Vantablack

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Vantablack auf Alufolie

Vantablack ist eine in Großbritannien entwickelte Substanz aus gerichteten Kohlenstoffnanoröhren, die fast gar kein einfallendes Licht reflektiert und dadurch tiefschwarz ist. Es galt als „das schwärzeste Schwarz der Welt“ und wurde 2014 von der Firma Surrey NanoSystems für Anwendungen im Bereich der Messtechnik und unter anderem für die Raumfahrt und das Militärwesen entwickelt.[1] Den Weltrekord als „dunkelste menschengemachte Substanz“ hielt Vantablack bis Oktober 2015.[2] Der Name setzt sich zusammen aus Vanta (Vertically Aligned Nano Tube Array, deutsch senkrecht angeordnetes Nanoröhren-Raster) und Black für Schwarz.[3]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vantablack 02.JPG

Jedes Röhrchen hat einen Durchmesser von 20 Nanometern und eine Länge von 14 bis 50 Mikrometern. Auf einer Oberfläche von 1 cm² befinden sich eine Milliarde gerichtete Kohlenstoffnanoröhren.[4] Durch diese Struktur nimmt das Material bis zu 99,965 Prozent der einfallenden Strahlung auf. Einfallendes Licht wird in die Struktur geleitet, in Wärme umgewandelt und so gut wie nicht reflektiert.[5] Wird eine Oberfläche mit Vantablack behandelt, verliert diese für das menschliche Auge ihre Struktur, und es entsteht die Empfindung, dass man in ein Loch bzw. ins Nichts schaut.[6] Die Oberfläche wirkt zweidimensional.[7] Vantablack kann man somit nicht sehen.[3] Die Kohlenstoffnanoröhren wachsen epitaktisch bei Temperaturen ab 430 Grad Celsius[4] und können so auch auf Materialien wie Aluminium aufgebracht werden.[8]

Im März 2016 gab Surrey NanoSystems bekannt, dass es eine Weiterentwicklung von Vantablack gegeben habe. Vantablack 2.0 wurde nach Verbesserungen bei einem Versuch zufällig entwickelt und weist eine noch schwärzere Oberfläche auf. Auch die Version 2.0 soll für wissenschaftliche Zwecke wie Teleskope, Infrarotscanner und Kameras, aber auch für die Raumfahrt und das Militär eingesetzt werden.[9][10]

Vantablack in der Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Künstler Anish Kapoor hat, bereits kurz nachdem Surrey NanoSystems im Sommer 2014 die Entwicklung bekannt gegeben hatte, erklärt, dass er mit Vantablack arbeiten wolle. Inzwischen hat er sich für einen sehr hohen Preis die exklusiven Nutzungsrechte an der Verwendung im Bereich Kunst gesichert. Kapoor war schon immer von tiefen, dunklen, sinnlichen Farben fasziniert.[11][12] Dieses Vorgehen hat Kritik anderer Künstler wie Christian Furr oder Stuart Semple hervorgerufen, die ebenfalls gerne mit Vantablack arbeiten würden.[13][14][15]

Speziell für die Anwendung auf komplexen Formen – und damit auch besser für die Anwendung in der Kunst geeignet als das ursprüngliche Vantablack – entwickelte Surrey NanoSystems Vantablack S-VIS.[16] Diese Beschichtung besteht aus kurzen Nanoröhren, die aufgesprüht und chemisch aneinander gebunden werden. Vantablack S-VIS reflektiert etwas mehr Licht als das originale Vantablack, was sich optisch mit dem bloßen Auge jedoch kaum unterscheiden lässt. Die Struktur jedoch ist für dreidimensionale Objekte besser geeignet. Eine für einen BBC-One-Film mit Vantablack beschichtete Bronzebüste war bis Juni 2016 im Londoner Science Museum ausgestellt.[17][18]

Zuletzt hatte der Künstler Yves Klein 1960 das Farbrezept für die selbst entwickelte Farbe International Klein Blue patentieren lassen.[19] Im Gegensatz dazu sicherte sich Kapoor hingegen nicht das Patent einer Rezeptur, sondern das exklusive künstlerische Nutzungsrecht der Farbe an sich. Die Erteilung eines exklusiven Nutzungsrechtes einer Farbe an einen Künstler ist höchst umstritten, zumal in diesem Fall ein Künstler die Farbe gar nicht selbst entwickelt hat, sondern lediglich mit Hilfe seines Vermögens von über 130 Millionen Pfund die Rechte daran aufkaufte.[20]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vantablack – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Some Artists Are Seeing Red Over A New 'Black', 3. März 2016. In: npr.org. NPR.org, abgerufen am 8. März 2016.
  2. Guinness-Buch der Rekorde: Darkest manmade substance, 19. Oktober 2015
  3. a b Robert Hofmann: Neue Farbe „Vantablack“: Schwärzer als jedes Schwarz zuvor, 4. März 2016. In: sueddeutsche.de. ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de).
  4. a b FAQs | Surrey NanoSystems. In: surreynanosystems.com. Abgerufen am 6. März 2016.
  5. Vantablack: U.K. Firm Shows Off „World’s Darkest Material“, 14. Juli 2014. In: nbcnews.com. NBC News, abgerufen am 6. März 2016.
  6. N24: Das schwärzeste Schwarz der Welt, 15. Juli 2014. Abgerufen am 9. März 2016
  7. The New York Times: Gazing Into the Void, 5. November 2014. Abgerufen am 9. März 2016
  8. Vantablack, the world’s darkest material, is unveiled by UK firm, 15. Juli 2014. In: scmp.com. South China Morning Post, abgerufen am 6. März 2016.
  9. 3sat.online: Am Schwärzesesten - Schwarz, schwärzer, Kapoor ... Vantablack 2.0, 7. März 2016. In: 3sat.de. Abgerufen am 8. März 2016.
  10. Das schwärzeste Schwarz der Welt ist jetzt noch schwärzer, 7. März 2016. In: vice.com. Motherboard, abgerufen am 8. März 2016 (deutsch).
  11. Jonathan Jones: Can an artist ever really own a colour? In: The Guardian. 29. Februar 2016, ISSN 0261-3077 (theguardian.com).
  12. Florian Siebeck: Rechte an „Vantablack“ So viel Schwarzmalerei. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 6. März 2016, ISSN 0174-4909 (faz.net).
  13. Vantablack: Das schwärzeste Schwarz gehört Anish Kapoor, 14. März 2016. In: handelsblatt.com. Abgerufen am 6. März 2016.
  14. Das Streiflicht, 5. März 2016
  15. Künstlerfehde um Superschwarz: Anish Kapoor vs. Stuart Semple, Radio Ö1 Leporello, 11. Jänner 2017
  16. Vantablack S-VIS. A spray paint with incredibly low reflectance, Surrey NanoSystems
  17. BBC One: The One Show: Vantablack - Blackest Black in the World, 4. Februar 2016. Abgerufen am 9. März 2016
  18. Blog des Science Museums: Vantablack is the new black, 3. Februar 2016. Abgerufen am 9. März 2016
  19. Seilnachts Lexikon der Pigmente und Farbstoffe: Ultramarinblau, Abgerufen am 19. Juni 2016
  20. Fanny Steckel, in Monopol - Magazin für Kunst und Leben: Anish Kapoor sichert sich Exklusivrechte am ultraschwarzen Material Vantablack, 1. März 2016. Abgerufen am 19. Juni 2016