Udo Steinberg

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Udo Steinberg (* 13. Juni 1877 in Berlin; † 25. Dezember 1919 in Madrid) war ein deutscher Ingenieur, Sportler und Sportfunktionär. Er betätigte sich u.a. in den Sportarten Fußball, Leichtathletik, Cricket, Tennis, Radsport, Boxen und alpinen Disziplinen, darüber hinaus wirkte er als Sportredakteur.

Ausbildung und Beruf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Udo Steinberg wurde als zweiter Sohn von insgesamt sechs Kindern von Eugen Oscar Steinberg und seiner Ehefrau Pauline Elise Cäcilie, geb. Werle am 13. Juni 1877 in Berlin geboren. Seine Familie zog 1882 nach Chemnitz. Udo Steinberg besuchte dort von 1883 bis 1886 die Volksschule und von 1886 bis 1888 das Königliche Gymnasium zu Chemnitz. Die Familie übersiedelte nach Berlin. Sein Vater verstarb 1889 in Italien. Udo Steinberg besuchte nun in Berlin das Friedrich-Wilhelms-Gymnasium bis zur Untersekunda mit dem Abschluss für den Einjährig-Freiwilligen-Dienst, absolvierte eine Lehre in der mechanischen Werkstatt von Ferdinand Ernecke in Berlin und studierte von 1895 bis 1900 Elektrotechnik und Maschinenbau am Technikum Mittweida. Dieses Studium schließt er als Elektro- und Maschineningenieur ab. Vom Oktober 1897 bis April 1899 unterbrach er sein Studium, um in Berlin praktisch zu arbeiten.

In den Jahren 1900 bis 1901 leistete er den Einjährig-Freiwilligen-Dienst und verlegte seinen Wohnsitz nach Barcelona. Ab 1902 war Udo Steinberg Repräsentant deutscher Unternehmen der Elektrotechnik und des Maschinenbaus in Spanien und Portugal. 1904 gründete er ein Ingenieurbüro in Barcelona, ab 1910 wirkte er hier am Straßenbahnbau und im Umland mit. Im Februar 1913 verstarb seine Mutter in Berlin. Steinberg gründete im Jahre 1916 gemeinsam mit Paul Schröder eine Kommanditgesellschaft zum Bau und Vertrieb von Maschinen aller Art, die spätere „La Maquinista Hispania“.

Er besass mehrere Patente in Spanien. Am 25. Dezember 1919 verstarb Udo Alfred Steinberg im Alter von 42 Jahren an Lungenentzündung und fand auf dem Friedhof „Cementerio Civil del Este“ in Madrid seine letzte Ruhestätte.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1893 war er Gründungsmitglied des Fußballclubs Brandenburg in Berlin, im Jahre 1896 Gründungsmitglied des Mittweidaer Ballspiel Clubs am Technikum Mittweida und 1899 Mitbegründer des Chemnitzer Sportclubs Britannia Chemnitz, aus dem später der CFC hervorging. Udo Steinberg war Delegierter dieses Clubs und des Mittweidaer Ballspielclubs zur Gründungsversammlung des Deutschen Fußball-Bunds im Restaurant „Zum Mariengarten“ in Leipzig am 28. Januar 1900.[1]

Udo Steinberg als Spieler des MBC

Nach seiner Übersiedlung nach Spanien fand er vor allem Sportler aus Deutschland, England und der Schweiz, die in Barcelona lebten und sich u.a. im Sportverein Barcelona organisierten. Sie waren in verschiedenen Sparten, wie Tennis und Fußball aktiv. Hervorzuheben sind Steinbergs Beteiligungen an Vereinsgründungen, wie der des Sportvereins Barcelona und am Bau von Sportstätten. Von 1901 bis 1910 war Udo Steinberg aktiver Fußballspieler beim FC Barcelona.

U. Steinberg im Jahre 1902 in Barcelona

1902 gründete er die Fußballschule des Vereins, dem Vorläufer der La Masia und leitete diese bis 1916. Er gilt damit als erster Trainer des FC Barcelona. Ab 1906 schrieb er als Redakteur für die Sportzeitung "El Mundo Deportivo". Im gleichen Jahr übernahm er die Präsidentschaft des Verbandes der Fußballvereine Barcelonas, des späteren katalanischen Fußballverbandes. Neben seiner Leidenschaft für den Fußball begeisterte er sich ebenso für Leichtathletik, Cricket, Tennis, Radpolo (Gymkhana) sowie Hockey und fungierte als Kampf- und Schiedsrichter.

Fußballspieler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Udo Steinberg spielte seit 1888 aktiv Fußball, anfangs in Berlin in der Schülervereinigung Hevellia, ab April 1893 in Fußballverein Brandenburg und nach dessen Zusammenschluss im Thor- und Fußballclub Britannia, heute Berliner SV 1892. In seiner Mittweidaer Zeit spielte Steinberg im Mittweidaer Ballspielclub und im FC Germania, heute SV Germania.

Am 13. Mai 1902 traf der FC Barcelona auf Real Madrid in einem Turnier aus Anlass der Krönung des spanischen Königs Alfonso XIII. Dieser Wettbewerb fand in Spanien zum ersten Mal statt, der als die erste Copa del Rey in die Geschichte eingehen sollte. Steinberg schoß die ersten beiden Tore für die Katalanen, die 3:1 gewannen.[2] Durch den Sieg zog der FC Barcelona ins Finale ein, in dem sie dann Vizcaya de Bilbao mit 1:2 unterlagen.

Nach diesem Turnier gewann der FC Barcelona den Wettbewerb der Copa Macaya. Steinberg galt zu dieser Zeit als der treffsicherste Stürmer des FC Barcelona mit mehr als 60 Toren. 1910 beendete er seine aktive Laufbahn als Stammspieler des FC aus beruflichen Gründen.

Wirken als Ingenieur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine berufliche Tätigkeit als Ingenieur begann Steinberg als Repräsentant für deutsche Elektro- und Maschinenbaufirmen in Spanien. Er betrieb gemeinsam mit dem Ingenieur Badia bis 1906 ein technisches Büro. Die beiden Ingenieure boten die komplette Einrichtung von Fabriken, Gas- und Elektrizitätswerken an, ebenso Studien und Etataufstellungen, Ab 1906 unterhielt Steinberg auch ein technisches Büro in Palma de Mallorca. Ein besonderes Verdienst erwarb er sich für den Einsatz von Kugellagern in Rädern für Fahrzeuge, wofür er ein Patent anmeldete. Weitere Patente besaß er zu Pressen und Mühlen sowie zur Elektrolyse und elektrischen Anschlüssen. Mit seinem technischen Büro war er am Bau von Straßenbahnen in und um Barcelona beteiligt, 1911 erfolgte die Einweihung der unter seiner Mitwirkung erbauten Linie von Barcelona nach Rabassada mit 7,8 km Länge. Mit seiner 1916 mit 28 Mitarbeitern gegründeten Firma „Udo Steinberg S. en. C.“ widmete er sich dem Bau und Vertrieb von Maschinen aller Art.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jan-Peter Domschke, Sabine Dorn, Hansgeorg Hofmann, Rosemarie Poch, Marion Stascheit: Mittweidas Ingenieure in aller Welt. Hochschule Mittweida (Hrsg.): Mittweida 2014, S. 108f. [1]
  • Marion Stascheit, Karoline Pernt, Sabine Blechschmidt-Vogel, Eva Martínez Gámes: Zum Leben und Wirken von Udo Steinberg – Biografische Dokumentation des Hochschularchives Mittweida. Hochschularchiv Mittweida (Hrsg.), Mittweida 2016 [2]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hardy Grüne: Hundert Jahre Deutsche Meisterschaft, Verlag Die Werkstatt, 2003, ISBN 3-8953-3410-3, Seite 42/44 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
  2. El Mundo Deportivo vom 29.11.1989, S. 29