Othello

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Dieser Artikel behandelt das Theaterstück. Für weitere Bedeutungen siehe Othello (Begriffsklärung).
Daten
Titel: Othello, der Mohr von Venedig
Originaltitel: The Tragœdy of Othello, the Moor of Venice
Gattung: Tragödie
Originalsprache: Englisch
Autor: William Shakespeare
Erscheinungsjahr: 1622
Personen
  • Othello, der Mohr, venetianischer General
  • Brabantio, Vater von Desdemona, ein venetianischer Adliger
  • Michael Cassio, ein rechtschaffener Leutnant, Leutnant des Othello
  • Iago, ein Schurke, Fähnrich des Othello
  • Rodrigo, ein übertölpelter Edelmann
  • Der Doge von Venedig
  • Montano, Gouverneur von Zypern
  • Lodovico, Gratiano, Verwandte von Brabantio, zwei edle Venezianer
  • Clown
  • Desdemona, Othellos Frau, Tochter des Brabantio
  • Emilia, Jagos Frau, Bedienstete von Desdemona
  • Bianca, eine Kurtisane, Geliebte Cassios

Othello, der Mohr von Venedig [oˈtɛlo] oder [əˈθɛləʊ] (englisch The Tragœdy of Othello, the Moor of Venice) ist ein Theaterstück von William Shakespeare, dessen Entstehung allgemein auf 1603 oder 1604 datiert wird. Wie die kurz davor geschriebenen Stücke Hamlet, Macbeth und König Lear ist auch The Tragœdy of Othello, the Moor of Venice eine Tragödie.

Das Werk handelt vom dunkelhäutigen Feldherren Othello, der aus wahnhafter und durch den Intriganten Jago beförderter Eifersucht seine geliebte Ehefrau Desdemona und daraufhin sich selbst tötet.

Der erste Quartodruck stammt von 1622; ein Jahr später erschien die erste Folioausgabe des Stücks. Die Textversionen der beiden Erstdrucke weisen allerdings nicht nur eine Fülle von Unterschieden im Detail auf, sondern weichen auch an bedeutungsrelevanten Stellen erheblich voneinander ab. Zumeist wird in der gegenwärtigen Shakespeare-Forschung angenommen, dass diesen ersten Druckversionen zwei verschiedene Manuskriptfassungen Shakespeares für unterschiedliche Zwecke oder Anlässe zugrundeliegen; der genaue Bezug zu Shakespeares Autograph und die Frage der letztlichen Textautorität ist jedoch umstritten.

Als früheste Aufführung ist aus einem Eintrag im Accounts Book des Master of the Revels eine Aufführung des Stücks durch die Schauspieltruppe Shakespeares im großen Festsaal der königlichen Residenz in Whitehall am 1. November 1604 bekannt. Wahrscheinlich gab es vorhergehende Aufführungen im Globe Theatre, möglicherweise noch vor der Schließung der Londoner Theater im März 1603 oder aber nach deren Wiederöffnung im April 1604.

Die erste deutsche Übersetzung war Teil der Gesamtübersetzung von Shakespeares Theatralischen Werken (1762–1766) durch Christoph Martin Wieland. Die deutsche Erstaufführung fand 1766 in Hamburg statt.

Das Theaterstück[Bearbeiten]

Othello und Desdemona in Venedig – Gemälde von Théodore Chassériau (1819–1856), entstanden 1850

Handlung[Bearbeiten]

Der Mohr Othello ist Feldherr in der Armee der Republik Venedig. Er hat die junge, schöne und wortgewandte Desdemona heimlich und ohne das Wissen ihres Vaters Brabantio geheiratet. Der gehässige Fähnrich Jago, der gehofft hatte, von Othello zum Leutnant befördert zu werden, sieht nun den unerfahrenen Cassio diese Stelle einnehmen. Othello vertraut ihm vollkommen, Jago sinnt hingegen auf Rache (I, 1). Der junge Rodrigo, der unglücklich in Desdemona verliebt ist, hilft Jago bei seiner Intrige, wird jedoch von diesem ausgenutzt und schließlich ermordet (V, 1).

Als Brabantio durch Jago von der Liebschaft erfährt, will er Othello vor Gericht zerren, weil er vermutet, dass Zauberei im Spiel gewesen sei – niemals könne seine Tochter freiwillig einen Mohren lieben (I, 3). Othello und Desdemona versichern ihm und dem Dogen, der als Vermittler eintritt, dass die Liebe ganz ohne Magie zustande gekommen sei, so dass Brabantio ihnen widerwillig seinen Segen geben muss. Dann wird Othello jedoch nach Zypern abkommandiert, wo ein Angriff der osmanischen Flotte erwartet wird. Desdemona, Cassio, Jago und dessen Ehefrau Emilia begleiten ihn.

Jago spinnt nun eine Intrige: Mit Rodrigos Hilfe gelingt es ihm, Cassio in einen Streit zu verwickeln, der ihn Othellos Zorn aussetzt (II, 3). Dem verzweifelten Cassio rät er freundschaftlich, bei Desdemona Vermittlung zu suchen, um die Gunst Othellos wieder zu erlangen. Als Othello Augenzeuge des Treffens von Desdemona und Cassio wird, fällt es Jago leicht, Othellos Eifersucht zu wecken (III, 3) und ihm einzureden, dass Desdemona ihn mit Cassio betrüge. Ein besticktes Taschentuch, das Desdemona verliert, wird ihm zum entscheidenden Indiz: Emilia liest es auf; Jago entreißt es ihr und schiebt es dem unwissenden Cassio unter (III, 3). Desdemonas Unwissen über den Verbleib des Taschentuchs deutet Othello als Lüge; als er schließlich das Tuch in Cassios Händen sieht, ist er endgültig von Desdemonas Untreue überzeugt (IV, 1). Blind und rasend vor Eifersucht glaubt er ihren Beteuerungen nicht. Die Angst davor, dass er ihr nicht glauben wird, in ihrem Gesicht, interpretiert Othello als Zeichen dafür, dass sie ihn belügt und erdrosselt sie in ihrem Ehebett (V, 2). Jagos Frau Emilia kann Othello zwar noch über den wahren Sachverhalt aufklären, wird dann aber von ihrem Ehemann ermordet. Jago wird verhaftet und die Intrige kommt ans Licht. Als Othello seinen Irrtum begreift, ersticht er sich. Das Urteil über Jago liegt zum Schluss bei Cassio, der mit Othellos Tod das Amt des Gouverneurs erbt.

Stoff und Figuren[Bearbeiten]

Plakat von 1884

Die Titelfigur Othello ist als edler, aufrichtiger Charakter gezeichnet, obwohl seine dunkle Hautfarbe ihn in der venezianischen Gesellschaft von vornherein fremdartig erscheinen lässt. Die gebräuchliche Übersetzung „Moor“ = Mohr als veraltete Bezeichnung für einen schwarzen Afrikaner ist irreführend; richtiger wäre die Bezeichnung „Maure“ für einen Bewohner des muslimischen Mauretanien. Es gibt in der Shakespeare-Forschung keine einhellige Meinung über die Hautfarbe Othellos. Der Islam wird im Stück nicht erwähnt; es wird vielmehr angedeutet, dass Othello Christ ist. Mauren und andere dunkelhäutige Völker wurden in Shakespeares Zeit zumeist negativ dargestellt – als Verbrecher, Barbaren oder heißblütige, zuchtlose Wilde. Der „edle“ Othello bildet also eine Kontrastfigur, wiewohl sein Aussehen von den Venezianern (außer Desdemona) als hässlich empfunden wird.

Die Handlung entwickelte Shakespeare nach einer Novelle aus der Sammlung Hecatommithi (1565) des Italieners Giraldo Cinthio, die Shakespeare entweder in einer (inzwischen verschollenen) Übersetzung kannte oder von einem Dritten übersetzt bekam. Einige Stellen in Shakespeares "Othello" sind dichter am italienischen Original als in Gabriel Chappuys Übersetzung ins Französische von 1584. Die einzige Person in Cinthios Erzählung, die einen Namen trägt, ist Desdemona; weitere Figuren sind ein boshafter Fähnrich, ein Kapitän und ein Maure. Der Fähnrich begehrt Desdemona und sinnt auf Rache, weil sie ihn zurückweist. In Cinthios Erzählung bereut der Maure die Ermordung seiner Frau jedoch nicht. Er und der Fahnenträger fliehen aus Venedig und werden erst später getötet. Die Moral legt Cinthio der Desdemona in den Mund: Europäische Frauen begingen einen Fehler, wenn sie die heißblütigen, unberechenbaren Männer anderer Nationen ehelichten.

Der Name Desdemona oder Disdemona (griechisch: Δυσδαιμόνα, Dysdaimóna) ist möglicherweise vom altgriechischen Adjektiv δυσδαίμων, dysdaímon = „unglücklich“, „unter einem Unstern stehend“, „vom Schicksal verfolgt“ abgeleitet.

Der Intrigant Jago (englisch: Iago) hat die größte Sprechrolle unter den nicht titelgebenden Figuren in allen Stücken Shakespeares. Sein Textanteil ist sogar umfangreicher als der von Othello selbst. Für Jagos Intrige werden mehrere Motive angegeben: die verpasste Beförderung, aber auch der Verdacht, seine Frau betrüge ihn mit Othello. Diesen Verdacht erkennt Jago allerdings selbst als reinen Vorwand. Seine Selbstreflexion verrät, dass er aus reiner Bosheit handelt und bewusst keinen anderen Weg einschlagen will. Moderne Interpretationen bezichtigen ihn auch des Rassismus.

Othello gehörte im England des 17. und 18. Jahrhunderts zu den beliebtesten Shakespeare-Stücken. Nicht immer war die Bewunderung des Publikums jedoch so groß: das französische Publikum um 1800 lehnte das Stück vehement ab, obwohl es der Übersetzer Jean-François Ducis bei der Übertragung entschärft hatte und ein wahlweise zu verwendendes Happy End geschrieben hatte. Die Romantik dagegen fand Zugang zu dem tragischen Stück, wie entsprechende Vertonungen und Gemälde (u. a. von Eugène Delacroix, Alexandre-Marie Colin, Robert Alexander Hillingford) zeigen.

Datierung[Bearbeiten]

Die genaue Entstehungsgeschichte des Werkes ist nicht überliefert; mit relativ hoher Sicherheit kann aus heutiger Sicht nur ein Abfassungszeitraum zwischen frühestens 1601 (terminus a quo) und spätestens Herbst 1604 (terminus ad quem) rekonstruiert werden. Die meisten Shakespeare-Forscher gehen in diesem Zeitrahmen von einer eher späten Entstehung des Werkes um 1603/4 aus; eine frühere Abfassung um 1601/02, wie sie in der jüngeren Diskussion beispielsweise E. A. J. Honigmann für wahrscheinlicher hielt, wird dabei jedoch nicht grundsätzlich ausgeschlossen.[1]

Der spätestmöglichen Entstehungszeitpunkt ergibt sich aus einer bekannten Hofaufführung von Othello aus Anlass des Allerheiligenfests am 1. November 1604. Belegt ist ein Eintrag von Sir Edmund Tilney, dem Master of the Revels, in seinem Rechnungsbuch (Accounts Book) für das Jahr 1604 über eine Aufführung im großen Festsaal (Banqueting House) des Palastes in Whitehall an diesem Tag: „By the Kings Maiesties plaiers. Hallamas Day being the first of Nouember. A play in the Banketing house at Whithall called the Moor of Venis. [by] Shaxbred [=Shakespeare]“.[2]

Wie andere Dramen, von denen eine Hofaufführung überliefert ist, wurde das Werk wahrscheinlich nicht ausschließlich für diesen Zweck geschrieben, sondern zuvor wohl öffentlich aufgeführt. Da die öffentlichen Theater in London von März 1603 bis April 1604 geschlossen waren, wäre demgemäß von einer früheren Aufführungs- und Entstehungszeit spätestens im Frühjahr 1604 oder sogar vor März 1603 auszugehen.[3]

Der frühestmögliche Zeitpunkt der Entstehung ist nicht mit gleicher Eindeutigkeit oder Gewissheit durch äußere Zeugnisse bestimmbar, sondern wird in der jüngeren Shakespeare-Forschung vor allem aus textinternen Hinweisen indirekt erschlossen. Verschiedene Details in den exotischen geografischen Beschreibungen in Othello deuten auf Philemon Hollands Übersetzung der Historie of the World (Naturalis historia) von Plinius und können eigentlich nicht ohne deren Kenntnis geschrieben worden sein. Hollands Übersetzung ist zeitlich ziemlich genau datierbar; der entsprechende Eintrag zur Druckanmeldung im Stationers‘ Register wurde 1600 vorgenommen; der Erstdruck erschien 1601 mit einer einleitenden Epistel Hollands, die auf den „Iuniij xij.1601“ datiert ist. Der sich daraus ergebende terminus a quo für Othello ist in der gegenwärtigen Shakespeare-Diskussion weitgehend unstrittig.[4]

Möglicherweise ist die erste Fassung des Stücks bereits kurz danach entstanden; als wesentliche Indizien für eine solche Vermutung werden hauptsächlich mehrere offensichtliche Textechos aus Othello in dem ersten Quarto-Druck (Q1) von Hamlet gesehen, der am 26. Juli 1602 vom James Roberts im Stationers‘ Register angemeldet und 1603 veröffentlicht wurde.[5] Dieser Erstdruck von Hamlet gilt als sogenanntes bad quarto, das auf einer Mitschrift eines Theaterbesuchers oder einer Gedächtnisrekonstruktion eines Schauspielers beruht. Da die ersten gedruckten Textfassungen von Othello nach heutigen Erkenntnissen jedoch wahrscheinlich auf Shakespeares eigene Manuskripte zurückzuführen sind, können die Entlehnungen nur in einer Richtung als falsche Erinnerung von jemandem erklärt werden, der beide Stücke kannte; Othello müsste dementsprechend spätestens im Sommer 1602 entstanden sein. Verschiedene metrische und stilistisch-lexikalische Vergleichsanalysen mit anderen Shakespeare-Stücken weisen im statistischen Durchschnitt ebenfalls auf das Jahr 1602, haben aus prinzipiellen methodischen Gründen jedoch nur eine eingeschränkte Beweiskraft. Honigmann versucht ferner in einer komplexen mehrschrittigen Argumentation aus den unterschiedlichen Besetzungsanforderungen der beiden ersten Textversionen von Othello, die sich aus der Entfernung des Willow Song (4.3, 30-50 und 52-54) von Desdemona ergeben, im Zusammenhang mit dem Stimmbruch des Schauspieljungen, der diese Rolle spielte, ein Entstehungsdatum im Winter 1601/02 zu rekonstruieren; seine Argumentationskette enthält an mehreren Stellen jedoch ungesicherte spekulative Annahmen, die durch andere hypothetische Überlegungen mit gleicher Wahrscheinlichkeit zwar entkräftet, nicht jedoch zweifelsfrei ausgeschlossen werden können.[6]

Für eine spätere Datierung der Werkentstehung auf 1603/04 sprechen demgegenüber gewisse zeit- und theatergeschichtliche Begleitumstände sowie mutmaßliche intertextuelle Beziehungen mit anderen Werken, die erst in diesem Zeitraum erschienen sind.

Nach seinem Regierungsantritt 1603 übernahm James I die Schirmherrschaft über die Schauspieltruppe Shakespeares.[7] Dokumentiert ist ein besonderes Interesse des neuen Königs an den Auseinandersetzungen zwischen dem Osmanischen Reich und den christlichen Mittelmeermächten. Ein erstmals 1591 veröffentlichtes Gedicht des Königs über die Niederlage der Türken in der Seeschlacht von Lepanto (1571) wurde 1603 nachgedruckt. In diesem Kontext könnte Othello mit Blick auf die Interessen und den Geschmack des neuen Schirmherren erst 1603 oder kurz vor der Hofaufführung Ende 1604 verfasst worden sein. Die Aufnahme von Ben Jonsons Maskenspiel Blackness in das höfische Unterhaltungsprogramm im Winter 1604/1605 deutet ebenso auf die Faszination, die dunkelhäutige exotische Figuren auf die neue Königin und ihre Hofkreise damals ausübten; der Mohr als Protagonist in Shakespeares Werk hätte auch in dieser Hinsicht dem Publikumsinteresse am Hof zu dieser Zeit entsprochen.[8] Ein möglicher Bezug auf Othello im ersten Teil von Dekkers und Middletons The Honest Whore, das 1604 uraufgeführt und am 9. November des Jahres im Stationer‘s Register eingetragen wurde, kann darüber hinaus als Hinweis auf die Neuheit und Aktualität von Shakespeares Stück in diesem Zeitraum gesehen werden, würde jedoch eher eine Entstehungszeit bereits im Verlauf des Jahres 1603 nahelegen.[9]

In der jüngeren Diskussion werden ebenfalls Ähnlichkeiten zwischen Othello und Shakespeares Komödie Maß für Maß thematisiert, die einen gleichen Entstehungszeitraum vermuten lassen. Als Vorlage für verschiedene Handlungselemente greift Shakespeare in beiden Werken auf Giraldo Cinthios Erzählsammlung Gli Hecatommithi (um 1565) zurück; auffällig ist ferner die Verwendung des Namens „Angelo“ sowohl für den Protagonisten in Maß für Maß als auch den „Signor Angelo“ aus dem Botenbericht des Seemanns in Othello (1.3, 16). Für den 26. Dezember 1604 ist eine Hofaufführung von Maß für Maß belegt; eine Entstehung dieses Werkes zwischen 1603 und 1604 gilt als wahrscheinlich. Eine gleichzeitige Arbeit Shakespeares an beiden Stücken ist durchaus denkbar und würde die Annahme stützen, dass es sich bei Othello um die erste jakobäische Tragödie Shakespeares handeln könnte.

Der Name „Angelo“ taucht gleichfalls in Richard Knolles‘ geschichtlichem Bericht The Generall Historie of the Turkes auf. Knolles erwähnt in seiner ausführlichen Schilderung der Auseinandersetzungen zwischen den Venezianern und den Türken vor der Belagerung von Nikosia 1570 einen Befehlshaber der venezianischen Streitkräfte namens „Angelus Sorianus“ („Angelo Soriano“). Der Botenbericht in Othello stimmt dabei offenbar in verschiedenen Details vor allem im Hinblick auf die Taktik der türkischen Flotte mit den Angaben von Knolles überein und deutet darauf hin, dass Shakespeare diese Darstellung der historischen Ereignisse vor der Abfassung von Othello bekannt gewesen sein dürfte. Knolles‘ Werk, das James I. gewidmet wurde, ist in einer einleitenden Epistel datiert auf „the last of September, 1603“ und würde damit Ende 1603 als frühestmöglichen Entstehungszeitraum für Othello belegen. Allerdings sind die Entsprechungen nicht präzise oder umfangreich genug für einen zweifelsfreien Nachweis der Nutzung von Knolles‘ Werk als Vorlage für Othello. Es ist zudem möglich, dass Shakespeare The Generall Historie bereits vor der Drucklegung im September 1603 als privates handschriftliches Manuskript zugänglich war.[10]

Adaptionen[Bearbeiten]

Othello mit seiner schlafenden Frau, Gemälde von Christian Köhler, 1859

Literarische Werke[Bearbeiten]

Oper[Bearbeiten]

Die Handlung von Shakespeares Othello war Grundlage für zwei Opern:

Film[Bearbeiten]

Othello wurde häufig verfilmt. Es existieren u. a. folgende Film-Adaptionen:

(Auswahl:)

Eine Übertragung des Othello-Stoffes in das Milieu der Londoner Jazzscene ist der Film Die heiße Nacht mit Richard Attenborough, GB 1962.

In dem Kinofilm Stage Beauty (2005) von Richard Eyre nach dem Buch und Bühnenstück von Jeffrey Hatcher geht es darum, dass noch bis Mitte des 16. Jahrhunderts Frauenrollen auf der Bühne ausschließlich von Männern dargestellt werden durften, dargestellt an der Rolle der Desdemona in Shakespeares Othello.

Ballett[Bearbeiten]

Textausgaben[Bearbeiten]

Englisch

  • E. A. J. Honigmann. (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Arden Shakespeare. Third Series. Bloomsbury Publishing, London 1997, ISBN 978-1-903436-45-5
  • Norman Sanders (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2003, ISBN 978-0521535175
  • Michael Neill (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2006, ISBN 978-0-19-953587-3

Deutsch

  • Balz Engler (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. Englisch-deutsche Studienausgabe. Stauffenberg Verlag, Tübingen 2004, ISBN 3-86057-549-X

Literatur[Bearbeiten]

  • Anthony Gerard Barthelemy: Critical Essays on Shakespeare’s Othello, Maxwell Macmillan, New York 1994
  • Anthony Gerard Barthelemy: Black Face Maligned Race. The Representation of Blacks in English Drama from Shakespeare to Southerne Louisiana State University Press, Baton Rouge/London 1987
  • Christine Brückner: Wenn du geredet hättest, Desdemona. Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen. Ullstein, München 2000, ISBN 3-550-06780-1
  • Sonja Fielitz: Othello. Kamp, Bochum 2004, ISBN 3-89709-383-9
  • G. K. Hunter: Dramatic Identities and Cultural Tradition. Studies in Shakespeare and his contemporaries. Liverpool University Press, Liverpool 1978
  • Stewart Martin: Othello. William Shakespeare. Guide. Letts Educational, London 2004, ISBN 1-84315-322-X
  • Margaret Leal Mikesell (Hrsg.): Othello. An annotated bibliography. Garland, New York 1990, ISBN 0-8240-2749-3
  • Beate Neumeier: The Tragedy of Othello the Moor of Venice. In: Interpretationen – Shakespeares Dramen, Reclam jun. Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-15-017513-2, S. 288-316.
  • Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-520-38605-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Othello – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Othello, der Mohr von Venedig – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Michael Neill (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 399-403, sowie Norman Sanders (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2003, S. 1f. Siehe auch E. A. J. Honigmann. (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Arden Shakespeare. Third Series. Bloomsbury Publishing, London 1997, S. 344-350. Honigmann wiederum räumt ein, dass er eine frühe Datierung nicht zweifelsfrei nachweisen kann („[…] some steps in this reasoning cannot be proved“, S. 350), sieht jedoch keinerlei zwingende Gründe für eine spätere Datierung („[…] no compelling evidence for a later date“, S. 350). Bate und Rasmussen hingegen gehen von 1604 als Entstehungsdatum aus, verweisen aber auf frühere Datierungen durch andere Gelehrte. Siehe William Shakespeare Complete Works. The RSC Shakespeare. Edited by Jonathan Bate und Eric Rasmussen. McMillan 2007, ISBN 978-0-230-20095-1, S. 2085. Auch Sabine Schülting nimmt 1603/04 als Entstehungsjahr an. Siehe Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009, S. 537.
  2. zitiert nach Norman Sanders (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2003, S. 1. Siehe auch das Quellenzitat in Michael Neill (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 399. Die früheren Zweifel an der Authentizität dieses erst im 19. Jahrhundert entdeckten Manuskriptes aus den Hofdokumenten von z. B. Samuel Tannenbaum oder Charles Hamilton werden mittlerweile nahezu ausnahmslos verworfen. Siehe dazu Sander (ebenda, S. 1) und Neill (ebenda, S. 399).
  3. Michael Neill (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 399. Siehe zur Aufführungspraxis auch Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009, S. 448. Es kann allerdings nicht mit völliger Sicherheit ausgeschlossen werden, dass zum Zeitpunkt dieser Hofaufführung das Werk noch neu war. Dies wird beispielsweise von Wells und Taylor angenommen; vgl. Stanley Wells und Gary Taylor: William Shakespeare: A Textual Companion. Oxford 1987, S. 93.
  4. Vgl. William Shakespeare: Othello. The Oxford Shakespeare. Oxford Worlds Classics. Edited by Michael Neill. 2006, S. 399. Siehe auch William Shakespeare: Othello. The Arden Shakespeare. Third Series. Edited by E. A. J. Honigmann. 1997, S. 344f. Für den zwar theoretisch denkbaren Einwand, eine bereits vor 1601 entstandene Fassung von Othello könne nachträglich verändert worden sein, gibt es textgeschichtlich und editionswissenschaftlich keinerlei Anhaltspunkte.
  5. Wells und Taylor halten diese Textechechos allerdings für zufällig. Vgl. Stanley Wells und Gary Taylor: William Shakespeare: A Textual Companion. Oxford 1987, S. 126.
  6. Vgl. E. A. J. Honigmann. (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Arden Shakespeare. Third Series. Bloomsbury Publishing, London 1997, S. 344-350. Kritisch dazu Michael Neill (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 401-403. Die statistischen Vergleichsanalysen haben methodisch grundsätzlich nur eine begrenzte Aussagekraft, da der Anteil der Vers- und Prosapassagen in den herangezogen Werken unterschiedlich ist (vgl. Neill, ebenda). Siehe auch Norman Sanders (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2003, S. 1f.
  7. Vgl. zur Übernahme der vollen Schirmherrschaft über das gesamte Theaterwesen und damit auch Shakespeares Schauspieltruppe durch James I Ina Schabert (Hrsg.): Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009, S. 102. Siehe auch Michael Neill (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 399.
  8. Vgl. Michael Neill (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 399f. Jonsons Maskenspiel, eine afrikanische Fantasy, entstand auf besonderen Wunsch von Queen Anne (vgl. ebenda).
  9. Vgl. Michael Neill (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 400. Die entsprechende Textpassage „more savage than a barbarous Moor“ aus The Honest Whore (I.1.37) ist jedoch nicht spezifisch genug, um mit Sicherheit einen eindeutigen Bezug auf Othello nachweisen zu können. Vgl. Norman Sanders (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2003, S. 2.
  10. Vgl. Michael Neill (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 400f. Siehe auch Norman Sanders (Hrsg.): William Shakespeare: Othello. New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2003, S. 2.