Warenkorb

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Ein repräsentativer Warenkorb ist die Zusammenstellung einer möglichst repräsentativen Anzahl verschiedener Güter zur Ermittlung des Preisindex und der Inflation. Die Preisentwicklung der enthaltenen Güter wird dabei über eine bestimmte Zeit (z. B. vier Jahre) mit konstanter Gewichtung der einzelnen Positionen ermittelt.

Üblicherweise versteht man unter dem Warenkorb den, der für die Berechnung des Verbraucherpreisindex (VPI) verwendet wird. Dieser berücksichtigt die anteiligen Ausgaben der privaten Haushalte für die entsprechenden Güterkategorien.

Daneben gibt es auch Warenkörbe für die Berechnung anderer Preisindizes wie etwa Erzeugerpreisindex, Großhandelspreisindex oder Baupreisindex.

In Großbritannien wird der (Consumer price index = CPI) ebenfalls auf Grundlage eines repräsentativen Warenkorbes errechnet.[1]

Warenkorb in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zusammensetzung des deutschen Warenkorbs in %
Bestandteil 1995 2000 2005 2010
01 Nahrungsmittel, alkoholfreie Getränke 13,1 10,3 10,4 10,3
02 Tabakwaren, alkoholische Getränke 4,2 3,7 3,9 3,8
03 Bekleidung, Schuhe 6,9 5,5 4,9 4,5
04 Wohnung, Wasser, Gas, Brennstoffe 27,5 30,2 30,8 31,7
05 Einrichtungsgegenstände 7,1 6,9 5,6 5,0
06 Gesundheit, Pflege 3,4 3,5 4,0 4,4
07 Verkehr 13,9 13,9 13,2 13,5
08 Nachrichtenübermittlung 2,3 2,5 3,1 3,0
09 Freizeit, Kultur, Unterhaltung 10,4 11,0 11,6 11,5
10 Bildungswesen 0,7 0,7 0,7 0,9
11 Hotel, Restaurants 4,1 4,7 4,4 4,5
12 Andere Waren und Dienstleistungen 6,1 7,0 7,4 7,0
Quelle: Statistisches Bundesamt
Verbraucherpreisindex für Deutschland mit Gütern des Warenkorbes, von 1991 bis 2012

In Deutschland wird der Warenkorb für den Verbraucherpreisindex vom Statistischen Bundesamt erstellt und enthält etwa 600 Güter (Stand: 2018).

Die Datenbasis zur Ermittlung des Verbraucherpreisindex wird durch monatlich durchgeführte Erhebungen erstellt: Jeweils zur Monatsmitte führen im Auftrag der Statistischen Landesämter etwa 600 und im Auftrag des Statistischen Bundesamtes weitere 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Preiserhebungen zu den im Warenkorb enthaltenen Gütern und Dienstleistungen durch. Die Preise werden in so genannten Berichtsstellen erfragt (z. B. Einzelhandelsgeschäfte, Dienstleistungsbüros usw.), über das gesamte Bundesgebiet verteilt sind. Für die Berechnung des Verbraucherpreisindex werden monatlich mehr als 300.000 Einzelpreise in Handels- und Dienstleistungs-unternehmen manuell erhoben. Diese bisher übliche Preiserhebung umfasst einerseits die dezentrale Preiserhebung durch Preiserheberinnen und Preiserheber in Geschäften in ganz Deutschland und andererseits die zentrale Preiserhebung, welche hauptsächlich als Erhebung im Internet erfolgt. Die ergänzende Nutzung digitaler Datenquellen ermöglicht es den Statistischen Ämtern, die Zahl der monatlichen Preisbeobachtungen deutlich zu erhöhen.

Das Wägungsschema, welches die einzelnen Positionen und Preise entsprechend ihrem Anteil an den Haushaltsausgaben gewichtet, wird in Deutschland in der Regel alle fünf Jahre aktualisiert.

Warenkorb in Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Österreich wird der Warenkorb für den Verbraucherpreisindex von der Statistik Austria erstellt. Von 1966 bis 1996 wurde der Warenkorb alle zehn Jahre aktualisiert (VPI 66 bis VPI 96). Aufgrund von Vorgaben von Eurostat findet die Anpassung des Warenkorbs nun alle fünf Jahre statt. Aktuell ist der VPI 2015, die nächste Aktualisierung wird im Jahr 2020 stattfinden, die neue Indexreihe ab Januar 2016 veröffentlicht. Der Warenkorb umfasst unter anderem Getreideprodukte, Fleischwaren, Fisch, Milch, Käse, Eier, Fette, Öle, Obst und Gemüse einschließlich Kartoffeln.

Warenkorb in der Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz führt das Bundesamt für Statistik den Landesindex der Konsumentenpreise (LIK). Die prozentuale Zusammensetzung der im Warenkorb enthaltenen Güter wird seit 2000 jährlich durch die Einkommens- und Verbrauchserhebung (EVE) bei den einzelnen Haushaltungen nachgeführt. Der Warenkorb enthält nicht nur Lebensmittel, sondern sämtliche Haushaltsausgaben wie Miete, Energiekosten usw.

Aspekte des Warenkorbmodells[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt beim Warenkorbmodell diverse Probleme, die zu einer Abweichung der berechneten Teuerungsrate/Inflationsrate führen können.

Mehr Leistung im Warenkorb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Produkte werden im Laufe der Zeit aufgrund des Technischen Fortschritts verbessert. Beispiel Auto: Einfach ausgestattete Automodelle verschwinden vom Markt. Neue Modelle haben Dinge eingebaut, die noch vor 20 Jahren den teuersten Oberklasse-Modellen vorbehalten waren: ABS, Airbag, ESP, Klimaautomatik. Insgesamt gesehen sind in weiten Lebensbereichen Teuerungen durch Entwicklung und Fortschritt zu erklären. Es wird somit eine Teuerung beobachtet, die teilweise auf einem gestiegenen Lebensstandard, gestiegenen Ansprüchen oder gestiegenen gesetzlichen Anforderungen beruht.

Es kann aber auch vorkommen, dass sich die Produktqualität im Zeitablauf verschlechtert, zum Beispiel durch einen gestiegenen Verbrauch an Wasser oder Strom bei Haushaltsgeräten oder Kraftstoff bei Pkw. Um solche Qualitätseffekte zu berücksichtigen und die "reine" Preisveränderung zu ermitteln, verwenden die Statistischen Ämter so genannte Qualitätsbereinigungsverfahren, zum Beispiel die hedonische Methode oder die Verwendung von Optionspreisen. Der Warenkorb selbst wird hierdurch nicht geändert.

Anpassungen des Warenkorbs[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da sich die Konsumgewohnheiten im Zeitablauf ändern, ist regelmäßig eine Anpassung des Warenkorbs vorzunehmen. Diese Gewichtung muss die tatsächlichen Verbrauchsmengen der Bewohner widerspiegeln.

Verschiedene Warenkörbe für unterschiedliche Zwecke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für unterschiedliche Zwecke müssen verschiedene Warenkörbe definiert werden. Während für die Messung der Inflation ein möglichst repräsentativer Warenkorb gewählt wird, ist für die Analyse der Ursachen häufig sinnvoll, mit speziellen Warenkörben zu arbeiten. So wird eine Kerninflationsrate ermittelt, in dem Lebensmittel und Energiepreise aus dem Warenkorb entfernt werden.

Die Konsumgewohnheiten unterscheiden sich nach Alter, Haushaltsgröße, Region und Lebensstil. Aus diesem Grund spiegelt die mit Hilfe eines Warenkorbs ermittelte Änderung des Preisniveaus nicht die individuelle Ausgabensituation wider. Daher werden Warenkörbe für unterschiedliche Haushaltsgrößen ermittelt, um die Auswirkungen der Teuerung für einzelne Bevölkerungsgruppen zu messen.

Die Wahrnehmung der Teuerung durch die Bürger wird nicht durch die Preissteigerungen aller Güter gleichermaßen geprägt. Preisänderungen häufig gekaufter Güter werden von den Käufern stärker wahrgenommen. Daher entstand der Begriff „gefühlte Inflation“. Um diese zu messen, wird ein Warenkorb definiert, der häufig gekaufte Güter des täglichen Bedarfs (z. B. Lebensmittel) höher gewichtet.

Laut der Website der offiziellen österreichischen Statistikagentur ist die gefühlte Inflation ".. das Ausmaß der Teuerung, die jeder Mensch beim täglichen/wöchentlichen Einkauf intuitiv verspürt. Weil die Preise für kurzfristige Anschaffungen in den letzten Jahren meist überdurchschnittlich gestiegen sind, entsteht das Gefühl einer wesentlich höheren Teuerung als offiziell ausgewiesen (Phänomen der „gefühlten Inflation“). Die Statistik Austria berechnet keinen Indikator für die gefühlte Inflation, sehr wohl aber stellt sie die Teuerungsraten eines täglichen oder wöchentlichen Einkaufs dar (siehe Mikro- und Miniwarenkorb)".

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Warenkorb – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. siehe auch den Artikel in der englischen Wikipedia