lebt sie derzeit in Berlin. Kinsky war mit dem britischen Übersetzer Martin Chalmers (1948–2014) verheiratet.

Kinsky arbeitet als literarische Übersetzerin aus dem Polnischen, Englischen und Russischen und ist Autorin von Prosa und Lyrik. Sie ist bekannt als Übersetzerin von Olga Tokarczuks Werken. Nach der Übersetzung von deren Roman Unrast 2009 entschied sie jedoch, keine weiteren Bücher der späteren Literaturnobelpreisträgerin zu übersetzen, da die literarische Sprache der Autorin sie nicht genug herausfordere. In einem Interview äußerte Kinsky die Vermutung, Tokarczuks Texte seien im Original mangelhaft lektoriert. Stilistische Fehler würden von der Literaturkritik dann den Übersetzungen vorgeworfen.[2]

Ihr erster eigener Roman Sommerfrische wurde 2009 von Matthes & Seitz Berlin publiziert. Er spielt in Üdülö, einer Feriensiedlung am Fluss, einem Ort „der Sehnsucht, der Träume von Liebe und Freiheit weckt.“[3] 2018 erschien ihr Roman Hain: Geländeroman, worin sie den Blick eines trauernden Menschen auf die Welt beschreibt, im selben Verlag.[4] In der Sendereihe Essay und Diskurs des Deutschlandfunks grenzte sie ihren Text von der literarischen Form des nature writing ab.[5] Der Roman gewann den Preis der Leipziger Buchmesse 2018 in der Kategorie „Belletristik“. 2019 hielt Kinsky die Hildesheimer Poetikvorlesung im Literaturhaus St. Jakobi.[6]

„Ich sehe Übersetzer von Literatur als Künstler an der Sprache. Es ist eine schwierige Gratwanderung natürlich, zu sagen, wo ist Kunst, wo ist Handwerk dabei, damit habe ich mich ja auch länger auseinandergesetzt, aber ich glaube nicht, dass es für mein Verständnis dieser Tätigkeit – und ich möchte da auch wirklich ganz speziell nur von mir sprechen, zuträglich ist so einer Rollenzuweisung.“

Esther Kinsky: im Interview mit Susanne Burg, Deutschlandradio, 13. August 2013[7]

Auszeichnungen und Stipendien

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Sowohl für ihre übersetzerische als auch für ihre schriftstellerische Arbeit wurde Kinsky mehrfach ausgezeichnet. 2015 erhielt sie u. a. den Kranichsteiner Literaturpreis sowie den Preis der SWR-Bestenliste für Am Fluss (2014). Wiederkehrende Themen ihrer Arbeit sind die Erfassbarkeit der Wahrnehmung durch Sprache und die damit verbundenen Erinnerungsprozesse, vor allem im Kontext von Fremde. 2016 übernahm Kinsky die einjährige Thomas Kling-Poetikdozentur an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn[8] und 2017/2018 die August-Wilhelm-von Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung an der Freien Universität Berlin.[9][10] Ende 2019 wurde Kinsky in die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung aufgenommen.

Als Übersetzerin (Auswahl)

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Als Herausgeberin

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Einzelnachweise

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  1. Esther Kinsky im Munzinger-Archiv, abgerufen am 4. April 2019 (Artikelanfang frei abrufbar)
  2. Literaturnobelpreis für Olga Tokarczuk - Preiswürdig oder uninteressant? Abgerufen am 13. Dezember 2019.
  3. Sommerfrische. Matthes & Seitz Berlin, abgerufen am 6. Januar 2026.
  4. „Tröstliche Landschaften“, Hain von Esther Kinsky vorgestellt von Andrea Gerk, ndr.de am 1. März 2018
  5. Katharina Teutsch: Nature Writing: Über Natur schreiben heißt über den Menschen schreiben. Deutschlandfunk, 28. Januar 2018, abgerufen am 28. Januar 2018.
  6. Hildesheimer Poetikvorlesung › Literaturhaus St. Jakobi Hildesheim. Archiviert vom Original am 29. April 2020; abgerufen am 13. Juni 2019.
  7. Susanne Burg: „Künstler an der Sprache“ – Die Autorin Esther Kinsky über das Übersetzen, bei: Deutschlandfunk Kultur, 13. August 2013
  8. Als sechste Thomas Kling-Poetikdozentin wird Esther Kinsky berufen. (Memento vom 13. April 2021 im Internet Archive) Germanistisches Seminar, Bonn, abgerufen am 7. Oktober 2016
  9. Esther Kinsky wird August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessorin für Poetik der Übersetzung an der Freien Universität Berlin. Pressemitteilung der Freien Universität Berlin, Berlin, abgerufen am 17. Oktober 2018
  10. Esther Kinsky: Weiße Räume – Lichtes Maß. Unsagbar und Ungesagt in der Übersetzung. In: Sinn und Form 5/2018, S. 686–696. (Antrittsvorlesung zur August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung vom 1. November 2017 im Collegium Hungaricum in Berlin.)
  11. Hubert Winkels: Die kaum spürbare Umarmung der Toten. Laudatio zum Düsseldorfer Literaturpreis für Esther Kinsky. In: Sinn und Form 5/2018, S. 699–703.
  12. Arbeits- und Recherchestipendien für 29 Berliner Autorinnen und Autoren vergeben, Meldung auf Buchmarkt.de vom 26. November 2019, abgerufen am 30. November 2019.
  13. Deutsche Autorin Esther Kinsky erhält heuer den Erich-Fried-Preis. 9. Juni 2020, abgerufen am 9. Juni 2020.
  14. W.-G.-Sebald-Literaturpreis geht an die Autorin Esther Kinsky, buchmarkt.de, erschienen und abgerufen am 22. Juli 2020.
  15. Deutscher Preis für Nature Writing, Börsenblatt vom 17. August 2020, abgerufen am 17. August 2020.
  16. Kleist-Preis 2022 an Schriftstellerin Esther Kinsky. In: Wiener Zeitung. 4. April 2022, abgerufen am 4. April 2022.
  17. Zuerst eine Veranstaltungsreihe in der Buchhandlung buch/bund, Berlin-Neukölln. Moderation der Lesungen E. K. Ausgewählte Gedichte wurden zweisprachig vorgetragen und sind hier abgedruckt, dazu Gespräche mit den Dichtern.
  18. Vgl. hierzu die Rezension von Christiane Pöhlmann in der FAZ vom 31. März 2022. Sie kritisierte: „Auf metaphorischer Ebene gibt der Roman einiges her, eine Geschichte erzählt er nicht. Schon gar keine vielschichtige.“ An dem Roman bleibe „alles blass“.
  19. Helmut Böttiger: Neue Gedichte von Esther Kinsky: Ein Lied über die Ewigkeit. In: Die Tageszeitung: taz. 26. Juli 2025, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 2. Januar 2026]).