Vernachlässigung

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Dieser Artikel erläutert den sozialen Aspekt; Weglassen unwichtiger Details siehe Idealisierung (Physik).

Vernachlässigung ist die mangelhafte Umsorgung, die Nicht-Betreuung und das Vergessen, auch das Vorenthalten von Hilfe für einen anderen Menschen. Häufig davon betroffen sind Kranke, Behinderte (besonders geistig Behinderte), Babys, Kinder, Arme, Alte, einsame Menschen, Hilflose und Leute in Heimen oder Krankenhäusern. In der Regel werden zwei Formen von Vernachlässigung unterschieden - die körperliche und die psychische.

Formen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Körperliche Vernachlässigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Darunter versteht man die mangelhafte oder fehlende Pflege eines Menschen, zum Beispiel, wenn ein Patient nicht behandelt wird oder wenn jemand im Dreck liegengelassen wird. Auch die falsche Vergabe und Anwendung von Medikamenten in Krankenhäusern kann man als mangelhafte Pflege bezeichnen. Häufig sind davon kranke und alte Menschen betroffen, besonders Patienten in Krankenhäusern, in Alters- und Pflegeheimen. Körperliche Vernachlässigung kann gravierende Folgen haben, beispielsweise die Nichterkennung von Krankheiten, Liegegeschwüre (Dekubitus), Unterernährung, Fehlernährung und Infektionen. In extremen Fällen kann körperliche Vernachlässigung zum Tod führen.

Psychische Vernachlässigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychische Vernachlässigung (auch emotionale Vernachlässigung) ist die lieblose und unpersönliche Betreuung eines Menschen, zum Beispiel Anschreien, Einschüchterung, Beleidigung, Missachtung oder Sündenbockstellung der Kinder. Betroffen sind vor allem Kinder[1], Kranke, Patienten in Pflegeheimen, Behinderte und Alte in Altersheimen.

Die Folgen von psychischer Vernachlässigung sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Bei Kindern kommt es teilweise zu Entwicklungsverzögerungen und Fehlentwicklungen (zum Beispiel eine Anpassungsstörung, eine Belastungsstörung oder eine Bindungsstörung). Erwachsene Patienten in Krankenhäusern oder Altersheimen leiden beispielsweise unter Depressionen oder sie regredieren (erworbene Fähigkeiten gehen wieder verloren). Emotionale Vernachlässigung und dauernde Missachtung kann zu psychischer Deprivation, Hospitalismus und nichtorganischen Gedeihstörungen führen.[2] Bei Kindern führt sie über die Schädigung des Grundvertrauens regelmäßig zu Beeinträchtigungen der emotionalen Intelligenz.[3]

Vernachlässigung und Gewalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein weiteres Problem ist die körperliche Gewalt gegen Alte und Kranke in Alters- und Pflegeheimen und die Anwendung freiheitsentziehender Maßnahmen in Heimen. Schätzungen zufolge sterben jährlich etwa 10.000 Menschen in Alters- und Pflegeheimen in Deutschland an Vernachlässigung. Häufig gibt es zu wenig Erzieher und Pfleger in den Heimen, sie sind überlastet und haben kaum Zeit für die Patienten. Menschen in Pflegeberufen sind oft schon nach einigen Monaten „ausgebrannt“ und erschöpft und quittieren den Dienst. Aus diesen Gründen kommt es häufig vor, dass Heiminsassen geschlagen, festgebunden, nicht gewaschen oder gefüttert oder mit Medikamenten ruhiggestellt werden.

Prävention und Gegenmaßnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inzwischen gibt es erste Ansätze für eine bessere Betreuung von chronisch Kranken, Behinderten und Alten. In vielen Intensivstationen wird mittlerweile der Hautkontakt zwischen Mutter und Baby erlaubt, um schwerwiegende Folgen für das Kind zu vermeiden. Für behinderte Menschen gibt es zum Beispiel das betreute Wohnen. Die Hospizbewegung kümmert sich vor allem um todkranke Menschen. Das integrative Lebensmodell von Geel (Belgien) hat weitere Nachahmer in Deutschland, Frankreich und der Schweiz gefunden.

Gesetzliche Regelungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die körperliche und/oder psychische Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen wird auch Verwahrlosung genannt (Art. 6 Abs. 3 Grundgesetz). Die Kinder- und Jugendhilfe (als Teil der staatlichen Ordnung) hat gemäß § 8a SGB VIII für Kinderschutz zu sorgen.

In manchen Ländern gibt es explizite Gesetze, auf deren Grundlage Eltern und Erziehungsberechtigte bestraft werden können, die Kinder unbeaufsichtigt z. B. zu Hause lassen oder es zulassen, dass Kinder sich unbeaufsichtigt durch die Nachbarschaft bewegen. Ein Beispiel bildet der US-Bundesstaat Illinois, in dem Kinder unter 14 Jahren nicht „unvernünftig lange“ unbeaufsichtigt gelassen werden dürfen.[4] In Silver Spring, Maryland wurde 2014 und 2015 ein Elternpaar wegen des Verdachts auf Kindesvernachlässigung behördlich untersucht, das es seinen 10- und 6-jährigen Kindern erlaubt hatte, unbeaufsichtigt im benachbarten Stadtpark zu spielen.[5]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: vernachlässigen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Norbert Kühne: Frühe Entwicklung und Erziehung - Die kritische Periode. In: Unterrichtsmaterialien Pädagogik - Psychologie. Nr. 694, Stark Verlag, Hallbergmoos, 2012
  2. Dt.Ges.f. Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie u.a. (Hrsg.): Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter. Deutscher Ärzte Verlag, 3. überarbeitete Auflage 2007 - ISBN 978-3-7691-0492-9, S. 423 - 435
  3. Daniel Goleman: Emotional Intelligence. Why It Can Matter More Than IQ. 1. Auflage. Bantam, New York 1995, ISBN 0-553-09503-X., S. 193–195
  4. Illinois Compiled Statutes: Juvenile Court Act, 705 ILCS 405/2-3(1)(d). Abgerufen am 2. Dezember 2015.
  5. Parents investigated for neglect after letting kids walk home alone. Abgerufen am 2. Dezember 2015. The Washington Post, 14. Januar 2015; Maryland family under investigation again for letting kids play in park alone. Abgerufen am 2. Dezember 2015. CNN, 24. April 2015