Umweltmedizin

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Umweltmedizin (früher auch Medizinische Environtologie; englisch environment = Umwelt; medizinische Umweltlehre[1]) ist die Wissenschaft und Lehre von Prävention, Diagnose und Behandlung von Erkrankungen, die mit Umweltfaktoren in Verbindung gebracht werden. Teilweise überschneidet sie sich mit der Arbeitsmedizin und mit der Hygiene.

Tätigkeitsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präventive Umweltmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie umfasst umwelthygienische, epidemiologische, medizinisch-hygienische und präventivmedizinische Schwerpunkte, wie etwa Wasser-, Boden-, Lufthygiene, Bäderhygiene und Hygiene von Lebensmitteln sowie von Gebrauchs- und Bedarfsgegenständen, Bau- und Siedlungshygiene einschließlich Lärmbeeinflussung, Schutz vor ionisierender Strahlung und gesundheitlicher Verbraucherschutz, sowie technische Fragen von Abwasser, von Verbrennungsanlagen, von anderen Emissionsquellen und von Altlasten.

Klinische Umweltmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klinische Umweltmedizin umfasst die medizinische Betreuung von Einzelpersonen mit gesundheitlichen Beschwerden oder mit auffälligen Untersuchungsbefunden, die von ihnen selbst oder ärztlicherseits auf mögliche Umweltfaktoren zurückgeführt werden.

Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausbildung in Umweltmedizin umfasst unter anderem folgende Bereiche:

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um nach einem absolvierten Medizinstudium in Deutschland als Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin (meistens in Behörden) tätig werden zu dürfen, bedarf es einer fünfjährigen Weiterbildungszeit:

Davon darf ein Jahr bei einem niedergelassenen Arzt abgeleistet werden.

Zusatzbezeichnung Umweltmedizin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Arzt konnte man seit 1995 zudem alternativ auch die Zusatzbezeichnung Umweltmedizin anstreben. Diese Möglichkeit besteht heute nicht mehr. Die damals erworbenen Bezeichnungen dürfen jedoch weiter geführt werden. Zur Erlangung dieser Zusatzbezeichnung waren damals erforderlich:

  • Anerkennung eines Gebietes oder vier Jahre anrechenbare Weiterbildungszeit ohne bestandene Facharztprüfung,
  • 1 1/2 Jahre Tätigkeit an einer dazu ermächtigten Weiterbildungsstätte, davon maximal sechs Monate theoretische Weiterbildung, sowie
  • Teilnahme an einem Kurs in Umweltmedizin von 200 Stunden innerhalb von zwei Jahren.

Einige kassenärztliche Vereinigungen bezahlten umweltmedizinische Untersuchungen (z. B. in Westfalen-Lippe).

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich gibt es mehrere postgraduale Studiengänge (Diplomkurse) für Umweltmedizin, so etwa:

Umweltarzt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben der Zusatzausbildung zum niedergelassenen oder angestellten Allgemein- und Facharztberuf kann ein Umweltarzt insbesondere auch als Wohnsitzarzt tätig sein. Diese Arbeit umfasst insbesondere gutachterlichen Tätigkeit bei Behörden und in entsprechenden Verwaltungsverfahren.[2]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Giselher Schuschke: Sinnesvermittelte Umwelterkrankungen - Umweltwahrnehmung und Gesundheit. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 1(2), S. 93–101 (1996), ISSN 1430-8681
  • Hans-Peter Hutter, Hanns Moshammer, Peter Wallner: Umweltmedizinische Beratungsstellen: Aktueller Stand in Österreich. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 6(1), S. 51–54 (2001), ISSN 1430-8681
  • Fritz Schweinsberg: Bedeutung von Quecksilber in der Umweltmedizin - eine Übersicht. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 7(5), S. 263–278 (2002), ISSN 1430-8681
  • Jochen Hardt, Monika Schulze, Werner Ehret: Human-Biomonitoring in der Umweltmedizin: Erfahrungen mit 500 Patienten der Umweltambulanz am Klinikum Augsburg. Umweltmedizin in Forschung und Praxis 9(6), S. 336–346 (2004), ISSN 1430-8681
  • Markus Vieten: Berufsplaner Arzt. Via medici-Buchreihe, Thieme Verlag, ISBN 3-13-116105-1
  • Volker Zimmermann: Gesundheit und Krankheit: Zur Rolle der Umwelt in der Geschichte der Medizin. In: Dominik Groß und Monika Reininger (Hrsg.): Medizin in Geschichte, Philologie und Ethnologie: Festschrift für Gundolf Keil. Königshausen & Neumann, Würzburg 2003, S. 187–198
  • Martin Exner: Umweltmedizin, -hygiene. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1429 f.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Deutschland:

Österreich:

  1. Arbeits- und Umweltmedizin, bildungundberuf.at
  2. Umweltmedizin, arztakademie.at

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Wiench (Hrsg.): "Über bedeutende Ärzte der Geschichte", Droemersche Verlagsanstalt, München 1982, Band I, ISBN 3-426-03919-2, S. 14.
  2. Raiffeisenbank (Hrsg.): Fahrplan für die Praxisgründung, o.n.A., Abschnitt Formen der Selbstständigkeit und Zusammenarbeit: Weitere Formen der beruflichen Tätigkeit für Ärzte: Umweltarzt, S. 12 (PDF, lbg.at).