Verbraucherpreisindex für Deutschland

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Verbraucherpreisindex 2000–2022 für Deutschland
(Basisjahr 2015 = 100, Statistisches Bundesamt, Stand September 2022)[1][2]

Der Verbraucherpreisindex für Deutschland (VPI) ist ein Preisindex der durchschnittlichen prozentualen Veränderung des Preisniveaus bestimmter Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten für Konsumzwecke gekauft werden. Die Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat bzw. zum Vorjahr wird als Teuerungsrate oder als Inflationsrate bezeichnet.[3]

Verbraucherpreisindex für Deutschland und dessen wesentliche Bestandteile 1991–2013 (Basisjahr 2005 = 100)

Die Preisveränderung gegenüber dem Vorjahr bzw. Vorjahresmonat ergibt sich aus dem Vergleich des aktuellen Indexstandes mit dem Indexstand des Vorjahres bzw. Vorjahresmonats. Ausgangspunkt dieser Betrachtung ist immer das jeweilige Basisjahr (derzeit 2015), in dem der Warenkorb erstellt wurde. Das aktuelle Gewichtungsschema des Warenkorbes wird durch das Statistische Bundesamt unter dem Titel „Wägungsschema für das Basisjahr 2015“ veröffentlicht.[4] Das Statistische Bundesamt veröffentlicht auch Zeitreihen zum Verbraucherpreisindex ab 1948 im Internet[5] und ab 1991 als Online-Datenbank mit Diagramm.[6] Monatliche Veröffentlichungen für das aktuelle Jahr erfolgen auf der Website des Statistischen Bundesamtes.[7] Gesetzliche Grundlagen für die Erhebung der amtlichen Statistik sind das Gesetz über die Preisstatistik sowie die diesbezüglichen Durchführungsverordnungen.[8]

Üblicherweise alle fünf Jahre wird ein neuer Verbraucherpreisindex mit einem neuen Basisjahr eingeführt. Grundlage dieser turnusmäßigen Überarbeitung sind Anpassungen der Gewichtungen sowie die systematische Überarbeitung des Erhebungskatalogs und Änderungen der Methodik. Dadurch sind die zu langen Reihen verketteten Verbraucherpreisindizes unterschiedlicher Basisjahre jedoch nur eingeschränkt miteinander vergleichbar.[9]

Berechnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Formel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Berechnung in Deutschland erfolgt mit Hilfe des Laspeyres-Index:

mit = Preise bzgl. Berichtsjahr, = Preise bzgl. Basisjahr, = Verbrauch bzgl. Basisjahr.

Warenkorb und Gewichtung der Ausgabekategorien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

COICOP-
Code
Güterkategorien
CC01 Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke
CC02 Alkoholische Getränke und Tabakwaren
CC03 Bekleidung und Schuhe
CC04 Wohnung, Wasser, Gas u. a. Brennstoffe
CC05 Möbel, Leuchten, Geräte u. a. Haushaltszubehör
CC06 Gesundheitspflege
CC07 Verkehr
CC08 Nachrichtenübermittlung
CC09 Freizeit, Unterhaltung und Kultur
CC10 Bildungswesen
CC11 Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen
CC12 Andere Waren und Dienstleistungen
Zusammensetzung des deutschen Warenkorbes (Insgesamt 600 Güterarten, Stand 2010)[10]
Bestandteil 1995 2000 2005 2010
01 Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke 13,1 % 10,3 % 10,4 % 10,3 %
02 Alkoholische Getränke und Tabakwaren 4,2 % 3,7 % 3,9 % 3,8 %
03 Bekleidung und Schuhe 6,9 % 5,5 % 4,9 % 4,5 %
04 Wohnung, Wasser, Gas u. a. Brennstoffe 27,5 % 30,2 % 30,8 % 31,7 %
05 Möbel, Leuchten, Geräte u. a. Haushaltszubehör 7,1 % 6,9 % 5,6 % 5,0 %
06 Gesundheitspflege 3,4 % 3,5 % 4,0 % 4,4 %
07 Verkehr 13,9 % 13,9 % 13,2 % 13,5 %
08 Nachrichtenübermittlung 2,3 % 2,5 % 3,1 % 3,0 %
09 Freizeit, Unterhaltung und Kultur 10,4 % 11,1 % 11,6 % 11,5 %
10 Bildungswesen 0,7 % 0,7 % 0,7 % 0,9 %
11 Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 4,6 % 4,7 % 4,4 % 4,5 %
12 Andere Waren und Dienstleistungen 6,1 % 7,0 % 7,4 % 7,0 %
Quelle: Statistisches Bundesamt

Ausgangspunkt ist der so genannte Warenkorb, der sämtliche Waren und Dienstleistungen enthält, die aktuell von den Konsumenten am häufigsten gekauft werden.[10] Die Auswahl der konkreten Produkte für die Preisbeobachtung wird laufend in Form von repräsentativen Stichproben ermittelt und aktuell gehalten. Mehr als 300.000 Einzelpreise für diese Produkte werden deshalb jeden Monat von Preiserhebern dezentral in Geschäften und durch zentrale Preiserfassungen z. B. im Internet oder in Versandkatalogen ermittelt. Anschließend werden die einzelnen Güter des Warenkorbs rund 600 Gütergruppen zugeteilt und für jede Güterart die durchschnittliche Preisentwicklung errechnet. Als Grundlage für die Einteilung in Gütergruppen dient die COICOP-Klassifizierung, wie sie auch von Eurostat oder den Vereinten Nationen verwendet wird. Die Klassifizierung fasst die Gütergruppen noch in drei Hierarchiestufen zu größeren Kategorien zusammen, um so einen Überblick über die Preisentwicklung in unterschiedlich detaillierten Teilbereichen der privaten Lebensführung zu ermöglichen. Die oberste Hierarchiestufe bildet eine Einteilung in zwölf Güterkategorien.

Für die Errechnung der gesamten Teuerungsrate werden die Preisentwicklungen der einzelnen Gütergruppen mit dem sogenannten Wägungsschema gewichtet.[10] Dieses schlüsselt auf, wie viel die Haushalte im Schnitt für eine Güterart ausgeben und stellt damit sicher, dass jede Gütergruppe nur mit dem ihr zustehenden Ausgabenanteil in den gesamten Preisindex einfließt. Das Wägungsschema wird im Gegensatz zum Warenkorb nur in einem 5-jährlichen Turnus aktualisiert. Die wichtigsten Quellen für die Neuberechnung des Wägungsschemas sind neben der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe[11] die Statistik der Laufenden Wirtschaftsrechnungen und Daten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen. Ergänzt werden diese Basisinformationen noch durch die Analyse weiterer amtlicher und nichtamtlicher Quellen, um eine detaillierte Aufteilung der Ausgaben auf die einzelnen Güterarten zu ermöglichen. Neben dem Wägungsschema für Waren und Dienstleistungen werden für die Berechnung des Verbraucherpreisindex noch Wägungsschemata für Geschäftstypen und Bundesländer genutzt.

Die Preisentwicklung im Verbraucherpreisindex wird jeweils als Indexzahl mit Bezug auf ein Basisjahr (derzeit 2015)[12] angegeben, das mit 100 Punkten gewertet wird. Der Gesamtindex lag im Jahr 2016 bei 107,4, im Jahr 2011 bei 102,1 und im Jahr 1991 noch bei 70,2. Einzelne Gütergruppen können sich dabei aber sehr unterschiedlich entwickeln. So stiegen z. B. von 2010 bis 2016 die Preise für die Kategorie CC 02, alkoholische Getränke und Tabakwaren von 100,0 auf 116,0 Punkte, während der Bereich CC 08, Nachrichtenübermittlung von 100,0 auf 90,3 Punkte sank.

Diese teils sehr unterschiedliche Entwicklung der verschiedenen Gütergruppen ist einer der Gründe, wieso die von vielen Menschen subjektiv wahrgenommene Inflation oft deutlich von der im Verbraucherpreisindex objektiv erfassten Inflation abweicht. Das Statistische Bundesamt beschäftigte sich mit dem Thema der wahrgenommenen Inflation in speziellen Untersuchungen.[13]

Die Bestimmung des Verbraucherpreisindex erfolgt in Deutschland mit Hilfe des Laspeyres-Index. Wenn sich die Preise verschiedener Güter in unterschiedlichem Maß erhöhen, hat der Index eine Tendenz zur Überschätzung des wahren Anstiegs der Lebenshaltungskosten. Das kann man auf den festen Warenkorb zurückführen, denn sich stark verteuernde Waren können eventuell durch andere Güter substituiert werden.[14] Für europäische Zwecke berechnet das Statistische Bundesamt zusätzlich zum Verbraucherpreisindex für Deutschland seit 1997 auch einen harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) für Deutschland.

Index von 1991 bis 2021 (Basisjahr 2015 = 100)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahresdurchschnitte Verbraucherpreisindex für Deutschland (inkl. Veränderungsraten):
Jahr VPI[12] Veränderung zum Vorjahr in %
1991 65,5 0,0
1992 68,8 5,0
1993 71,9 4,5
1994 73,8 2,6
1995 75,1 1,8
1996 76,1 1,3
1997 77,6 2,0
1998 78,3 0,9
1999 78,8 0,6
2000 79,9 1,4
2001 81,5 2,0
2002 82,6 1,3
2003 83,5 1,1
2004 84,9 1,7
2005 86,2 1,5
2006 87,6 1,6
2007 89,6 2,3
2008 91,9 2,6
2009 92,2 0,3
2010 93,2 1,1
2011 95,2 2,1
2012 97,1 2,0
2013 98,5 1,4
2014 99,5 1,0
2015 100,0 0,5
2016 100,5 0,5
2017 102,0 1,5
2018 103,8 1,8
2019 105,3 1,5
2020 105,8 0,5
2021 109,1 3,1

Verwendung des Verbraucherpreisindexes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die historischen Index-Werte kann der Preis eines Jahres für ein Produkt oder eine Leistung zum Preis eines anderen Jahres für dasselbe Produkt oder dieselbe Leistung ins Verhältnis gesetzt werden. Dadurch können Schwankungen durch Inflation oder Deflation ausgeglichen bzw. herausgerechnet werden.

Anwendung findet der VPI häufig bei sogenannten Wertsicherungsklauseln wie beispielsweise bei der Anpassung der Miethöhe, wenn eine Indexmiete vereinbart wurde, um sicherzustellen, dass der Gläubiger auch künftig den Betrag erhält, der wertmäßig der ursprünglich festgelegten Geldsumme entspricht. Unternehmen verwenden in Verträgen mit anderen Unternehmen häufig Preisgleitklauseln, um sich gegen Marktrisiken abzusichern.[15]

Aber auch zur Berechnung des indexierten Anfangs- und Endvermögens beim Zugewinnausgleich nach einer Ehe-Scheidung wird auf den VPI Bezug genommen. Dabei wird der inflationsbedingte Kaufkraftverlust mithilfe der sogenannten Indexierung aus dem Zugewinnausgleich herausgerechnet. Das geschieht mit folgender Formel:

Anfangsvermögen x Index zum Zeitpunkt des Scheidungsantrages / Index bei Heirat = indexiertes Anfangsvermögen.[16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. 61111-0002 – Verbraucherpreisindex: Deutschland, Monate. Datenbank-Tabelle. In: destatis.de. 25. September 2022, abgerufen am 25. September 2022.
  2. Inflationsrate im September 2022 voraussichtlich +10,0 %. Pressemitteilung. In: destatis.de. 29. September 2022, abgerufen am 29. September 2022.
  3. Verbraucherpreisindex. Abgerufen am 16. November 2021.
  4. Verbraucherpreisindex für Deutschland - Wägungsschema für das Basisjahr 2015. Statistisches Bundesamt, 21. Februar 2019, abgerufen am 9. September 2019.
  5. Download Verbraucherindex Lange Reihen ab 1948. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 12. September 2019.
  6. Genesis Online Datenbank: Verbraucherpreisindex (inkl. Veränderungsraten): Deutschland, Jahre. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 12. September 2019.
  7. Verbraucherpreisindex Deutschland Pressemitteilungen. Statistisches Bundesamt, abgerufen am 12. September 2019.
  8. Rechtsgrundlagen für Statistiken/Erhebungen zum Thema "Preise". Auf destatis.de, abgerufen am 5. April 2019
  9. Qualitätsbericht | Preise – Verbraucherpreisindex für Deutschland. (PDF, ca. 247 KB) destatis.de, 4. Januar 2018, S. 10–11, abgerufen am 5. April 2019.
  10. a b c Warenkorb und Wägungsschema. (Nicht mehr online verfügbar.) destatis.de, archiviert vom Original am 7. Juli 2007; abgerufen am 5. April 2019.
  11. Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) – methodische Erläuterungen. Statistisches Bundesamt (Destatis), abgerufen am 25. Oktober 2017.
  12. a b Statistisches Bundesamt Deutschland - GENESIS-Online. 17. November 2021, abgerufen am 16. November 2021.
  13. Projekt zur Messung der „wahrgenommenen Inflation“. In: STATmagazin. Statistisches Bundesamt (Destatis), abgerufen am 20. März 2012.
  14. Illing, Blanchard: Makroökonomie. 5. Auflage. Pearson, 2009, ISBN 978-3-8273-7363-2, S. 912.
  15. Preisindizes in Verträgen. Abgerufen am 16. November 2021.
  16. Zugewinnausgleich berechnen: So ermittelst Du den Zugewinn nach der Ehe – Berechnung des Hauses - Finanztip. Abgerufen am 16. November 2021.