Treckfahrtstief

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Luftbild des Treckfahrtstiefs bei Emden (2013)

Das Treckfahrtstief ist ein in den Jahren 1798/99 erbauter Kanal zwischen Emden und Aurich in Ostfriesland. Der Wasserweg diente der besseren Anbindung des Verwaltungszentrums Aurich an die Seehafenstadt Emden, die der bedeutendste Umschlaghafen der Region war. Teile des Treckfahrtstiefs sind heute in den im späten 19. Jahrhundert erbauten Ems-Jade-Kanal integriert.

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im 17. Jahrhundert wurde eine Kanalverbindung zwischen den beiden Städten diskutiert. 1636 nahm ein niederländischer Ingenieur die ersten Vermessungen vor, jedoch scheiterte das Projekt letztlich an den Kosten, die weder das ostfriesische Grafenhaus noch die Ständeversammlung zu tragen bereit waren. Die Pläne wurden ab 1795 erneut aufgegriffen, als sich in Ostfriesland ein spürbarer wirtschaftlicher Aufschwung bemerkbar machte. Der Schiffsverkehr im Emder Hafen nahm zu, die Einwohnerzahl der Stadt stieg im Jahrzehnt zwischen 1789 und 1799 um rund 1800: von 7943 auf 9799. [1] Vorangetrieben wurde das Projekt sowohl von der Emder wie von der Auricher Stadtspitze.[2] Zu den Initiatoren zählen Bürgermeister Admais, Syndikus de Pottere und Amtmann Schnedermann auf Emder sowie Bürgermeister Reimers, Magistratsmitglied Meier und Magistratssekretär Conring auf Auricher Seite.

Bau und Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Bau wurden die Wasserbauingenieure Tönjes Bley und Nikolaus Franzius beauftragt. Da sie bereits auf frühere Vorarbeiten zurückgreifen konnten und die Finanzierung aufgrund der Konjunkturlage wenig Probleme bereitete, wurde der Kanal in nur zwei Jahren ausgehoben. Betrieben wurde der Schiffsverkehr, der sowohl Personen- wie auch Güterbeförderung umfasste, von der Treckfahrtschutengesellschaft. Sie bezog ihren Namen daher, dass es sich bei den Gefährten um Schuten handelte, also Wasserfahrzeuge ohne eigenständigen Antrieb. Sie wurden vielmehr von Pferden getreidelt, die auf zwei parallelen Wegen zum Kanal das Fahrzeug zogen. Daraus ergibt sich auch der erste Namensbestandteil, denn ziehen heißt im Ostfriesischen Plattdeutsch trecken.

Die Pläne von Bley und Franzius, den Kanal von Aurich aus weiter nach Osten fortzutreiben und somit die ostfriesische Halbinsel vollständig zu durchqueren, kam es in den folgenden Jahrzehnten aufgrund Geldmangels jedoch nicht, dies geschah erst in den 1880er-Jahren durch den Bau des Ems-Jade-Kanals. Der Bau von steinernen Chausseen seit den 1840er-Jahren hatte zur Folge, dass der Transport über das Treckfahrtstief in der Folge stark abnahm. Kutschen nahmen einen immer stärkeren Anteil des Personenverkehrs auf. Der Postverkehr über den Kanal kam ganz zum Erliegen. Die Treckfahrtsgesellschaft wurde daher in den 1860er-Jahren aufgelöst.

Neben der verkehrlichen Bedeutung als Handelsweg hatte der Kanal aber von Anbeginn eine weitere Funktion: Er verbesserte den Sielzug in den Emder Kanälen. Da der Hafen der Stadt seinerzeit noch nicht über Schleusen zur Ems verfügte, war die Schifffahrt darauf angewiesen, dass der bei jeder Flut auflaufende Schlick durch die Spülkraft des Wassers aus dem Hinterland wieder hinausbefördert wurde. Dabei kam es zum Widerstreit zweier entgegengesetzter Interessen: Während die Stadt Emden und ihre Hafenbetriebe stets an einem möglichst hohen Wasserstand in den Kanälen des Hinterlands interessiert war, sahen die Landwirte in den betroffenen Gebieten die Entwässerung ihrer Flächen als gefährdet an. Den Streit entschied die Hafenwirtschaft jedoch regelmäßig zu ihren Gunsten.[3] Erst mit dem Bau der Nesserlander Schleuse in den 1880er-Jahren trat das Problem der widerstreitenden Interessen in den Hintergrund, da der Hafen seither tideunabhängig ist.

Verlauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kanal zweigte vom Stadtgraben in Emden, dem Wasserlauf vor den frühneuzeitlichen Befestigungsanlagen der Stadt, ab und verlief in nordöstlicher Richtung über die Gemarkung der Herrlichkeit Up- und Wolthusen auf das Dorf Marienwehr zu. Dort knickte der Kanal rechtwinklig nach Südosten in Richtung Uphusen ab, um erneut eine scharfe Kurve in Richtung Nordost zu beschreiben. Über die heute zur Gemeinde Ihlow gehörenden Ortschaften Bangstede und Westerende-Kirchloog sowie die heutigen Auricher Stadtteile Rahe und Haxtum führte das Treckfahrtstief schließlich zum Auricher Binnenhafen. Zwischen Uphusen und Aurich entspricht der Kanalverlauf weitestgehend dem heutigen Verlauf des Ems-Jade-Kanals. Teile des Auricher Binnenhafens sind mittlerweile allerdings aufgrund des geringen Frachtverkehrs zugeschüttet.

Heutige Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Motorboot auf dem Treckfahrtstief

Der Kanal hat für die kommerzielle Schifffahrt nur noch auf einem Teilabschnitt eine Bedeutung, nämlich auf jenem, der ab dem späten 19. Jahrhundert in den Ems-Jade-Kanal integriert wurde. Der Abschnitt zwischen dem Emder Wall und Uphusen wird heute ausschließlich für die Sportschifffahrt genutzt. Bedeutend ist er in diesem Abschnitt dadurch, dass bei Marienwehr das Kurze Tief in Richtung Kleines Meer abzweigt und diesen Binnensee sowie die am Ufer liegenden Wochenendsiedlungen mit ihren kleinen Marinas an die Stadt und damit an das ostfriesische Wasserstraßennetz anbindet.

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Treckfahrtstief – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jannes Ohling (Hrsg.): Die Acht und ihre sieben Siele. Kulturelle, wasser- und landwirtschaftliche Entwicklung einer ostfriesischen Küstenlandschaft. Selbstverlag des Entwässerungsverbands Emden, Pewsum 1963, ohne ISBN, S. 882.
  2. Die geschichtlichen Aspekte des Kanals sind dargelegt in: Ernst Siebert/Walter Deeters/Bernard Schröer: Geschichte der Stadt Emden von 1750 bis zur Gegenwart (Band VII der Reihe „Ostfriesland im Schutze des Deiches“, herausgegeben von der Deichacht Krummhörn, Pewsum). Verlag Rautenberg, Leer 1980, ohne ISBN, S. 52 f.
  3. Gerd Janssen: Emdens Alptraum: ein verschlickter Hafen, in: Reinhard Claudi (Hrsg.): Stadtgeschichten - Ein Emder Lesebuch 1495/1595/1995. Gerhard Verlag, Emden 1995, ISBN 3-9804156-1-9, S. 121–135, hier S. 126–129.

Koordinaten: 53° 22′ 22″ N, 7° 12′ 56″ O