Vera de Bosset

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Vera de Bosset von Sergei Sudeikin

Vera de Bosset, ursprünglich Vera Bosse, (* 7. Januar 1889 in Saese bei Tamsal; † 17. September 1982 in New York) war eine russische Schauspielerin, Malerin und Ballett-Tänzerin mit deutsch-baltischen Wurzeln.[1] Sie wurde vor allem bekannt als langjährige Geliebte und spätere zweite Ehefrau des Komponisten Igor Strawinsky.[2]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ihr Vater Eduard Bosse (* 19. Oktober 1854 in Saese bei Tamsal; † 27. Juni 1927 in Riga) und ihre Mutter Hedwig von Ruckteschel (* 24. April 1866 in Kiew; † April 1938 in Riga) gehörten zur deutsch-baltischen Oberschicht im seinerzeit zu Russland gehörenden Estland.[3][4] Vera änderte ihren Nachnamen in den französisch klingenden Künstlernamen Bosset.

Als Vera und Strawinsky sich im Jahr 1920 in Paris erstmals begegneten, tanzte sie die Rolle der Königin in dem Ballett Dornröschen von Tschaikowski. Sie waren beide verheiratet: Der Komponist mit seiner Kusine, der ebenfalls aus Russland stammenden Malerin Jekaterina Nossenko, mit der er zwei Töchter und zwei Söhne hatte; Vera mit dem russischen Maler und Bühnenbildner Sergei Sudeikin, den sie 1915 in St. Petersburg kennengelernt hatte und der in Paris zum Freundeskreis des erfolgreichen Impressarios Sergei Djagilew gehörte. Im Zusammenhang mit ihrer Liebesbeziehung zu Igor Strawinsky verließ Vera de Bosset ihren Mann. Strawinsky blieb bis zum Tuberkulose-Tod seiner Frau 1939 bei seiner Familie und führte ein Doppelleben. Die meiste Zeit verbrachte er mit Frau und Kindern, die restliche Zeit mit seiner Geliebten. Seine Frau tolerierte die Situation offenbar mit einer Mischung aus Großmut, Bitternis und Leid.[5]

Nach Kriegsbeginn 1939 folgte Strawinsky einem Ruf der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) an der Ostküste der Vereinigten Staaten, um zunächst eine Vorlesungsreihe zu halten, die Charles Eliot Norton Lectures. Vera de Bosset folgte ihm im Januar 1940 nach. Am 9. März 1940 heirateten sie in Bedford (Massachusetts).[6] In den ersten Jahren ihrer Emigration kämpfte das Ehepaar mit Existenzsorgen. Strawinsky, der sich nur mäßig im Englischen ausdrücken konnte, suchte vergebens eine Anstellung als Musiklehrer.

Letzte Ruhestätte des Ehepaares Strawinsky in Venedig

Mit der Komposition einiger kleinen gefälligeren Musikstücke, wie den Tango suchte er einen Ausweg aus der Situation. Die Musikstücke erlebten den erhofften Erfolg.

Im Jahr 1962 reiste das Ehepaar nach Moskau und Leningrad. Das Moskauer Fernsehen brachte darüber einen Bericht.

Igor Strawinsky starb am 6. April 1971 in New York, kurz, nachdem er dort eine Wohnung gekauft hatte. Vera de Bosset lebte darin bis zu ihrem Tod 1982. Die letzte Ruhe fand sie im Grab neben ihrem Mann auf dem Friedhof San Michele in Venedig.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Robert Craft: Strawinsky – Chronik einer Freundschaft, 1948–1982. Atlantis Musikverlag, Zürich/ Mainz 2000, ISBN 3-254-00229-6.
  • Robert Craft: Igor und Vera Strawinsky'/ Fotoalbum 1921 bis 1971. mit Texten aus Interviews mit Strawinsky 1921–1963 / Fotos u. Faksimiles, ausgewählt von Vera Strawinsky und Rita McCaffrey. Verlag Schuler, Herrsching 1982, ISBN 3-7796-5199-0.
  • Robert Craft (Hrsg.): Liebste Bubuschkin: Die Korrespondenz von Vera und Igor Strawinsky, 1921–1954, mit Auszügen aus Vera Strawinskys Tagebüchern, 1921–1971. Verlag Themse und Hudson, New York 1985.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vera de Bosset – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Strawinsky-Biograf. Robert Craft berichtet, dass Vera de Bosset ihm nach einem aufwühlenden Tag unvermittelt gebeichtet hätte, dass sie vier Jahre älter sei, als ihr Pass ausweise. Danach wäre sie 1885 geboren und 97 Jahre alt geworden.
  2. Robert Craft: Stravinsky: Discoveries and Memories. Naxos Books, 2013, ISBN 978-1-84379-753-1, S. 154. (englisch)
  3. Die Nachkommen des Kantors, Schulmeisters und Hilfspredigers an der St. Petri-Gemeinde in St. Petersburg Sebastian Bosse (1697–1775). In: Baltische Ahnen- und Stammtafeln. Sonderheft 12, Köln 1976, S. 10.
  4. von Ruckteschell Family papers. verwahrt von Georg Bosse, Kentucky, USA; GHdBR (NF) Band II (2012) ISSN 2193-164X, S. 338.
  5. Charles M.Joseph: Stravinsky Inside Out. Yale University Press, New Haven 2001, ISBN 0-300-07537-5.
  6. Eric Walter Whithe: Stravinsky, Igor. In: The New Grove Dictionary of Music and Musicians. Verlag Macmillan, London 1985, Folge 18, S. 254.