Udo Steinberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Udo Steinberg (* 13. Juni 1877 in Berlin; † 25. Dezember 1919 in Madrid) war ein deutscher Ingenieur, Sportler und Sportfunktionär. Er betätigte sich u.a. in den Sportarten Fußball, Leichtathletik, Cricket, Tennis, Radsport, Boxen und alpinen Disziplinen, darüber hinaus wirkte er als Sportredakteur.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Udo Steinberg wurde als zweiter Sohn von insgesamt sechs Kindern von Eugen Oscar Steinberg und seiner Ehefrau Pauline Elise Cäcilie, geb. Werle am 13. Juni 1877 in Berlin geboren. Seine Familie zieht 1882 nach Chemnitz. Udo Steinberg besucht dort von 1883 bis 1886 die Volksschule und von 1886 bis 1888 das Königliche Gymnasium zu Chemnitz. Die Familie übersiedelt nach Berlin. Sein Vater verstirbt 1889 in Italien. Udo Steinberg besucht nun in Berlin das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium bis zur Untersekunda mit dem Abschluss für den Einjährig-Freiwilligen-Dienst, absolviert eine Lehre in der mechanischen Werkstatt von Ferdinand Ernecke in Berlin und studiert von 1895 bis 1900 Elektrotechnik und Maschinenbau am Technikum Mittweida. Dieses Studium schließt er als Elektro- und Maschineningenieur ab. Vom Oktober 1897 bis April 1899 unterbricht er sein Studium, um in Berlin praktisch zu arbeiten.

In den Jahren 1900 bis 1901 leistet er den Einjährig-Freiwilligen-Dienst und verlegt seinen Wohnsitz nach Barcelona. Ab 1902 ist Udo Steinberg Repräsentant deutscher Unternehmen der Elektrotechnik und des Maschinenbaus in Spanien und Portugal. 1904 gründet er ein Ingenieurbüro in Barcelona, ab 1910 wirkt er hier am Straßenbahnbau und im Umland mit. Im Februar 1913 verstirbt seine Mutter in Berlin. Steinberg gründet im Jahre 1916 gemeinsam mit Paul Schröder eine Kommanditgesellschaft zum Bau und Vertrieb von Maschinen aller Art, die spätere „La Maquinista Hispania“. Er besitzt mehrere Patente in Spanien. Am 25. Dezember 1919 verstirbt Udo Alfred Steinberg im Alter von 42 Jahren an Lungenentzündung und findet auf dem Friedhof „Cementerio Civil del Este“ in Madrid seine letzte Ruhestätte.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1893 ist er Gründungsmitglied des Fußballclubs Brandenburg in Berlin, im Jahre 1896 Gründungsmitglied des Mittweidaer Ballspiel Clubs am Technikum Mittweida und 1899 Mitbegründer des Chemnitzer Sportclubs Britannia Chemnitz, aus dem später der CFC hervorgeht. Udo Steinberg ist Delegierter dieses Clubs und des Mittweidaer Ballspielclubs zur Gründungsversammlung des Deutschen Fußball-Bunds im Restaurant „Zum Mariengarten“ in Leipzig am 28. Januar 1900.[1] Nach seiner Übersiedlung nach Spanien findet er vor allem Sportler aus Deutschland, England und der Schweiz, die in Barcelona leben und sich u.a. im Sportverein Barcelona organisieren. Sie sind in verschiedenen Sparten, wie Tennis und Fußball aktiv. Hervorzuheben sind Steinbergs Beteiligungen an Vereinsgründungen, wie der des Sportvereins Barcelona und am Bau von Sportstätten. Von 1901 bis 1910 ist Udo Steinberg aktiver und erfolgreicher Fußballspieler beim FC Barcelona. 1902 gründet er die Fußballschule des Vereins, dem Vorläufer der berühmten La Masia und leiet diese bis 1916. Er gilt damit als erster Trainer des FC Barcelona. Ab 1906 schreibt er als Redakteur für die Sportzeitung "El Mundo Deportivo". Im gleichen Jahr übernimmt er die Präsidentschaft des Verbandes der Fußballvereine Barcelonas, des späteren katalanischen Fußballverbandes. Neben seiner Leidenschaft für den Fußball begeistert er sich ebenso für Leichtathletik, Cricket, Tennis, Radpolo (Gymkhana) sowie Hockey und fungiert als Kampf- und Schiedsrichter.

Der Fußballspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Udo Steinberg spielt seit 1888 aktiv Fußball, anfangs in Berlin in der Schülervereinigung Hevellia, ab April 1893 in Fußballverein Brandenburg und nach dessen Zusammenschluss im Thor- und Fußballclub Britannia, heute Berliner SV 1892. In seiner Mittweidaer Zeit spielt Steinberg im Mittweidaer Ballspielclub und im FC Germania, heute SV Germania. Am 13. Mai 1902 trifft der FC Barcelona auf Real Madrid in einem Turnier aus Anlass der Krönung des spanischen Königs Alfonso XIII.. Dieser Wettbewerb findet in Spanien zum ersten Mal statt, der als die erste Copa del Rey in die Geschichte eingehen sollte. Steinberg schießt die ersten beiden Tore für die Katalanen, die 3:1 gewinnen.[2] Durch den Sieg zieht der FC Barcelona ins Finale ein, in dem sie dann Vizcaya de Bilbao mit 1:2 unterliegen. Nach diesem Turnier gewinnt der FC Barcelona den Wettbewerb der Copa Macaya. Steinberg gilt zu dieser Zeit als der treffsicherste Stürmer des FC Barcelona mit mehr als 60 Toren. 1910 beendet er seine aktive Laufbahn als Stammspieler des FC aus beruflichen Gründen.

Wirken als Ingenieur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine berufliche Tätigkeit als Ingenieur beginnt Steinberg als Repräsentant für deutsche Elektro- und Maschinenbaufirmen in Spanien. Er betreibt gemeinsam mit dem Ingenieur Badia bis 1906 ein technisches Büro. Die beiden Ingenieure bieten die komplette Einrichtung von Fabriken, Gas- und Elektrizitätswerken an, ebenso Studien und Etataufstellungen, Ab 1906 unterhält Steinberg auch ein technisches Büro in Palma de Mallorca. Ein besonderes Verdienst erwirbt er sich für den Einsatz von Kugellagern in Rädern für Fahrzeuge, wofür er ein Patent anmeldet. Weitere Patente besitzt er zu Pressen und Mühlen sowie zur Elektrolyse und elektrischen Anschlüssen. Mit seinem technischen Büro ist er am Bau von Straßenbahnen in und um Barcelona beteiligt, 1911 erfolgt die Einweihung der unter seiner Mitwirkung erbauten Linie von Barcelona nach Rabassada mit 7,8 km Länge. Mit seiner 1916 mit 28 Mitarbeitern gegründeten Firma „Udo Steinberg S. en. C.“ widmet er sich dem Bau und Vertrieb von Maschinen aller Art.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan-Peter Domschke, Sabine Dorn, Hansgeorg Hofmann, Rosemarie Poch, Marion Stascheit: Mittweidas Ingenieure in aller Welt. Hochschule Mittweida (Hrsg.): Mittweida 2014, S. 108f. [1]
  • Marion Stascheit, Karoline Pernt, Sabine Blechschmidt-Vogel, Eva Martínez Gámes: Zum Leben und Wirken von Udo Steinberg – Biografische Dokumentation des Hochschularchives Mittweida. Hochschularchiv Mittweida (Hrsg.), Mittweida 2016 [2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hardy Grüne: Hundert Jahre Deutsche Meisterschaft, Verlag Die Werkstatt, 2003, ISBN 3-8953-3410-3, Seite 42/44 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  2. El Mundo Deportivo vom 29.11.1989, S. 29