Tom Tailor

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Tom Tailor Holding SE

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Rechtsform Europäische Gesellschaft
ISIN DE000A0STST2
Gründung 26. Januar 1962
Sitz Hamburg-Niendorf, DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 6.071[3]
Umsatz 921,8 Mio. EUR (2017)[3]
Branche Textilien
Website www.tom-tailor-group.com
Stand: 31. Dezember 2017

Die Tom Tailor Holding SE mit Sitz in Hamburg-Niendorf ist eine Holding mehrerer Modeunternehmen der Dachmarken Tom Tailor und Bonita (eigene Schreibweise: TOM TAILOR bzw. BONITA). Das Sortiment umfasst Bekleidung und Accessoires für Männer und Frauen aller Altersgruppen im mittleren Preissegment. Das Unternehmen vertreibt seine Produkte über die Segmente Groß- und Einzelhandel. Die Dachmarke Tom Tailor ist in über 400 eigenen Einzelhandelsgeschäften sowie über den eigenen Online-Shop erhältlich. Darüber hinaus wird die Marke über rund 180 Franchise-Stores, 2400 Shop-in-Shop-Flächen (bei Großkunden) vertrieben. Insgesamt ist die Marke „Tom Tailor“ in über 30 Ländern und an 9800 Verkaufsorten der Welt vertreten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tom Tailor wurde am 26. Januar 1962 in Hamburg von Uwe Schröder und Hans-Heinrich Pünjer zunächst als Importfirma für Frotteetücher und Cordhosen aus Indien unter dem Namen Henke & Co gegründet.[4] Das Sortiment wurde danach sukzessive um Unterwäsche, Hemden und Cordhosen für Herren erweitert. Die erste Cordhose wurde dabei unter dem Namen "Tom" vermarktet. Der bereits im Markt etablierte Name "Tom" wird von den Gründern schließlich um den englischen Begriff "Tailor" (deutsch: Schneider) erweitert. Die Vorstellung der ersten Sportswear-Kollektion unter dem neuen Markennamen „Tom Tailor“ erfolgte im Jahr 1979.[5] 1989 erfolgte die Umfirmierung zu Tom Tailor Sportswear Handels GmbH und 1999 zu einer Aktiengesellschaft. Die Mehrzahl der weltweit rund 30.000 Filialen in 80 Ländern gehörten Franchise-Nehmern, die als selbstständige Unternehmer Artikel unter dem Label „Tom Tailor“ verkaufen. 2002 erwirtschaftete das Unternehmen mit rund 700 Beschäftigten einen Umsatz von 350 Millionen Euro.

Die von Piofrancesco Borghetti und dem italienischen Großverlag De Agostini Editore kontrollierte Brand Invest S.A. übernahm 2003 mit 51 % die Mehrheitsanteile an Tom Tailor.[6] 49 % der Anteile hielten Uwe Schröder und Michael Rosenblat.

Im September 2006 wurde Dieter Holzer (zuvor Mitglied der Geschäftsführung von Tommy Hilfiger Deutschland GmbH) zum Vorstandsvorsitzenden ernannt und löste damit den Unternehmensgründer Uwe Schröder ab, der als Vorsitzender in den Aufsichtsrat wechselte. Das Unternehmen wandelte sich in den darauffolgenden Jahren vom reinen Wholesale-Lieferanten zu einem vertikal integrierten Systemlieferanten. Im gleichen Jahr wurde der erste E-Shop des Textilunternehmens ins Leben gerufen. Im Jahr 2007 startete dann die Marke Tom Tailor Denim, die sich an junge Erwachsene richtet.[5]

2011 wurde in Hongkong mit der Tom Tailor Sourcing Ltd. eine eigene Beschaffungsorganisation gegründet. Im August 2012 übernahm die Tom Tailor Group die Handelskette Bonita[7] und wurde damit zum siebtgrößten Modeunternehmen in Deutschland.[8][9]

Im Herbst 2012 übernahm Tom Tailor auch die Bewirtschaftung des Kindermodengeschäfts der Adler Modemärkte.

Seit 2015 wird Bonita auch über den Großhandel in Form eines Konzessionsverkaufs- und Konsignations-Modells vertrieben.[10] Die Marke Bonita wurde 2017 in rund 800 eigenen Einzelhandelsgeschäften und über den eigenen Online-Shop angeboten.[11]

Ende Februar 2016 wurde bekannt, dass die Modekette aufgrund mangelnder Rentabilität bis Jahresende 2016 14 Tom-Tailor-Filialen und 59 Bonita Shops im In- und Ausland schließen wollte. Gleichzeitig sollten 100 Stellen in der Verwaltung wegfallen.[12] Im Mai 2016 musste der langjährige Vorstandschef Dieter Holzer aufgrund der anhaltenden Krise seinen Sessel räumen, Chief Operating Officer (COO) Heiko Schäfer übernahm – zunächst kommissarisch – die Unternehmensleitung. Ende Oktober 2016 gab Schäfer bekannt, dass bis Jahresende 2017 insgesamt 300 Bonita- und Tom-Tailor-Filialen im In- und Ausland geschlossen werden sollten.[13] Mitte März 2017 wurde Schäfer dauerhaft zum CEO ernannt. Die Sanierung, inklusive des Rückzugs aus ausländischen Märkten wie den USA und China, galt zu diesem Zeitpunkt als weitgehend geglückt, sodass der Konzern mit einer Erholung bis Ende 2018 rechnete.[14] Hauptsächlich wegen Problemen bei der Tochter Bonita erhöhte sich jedoch stattdessen die Verschuldung der Gruppe deutlich.[15]

Im April 2017 wurde die Gesellschaft von Tom Tailor Holding AG in die Europäische Gesellschaft Tom Tailor Holding SE umbenannt.[16]

Im März 2019 gab Tom Tailor den Verkauf seiner Tochterfirma Bonita an die niederländische Victory & Dreams International Holding bekannt.[17]

Das aktuelle Management besteht aus Heiko Schäfer (CEO), Liam Devoy (COO), Thomas Dresendörfer (CFO)[18] und Karsten Oberheide (BONITA).[19]

Aktie und Anteilseigner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 26. März 2010 ist die Tom Tailor Group vertreten durch die Tom Tailor Holding AG im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse und im regulierten Markt der Hamburger Börse notiert. Am 21. Juni 2010 folgte die Aufnahme in den Small-Cap-Index (SDAX), wo es bis zum 18. Dezember 2015 verblieb.[20][21]

Die Fosun International Limited aus der Volksrepublik China erwarb 2014 mit Unterstützung des Tom Tailor Vorstands die Aktienanteile des bisherigen Großaktionärs, der Versorgungs- und Förderungsstiftung aus Vaduz/Liechtenstein, in Höhe von 23,16 % und hält diese indirekt über die Tochtergesellschaft Fidelidade-Companhia de Seguros S.A., eine der größten Versicherungen in Portugal. Darüber hinaus hält die Morgan Finance S.A. als strategischer Investor einen Anteil von 4,72 %, der zum Streubesitz gerechnet wird. Der Streubesitz zum Jahresende 2014 betrug 76,84 % und befand sich überwiegend in Händen von institutionellen Investoren aus Deutschland, Großbritannien und den USA. Rund 8,9 % der Tom-Tailor-Aktien befanden sich in Privatbesitz. Die Gesamtzahl der ausgegebenen Aktien belief sich Ende 2014 auf rund 26 Millionen Stück.

Im Juni 2017 gab die Tom Tailor Holding SE im Rahmen einer Kapitalerhöhung rund 9,9 Mio. neue Aktien aus und erhöhte so ihr Grundkapital von rund 28,6 Mio. Euro auf rund 38,5 Mio. Euro (Stand: Jahresende 2017).[11]

Am 19. Februar 2019 erwarb der Großaktionär Fosun Aktien aus einer zehnprozentigen Kapitalerhöhung zu einem Preis von 2,26 Euro pro Aktie und machte ein Angebot zur vollständigen Übernahme. Damit hält die Fosun Group derzeit 35,35 % der Anteile. Die restlichen 64,65 % befinden sich im Streubesitz.[22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vorstandsvorsitzender Dieter Holzer scheidet aus dem Vorstand der Tom Tailor Holding AG aus, adhoc-Meldung auf dgap.de, 22. September 2016
  2. Tom Tailor Aufsichtsrat. Abgerufen am 3. März 2019.
  3. a b Tom Tailor Group: Geschäftsbericht 2017. (PDF) Abgerufen am 8. Februar 2019.
  4. Yvonne Weiß: Wie Uwe Schröder Tom Tailor erfand. 10. März 2015, abgerufen am 3. März 2019.
  5. a b TOM TAILOR Group | Unsere Geschichte. Abgerufen am 26. März 2019.
  6. Frank Binder: Italiener geben jetzt bei Tom Tailor den Ton an. 6. Mai 2003 (welt.de [abgerufen am 3. März 2019]).
  7. TOM TAILOR übernimmt BONITA und stößt in attraktives neues Marktsegment (PDF; 248 kB)
  8. Paukenschlag im Modemarkt: Tom Tailor kauft Bonita@1@2Vorlage:Toter Link/www.stuttgarter-zeitung.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. – Stuttgarter-Zeitung.de, 22. Juni 2012, abgerufen am 22. Juni 2012
  9. Tom Tailor Holding AG: Tom Tailor schließt Erwerb von Bonita erfolgreich ab. (PDF) 9. August 2012, abgerufen am 25. Juni 2014.
  10. Tom Tailor Holding AG: Geschäftsbericht 2015. (PDF) Abgerufen am 24. Mai 2016.
  11. a b Tom Tailor Holding SE: Geschäftsbericht 2017. (PDF) Abgerufen am 28. Februar 2019.
  12. Bob Geisler: Hamburger Modekette Tom Tailor schließt bis zu 100 Läden. 24. Februar 2016, abgerufen am 3. März 2019.
  13. Kahlschlag bei Tom Tailor: Das große Schrumpfen. Abgerufen am 3. März 2019.
  14. Tom Tailor: Modekette rechnet mit langsamer Erholung. Abgerufen am 3. März 2019.
  15. Bei Tom Tailor ist die Krise zurück. Abgerufen am 3. März 2019.
  16. Amtsgericht Hamburg HRB 146032, Eintrag vom 18. April 2017.
  17. Tom Tailor verkauft Tochter Bonita an Niederländer. In: www.welt.de. 20. März 2019, abgerufen am 20. März 2019.
  18. Tom Tailor macht Liam Devoy zum COO. In: fashionnetwork.com. 1. Juni 2017, abgerufen am 26. März 2019.
  19. Vorstand. In: tom-tailor-group.com. Abgerufen am 26. März 2019.
  20. Hamburger Abendblatt: Tom Tailor will nach Börsengang schneller wachsen. (PDF) 2. März 2010, abgerufen am 25. Juni 2014.
  21. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 23. Dezember 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/dax-indices.com
  22. Übernahmeangebot von Großaktionär: Tom Tailor soll komplett chinesisch werden. In: Spiegel Online. 19. Februar 2019 (spiegel.de [abgerufen am 3. März 2019]).