Tschudi-Meerschweinchen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Tschudi-Meerschweinchen
Systematik
Teilordnung: Hystricognathi
ohne Rang: Meerschweinchenverwandte (Caviomorpha)
Familie: Meerschweinchen (Caviidae)
Unterfamilie: Eigentliche Meerschweinchen (Caviinae)
Gattung: Echte Meerschweinchen (Cavia)
Art: Tschudi-Meerschweinchen
Wissenschaftlicher Name
Cavia tschudii
Fitzinger, 1867

Das Tschudi-Meerschweinchen (Cavia tschudii) ist eine Art aus der Gattung der Eigentlichen Meerschweinchen (Cavia). Sie bekamen ihren Namen nach dem Schweizer Südamerikaforscher Johann Jakob von Tschudi. Die Tiere leben in den südamerikanischen Anden in Peru sowie nach Süden hin über Teile von Chile und Bolivien bis in den Norden von Argentinien.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Tschudi-Meerschweinchen entsprechen in ihrem Körperbau anderen Meerschweinchen und sind in ihrer Größe und auch in ihrer Fellfärbung sehr variabel. Die Kopf-Rumpf-Länge des Holotyps beträgt dabei etwa bei Vertretern von Cavia tschudii stolida 31,3 Zentimeter, während sie bei Cavia tschudii sodalis nur 21,8 Zentimeter beträgt. Die Fellfarbe variiert je nach Unterart von gräulich-zimtfarben über dunkel rötlich-braun oder oliv-braun bis gräulich-schwarz.[1]

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tschudi-Meerschweinchen ist in den südamerikanischen Anden in Peru sowie nach Süden hin über Teile vom Nordosten Chiles und Bolivien bis in den Norden von Argentinien verbreitet. Es lebt in Höhen von etwa 3000 bis 4300 Metern. In den Yungas und im bolivianischen Flachland ist es nicht anzutreffen.[2][1]

Lebensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tschudi-Meerschweinchen lebt in der Regel in feuchten und felsigen Lebensräumen im Bereich von Flussläufen und auch in Sumpfgebieten. In Peru leben die Tiere im dichten Grasland sowie in buschreichen Grasflächen sowie Galeriewäldern, in denen sie Laufpfade anlegen. Sie kommen dabei sowohl in ungestörten wie in Sekundärhabitaten vor. Sie leben in Bauen mit mehreren Eingängen.[2]

Über die Fortpflanzung ist wenig bekannt. Die Tragzeit beträgt in Gefangenschaft etwa 63 Tage, danach gebären die Weibchen einen Wurf von einem bis vier Jungtieren. Die Fortpflanzung der Jungtiere kann bereits nach zwei Monaten erfolgen.[2]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Tschudi-Meerschweinchen wird als eigenständige Art innerhalb der Gattung Cavia eingeordnet.[3] Die wissenschaftliche Erstbeschreibung stammt von Leopold Joseph Fitzinger aus dem Jahr 1867, der die Art anhand von Individuen aus Ica, der Hauptstadt der Region Ica in Peru beschrieb.[4] Ursprünglich wurde es dem Gemeinen Meerschweinchen (Cavia aperea) zugeordnet, gilt heute jedoch als valide Art.[3]

Innerhalb der Art werden gemeinsam mit der Nominatform sechs[3] bis acht[1] Unterarten beschrieben. Die folgende Darstellung folgt Dunnum 2015 mit acht Unterarten, wobei eine Revision nach Angaben des Autors noch aussteht.[1]

  • Cavia tschudii tschudii: Nominatform, in der Region Ica in Peru; Körperfärbung gräulich zimtfarben
  • Cavia tschudii atahualpae: In den Talregionen der Anden im nördlichen Peru. Die Form ist groß und dunkel gräulich-zimtfarben bis schwarz gefärbt. Die Körperseiten sind heller als der Rücken.
  • Cavia tschudii festina: In der Andenregion von Zentral-Peru, in der Region Junín. Körperfärbung gräulich-zimtfarben
  • Cavia tschudii osgoodi: Im Süden von Peru im Altiplano nördlich des Titicacasees. Körperfärbung dunkel rötlich-braun
  • Cavia tschudii pallidior: Im Flachland im nördlichen Chile und im südlichen Peru bis in die Hochlagen von Bolivien.
  • Cavia tschudii sodalis: In den Hochlagen der Provinzen Tucumán und Jujuy im nördlichen Argentinien, früher auch in der Provinz Salta. Die Tiere sind blass-braun gefärbt.
  • Cavia tschudii stolida: Im Utcubamba-Tal im nordwestliche Peru. Körperfärbung dunkel oliv-braun
  • Cavia tschudii umbrata: In der Andenregion von Zentral-Peru, in der Region Junín. Körperfärbung gräulich-schwarz

Wilson & Reeder 2005 unterscheidet nur sechs Unterarten. Cavia tschudii atahualpae, Cavia tschudii pallidior und Cavia tschudii umbrata werden dort nicht betrachtet,[3] die dort angegebene Unterart Cavia tschudii arequipae wird nach Dunnum 2015 als Synonym zu Cavia tschudii pallidior angesehen.[1] Cavia stolida wird teilweise als eigenständige Art betrachtet.[3]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Art wird von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) als nicht gefährdet (Least concern) gelistet. Begründet wird dies mit dem verhältnismäßig großen Verbreitungsgebiet und den angenommen großen und stabilen Beständen. Bestandsgefährdende Risiken sind für diese Art nicht bekannt.[2]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Jonathan L. Dunnum: Cavua tschudii Fitzinger, 1867 In: James L. Patton, Ulyses F.J. Pardinas, Guillermo D’Elía (Hrsg.): Mammals of South America, Volume 2 – Rodents. The University of Chicago Press, Chicago 2015; S. 701 ff. ISBN 978-0-226-16957-6.
  2. a b c d Cavia tschudii in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2015-4. Eingestellt von: J. Dunnum, B. Patterson, H. Zeballos, P. Teta, 2008. Abgerufen am 14. Februar 2016
  3. a b c d e Cavia tschudii. In: Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. 2 Bände. 3. Auflage. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.
  4. Leopold Joseph Fitzinger: Versuch einer natürlichen Anordnung der Nagethiere (Rodentia). 2 Teile. In: Sitzungsberichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Abteilung 1: Biologie, Mineralogie, Erdkunde. Bd. 55, 1867, ISSN 0371-4810, S. 453–515, Bd. 56, 1867, S. 57–168.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jonathan L. Dunnum: Cavua tschudii Fitzinger, 1867 In: James L. Patton, Ulyses F.J. Pardinas, Guillermo D’Elía (Hrsg.): Mammals of South America, Volume 2 – Rodents. The University of Chicago Press, Chicago 2015; S. 701 ff. ISBN 978-0-226-16957-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]