Tinglish

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Hinweisschild mit „tinglishen“ Formulierungen

Tinglish (auch Thaiglish oder Thai-Englisch) heißt die von thailändischen Muttersprachlern gesprochene Form der englischen Sprache.

Überblick[Bearbeiten]

Tinglish ist eine Varietät der englischen Sprache (also eine Sonderform mit unverwechselbaren Zügen), genauer: ein Pidgin (eine reduzierte Sprachform, mit deren Hilfe sich Menschen unterschiedlicher Muttersprache verständigen).[1] Die unverwechselbaren Züge resultieren aus der Anwendung von Prinzipien der thailändischen Sprache auf das Englische.[2] Das heißt zugleich, dass in Aussprache, Grammatik und Wortwahl Charakteristika der thailändischen Sprache deutlich werden.[3]

Neben den Begriffen Tinglish, Thaiglish und Thai-Englisch finden sich weitere Bezeichnungen, so Thailish und Thainglish. Das Wort Tinglish steht gelegentlich auch für andere Varietäten, etwa für tagalisches[4] oder tamilisches[5] Englisch, in den weitaus meisten Fällen aber für das hier behandelte Thai-Englisch.

Aussprache[Bearbeiten]

  • Mehrsilbige Wörter werden fast immer auf ihrer letzten Silbe nachdrücklich akzentuiert, oft mit einem langen, fallenden Ton, etwa die Wörter computer und fashion.[6]
  • Nach Möglichkeit werden keine zwei Konsonanten in Folge gesprochen: nicht stay, sondern sa-tay, nicht blue, sondern ba-lue.
  • Im Silbenanlaut wird „r“ durch „l“ ersetzt, „th“ durch „t“, „v“ durch das englische „w“ – tomollow statt tomorrow, tin statt thin, sewen elewen statt seven eleven. An die Stelle des stimmhaften „z“ tritt das stimmlose „s“, zoo klingt also wie Sue. Die Anlaute „ch“ und „sh“ treffen sich auf halbem Wege – wodurch die Wörter chair und share gleich klingen.[7]
  • Plosive und frikative Schlusskonsonanten „bleiben stecken“, und ein „l“ am Wortende wird zum „n“ oder zum englischen „w“. So spricht man nicht top, sondern to(p), nicht fish, sondern fi(t); statt national heißt es nationan, statt bill biw.

Grammatik[Bearbeiten]

Als isolierende Sprache kennt das Thailändische keine Flexionen (Wortveränderungen), und in der alltäglich gesprochenen Sprache treten meist einfache Satzgliedfolgen auf:

In tinglishen Sätzen lassen sich dieselben Charakteristika erkennen:

  • Die Fügungen man good („guter Mensch“) und bar beer („Bierbar“) sind Beispiele für Substantive mit nachgestellter näherer Bestimmung.
  • Die Frage You go Chiang Mai? kann entweder Have you been to Chiang Mai? oder Do you want to go to Chiang Mai? bedeuten („Waren Sie in Chiang Mai?“ oder „Wollen Sie nach Chiang Mai gehen?“).[8] Um nun etwa die Vergangenheitsform zweifelsfrei darzustellen, wird das Wort already angefügt: You go Chiang Mai already? („Waren Sie bereits in Chiang Mai?“). Already ist die unmittelbare Übersetzung der Partikel แล้ว [laeo], mit der in der thailändischen Sprache die Vergangenheit ausgedrückt wird – der Satz darf also nicht im Sinne von „Gehst du jetzt schon nach Chiang Mai?“ verstanden werden.
  • Folgende typische Antworten auf die Frage Do you have icecream? („Führen Sie Speiseeis?“) verzichten auf ein Subjekt: Have! im positiven, No have! im negativen Fall („Haben!“ und „Nicht haben!“).

Wortwahl[Bearbeiten]

Die Wortwahl orientiert sich oft direkt an der thailändischen Sprache, zum Beispiel am Usus, Wörter durch Wiederholung zu unterstreichen. Die Fügung same same ist eine solche charakteristische „totale Reduplikation“ (Wortverdoppelung);[9] sie steht konsequent für die englischen Begriffe the same („der/die/das Gleiche“ oder „derselbe/dieselbe/dasselbe“), as usual („wie gewohnt“) und similar („ähnlich“). Auch der stehende Ausdruck snake snake fish fish ist eine wortwörtliche Übersetzung aus der Muttersprache und steht für das englische so-so, zu deutsch „so la la“.[10]

Der häufig gehörte Satz Where you go? ist weniger eine Frage als die direkte Übertragung der thailändischen Begrüßungsformel ไปไหน [bpai nai].[11] Bemerkenswert ist die Übernahme muttersprachlicher Höflichkeitspartikeln in den englischsprachigen Kontext: nicht take care, sondern take care na, nicht thank you, sondern thank you khrap beziehungsweise thank you kha.

Beispiel[Bearbeiten]

Same same but different, eine in Thailand und mittlerweile international verbreitete Redewendung mit der Bedeutung „ganz gleich und doch anders“, ist ein bekanntes Beispiel des Tinglish.[12] In ganz Thailand (und weltweit über zahlreiche Internet-Shops) sind T-Shirts mit dem Aufdruck same same but different erhältlich, wobei same same auf der Vorderseite zu lesen ist, but different auf der Rückseite.[13]

Die Textzeile same same but different spielt auch in der internationalen Popmusik eine Rolle, so auf der CD „Same/Same … But Different“ der Band Vengeance (2007) oder in dem Hindi-Song „We Are Same Same But Different“, einem Hit aus dem Bollywood-Film „Bombay to Bangkok“ des Regisseurs Nagesh Kukunoor (2008).[14] Einige deutsch- und englischsprachige Bücher tragen die Redewendung direkt im Titel, wobei die Zeichensetzung variiert.[15] Der Film „Same Same But Different“ des Regisseurs Detlev Buck, der allerdings in Kambodscha spielt, wurde im August 2009 auf dem 62. Internationalen Filmfestival von Locarno mit einem Preis ausgezeichnet und startete im Januar 2010 in den deutschen Kinos.[16]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. „All pidgin languages originally start when people who don’t have a common language try to communicate with each other. (…) To begin with, pidgins are very limited forms of communication with few words, a few simple constructions (mainly commands), helped along by gestures and miming. (…) But when a pidgin expands, its vocabulary increases greatly, it develops its own rules of grammatical construction, and it becomes used for all the functions of everyday life.“ David Crystal: The English Language. Penguin Books, London 2002, S. 12–13. Vgl. auch den Artikel Pidgin- und Kreolsprachen auf www.weikopf.de, Stand 29. August 2009.
  2. „There are more and more Thai people speaking English, especially those in big cities and in the business world. Quite a few become very proficient. However, there are many others who speak with a heavy Thai accent and tend to use Thai grammar with English words. This is Thaiglish!“ Saksit Pakdeesiam: Thai for Gay Tourists. Paiboon Publishing, Bangkok 2001, S. 12.
  3. Vgl. den Artikel Tinglish Without Toil von Stuart Jay Raj, Stand 29. August 2009.
  4. So im Artikel Philippines Profile von Clarence Henderson, Stand 29. August 2009.
  5. So im Artikel Sprachbarrieren: Vielfalt der Sprachen und Verkehrssprachen von Margarete Payer, Stand 29. August 2009.
  6. Beispiele aus Georg Gensbichler und Sarika Puangsombat: English – Thai. Bangkok Book House, Bangkok 2008, ISBN 974-272-222-6, S. 193–194.
  7. Vgl. Kenny Yee und Catherin Gordon: Dos and Donts in Thailand. Booknet, Bangkok 1999, ISBN 978-974-9823-34-7, S. 158 und Saksit Pakdeesiam: Thai for Gay Tourists. Paiboon Publishing, Bangkok 2001, S. 13.
  8. Vgl. Rainer Bolik und Siriporn Jantawat-Bolik: Land & Leute. Thailand. Polyglott-Verlag, München 1995/1996, ISBN 3-493-60526-9, S. 106–107.
  9. Beschrieben im Artikel Different families, not different cousins: comparing Thai and English von John Anyan, Stand 13. Dezember 2013.
  10. Saksit Pakdeesiam: Thai for Gay Tourists. Paiboon Publishing, Bangkok 2001, S. 16.
  11. Kenny Yee und Catherin Gordon: Dos and Donts in Thailand. Booknet, Bangkok 1999, ISBN 978-974-9823-34-7, S. 159.
  12. Vgl. den Artikel Same Same But Different von James McCabe, Stand 29. August 2009.
  13. Auch der bereits angeführte Artikel Different families, not different cousins: comparing Thai and English von John Anyan auf www.macmillandictionaries.com, Stand 13. Dezember 2013, führt das T-Shirt-Design als Beispiel an: „One example of how Thai lexis can lead to errors in English has become a T-shirt design, 'Same Same But Different'.“
  14. We Are Same Same But Different, Liedtext von Mir Ali Husain, Stand 29. August 2009.
  15. Zum Beispiel Thomas Kalak, Jochen Müssig: Thailand. Same same, but different! Rupa Publications, München 2008, ISBN 978-3-940393-04-3.
  16. „Same Same But Different“ in Locarno ausgezeichnet, Mitteilung auf www.ndr.de, Stand 17. August 2009.