Tybrind vig

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Tybrind vig ist der erste Fundort in Dänemark, der zwischen 1977 und 1987 als Unterwasserausgrabung untersucht wurde. Er liegt 13 km südöstlich von Middelfart auf Fünen, etwa 300 Meter vom Strand und drei bis fünf Meter unter dem derzeitigen Meeresspiegel der Ostsee. Die Taucher fanden dort gut erhaltene Artefakte der Ertebølle-Kultur (5400–3900 v. Chr.). Der Fundplatz datiert zwischen 5600 und 4000 v. Chr. [1]

Enden eines im Tybrind-vig-Stil gefertigten Bogens

Der einst küstennahe Wohnplatz versank mit dem postglazialen Meeresspiegelanstieg und der Landsenkung unterhalb der "Kippachse Dänemarks"[2] im Meer.

Siedlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der mittelsteinzeitliche Wohnplatz der Jäger Sammler und Fischer lag nahe einer Flussmündung in einer flachen Bucht, die wegen einer vorgelagerten Insel nur schmale Verbindungen zum Kleinen Belt hatte. Reste von Fischzäunen, Angelhaken, Reusen und Hinweise auf Fischspeere belegen den Fischfang.

Die Toten der Ertebølle-Wohnplätze von Vedbæk und Skateholm (Schweden) wurden in unmittelbarer Nähe des Wohnplatzes begraben. Ähnlich war es an der Tybrind vig. Das Grab einer 13 bis 14 Jahre alten Frau und eines drei Monate alten Kindes und die Knochen und Knochenfragmente von mindestens zwei weiteren Personen wurden geborgen. Eines der Schädelfragmente stammt wahrscheinlich von einem Mann und trägt die Spuren von zwei verheilten Läsionen. Grabbeigaben wurden nicht gefunden, aber das Wasser hatte das Grab so sanft „ausgegraben“, dass selbst die Knochen des Kindes noch in situ lagen. Eine C14-Datierung ordnet sie der frühesten Phase der Ertebølle-Kultur zu.

Funde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu den bemerkenswerten Funden gehören einige der ältesten Textilien Nordeuropas.

In Tybrind vig wurden Boote aus Lindenholz und teilweise verzierte, herzförmige Paddel aus Eschenholz gefunden. Von Boot I sind 9,5 m (95 %) erhalten, während von den Booten II und III nur 3,2 bzw. 5,2 m erhalten sind. Im Heck von Boot I und II lag auf einer Tonlinse von 60 × 35 cm und bis zu 3 cm Dicke, direkt auf dem Boden des Bootes, je eine Herdstelle.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Svend Erik Albrethsen, Erik Brinch Petersen: Excavation of a Mesolithic Cemetery at Vedbæk, Denmark. In: Acta Archaeologica. Band 47, 1976, ISSN 0065-101X, S. 1–28.
  • Søren H. Andersen: Tybrind vig. Foreløbig meddelelse om en undersøisk stenalderboplads ved Lillebælt. In: Antikvariske Studier. Bd. 4, 1980, ZDB-ID 227200-3, S. 7–22.
  • Søren H. Andersen: Tybrind vig. Submerged Mesolithic settlements in Denmark (= Jutland Archaeological Society Publications. 77). Moesgaard Museum, Højbjerg 2013, ISBN 978-87-88415-78-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lucyna Kubiak-Martens: The plant food component of the diet at the late Mesolithic (Ertebølle) settlement at Tybrind Vig, Denmark. In: Vegetation History and Archaeobotany. Bd. 8, Nr. 1/2, 1999, ISSN 0939-6314, S. 117–127, doi:10.1007/BF02042850.
  2. In Dänemark und Großbritannien, wo aufgrund einer zentralen Kippachse nur der nördliche Teil einer Landhebung unterliegt, verursacht diese eine Senkung im südlichen Teil.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 55° 23′ 3″ N, 9° 50′ 4″ O