Verpoorten

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Verpoorten GmbH & Co. KG
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Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1876
Sitz Bonn, Deutschland
Leitung William Verpoorten
Mitarbeiterzahl zirka 100
Umsatz zirka 50 Millionen Euro
Branche Spirituosen
Website www.verpoorten.de

Die Verpoorten GmbH & Co. KG ist ein Hersteller von Eierlikör mit Sitz in Bonn.

Hauptgebäude der Firma Verpoorten in Bonn

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eugen Verpoorten gründete die Firma 1876 in Heinsberg. Der aus Antwerpen stammende Destillateur eröffnete auf der Heinsberger Hochstraße, neben dem adligen Damenstift, die „Liqeur-Fabrik & Colonialwaaren von H. Verpoorten“, wo er erstmals kommerziell Eierlikör herstellte. Das streng gehütete Rezept des Eierlikörs ist seit der Firmengründung nicht verändert worden.

Sein Sohn Hubert Verpoorten führte das Geschäft erfolgreich weiter. In dritter Generation leitete der 1896 geborene Willy Verpoorten den Betrieb. Er verlegte das Unternehmen im Jahr 1920 nach Berlin, weil er nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg keine erfolgversprechenden Aussichten auf einen Neuanfang im französisch besetzten Rheinland sah. Die Produktionsstätte in Berlin wurde 1944 im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Nachdem die Produktion nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in einem bestehenden Zweigbetrieb in Straubing wieder aufgenommen worden war, wurde 1952 mit dem Bau des heutigen Hauptsitzes in Bonn begonnen. Viktor Verpoorten führte nun die Geschäfte und setzte in den 1960ern erstmals massiv auf Werbung, als er 1961 das Motto „Ei, ei, ei – Verpoorten“ aus dem Schlager „Ay ay ay Maria – Maria aus Bahia“ kreierte. Zuvor lautete das Werbemotto: „Erquickt den Gaumen, labt und kräftigt, stimmt froh und heiter, daheim und allerorten: Verpoorten“. Neben dieser offiziellen Version[1] ist auch auf den Film „Immer die Radfahrer“ von 1958 zu verweisen. In der Komödie spielt Heinz Erhardt den Eierlikörfabrikanten Eilers, dessen Produkt mit dem Slogan „Ei, Ei, Eilers“ vermarktet wird.

Verpoorten befindet sich seit fünf Generationen im Familienbesitz. Seit 2003 ist William Verpoorten Geschäftsführer.[2] Heute werden unter dem Markennamen unter anderem auch Tiefkühltorten, Gebäck, Pralinen, Schokolade, Eiscreme und Desserts vermarktet.[3]

Unternehmenszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verpoorten beschäftigt rund 100 Mitarbeiter und täglich werden bis zu 130.000 Flaschen abgefüllt und in 30 Länder exportiert. Der Umsatz liegt nach Unternehmensangaben stabil bei rund 50 Millionen Euro.

Markenrechtsstreit um Dirk Verpoorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dirk Verpoorten, ein jüngerer Bruder von Firmenchef William Verpoorten und Gesellschafter der Verpoorten GmbH & Co. KG, vertreibt mit einer eigenen Firma seit 2014 einen Kräuterlikör namens Hirschrudel. Laut der bayerischen Likörherstellerin Petra Waldherr-Merk (Hirschkuss-Genussmanufaktur GmbH, Gaißach) handelt es sich dabei um ein Plagiat ihres Kräuterlikörs Hirschkuss. Waldherr-Merk beruft sich unter anderem auf eine chemische Analyse beider Liköre. Zahlreiche überregionale Medien haben über den Disput berichtet, in dem auch die Entstehungsgeschichte von Hirschrudel angezweifelt wurde. Dirk Verpoorten wies die Vorwürfe zurück.[4][5][6][7][8][9][10][11][12]

2016 stellte Waldherr-Merk einen Antrag auf Löschung der Marke Hirschrudel. Derzeit beschäftigt sich das Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) in Alicante, Spanien, mit dem noch schwebenden Verfahren. (Stand: Januar 2018).

Das Unternehmen Mast-Jägermeister geht ebenfalls seit längerem juristisch gegen die Eintragung der Wortmarke Hirschrudel vor. Begründet wird dies mit Verwechslungsgefahr zum Konkurrenzprodukt Jägermeister. Im Oktober 2014 wurde Mast-Jägermeister vom Landgericht Hamburg in erster Instanz Recht gegeben und die weitere Verbreitung von Hirschrudel untersagt.

Dirk Verpoorten hat gegen dieses Urteil im Januar 2016 Berufung vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg eingelegt. Sollte er das Verfahren verlieren, droht ihm eine Geldstrafe von bis zu 250.000 Euro. Eine Entscheidung steht noch aus (Stand: Mai 2016).[13][14]

Der Berliner Journalist Rainer Balcerowiak erhebt in seinem Blog Genuss ist Notwehr den Vorwurf, Dirk Verpoorten sage die Unwahrheit über die Herstellung von Hirschrudel, der angeblich in Handarbeit abgefüllt werde. Balcerowiak beruft sich auf ein Interview mit Dirk Verpoorten im Juni 2015, in dem dieser als Abfüller einen industriellen Großbetrieb in Niedersachsen genannt, Fotos von der Abfüllung gezeigt und sich auch bezüglich der Entstehungsgeschichte von Hirschrudel in Widersprüche verstrickt habe. Er bestätigt dabei auch Vorwürfe von Waldherr-Merk.[15]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Verpoorten – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael Derkum: Schlager. In: www.verpoorten.de. Abgerufen am 2. Januar 2017.
  2. Gerhard Hennemann: Zwischen Kaffeekränzchen und Disco. Süddeutsche.de vom 17. Mai 2010 (abgerufen am 19. Mai 2013)
  3. Eintrag zu Spirituosenhersteller Verpoorten GmbH & Co. KG in der Datenbank „KuLaDig“ des Landschaftsverbands Rheinland, abgerufen am 15. Februar 2017.
  4. Alexander Demling: Plagiatstreit bei Kräuterlikören: Schnaps ist Schnaps, 18. März 2016. In: Spiegel Online
  5. Thomas Gautier: Bayern-Likör gegen Eier-Likör, 19. März 2016. In: Bild
  6. Elena Adam: Streit um den Hirsch, 4. April 2016. In: Süddeutsche Zeitung
  7. Axel Höpner: Kampf um den Hirsch, 4. April 2016. In: Handelsblatt
  8. Michael Gassmann: Absurder Streit um Hirsch-Kräuterlikör, 25. März 2016. In: Die Welt
  9. Carla Neuhaus: Der Likör des Anstoßes, 29. März 2016. In: Der Tagesspiegel, Berlin
  10. Denise Kylla: Plagiatsvorwürfe – Ist Verpoortens "Hirschrudel" etwa ein "Hirschkuss", 22. März 2016. In: Express
  11. Christian Stücken: Hirschkuss gegen Hirschrudel, 30. März 2016. In: Kontrovers, Bayerischer Rundfunk
  12. Veronika Ahn-Tauchnitz: Hirschkuss: Zoff mit Verpoorten, 18. März 2016. In: tz
  13. Nadine Klees: Eine Bonner Eierlikördynastie, 3. Juni 2017. In: Bonner Generalanzeiger
  14. In Wikipedia im Artikel Jägermeister
  15. Rainer Balcerowiak: Likörkrieg im Hirschrevier, 21. April 2016. In: Genuss ist Notwehr