Urhütte

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Frontispiz der von Laugiers Essai sur l'Architecture. Allegorische Darstellung der Vitruvianischen Urhütte von Charles Eisen (1720–1778).

Die Urhütte ist ein architektonisches Konzept, das auf Vitruv zurückgeht und vor allem im 18. Jahrhundert seine Wirkung in der Architekturtheorie entfaltete.

Unter Tugurium wurde in der römischen Antike zunächst eine einfache Hütte in Holz-Lehm-Konstruktion mit einer Überdachung aus Schilf, Baumrinde oder Grassoden verstanden. Als ärmliche Behausung oder Notunterkunft erscheint es in den Quellen,[1][2][3] oder als typisch für primitive Völker, z. B. die Daker und Sarmaten, deren Rundhütten auf der Trajans- und der Marcussäule dargestellt werden.

Vitruv beschreibt[4] die bei diversen barbarischen Völkern gebräuchlichen Konstruktionen, schlägt dann aber den Bogen und verknüpft diese Hütten mit den Anfängen der Technik, der Architektur und nicht zuletzt der römischen Geschichte, indem er darauf hinweist, dass die Casa Romuli, eine einfache Strohhütte auf dem Palatin, die Romulus, dem mythischen Stadtgründer Roms zugeschrieben wurde, eine Konstruktion genau dieser Art war.[5]

Die von Vitruv beschriebene einfache Hütte gewann als idealisiertes Prinzip des Naturhauses in der Architekturtheorie des 18. Jahrhunderts als Urhütte weitreichende Wirkung, insbesondere bei Marc-Antoine Laugier, bei dem sie auf dem Frontispiz der 2. Auflage seines 1755 erschienenen Essai sur l'Architecture abgebildet ist, und in der Nachfolge etwa bei François Blondel und Nicolaus von Thaden bis hin zu Oswald Mathias Ungers.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marcus Terentius Varro Rerum Rusticarum de Agri Cultura 3.1.3
  2. Vergil Eclogae 1.68
  3. Plinius der Ältere Naturalis historia 16.35
  4. Vitruv de architectura 2.1
  5. Vitruv de architectura 2.1.5: Item in Capitolio commonefacere potest et significare mores vetustatis Romuli casa et in arce sacrorum stramentis tecta.