Vörden (Marienmünster)

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Koordinaten: 51° 49′ 9″ N, 9° 13′ 46″ O

Vörden
Höhe: 230 m ü. NN
Fläche: 8,78 km²
Einwohner: 1273 (Jan. 2015)
Bevölkerungsdichte: 145 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1970
Postleitzahl: 37696
Vorwahl: 05276
Karte

Lage von Vörden in Marienmünster

Vörden ist ein Ortsteil der Stadt Marienmünster im Kreis Höxter, Nordrhein-Westfalen. Vörden ist Sitz der Stadtverwaltung und mit rund 1.273 Einwohnern der zweitgrößte Ortsteil Marienmünsters.[1] Laut Hauptsatzung der Stadt Marienmünster vom 3. Februar 2005 wird in Vörden ein aus sieben Mitgliedern bestehender Ortsausschuss gebildet. Die Vorsitzende des Ortsausschusses ist derzeit Bernadette Niemeier[2] (CDU).[3][4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtansicht Vördens 1665

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Karl der Große die Sachsen unterwarf und christianisierte, ließ er in allen Gauen Kirchen errichten. So entstand auch 799 das Bistum Paderborn. Im Jahre 1124 wurde ein Thiederic de Vordei (Dietrich von Vörden) ersterwähnt. Der Zeitpunkt der ersten Besiedlung Vördens lässt sich allerdings nicht konkret nachweisen. Im Jahre 1319 beginnt das benachbarte Kloster Marienmünster den Stadtausbau, welcher den Protest des Bischofs Dietrich II. von Itter hervorruft. Die Stadt, die auf einer Anhöhe liegt, wird durch eine Burg, eine Stadtmauer und einen umgebenden Wall geschützt. Es gibt zwei Stadttore. In der Stadt wird ein Mönchshof gebaut. Zwei Jahre später kommt es zur Einigung mit dem neuen Bischof Bernard V. zu Lippe. Im Jahre 1324 ist der Stadtausbau vollendet und die Stadt, zusammen mit dem Gogericht und der Burg, werden von dem Abt als Castrum et oppidum to dem Vorde an den Bischof Bernhard V. übergeben. Dadurch kam die Stadt unter den Schutz des Paderborner Fürstbistums. Der Grund des Stadtausbaus waren Fehden zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Vörden wurde so eine nördliche Grenzstadt des Hochstifts. Ab 1339 wird die Burg, Stadt, den Zehnten an unterschiedliche Geldgeber verpfändet. Ab 1342 erhalten die Bewohner die gleichen Stadtrechte wie die Bewohner der Stadt Nieheim; aus den umliegenden Ortschaften suchten viele Bewohner Schutz hinter den Mauern der Stadt.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1573 werden die Stadtgräben aufgefüllt, mit Ausnahme der Gräben um die Burg. Die Stadt erhält 1577 die Erlaubnis, zwei freie Märkte pro Jahr auszurichten. Im darauffolgenden Jahr wird die Schützengesellschaft erstmals erwähnt. Im Jahre 1581 werden die Stadtrechte erneuert. Im Jahre 1492 gerät die Burg in den Pfandbesitz der Familie von Haxthausen. Ab 1582 bis heute ist die Burg erbliches Eigentum der Familie. Im Jahre 1511 und 1516 kommt es zu großen Stadtbränden, die die Stadt nahezu total einäscherten. Vörden wurde wiederholt von Brandkatastrophen heimgesucht, so in den Jahren 1504, 1540, 1639.

Hauptstädte und Städte des Fürstbistums Paderborn bis 1802/03 (Stand 1789):
Paderborn, Warburg, Brakel, Borgentreich | Beverungen, Borgholz, Bredenborn, Büren, Driburg, Dringenberg, Gehrden, Calenberg, Kleinenberg, Lichtenau, Lippspringe, Lügde, Nieheim, Peckelsheim, Salzkotten, Steinheim, Vörden, Willebadessen, Wünnenberg

Die Truppen von Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel besetzen im Dreißigjährigen Krieg 1626 die Stadt und zerstören sie teilweise. 1630 wird der Schützenverein Vörden gegründet und besteht bis heute.

Im Siebenjährigen Krieg schlug Herzog Ferdinand von Braunschweig 1761 sein Hauptquartier in Marienmünster auf. Verwüstung der Felder, Raub und Plünderungen waren die Folge und Vörden hat, wie die ganze Region, unter dem Krieg sehr gelitten.

Neuere Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1802 kommt Vörden unter preussische Verwaltung. Im Jahre 1832 wurde auf dem Hungerberg eine Signalstation der optisch-mechanischen Telegrafie auf der Linie Berlin-Köln-Koblenz errichtet. Aufgrund der technischen Fortschritte in der elektromagnetischen Telegrafie wurde die Station 1849 wieder aufgegeben und man baute das Gebäude zu einer Kapelle um.[5]

1843 verliert Vörden die Stadtrechte, da der Ort weniger als 2500 Einwohner besaß. Ab 1856 wurde Vörden nach der Landgemeindeordnung verwaltet. 1857 und 1867 gibt es große Stadtbrände. Es bleibt nur noch eine Häuserzeile (Fachwerkgebäude) auf der Niedernstrasse aus der Zeit vor dem Brand erhalten.

Von jeher war die Wasserversorgung Vördens aufgrund seiner Höhenlage problematisch. Das zeigte sich besonders in trockenen Sommern und bei den häufigen Bränden, wenn das Löschwasser ausging. Deshalb wurde ein Kump eingerichtet. In früheren Jahren wurde das Wasser in Röhren, die aus mittels Feuer ausgehöhlten Eichenstämmen bestanden, aus dem Quellgebiet der Hogge in die Stadt geleitet. 1913 wurde eine zentrale Wasserversorgung eingerichtet und der Kump (der ehemalige Stadtbrunnen) verlor seine einstige Bedeutung. Der heutige Kump stammt aus dem Jahr 1883 und besitzt rund 80 Kubikmeter Fassungsvermögen.

In einem Urteil des Preußischen Oberverwaltungsgerichts vom 30. Oktober 1928 wurde die Aberkennung der Stadtrechte wieder aufgehoben. Vörden erhielt seinen Stadttitel zurück, wurde aber weiterhin nach der Gemeinde-Ordnung für den Preußischen Staat verwaltet.

Seit dem 1. Januar 1970 ist Vörden ein Stadtteil der neuen Stadt Marienmünster, zu der auch die ehemalige Stadt Bredenborn und elf weitere ehemalige Gemeinden gehören.[6]

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Erbauer der St. Kiliankirche um 1140 in Vörden war vermutlich Graf Folodagk, Hochvogt des Paderborner Bischofs Badurad. Die Kirche hat zuerst das Patrozinium Maria. Der Grund und der Zeitpunkt des Patroziniumswechsels ist nicht bekannt. Die Kirche wird 1576 renoviert und eine Schrifttafel an dem Kirchturm angebracht. Der Stein des Renaissance-Altars stammt aus Ibbenbüren und wurde wahrscheinlich in Osnabrück angefertigt. Ferner gehören eine Mutter-Gottes Statue und ein mehreckiger Taufstein mit Aposteln als Träger des Beckenrandes zu den Besonderheiten der Innenausstattung. Die katholische Kirchengemeinde gehört zum Erzbistum Paderborn. Die Gemeinde wird von der Abtei Marienmünster pastoral versorgt. Neben der Kirche steht ein Pfarrhaus.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname könnte vom Begriff Furth oder Vurth abstammen. Flache Stellen zum Überqueren von Flüssen werden im Niederdeutschen Vort oder Vorde genannt. Die Schreibweise hat sich im Lauf der Zeit verändert, so dass schließlich Vörden entstand.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Vörden befinden sich ein städtischer Kindergarten und eine Grundschule, die von Kindern mehrerer Marienmünsteraner Stadtteilen besucht wird. Hauptschule, Realschulen und Gymnasien gibt es in erreichbarer Nähe in Bad Driburg, Brakel, Höxter oder Steinheim. Die städtische Hauptschule der Stadt wurde aufgrund rückgängiger Schülerzahlen mit Ablauf des Schuljahres 2012/2013 geschlossen.

Sportanlagen und Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Vörden gibt es eine Tennisanlage, mehrere Sportplätze, ein Hallenbad, eine Sporthalle, eine Minigolfanlage, ein Wassertretbecken und verschiedene Kinderspielplätze.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächsten Bundesstraßen sind die B 239 die von Steinheim kommend nach Höxter das Marienmünsteraner Stadtgebiet von Münsterbrock bis Löwendorf durchquert, sowie im benachbarten Nieheim, die dem Kreis Höxter von Nord nach Süd durchquerende B 252. Die nächsten Autobahn-Anschlussstellen sind Paderborn-Zentrum auf der A 33 und Warburg auf der A 44, die beide etwa 45 Kilometer von Vörden entfernt sind.

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1977 bis 2009 befand sich im örtlichen Gewerbegebiet ein Vertriebsstützpunkt der Coca Cola AG.

Ansässige Unternehmen:

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wilhelm Hagemann: Vörden. Geschichte einer Ackerbürgerstadt im östlichen Westfalen. Bonifatius-Verlag, Paderborn 2008, ISBN 978-3-89710-424-2
  • Heimat- und Kulturverein Marienmünster (Hrsg.): Vörden. Geschichte in Bildern. Bonifatius-Verlag, Paderborn 2012, ISBN 978-3-89710-523-2

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vörden (Marienmünster) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. marienmuenster.de
  2. In: Ein Blick auf die schönsten Dörfer. 16. Mai 2012.
  3. Hauptsatzung (PDF; 74 kB)
  4. Flächen und Höhen laut Katasteramt Höxter
  5. Stadt Marienmünster - Münsterbrock
  6. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 108.