Jäger und Sammler

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Angehörige der Hadza, eines der letzten Völker, die als Jäger und Sammler leben

Der Ausdruck Jäger und Sammler oder Wildbeuter bezeichnet Menschen oder Völker, die ihren Lebensunterhalt durch das Sammeln wilder Pflanzen und die Jagd auf Wildtiere bestreiten.

Um 1500 lag ihr Anteil an der Weltbevölkerung noch bei rund einem Prozent. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind es nur noch weniger als 0,001 Prozent (50 - 60.000 Menschen).[1] Tendenz: weiterhin rückläufig.

Soziale Organisation[Bearbeiten]

Drei Gruppengrößen waren weit verbreitet bei Jäger- und Sammlergemeinschaften: Maximal acht Personen bildeten eine Großfamilie, fünfundzwanzig eine Jagdgruppe und maximal etwa 200 Menschen umfasste die gesamte Gemeinschaft.[2] In der Mehrzahl bestehen Wildbeutergruppen aus weniger als 50 Menschen.

Die Gruppen waren in Kernfamilien gegliedert, die zu bestimmten Jahreszeiten getrennt auf Nahrungssuche gingen. Wildbeutergemeinschaften leben als akephale („herrschaftsfreie") Horden (englisch bands) und sind zudem häufig segmentär organisiert (gebunden an Clan-Linien).

Unter jüngeren Jägern und Sammlern war eine erhebliche Uniformität einer geschlechts- und altersbezogenen Arbeitsteilung zu beobachten. Die geschlechtliche Arbeitsteilung trat jedoch erst zum Beginn des Jungpaläolithikums auf. Die umfangreichen archäologische Funde aus dem Mittelpaläolithikum zeigen, dass Männer und Frauen vorher relativ ähnliche Aufgaben übernahmen. Im Mittelpaläolithikum entstanden stärker differenzierte Wirtschaftsweisen zuerst in der östlichen Mittelmeerregion und später im restlichen Eurasien. Die Verhaltensänderungen im Jungpaläolithikum bedeuteten eine Ausdehnung der ökonomischen und technologischen Rollen bei Jägern und Sammlern. Dies hat womöglich Homo Sapiens einen demographischen Vorteil gegenüber anderen Homininen verschafft. Ihre durchschnittliche Lebenserwartung betrug damals in etwa 30 Jahre.[3] Die Neanderthaler etwa wiesen keine entsprechende Arbeitsteilung auf.[4]

Marshall Sahlins bezeichnete die Wildbeuterkulturen (der Tropen und Subtropen) als „ursprüngliche Wohlstandsgesellschaft", da sie in der Regel keinen Mangel litten und im Durchschnitt nur zwei bis fünf Stunden täglich für die Jagd, das Sammeln und die Nahrungszubereitung aufwenden mussten.[5][6][7][8][9]

Gegenwart[Bearbeiten]

Bei praktisch allen modernen Jägern und Sammlern wurde eine Arbeitsteilung nach Alter und Geschlecht beobachtet. Männer waren normalerweise für die Jagd großer Land- und Wassertiere verantwortlich, während Frauen (und teilweise Jugendliche) sich auf das Sammeln von pflanzlicher Nahrung und kleineren Tieren konzentrieren, und zudem bei der Verarbeitung des von den Männern gejagten Großwilds helfen. Es gab zu dieser in nahezu allen ethnographisch dokumentierten Gruppen vorkommenden Spezialisierung nur eine Ausnahme (die Aeta, bei denen die Frauen viel jagen), für die auch noch keine breit akzeptierte Erklärung existiert. Die Aufgaben variierten dabei je nach Umständen und sich eröffnenden Möglichkeiten; etwa wurde von Witwen oder bruderlosen Töchtern berichtet, die Jäger wurden. Wenn sich eine gute Gelegenheit bot, sammelten auch männliche Jäger pflanzliche Nahrung. Die Rolle von Kindern ist weniger gut dokumentiert und war anscheinend stärker variabel. Teilweise waren ältere Kinder für einen signifikanten Anteil ihrer eigenen Ernährung zuständig, manchmal wurden sie sogar zu temporären Spezialisten.[4]

Die Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen war nicht rein physiologisch oder psychologisch bedingt, sondern auch zu bedeutenden Anteilen erlernt. Erklärungen für die geschlechtliche Arbeitsteilung sind:[4]

  • die Arbeitsteilung ist Resultat von Unterschieden bei Elternaufwand und Unsicherheit bezüglich der Verwandtschaftsbeziehung mit einem Kind. Die Nahrungsbeschaffung durch Männer hat in manchen Fällen mehr mit Prestige und sozialen Funktionen zu tun als mit der Ernährung der eigenen Kinder.
  • die Vermeidung gefährlicher Nahrungsmittelbeschaffung durch Frauen und Kinder schützt den reproduktiven Kern einer Population.
  • der Aufwand für Frauen im gebärfähigen Alter bedingt eine Begrenzung der Aktivitäten auf solche, die zu geringen Kosten unterbrochen werden können und keine große Mobilität erfordern.

Drei allgemeine Tendenzen bezüglich Arbeitsteilung bei der Nahrungsmittelbeschaffung sind von besonderer Relevanz. Erstens nehmen Großwild und generell tierische Nahrungsmittel in höheren Breitengraden eine größere Bedeutung ein als in niedrigeren. In manchen arktischen Gebieten gibt es beispielsweise kaum Pflanzen oder kleine Tiere. Wenngleich im Durchschnitt der Anteil der pflanzlichen Ernährung in Äquatornähe größer ist, gibt es dort viel mehr Variation, so dass einige tropische Jäger und Sammler ebenfalls einen bedeutenden Anteil ihrer Energie aus der Großwildjagd beziehen. Die zweite Tendenz betrifft die Formen der pflanzlichen Ernährung. Gruppen, deren Ernährung zu einem Großteil aus Pflanzen besteht, konzentrieren sich auf bestimmte Kombinationen aus Samen, Nüssen und Knollen. Das Sammeln, die Verarbeitung oder das Kochen dieser Nahrungsmittel ist relativ zeitintensiv. Das Fleisch von Großwild lieferte deutlich mehr Kalorien pro investierter Zeiteinheit. Die dritte Tendenz betrifft die Tätigkeiten der Frau in höheren Breitengraden wie der Arktis, wo kaum Optionen für das Sammeln von Nahrung existierten. Statt Nahrungsmittel beschafften Frauen dort eher Wasser und Brennmaterial und waren in der Herstellung von Obdach, Werkzeugen und Kleidung tätig.[4]

Wie die Ethnologen Leacock und Etienne feststellten, waren Männer und Frauen in Jäger- und Sammlerkulturen gleichberechtigt (egalitär), sofern sie noch nicht unter dem Einfluss von Kolonialherren standen.[10] Die Christianisierung dürfte ebenfalls nicht selten zu einem veränderten Verhältnis der Geschlechter führen.

Übergang zum Ackerbau oder zur Viehzucht seit 15.000 v. Chr.[Bearbeiten]

Einige Jäger- und Sammlergesellschaften wandelten sich – beginnend in Kleinasien etwa 15–10.000 v. Chr. – entweder zu sesshaften Gesellschaften, die Ackerbau und Viehhaltung betrieben, oder zu Hirtennomaden. In Süd- und Mitteleuropa fand dieser Übergang zwischen 7500 v. Chr. und 4000 v. Chr. statt, und trat danach auch in Osteuropa ein (vgl. Neolithische Revolution). In Teilen Mittelamerikas geht man heute allgemein von der Zeit von 5100 v. Chr. bis 4200 v. Chr aus.

Auch heute noch trifft man auf Gemeinschaften von Jägern und Sammlern in den arktischen Gebieten, Sibirien, dem tropischen Regenwald oder in Gegenden, wo andere Formen des Nahrungserwerbs nicht möglich sind.

Manche Gemeinschaften hielten über sehr lange Zeiträume an ihrer Region fest, blieben über mehrere Jahre im gleichen, relativ kleinen Gebiet. Sie änderten ihre Wirtschaftsform nicht, sondern wurden, in Abhängigkeit vom Klima, durch Bauern oder Viehzüchter (z. B. khoisanide Völker in der Kalahari, die zwischen Wildbeuter- und Viehzüchter-Ökonomie möglicherweise mehrfach wechselten) verdrängt.

Jagd[Bearbeiten]

Ausdauerjagd[Bearbeiten]

Die älteste Form der menschlichen Jagd ist die Ausdauerjagd (Hetzjagd). Diese beruht auf der gegenüber fast allen Säugetieren überlegenen Ausdauer des Menschen beim Laufen. Geparden, die kurze Zeit auf Geschwindigkeiten von über 100 Kilometer pro Stunde kommen können, können diese Geschwindigkeit nur wenige Minuten durchhalten. Sie müssen das Jagdwild in einem Anlauf erreichen, sonst ist es entkommen. Auch andere Raubtiere halten hohe Geschwindigkeiten nur kurze Zeit durch und müssen sich mit Anschleichen, oder Einkreisen, also Zusammenwirken im Rudel behelfen. Der für schnelles Laufen hinreichend gut gebaute Mensch kann aufgrund seiner etwa zwei Millionen Schweißdrüsen sowie der schwachen Behaarung seinen Körper effektiv kühlen und daher einen Lauf stundenlang durchhalten. Die Jäger der Khoisan im südlichen Afrika erlegen noch heute schnelle Huftiere wie Zebras oder Steinböckchen ganz ohne Waffen, indem sie so lange hinter ihnen herlaufen, bis sie entkräftet zusammenbrechen.[11]

Auch Aborigines in Australien, die nach genetischen Befunden zu den Nachfahren der ersten Gruppen von Homo sapiens gehören, die Afrika verlassen hatten (vgl. Ausbreitung des Menschen), jagen auf diese traditionelle Weise Kängurus.

Auch einige amerikanische Indianerstämme jagen Antilopen und Rotwild als Ausdauerjäger.

Jagdwaffen[Bearbeiten]

Wurfhölzer und Speere[Bearbeiten]

Sehr alt ist die Jagd mit Wurfhölzern insbesondere auf Vögel und kleinere Tiere und mit Speeren auf größeres Wild.

Wurfholz[Bearbeiten]
Wurfhölzer von Aborigines

Außer bei Menschen wurde auch bei Affen beobachtet, dass sie von Bäumen herab Stöcke oder harte Früchte auf herannahende Raubtiere werfen. Deshalb wird vermutet, dass noch älter als der Speer, also der wenigstens an einer Seite geschärfte Stock, der gerade fliegt und das Wild oder den Gegner durchbohrt, das Wurfholz war. Das Wurfholz, ursprünglich also eine Abwehrwaffe oder zum Herunterschlagen von nicht erkletterbaren Früchten und Nüssen genutzt, wurde irgendwann als Jagdwaffe verwendet. Es war wohl zunächst nur für schwaches Wild geeignet. Das sich beim Flug drehende Holz konnte z. B. durch die beim Auftreffen abgegebene Wucht den Vogel betäuben (Trefferzone Kopf) oder bei Treffern an den Flügeln durch vorübergehende Lähmung oder das Brechen von Knochen das Wegfliegen verhindern. Ausgereifte Konstruktionen in der Hand eines geübten Jägers erlegen auch andere Beutetiere. Eindrucksvoll und z. B. auch in Alteuropa nachgewiesen sind die Wurfhölzer, die die Aborigines zur Jagd benutzten. Sie konnten bis zwei Kilogramm schwer und 1,30 Meter lang sein. Geübte Werfer können einen Bumerang bis zu 100 Meter weit werfen. Die Jagdbumerangs kehren nicht zurück, sondern sind für einen geraden, stabilen Wurf optimiert. Verwendet wurden sie auch als Grabstock um Wurzeln auszugraben. Wurfhölzer mit einem Alter von 20.000 Jahren wurden in den europäischen Karpaten gefunden. Erhalten sind Darstellungen aus dem alten Ägypten auf denen die Vogeljagd mit Wurfhölzern dargestellt ist.

Speere[Bearbeiten]

Speere benutzen bereits frühe Vertreter der Gattung Homo wie Homo erectus (= Homo heidelbergensis).

Die ältesten bisher gefundenen Jagdwaffen sind die 400.000 Jahre alten Schöninger Speere (andere Datierungsansätze gehen von etwa 270.000 Jahren aus). In Schöningen in Niedersachsen fanden sich beim Braunkohleabbau inmitten von eineinhalb Dutzend Wildpferdeskeletten sieben Speere aus Fichtenholz. Die Wurfspeere hatten eine Länge zwischen 1,82 bis 2,50 m. Die Spitzen waren aus dem härteren Basisholz gefertigt. Der Schwerpunkt lag auf der Spitze. Die Wurfeigenschaften von nach diesen Funden nachgefertigten Speeren ähneln denen von modernen Damenwettkampfspeeren, wobei die Jagdreichweite ca. 15 m betrug. Damals war Europa vom Homo heidelbergensis bewohnt, aus dem später der Neandertaler hervorging; der moderne Mensch (Homo sapiens) drang vor frühestens 45.000 Jahren nach Europa ein.

Im Fundgebiet des altpaläolithischen Jagdlagers Bilzingsleben fanden sich tausende von Knochen, davon 60 % Großtierknochen. Gefunden wurden neben Knochen von Wildrindern und Wildpferden auch Knochen von Bären, Nashörnern und Elefantenkälber.

Lanze und Harpune[Bearbeiten]

Harpunenformen aus der Steinzeit, hier dem Magdalénien; (1 : Mas d'Azil; 2: Bruniquel; 3, 4, 5: La Madeleine; 6, 7: Lortet)

Die aus dem europäischen Vorkommen des Homo erectus hervorgegangenen Neandertaler jagten auch mit Lanzen, also angespitzten Holzstäben als Stichwaffen, die allerdings auch mit einer blattförmigen Steinklinge versehen sein konnte. So fand sich in Lehringen im Brustkorb eines Waldelefantenskelettes eine 2,38 Meter lange Eibenholzlanze. Neandertalerskelette zeigen vielfach Spuren von Knochenbrüchen an Armen und Kopf. Eine ähnliche Häufigkeit von Knochenbrüchen fanden Archäologen unter allen historischen und modernen Menschengruppen nur noch bei modernen Rodeoreitern. Die Ursache für die Knochenbrüche von Rodeoreitern liegen nicht hauptsächlich bei den Stürzen, sondern gehen von den Hufen der Tiere aus. Dieser Gefahr waren auch die Neandertaler ausgesetzt, wenn sie aus nächster Nähe Großwildjagd betrieben.

Die Lanze wurde bis in die Neuzeit als Jagdwaffe benutzt, vor allem zur Jagd auf Wildschweine (vgl. Saufeder).

Als Stoßwaffe meist mit Widerhaken zur Jagd auf Fische entwickelten die Menschen die Harpune.

Speerschleuder[Bearbeiten]

Eine Verdoppelung der Reichweite von Speeren erreichten die Menschen durch die Entwicklung der Speerschleuder. Die Speerschleuder wurde im Europa der letzten Eiszeit entwickelt, eine Jagdwaffe, die aus dem Geschoss und der Wurfvorrichtung besteht. Das älteste Fundstück lässt sich dem späten Solutréen (vor ca. 24.000–20.000 Jahren) zuordnen. Der überwiegende Teil aus stratigraphisch gesicherten Zusammenhängen stammt jedoch aus dem Magdalénien IV (vor ca. 15.400–14.000 Jahren). Der Schwerpunkt ihrer Verbreitung ist Südwestfrankreich, einige Fundstücke stammen aus der Schweiz, aus Deutschland und Spanien. Weltweit ist die Speerschleuder archäologisch und ethnographisch in Mikronesien, Australien, Neu-Guinea und bei den Eskimos belegt. In Mittelamerika wurde die Speerschleuder als Kriegswaffe verwendet.

Pfeil und Bogen[Bearbeiten]

Jäger mit Bögen und ihre Jagdbeute, Rinder (Felszeichnung in der Sahara)

Auf noch größere Distanzen und bis in die Wipfel der Bäume und in den Himmel erweiterte der Bogen die Jagdreichweite der Menschen. Einige Stämme lernten die Pfeilspitzen zu vergiften, so dass sie auch mit kleinen Pfeilen große Tiere erlegen konnten, für die man vorher Speere benötigte.

Netze und Schlingen[Bearbeiten]

Als die Menschen begannen, Fasern zu verarbeiten, begannen sie auch, Tiere mit Schlingen zu jagen, sowie Vögel und Fische mit Netzen zu fangen.

Blasrohr[Bearbeiten]

Einige wenige Stämme von Jägern und Sammlern verwendeten auch Blasrohre, mit denen sie meist vergiftete Pfeile abschossen. So jagen Indianerstämme im Regenwald Südamerikas mit etwa drei Meter langen Blasrohren mit Curare- oder Pfeilgiftfrosch-vergifteten Pfeilen Primaten in den höchsten Wipfeln der Bäume.

Sammeln[Bearbeiten]

Die Menschen sammelten, was die örtliche Natur hergab. Durch seine Fähigkeit, tierische und pflanzliche Nahrung verdauen zu können, steht dem Menschen ein breites Spektrum an Nahrungsquellen zur Verfügung.

Gesammelt wurden Früchte, Nüsse, Samen, Wildgemüse, Kräuter, Wurzeln, Rhizome, Maden, bestimmte Insekten, Eier, Honig, Muscheln, Algen, Beeren, Pilze. Trotz der angedeuteten Vielfalt stand je nach Gebiet oft eine kleine Anzahl von Nahrungsquellen im Vordergrund. So waren in der europäischen Nacheiszeit Holozän Haselnüsse ein zentraler Hauptbestandteil der Nahrung.

Um die gesammelten Nahrungsmittel zum Lager zu bringen und sie aufzubewahren, nutzten die Menschen zum Beispiel ausgehöhlte Kürbisse sowie Häute und Felle von erjagten Tieren. Sie begannen aber auch, aus Gras und Binsen Körbe und sonstige Behälter zu flechten und zu weben. Diese Techniken waren später bei der Inbesitznahme von Landstrichen außerhalb der Tropen nützlich, als man schützende und warme Bekleidung brauchte.

Beispiel: Der fruchtbare Halbmond[Bearbeiten]

Im Gebiet des „fruchtbaren Halbmondes“ (Mesopotamien, Syrien, Libanon, Palästina) fanden die umherstreifenden Menschengruppen nach der Eiszeit eine offene Waldlandschaft mit Eichen, Pistazien und Mandelbäumen. Sie sammelten Pistazien und Mandeln, aber auch die nur dort heimischen Wildgetreide wie verschiedene wilde Weizensorten, etwa Wildes Einkorn (Triticum boeoticum) und Wilden Emmer (Triticum dicoccoides), sowie zum Beispiel Wildgerste und wilde Roggenarten. Außerdem fanden sich dort die Hülsenfrüchte Linsen, Erbsen, Bohnen und Wicken. Das Nahrungsangebot begünstigte die Entwicklung von Ackerbau und Viehhaltung.

Polare und subpolare Gebiete[Bearbeiten]

Besonders lange hielt sich die Lebensform des Jagens und Sammelns in den polnahen Gebieten. Beispiele sind die sibirischen Völker der Unangan, die Itelmenen, die Ewenen (bis ins 17. Jahrhundert), die Inuit von der Tschuktschen-Halbinsel über Alaska bis Grönland und die athabaskischen sowie algonquianischen Indianerstämme Alaskas und Kanadas. Einige dieser Jägervölker züchteten Hunde für die Jagd und für Transportzwecke (Hundeschlitten).[12]

In der Tundra und Taiga ist Ackerbau nicht möglich, so dass die ursprünglichen Bewohner reine Jäger und Sammler waren. In Eurasien entwickelte sich um 1000 v. Chr. aus der Rentierjagd der Rentier-Pastoralismus (z. B. bei den Korjaken, Tschuktschen, Nenzen und Samen). Erst relativ spät kam die Viehhaltung hinzu – von Pferden und anderen Tieren.

Nur sehr wenige Menschen der nordischen Völker leben noch ausschließlich vom Jagen und Sammeln. Für sehr viele ist es jedoch nach wie vor ein wichtiger Nebenerwerb – sowohl zur Selbstversorgung als auch zum Verkauf von Pelzen und anderen Produkten.

Noch existierende Jäger-und-Sammler-Völker[Bearbeiten]

Bei einigen dieser Völker (Stämme) ist zu beachten, dass sie nicht unbedingt urtümliche Jäger und Sammler sind, sondern in Gebiete vertrieben oder abgedrängt worden sind, in denen nur noch eine Wildbeuterwirtschaft möglich ist. Ein Beispiel sind die San.

Afrika[Bearbeiten]

Asien[Bearbeiten]

Australien[Bearbeiten]

Bis vor Kurzem lebten auch noch einige Aborigines in Australien als Jäger und Sammler und erreichten wie die San einen erstaunlichen Grad der Anpassung an extrem unwirtliche Wüstengebiete. Die letzte Gruppe von Jägern und Sammlern in Australien waren die Pintupi Nine, die im Oktober 1984 erstmals in Kontakt mit der westlichen Kultur traten.

Südamerika[Bearbeiten]

Sonstige[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Absatz Ausdauerjagd: Interview mit Bernd Heinrich in Spiegel special, Nr. 4 /2006, S. 33.
  • Almut Bick: Die Steinzeit. Kapitel Schneller, weiter, effizienter – Die Entwicklung der Jagdwaffen in der Steinzeit. S. 64–67, Konrad Theiss Verlag GmbH, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8062-1996-8.
  • Trevor Watkins: Der Naturraum in Anatolien, ein Zusammenspiel von Klima, Umwelt und Ressourcen. In: Badisches Landesmuseum Karlsruhe: Die ältesten Monumente der Menschheit. Konrad Theiss Verlag GmbH, 2007, S. 37 ff.
  • Richard B. Lee & Richard Daly (Hrsg.): The Cambridge Encyclopedia of Hunters and Gatherers. Cambridge University Press, 2004. ISBN 0521609194.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georgia A. Rakelmann: Anpassungskünstler. Die Buschleute der Kalahari-Wüste. In: P.Stüben u. V.Thurn (Hrsgg.): WüstenErde. Der Kampf gegen Durst, Dürre und Desertifikation. Gießen 1991, S. 31-42.
  2. Valerius Geist, zitiert in Edward Goldsmith: Der Weg. Ein ökologisches Manifest. 1. Auflage. Bettendorf, München 1996.
  3. http://www.anth.ucsb.edu/faculty/gurven/papers/GurvenKaplan2007pdr.pdf
  4. a b c d Steven L. Kuhn & Mary C. Stiner (2006): What's a Mother to Do? The Division of Labor among Neanderthals and Modern Humans in Eurasia. Current Anthropology, Band 47, Nr. 6, S. 953-980. (PDF; 299 kB)
  5. Marshall Sahlins, zitiert bei Erich Fromm: Anatomie der menschlichen Destruktivität Reinbek 1977.
  6. Yanomami. Website der Organisation Survival International. Abgerufen am 7. September 2013.
  7. Georg Kneer, Armin Nassehi u. Klaus Kraemer (Hrsg.): Spezielle Soziologien – Zugänge zur Gesellschaft. LIT Verlag, Münster, Hamburg 1995.
  8. Die materielle Kultur der australischen Aborigines – eine „Stein“zeit? (PDF; 104 kB). Website des Ethnologischen Büros Corinna Erckenbrecht. Abgerufen am 7. September 2013.
  9. Wie die Menschen fleißig wurden. Website der FAZ. Artikel vom 5. November 2011.
  10. Dieter Haller (Text), Bernd Rodekohr (Illustrationen): Dtv-Atlas Ethnologie. 2. Auflage. dtv, München 2010, S. 103.
  11. Das Wissen der San (Version vom 21. Juni 2010 im Internet Archive)
  12. http://kamchatka.org.ru/npeople_g.html