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Tommaso Salvini

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Tommaso Salvini
Tommaso Salvini

Tommaso Salvini (* 1. Januar 1829 in Mailand; † 31. Dezember 1915 in Florenz) war ein italienischer Schauspieler und Opernsänger.

Salvini war ein Sohn des Schauspielers Filippo Giuseppe Salvini (1790 – um 1844) und dessen Frau Guglielma Anna Pasqua Giuseppa (geborene Zocchi) sowie ein jüngerer Bruder des Alessandro Salvini (1827–1886). Er wurde am 4. Januar 1829 auf den Namen Tommaso Cesare Salvini getauft und als Taufpate war Tommaso Zocchi, sein Großvater mütterlischerseits, zugegen.[1]

Er verlor frühzeitig seine Mutter, die in Venedig starb und wuchs zusammen mit seinem Bruder bei ihren Verwandten auf, da sein Vater keinen festen Wohnsitz und sich erneut verheiratet hatte. Er besuchte eine der besten Schulen in Florenz, wo er bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr lebte. Bereits als Schüler zeigte er eine Neigung für Theateraufführungen und ein angeborenes Talent für die Schauspielerei. Zur Schule gehörte ein kleines Theater, an dem er mit Klassenkameraden in Vittorio Alfieris Timoleone und Silvio Pellicos Ignia d’Asti spielte. Diese Fähigkeiten blieben weder seinen Lehrern noch seinen Eltern verborgen die beschlossen, den Jungen für die Schauspielerei auszubilden. Sein Vater, der zunächst als Professor für Schöne Literatur in Livorno tätig war, übernahm die Ausbildung seiner schauspielerischen Fähigkeiten und der Junge machte rasche Fortschritte.[2]

Er kam jedoch eher zufällig zu seinem Bühnendebüt. Sein Vater gehörte seit einiger Zeit der Schauspielgruppe von F. A. Bons Theatergesellschaft an, in der kurz vor einer Aufführung von Carlo Goldonis Komödie Die neugierigen Frauen (italienisch Le donne curiose) in dem Städtchen Forli der Darsteller des Arlecchino erkrankte. Da kein anderer Ersatz zu finden war, übernahm der damals erst vierzehnjährige Salvini nach nur dreistündiger Vorbereitung diese Rolle. Durch diesen ersten Erfolg bestärkt entschloss er sich, den Beruf seines Vaters zu ergreifen. Bereits im Folgejahr nahm er ein Engagement in der Schauspielergesellschaft Gustavo Modenas an, der sich als Reformator der Rezitationskunst in Italien einen Namen gemacht hatte und schnell den Wert des jungen Sängers erkannte. Salvini trat 1846 aus dessen Truppe aus, bekam er ein Engagement bei der Compagnia Reale in Neapel und wurde anschließend vom Unternehmen vom Luigi Domeniconi und Coltellini engagiert. Dort traf er mit Adelaide Ristori zusammen, mit der im Jahre 1847 in Rom in der Rolle des Orest in der Tragöde Oreste von Vittorio Alfieri auftrat, in dem sie die Elektra spielte.[3]

Er verliebte sich bald in seine Gesangspartnerin, doch Adelaide Ristori ließ sich nicht auf eine Liebschaft mit ihm ein. Sie blieben jedoch zeitlebens enge befreundet. Mit der Ausrufung der Römischen Republik im Februar 1849 verließ Salvini die Bühne. Er schloss sich den Truppen Giuseppe Garibaldis an und kämpfte mit diesem bei der Belagerung Roms durch die Franzosen. Nach dem Scheitern der Republik musste Salvini zunächst einige Monate als politischer Gefangener in Livorno und Florenz verbringen. Bei seiner Rückkehr nach Rom, wurden seine Auftritte durch die strenge Zensur beschnitten, so dass er sich von der Bühne zurückzog. Er nutzte diese Zeit, um sich der sorgfältigen Lektüre der Klassiker zu widmen, wobei er sich insbesondere mit den Werken Shakespeares beschäftigte, die ihm in italienischer Übersetzung zur Verfügung standen. Die Rollen des Othello und des Saul in der gleichnamigen Tragödie Alfieris weckten sein besonderes Interesse.[3] Anschließend schloss Salvini sich wieder unterschiedlichen Schauspielergesellschaften an und wurde unter anderem Mitglied der Dondinischen Gesellschaft.[4]

Im Jahr 1857 feierte er in Paris seinen ersten großen Erfolg im Ausland und er trat für einige Zeit bei Gastspielen in Europa (Deutschland, England, Österreich, Portugal, Spanien) sowie in Nord- und Südamerika (Montevideo, Buenos Ayres und Rio de Janeiro) auf. 1860 gründete er eine eigene Truppe[3] und von 1864 bis 1867 spielte bei den Florentinern. Während Ernesto Rossi Realist war, war Salvini im höchsten Grad Idealist. 1875 trat er erstmals in London auf, nachdem er die Stadt 1863 verlassen hatte, ohne dort gespielt zu haben, da ihm die dortigen Theaterverhältnisse nicht zusagten. Doch für sein Gastspiel als Hamlet erntete er nur wenig Beifall in England, das mehr Gefallen an seinem Konkurrenten Irving fand. Er verlebte seine letzten Lebensjahre in Florenz.

Salvini war mehrfach liiert oder verheiratet und hatte mehrere Kinder:[5][6]

  • ab 1858 Beziehung mit Clementina (geborene Cazzola; 1832–1868)
    • Gustavo Salvini (24. Mai 1859 – 6. Juli 1930), wurde gegen den Willen seines Vaters Schauspieler. ⚭ mit der Schauspielerin Ida Bertini, mit der er sechs Kinder hatte, darunter den Schriftsteller Maso Salvini und den Schauspieler Alessandro Salvini.
    • Emilia Salvini (1860 – Mai 1923) ⚭ Gabrielli
    • Alessandro Salvini (* 21. Dezember 1861 – Dezember 1896), arbeitete als englischsprachiger Schauspieler in Amerika.
    • Mario Salvini (1863–1940), wurde Bildhauer und Maler, Keramiker und Lehrer für angewandte Kunst. Er hatte zwei Söhne, den Theaterkritiker Celso Salvini, und den Regisseur Guido Salvini.
  • 1876 mit Carlotta ‚Lottie‘ (geborene Sharpe; † 1878)
    • Cesare Salvini (* 1876)
    • Elisa Salvini (* 13. November 1878)
  • 1909 mit Genoveffa ‚Jennie‘ (geborene Beaman)
    • Alfonso Salvini (* 1909)

Rollen (Auswahl)

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Salvini als Othello, aus: Vanity Fair vom 22. Mai 1875

Auszeichnungen (Auswahl)

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Schriften (Auswahl)

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  • Ricordi, Aneddoti et Impressioni dell’artista Tommaso Salvini. F. Dumolard, Mailand 1895 (italienisch, archive.org).
  • Salvini: A Biographical Sketch of the Italian Tragedian, Together with Critical Judgements on his Acting. George F. Nesbitt, New York 1873, S. 5–15 (englisch, Textarchiv – Internet Archive).
  • Salvini, Tommaso. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 14, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 234.
  • Eugen Zabel: Die italienische Schauspielkunst in Deutschland. Adelaide Ristori, Tommaso Salvini, Ernesto Rossi, Eleonora Duse. Verlag Rentzel, Berlin 1893.
  • Giulio Piccini: Vita anneddotica di Tommaso Salvini. Bemporad, Florenz 1908.
  • Victor Klemperer: Tommaso Salvini. Nachklänge zum 80. Geburtstag. In: Bühne und Welt. Band 11, 1909, S. 375–380.
  • Ludwig Speidel: Schauspieler. Meyer & Jessen, Berlin 1911, S. 102–110 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Salvini, Tommaso. In: Victor Ottmann (Hrsg.): Spemanns goldenes Buch des Theaters : eine Hauskunde für Jedermann (= Spemanns Hauskunde. Band 5). Wilhelm Spemann, Stuttgart 1912, S. 630–632 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Celso Salvini: Tommaso Salvini. Nella storia del teatro italiano e nella vita del suo tempo (= Storia e vita. 11) Edizion Capelli, Rocca San Casciano 1955.
  • Anita T. White: Tommaso Salvini. 19th century actor. University Press, New York 1970.
  • David H. Fennema: Tommaso Salvini in America (1873–1893). University Press, Bloomington, Ind. 1979.
Commons: Tommaso Salvini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikisource: Tommaso Salvini – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise

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  1. Giulio Piccini: Vita aneddotica di Tommaso Salvini e ricordi degli attori del suo tempo. R. Bemporad & Figlio, Florenz 1909, S. 19–20 (italienisch, Textarchiv – Internet Archive).
  2. Salvini: A Biographical Sketch of the Italian Tragedian, Together with Critical Judgements on his Acting. George F. Nesbitt, New York 1873, S. 5 (englisch, Textarchiv – Internet Archive).
  3. a b c Ewald Rappaport: Römischer Brief. In: Carl Schüddekopf, Georg Witkowski (Hrsg.): Zeitschrift für Bücherfreunde. Serie 2, 8. Jahrgang, 1. Hälfte. E. A. Seemann, Leipzig April 1916, Sp. 6–13, hier Sp. 8–10 (Textarchiv – Internet Archive).
  4. Salvini, Tommaso. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 14, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 234.
  5. Salvini, Tommaso. In: Raffaele Romanelli (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani. Band 90: Salvestrini–Saviozzo da Siena. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2017 (italienisch, treccani.it).
  6. Salvini. In: Enciclopedia Italiana di scienze, lettere ed arti. Band 30, Rom 1936 (italienisch, treccani.it – Familienartikel).
  7. a b Salvini: A Biographical Sketch of the Italian Tragedian, Together with Critical Judgements on his Acting. George F. Nesbitt, New York 1873, S. 11 und 14 (englisch, Textarchiv – Internet Archive).