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Universität Lettlands

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Universität Lettlands
Gründung 1862 als Polytechnikum
Trägerschaft staatlich
Ort Riga, Lettland
Rektor Gundars Bērziņš
Studierende 16.638 (2025)[1]
Website www.lu.lv

Die Universität Lettlands (lettisch Latvijas Universitāte, lateinisch Universitas Latviensis) in der lettischen Hauptstadt Riga ist die älteste und mit rund 15.000 Studenten größte Universität des Landes.

Haupteingang des Hauptgebäudes
Der neue Campus der Uni Lettlands (2019).

Die alte Hansestadt Riga war Mitte des 12. Jahrhunderts und mit dem Erscheinen des Albert von Buxthoeven aus Bremen zur Drehscheibe im Russlandhandel und Ausgangspunkt der deutschen Kolonisierung des Baltikums geworden. Ab dem 18. Jahrhundert mit dem Frieden von Nystad 1721 war Riga als Sitz der Verwaltung und Hauptstadt des Gouvernements Livland dem damaligen Russischen Kaiserreich zugehörig. Im Jahr 1800 zählte Riga rund 30.000 Einwohner; davon waren 47 % Deutsche, 25 % Letten und 14 % Russen.[2]

Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Stadt schrittweise zu einem der wichtigsten Häfen im damaligen Russland ausgebaut. Das erklärt auch die akademischen Gründungen und die traditionelle Bedeutung der bald auftretenden Deutsch-Baltischen Studentenverbindungen in Estland und Lettland bis 1939, neben den bis heute sowohl im Präsidenkonvent als auch im Präsidenkonvent der lettischen Damenverbindungen zusammengeschlossenen lettischen Studentenverbindungen.

Das Rigaische Polytechnikum

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Die lettländische Universität in Riga geht auf das im Jahre 1862 gegründete Rigaische Polytechnikum zurück. In den Ostseegouvernements des Russischen Kaiserreichs war dieses das technische Komplement zur akademischen Kaiserlichen Universität Dorpat. 1869 entstand die Fakultät für Baukunst. Damit erlangte das Rigaer Polytechnikum für die Entwicklung von Lettlands Jugendstil eine herausragende Bedeutung; heute noch sind etwa 40 Prozent der Rigaer Innenstadt diesem Stil zuzurechnen. Im Jahre 1896 wurde die Bezeichnung des Polytechnikums russifiziert.

Da keinerlei Zugangsbeschränkungen galten, wurde die Hochschule von Letten, Russen, Esten, Polen, Deutschbalten und Juden besucht. Die deutschen Studenten organisierten sich in drei Deutschbaltischen Studentenverbindungen:

Bis 1915 absolvierten etwa 11.000 Vertreter aller Ethnien des Russischen Kaiserreichs das Polytechnikum. Zunächst war Deutsch, später Russisch die Unterrichtssprache.

Die Universität im 20. Jahrhundert

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Mit der Unabhängigkeit Lettlands im Jahre 1919 wurde das Institut zur Hochschule Lettlands (Latvijas Augstskola) und Lettisch zur Unterrichtssprache. Das lettische Parlament beschloss 1923 eine Hochschulverfassung und den Namen Latvijas Universitāte. Unter den Deutschbalten war die Bezeichnung Lettländische Universität üblich.[3] Im Jahrbuch des baltischen Deutschtums in Lettland und Estland 1930 sind genaue Zahlen zu den deutschen Studenten an der Lettländischen Hochschule und am Herder-Institut Riga erhalten; insgesamt waren es 437 deutschstämmige Studenten.

Mit der sowjetischen Besetzung Lettlands im Juni 1940 wurden der Universität die Autonomie und die Verfassung aberkannt. Sie hieß fortan Lettländische Staatliche Universität (Latvijas Valsts Universitāte), abgekürzt LVU. Unter der deutschen Besetzung wurde sie von 1942 bis 1944 Universität in Riga genannt. 1958 erhielt sie den Namen Lettländische Staatliche Universität Pēteris-Stučka-Universität. Der Lette Pēteris Stučka war 1919/1920 Regierungschef der kurzlebigen Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik gewesen.

Nachdem Lettland 1990 seine nationale Unabhängigkeit wiedererlangt hatte, wurde die Universität in Latvijas Universitāte zurückbenannt. Die Universität gab sich am 15. Mai 1991 wieder eine Verfassung, die von der Saeima am 18. September 1991 bestätigt wurde. 1998 wurde das Zentrum für Jüdische Studien gegründet, das die Geschichte und Kultur der Juden in Lettland erforscht und Stätten des Schoa in Lettland dokumentiert.[4]

21. Jahrhundert

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Im August 2005 hatte die Universität Lettlands etwa 28.000 Studierende. Seit November 2005 ist sie Mehrheitseignerin der unabhängigen Riga Graduate School of Law (RGSL). 2023 wurde bekannt, dass die Universität Lettlands in Zusammenarbeit mit der Business School der Universität Salzburg mehrere auf Plagiaten beruhende Dissertationen angenommen hatte.[5][6][7]

Das Hauptgebäude der Universität entstand in den Jahren von 1866 bis 1869 nach den Plänen des Architekten Gustav Ferdinand Alexander Hilbig. Es ist im eklektizistischen Stil entworfen und enthält romanische Elemente. Das Hauptportal ist geschmückt mit Zinngussreliefs mit den Wappen der drei ehemaligen Ostseegouvernements des Russischen Kaiserreichs – Gouvernement Kurland, Gouvernement Livland und Gouvernement Estland – und neun allegorischen Symbolen der Lehrfächer.

Die Universität hat 13 Fakultäten:

  1. Biologie
  2. Chemie
  3. Physik und Mathematik
  4. Ökonomie und Betriebswirtschaftslehre
  5. Pädagogik und Psychologie
  6. Geographie und Geologie
  7. Geschichte und Philosophie
  8. Rechtswissenschaften
  9. Medizin
  10. Moderne Sprachen
  11. Philologie und Kunst
  12. Gesellschaftswissenschaften
  13. Theologie

Persönlichkeiten

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Studentenverbindungen

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Die lettischen Studentenverbindungen sind zusammengeschlossen im Präsidenkonvent und dem Präsidenkonvent der lettischen Damenverbindungen.

Laienspielgruppen und freie Künste

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Die Universität beherbergt eine Reihe von Laienspielgruppen, darunter Chöre, Orchester und Tanzgruppen sowie ein Studenten-Theater. Zudem ist der weltbekannte lettische Frauenchor Minjona an der Universität beheimatet.

Als Singende Revolution wird die Periode der nationalen Bewegungen im Baltikum 1987 bis 1991 und des gewaltlosen Kampfes um die Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit bezeichnet. Das demzufolge auch von der Universität unterstützte Lettische Liederfest (lettisch Vispārējie latviešu Dziesmu un Deju svētki) ist ein wiederkehrendes kulturelles Großereignis in Lettland und fügt sich in die Tradition der Liederfeste der baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen ein. Der volkstümliche und zeitgenössische musikalische Gesang ist ein fester Bestandteil der lettischen Identität.[8]

Das Hauptportal des Universitätsgebäudes weist eine dreiflüglige Treppe auf. Während die beiden äußeren Flügel für jedermann nutzbar sind, darf die mittlere Treppe nur von Dozenten und Alumni benutzt werden.

  • Erwin Oberländer, Kristine Wohlfart (Hrsg.): Riga. Porträt einer Vielvölkerstadt am Rande des Zarenreiches 1857–1914. Schöningh, Paderborn 2004, ISBN 3-506-71738-3.
  • Michael Garleff: Die baltischen Länder. Estland, Lettland, Litauen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Pustet, Regensburg 2001, ISBN 3-7917-1770-7.
  • Dietrich A. Loeber: Die deutschbaltischen Lehrkräfte an der Universität Lettlands während der Zwischenkriegszeit. In: Boris Meissner, Dietrich André Loeber, Detlef Henning (Hg.): Die deutsche Volksgruppe in Lettland während der Zwischenkriegszeit und aktuelle Fragen des deutsch-lettischen Verhältnisses. Bibliotheca Baltica, Tallinn 2000, ISBN 9985-800-21-4, S. 135–139.
Commons: Universität Lettlands – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. Studentu skaits pa gadiem, abgerufen am 11. November 2025.
  2. Reinhard Wittram: Baltische Geschichte. Die Ostseelande Livland, Estland, Kurland 1180–1918. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1973, ISBN 3-534-06475-5, S. 143.
  3. Andrejs Johansons: Die Lettländische Universität in Riga 1919–1940. Unter besonderer Berücksichtigung der philologisch-philosophischen Fächer. In: Gert von Pistohlkors u. a. (Hg.): Die Universitäten Dorpat/Tartu, Riga und Wilna/Vilnius, 1579–1979. Beiträge zu ihrer Geschichte und ihrer Wirkung im Grenzbereich zwischen West und Ost. Böhlau, Köln 1987, S. 255–262.
  4. Center for Judaic Studies, abgerufen am 29. April 2024.
  5. Doktorarbeit offenbar Plagiat: Zillertalbahn trennt sich von Vorstand. Abgerufen am 7. Juli 2023.
  6. Marco Riebler: Plagiatskandal: Tochtergesellschaft der Universität Salzburg steht unter Kritik. 4. Juli 2023, abgerufen am 7. Juli 2023.
  7. Stefan Weber: Wissenschaftsskandal: Weitere SMBS-Dissertationen plagiiert. 30. Juni 2023, abgerufen am 7. Juli 2023.
  8. Siehe lettisches Sängerfest-Gesetz: Dziesmu un Deju svētku likums

Koordinaten: 56° 57′ 2,3″ N, 24° 6′ 56,2″ O