Verein Dichterstein Offenhausen

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Der Verein Dichterstein Offenhausen war eine rechtsextreme Kulturorganisation in Österreich und wurde 1999 wegen NS-Wiederbetätigung behördlich aufgelöst.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein Dichterstein Offenhausen wurde 1963 vom rassistischen und antisemitischen Schriftsteller Joseph Hieß gegründet. Bei der Gründungsfeier übernahm Mirko Jelusich die Schirmherrschaft.[1]

Der Verein hielt regelmäßig Treffen bei dem als „altdeutsche Weihestätte“ bezeichneten Denkmal „Dichtersteinanlage“ bei Offenhausen ab. Jährlich wurden im Rahmen einer Feierstunde Namensteine „zu Ehren deutscher Dichter“ in die Ringmauern eingelassen und Bäume gepflanzt. Die Verleihung des Joseph-Hieß-Gedächtnispreises und des Dichtersteinschildes gehörten ebenso zum Ritual.

An den Treffen nahmen bekannte Rechtsextremisten und Neonazis aus dem In- und Ausland wie Gerd Honsik, Bela Ewald Althans und Otto Ernst Remer teil. Enge Kontakte bestanden auch zur FPÖ, die durch parlamentarische Anfragen mehrfach versuchte, die Rechtmäßigkeit des behördlichen Vorgehens gegen den Verein in Abrede zu stellen. Der Verein wurde 1999 wegen NS-Wiederbetätigung behördlich aufgelöst.[2][3]

In enger Verbindung mit dem Verein „Dichterstein Offenhausen“ stand die „Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik“, die seit Jahrzehnten Veranstaltungen mit Vertretern europäischer rechtsextremer Parteien im Wirtshaus „Lauber“ im Ortskern von Offenhausen abhält.[4][5]

Dichtersteinanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

BW

Die ab 1963 erbaute Dichtersteinanlage befindet sich östlich des Ortskerns von Offenhausen auf einem den Ort überblickenden Hang (Lage). Auf einer von ovalen Bruchsteinmauern umgebenen Rasenfläche stehen zwei Bruchsteinpfeiler, an denen – wie auch an den Umfassungsmauern – insgesamt etwa 450 Marmorplatten mit den Namen von Dichtern angebracht sind. In die Stufen der zum Denkmal führenden „Treuetreppe“ sind politische Schlagworte wie „Sippenreinheit“, „Artbewußtsein“ oder „Gefolgschaftstreue“ eingemeißelt. Rechts und links des Treppenfußes stehen zwei 1971 aufgestellte „Wikingerschilde“ mit Schiller- und Goethezitaten. Über dem Zugang befindet sich ein 1980 ergänztes Tor mit einem inzwischen weitgehend zerstörten Zitat Erwin Guido Kolbenheyers: „Wer den Geist verrät, verrät sein Volk“.[6] Nach der Auflösung des Vereins wurde die Pflege der Anlage weitgehend aufgegeben, einige Namenszüge wurden vom Besitzer übermalt und Teile der Anlage von Autonomen beschädigt.[7]

Träger des „Dichtersteinschilds“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Dichtersteinschild wurde verliehen an:[8]

Publikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verein begleitete seine Aktivitäten intensiv durch Publikationen. In der „Offenhausener Reihe“ beim Arndt-Verlag erschienen erschienen zwischen 1970 und 1978 mindestens 24 Bände vorwiegend von Trägern des Dichtersteinschilds. Weitere Titel sammelten die jährlichen Vorträge und stellten Kurzbiografien der in der Anlage geehrten Personen vor.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Burk: Hitler, Braunau und ich. Wie meine Urgroßmutter den Krieg hätte verhindern können. Westend-Verlag, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-86489-179-3, S. 80–84. [Kapitel „Die Linde am Dichterstein“]
  • Andrea Reiter: Die Lyrik des ‘Dichtersteins Offenhausen‘ als Beispiel für die Kontinuität antimoderner Dichtung in Österreich nach 1945. In: Zeitgeschichte 18 (5/6 1990), S. 155–171.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Purtscheller: Aufbruch der Völkische. Das braune Netzwerk. Picus, Wien 1993, ISBN 3-85452-239-8, S. 78.
  2. Verein Dichterstein Offenhausen. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, abgerufen am 17. November 2018.
  3. Karl Müller: Stellungnahme zum ‚Dichterstein Offenhausen‘ für die Bezirkshauptmannschaft Wels-Land. In: Aurora-Magazin. März 1998, archiviert vom Original am 20. Dezember 2013; abgerufen am 17. November 2018.
  4. Rechtsextremisten-Treffen soll am Wochenende in Offenhausen stattfinden: MKÖ und Antifa-Netzwerk fordern Verbot der AFP. Mauthausen Komitee Österreich, abgerufen am 17. November 2018.
  5. AFP-Treffen in Offenhausen. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes, Oktober 2005, abgerufen am 17. November 2018.
  6. Wolfgang Purtscheller: Aufbruch der Völkischen. Das braune Netzwerk. Picus Verlag, Wien 1993, ISBN 978-3-85452-239-3, S. 75 f.
  7. Arnold Reinthaler: ich bin ein kind aus österreich. Abgerufen am 11. Januar 2019 (mit Abbildungen).
  8. Michaela Nöstlinger: Der Dichterstein Offenhausen. Universität Wien, Wien 1997, S. 89. [Diplomarbeit]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]