Ems-Jade-Kanal

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Ems-Jade-Kanal
Abkürzung EJK
Lage DeutschlandDeutschland Niedersachsen
Länge 72,3 km
Erbaut 1880–1888
Klasse 0 (zugelassen für Fahrzeuge bis zu 33 m Länge, 6,2 m Breite und 1,7 m Tiefgang)
Beginn Emder Hafen
Ende Wilhelmshavener Häfen
Abstiegsbauwerke Emden, Rahe, Wiesens, Upschört, Wiesede, Mariensiel
Abzweigungen, Kreuzungen Nordgeorgsfehnkanal
Herausragende Bauwerke Kesselschleuse, Kaiser-Wilhelm-Brücke
Kilometrierung Von der Ems zur Jade
Höchstgeschwind. 8 km/h
Zuständige Behörde NLWKN
2012-05-28 Fotoflug Cuxhaven Wilhelmshaven DSC 3854.jpg
Der Ems-Jade-Kanal in Wilhelmshaven aus der Luft

Der Ems-Jade-Kanal verbindet die Ems bei Emden in Ostfriesland mit dem Jadebusen bei Wilhelmshaven. Er trägt die Hauptlast der ostfriesischen Entwässerungsinfrastruktur, die ein dauerhaftes Bewohnen der Region überhaupt erst ermöglicht. Der Kanal wird vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) – Betriebsstelle Aurich betrieben und unterhalten, auf den letzten 5,44 Kilometern[1] vor Wilhelmshaven im Auftrage des Bundes (Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest in Aurich), weil diese Strecke zu den sog. sonstigen Binnenwasserstraßen des Bundes zählt[2].

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ems-Jade-Kanal wurde in den Jahren 1880 bis 1888 gebaut. Seine Entstehung verdankt er dem Wunsche Preußens, seinen als Exklave im damaligen Großherzogtum Oldenburg gelegenen Kriegshafen Wilhelmshaven über den Wasserweg mit dem preußischen Ostfriesland zu verbinden, wozu Wilhelmshaven seinerzeit politisch gehörte. Die schnell wachsende Stadt am Jadebusen versprach auch ein guter Markt für landwirtschaftliche Produkte, Baumaterial und Torf zu werden. Außerdem konnte der Kanal die Entwässerungsverhältnisse im höhergelegenen, inneren Teil Ostfrieslands verbessern, dessen Wasser er aufnahm und über den Emder Hafen in die Ems und über den Wilhelmshavener Hafen in den Jadebusen leitete.

Der Vorläufer des Ems-Jade-Kanals war der zwischen Emden und Aurich von 1798 bis 1800 gebaute „Treckschuitenfahrtskanal“. Für Personen-, Tier- und Güterbeförderung wurden in den Niederlanden fünf „Schuiten“ gekauft, die zwischen Emden und Aurich, von Pferden gezogen, fahrplanmäßig verkehrten. Auf halben Wege, in Middelhaus, wurden die Pferde gewechselt und Erfrischungen eingenommen. Die Treidelwege waren so breit, dass sie auch von Kutschen und Landauern und für Eilnachrichten von der „Reitenden Post“ benutzt werden konnten.

Kanalverlauf und wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ems-Jade-Kanal ist 72,3 Kilometer lang und passiert aufsteigend von der Ems in Emden (Stadtteile Herrentor, Wolthusen und Uphusen) die Kommunen Ihlow, Südbrookmerland und Aurich, um dann über Friedeburg und Sande nach Wilhelmshaven zum Jadebusen abzusteigen. Der Kanal hat sechs Schleusen und wird von 15 festen und 26 beweglichen Brücken gequert. Er ist nur für Schiffe bis zu 33 Meter Länge, 6,2 Meter Breite und 1,7 Meter Tiefgang befahrbar und wird deshalb seit einiger Zeit fast ausschließlich touristisch genutzt. In den letzten Jahren siedeln jedoch wieder frachtintensive Firmen (Kies für Betonmischwerk, Schrott von Autoverwertern, Dünger sowie Futtermittel) am Ems-Jade-Kanal. Das Frachtaufkommen steigt seitdem vor allem im westlichen Kanalabschnitt (Aurich, Bangstede). Auch wird der Ems-Jade-Kanal durch die gewerbliche Fahrgastschifffahrt genutzt. Fahrten werden insbesondere von Aurich in Richtung Emden angeboten.

Besonders bemerkenswert ist die im Kanalbau seltene 1886/87 erbaute Kesselschleuse in Emden, in der sich der Ems-Jade-Kanal mit dem Emder Stadtgraben und dem Fehntjer Tief kreuzt und so die Verbindung zu zwei Kanalsystemen herstellt, deren beider Wasserspiegel um rund 2 Meter tiefer liegt. Die Schleuse besteht aus einem runden Kessel von 33 Meter Durchmesser, an den vier Schleusenkammern sternförmig angeschlossen sind. 1911–13 wurde sie erweitert und 1982–89 erneuert.

Vom Ems-Jade-Kanal besteht am östlichen Stadtrand von Emden eine direkte Verbindung über den Verbindungskanal zum Ems-Seitenkanal (früher: Dortmund-Ems-Kanal). Diese Strecke erspart der Kanalschifffahrt auf dem Wege emsaufwärts das Durchfahren des Emder Hafens.

Die bei Aurich-Rahe gelegene Schleuse Rahe, die einen Höhenunterschied von zwei Metern überbrückt, war bislang der Flaschenhals des Kanals, was den Einsatz größerer Schiffe angeht. Sie war weit über hundert Jahre alt und abgängig. Wegen der zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung und um den Kanal für den Tourismus noch attraktiver zu machen, musste die Schleuse grundsaniert werden. Zwischen September 2005 und Juli 2007 wurde sie unter Verkehr mit einem Kostenaufwand von ca. 5 Millionen Euro abgerissen und komplett neu erbaut. Damit dies unter Verkehr möglich war, wurde ein neues Verfahren angewendet, bei dem neun Großbetonfertigteile mit jeweils über 300 Tonnen Einzelgewicht vor Ort hergestellt und dann zum jeweiligen Einbauort verschoben wurden. Die alte Drehbrücke wurde durch eine neue Klappbrücke ersetzt. Für den Neubau wurde ein Bemessungsschiff mit Länge von 55 m und einer Breite von 7,2 m zugrunde gelegt.

Der Auricher Hafen verdankt seine Existenz dem Ems-Jade-Kanal. Dort ist ein Betonwerk angesiedelt, das Sand und Kies über den Kanal bezieht. Der Hafenbereich wurde vor einigen Jahren komplett neugestaltet und ein Seitenarm des Kanals näher an die Innenstadt herangeführt. Er gilt nun als bevorzugtes Wohngebiet und beliebtes Ausflugsziel. Außerdem starten von hier geführte Ausflugsfahrten zu Schiff z.B. nach Emden. Ansonsten hat der Kanal vor allem östlich von Aurich hauptsächlich Bedeutung für Freizeit, Erholung und Tourismus. Sportschiffer mit kleineren Booten können über den Ems-Jade-Kanal nahezu das gesamte Kanalnetz Ostfrieslands erreichen. Die Benutzung des Kanals ist für die Wassersportler kostenlos. Dies ist möglich, da der Regionalverband „Segeln Weser–Ems“ die freie Passage durch Zahlung einer Kostenpauschale an den NLWKN in Höhe von jährlich 100.000 Euro sicherstellt. 2007 benutzten 4.927 Fahrzeuge die Wasserstraße. Neben den Sportschiffern hat auch der Rudersport den Ems-Jade-Kanal entdeckt. Regelmäßig finden hier Rennen zwischen Aurich und Emden inklusive Schleusenpassage bzw. -umtragung statt. Touristisch erschlossen wird der EJK auch durch die vielen ausgestalteten Rad- und Fußwanderrouten, die sich an seinen Ufern erstrecken.

In Marcardsmoor nördlich von Wiesmoor zweigt der Nordgeorgsfehnkanal vom EJK ab und verbindet diesen mit der Jümme und über die Leda schließlich mit der Ems. Über die Leda, den Elisabethfehnkanal und den Küstenkanal kann man auch nach Oldenburg und über die Hunte weiter zur Weser gelangen.

Zwischen der Emder Kesselschleuse und der Schleuse Kukelorum in Aurich-Rahe ist der Ems-Jade-Kanal als Hochkanal angelegt, der sich etwa zwei Meter über die umgebende Landschaft erhebt und durch Dämme vor dem Auslaufen geschützt wird.

Im Zusammenhang mit dem Bau des JadeWeserPorts in Wilhelmshaven ist ein Ausbau des Ems-Jade-Kanals angeregt worden, um eine Anbindung des neuen Hafens an das europäische Binnenwasserstraßennetz herzustellen.[3] Da diesem Projekt nur geringe Realisierungsmöglichkeiten eingeräumt werden, haben die anliegenden Gemeinden einen Arbeitskreis gegründet, um die touristische Nutzung zu fördern.[4]

Eine ganze Reihe von Bauten am EJK sind als Baudenkmale ausgewiesen, zum Beispiel im Bereich Friedeburg.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ems-Jade-Kanal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Längen (in km) der Hauptschifffahrtswege (Hauptstrecken und bestimmte Nebenstrecken) der Binnenwasserstraßen des Bundes, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  2. Verzeichnis F der Chronik, Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes
  3. Engpässe an Schnittstellen Straße/Schiene; Bericht der Wilhelmshavener Zeitung vom 5. Dezember 2009
  4. Ems-Jade-Kanal besser nutzen. In: Wilhelmshavener Zeitung vom 21. Juni 2012, S. 12

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Eckoldt (Hrsg.): Flüsse und Kanäle. Die Geschichte der deutschen Wasserstraßen. DSV-Verlag 1998, ISBN 3-88412-243-6
  • Friedrich von Seggern / Marion Wietelmann: 100 Jahre Ems-Jade-Kanal. Geschichte und Bedeutung einer Wasserstraße. In: Oldenburger Jahrbuch. Bd. 89 (1989). S. 243–272 (online)