Königsgnad

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Tirol (Rumänien))
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tirol
Königsgnad
Királykegye
Wappen fehlt
Hilfe zu Wappen
Königsgnad (Rumänien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Rumänien
Historische Region: Banat
Kreis: Caraș-Severin
Gemeinde: Doclin
Koordinaten: 45° 20′ N, 21° 36′ O45.32916666666721.597222222222Koordinaten: 45° 19′ 45″ N, 21° 35′ 50″ O
Zeitzone: OEZ (UTC+2)
Einwohner: 527 (2011)
Postleitzahl: 327177
Telefonvorwahl: (+40) 02 55
Kfz-Kennzeichen: CS
Struktur und Verwaltung
Gemeindeart: Dorf
Lage von Tirol im Kreis Caraș-Severin

Königsgnad[1] (deutsch auch Tirol, rumänisch nur Tirol, ungarisch Királykegye) ist ein Ort im Westen Rumäniens, im Kreis Caraș-Severin im Banat.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Tirol befindet sich im rumänischen Banat, 80 Kilometer südöstlich von Timișoara, in der Nähe von Bocșa und Reșița. Das Dorf liegt 176 Meter über dem Meeresspiegel.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Măureni Fizeș Bocșa
Ferendia Nachbargemeinden Biniș
Jamu Mare Surducu Mare Doclin/Reșița

Etymologie[Bearbeiten]

Am 16. September 1812 erließ Kaiser Franz I. eine Urkunde, wonach die Kolonie den Namen Königsgnad erhielt. Bis dahin waren verschiedene Namen im Umlauf, wie z.B. Tirol, Tiroler Dorf, Neu-Tirol, Tiroler Treue und Tyrol. Der Name Königsgnad blieb bis zum Jahre 1888 erhalten. Im Zuge der Magyarisierung wurde dann aus Königsgnad Királykegye. Nach dem Ersten Weltkrieg kam der Ort zu Rumänien und trägt seitdem (1927) die amtliche Bezeichnung Tirol. Nach dem erlassenen Gesetz der Minderheiten in Rumänien im Jahr 2001 findet man auf dem Ortsschild auch den Ursprungsnamen Königsgnad.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Während des Tiroler Freiheitskampfs 1809 flüchteten viele Tiroler nach Wien. Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen wollte sie Kaiser Franz I. in die ungarische Reichshälfte abschieben. Josef Speckbacher, ein Anführer im Tiroler Freiheitskampf, wurde im Mai 1810 beauftragt, „die Tiroler Flüchtlinge nach Südungarn zu führen und ihnen eine neue Kolonie zu errichten“. Er wählte zusammen mit dem Tiroler Franz Thalguter einen Siedlungsgrund in der Gegend von Fizeș und Doclin aus.

Bereits 1813 hatten viele Ansiedler Königsgnad aufgrund der schlechten Ernte verlassen. Die verbliebenen Einwohner verließen 1818 den Ort zusammen mit Pfarrer Johann Matheus Stuefer und siedelten in die Josefstadt nach Temeswar um. Die angesiedelte Straße bekam den Namen „Tiroler Gasse“, heute Strada Ciprian Porumbescu. So beschloss die Kameraladministration neue Ansiedler nach Köngisgnad zu bringen. Schon im Jahr 1814 kamen Familien aus Dognatschka, Steierdorf, Jahrmarkt, Nitzkydorf, Moritzfeld, Temeswar, Werschetz, Zichydorf, etc. Es folgten 1817 eine Gruppe Württemberger. 1823 kamen weitere Ansiedler aus Bayern, Böhmen, Mähren, Österreich, Schlesien und 1828 zahlreiche Kraschowäner (kroatischer und bulgarischer Abstammung) aus dem Karascher Komitat.[2]

Nach der Öffnung des Eisernen Vorhanges erhielten die Bauern wieder Grundstücke als Eigentum (zurück). Einwohnern, die das Land nicht in Richtung Deutschland verlassen hatten, wurde mit kräftigen Sachspenden aus Deutschland und Österreich unter die Arme gegriffen. Bis etwa zum Jahr 2005 gab es in der Schule noch Deutschunterricht. Daher beherrscht ein Teil der Einwohner noch die deutsche Sprache.

Demografie[Bearbeiten]

Volkszählung[3] Ethnie
Jahr Einwohner Rumänen Ungarn Deutsche Andere
1880 1425 7 21 1094 303
1890 1457 19 30 736 672
1910 1422 8 36 923 455
1930 1223 17 26 930 250
1941 1175 48 23 732 372
1977 898 265 33 448 152
1992 730 366 32 222 110
2002 642 454 16 110 62
2011 527 371 29 79 48

Literatur[Bearbeiten]

  • Günther Friedmann - Tirol in Rumänien: Gründung und Entwicklung. Geschichte eines Dorfes, das seine Existenz dem Tiroler Freiheitskampf von 1809 verdankt. Berenkamp Verlag, Innsbruck 2012
  • Harald Prinz: Tiroler Heimat in Rumänien. "Dorf Tirol". Geschichte und Gegenwart eines rumänischen Dorfes. Innsbruck 2002.
  • Elke Hoffmann, Peter-Dietmar Leber, Walter Wolf: Das Banat und die Banater Schwaben, Band 5: Städte und Dörfer, München 2011

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Amtlicher deutschsprachiger Name laut rumänischem Regierungsbeschluß 1415 vom 6. Dezember 2002 (Amtsblatt)
  2. a b Günther Friedmann: Tirol in Rumänien, Berenkamp Verlag 2012, ISBN 978-3-85093-286-8
  3. kia.hu (PDF; 858 kB), E. Varga: Statistik der Einwohnerzahlen nach Ethnie im Kreis Caraș-Severin laut Volkszählungen von 1880 - 2002