Versatel

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Versatel GmbH
Unternehmenslogo der Versatel Deutschland
Rechtsform GmbH
Gründung 2005
Sitz Berlin, Deutschland[1]
Leitung Johannes Pruchnow
Mitarbeiter 967 (31. Dez. 2011)[2]
Umsatz 631 Mio. Euro (2011)[2]
Branche Telekommunikation
Website www.versatel.de
Versatel-Hauptverwaltung in Düsseldorf

Die Versatel GmbH ist ein Telekommunikationsanbieter mit Sitz in Berlin und seit Mitte 2014 ein Tochterunternehmen der United Internet AG. Als Anbieter von Sprach-, Internet- und Datendiensten für Privat- und Geschäftskunden auf dem deutschen Markt erzielte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2014 einen Gesamtumsatz von 530 Mio. Euro.[3]

Unternehmen[Bearbeiten]

Geschäftsumfeld und Konkurrenz[Bearbeiten]

Das Unternehmen engagiert sich in den Branchenverbänden BREKO, BITKOM und VATM und verfügt nach eigenen Angaben über ein Glasfasernetz mit einer Gesamtlänge von ca. 50.000 Kilometern in Deutschland.[4] Ein Großteil davon befindet sich auf regionaler und städtischer Ebene. Damit gehört Versatel zu den wenigen Anbietern auf dem deutschen Markt, die über eigene Festnetzanschlüsse unabhängig von der Deutschen Telekom verfügen.[5]

Am 14. April 2015 gab Versatel auf dem unternehmenseigenen Blog (VersaBlog) bekannt, dass alle Privat- und Geschäftskunden noch mindestens bis zum Jahr 2020 und ggf. darüber hinaus (in Abhängigkeit von der jeweils regional verfügbaren Technik und den entsprechend verfügbaren Ersatzteilen) von echter ISDN-Qualität am Anschluss profitieren werden.[6]

Aus dem am 16. April 2015 veröffentlichten "Breitband Report Deutschland" von DSLWEB für das vierte Quartal 2014 geht hervor, dass Versatel zusammen mit seinem Schwesterunternehmen 1&1 (zum Stand 31. Dezember 2014) 4,19 Mio. Breitband-Verträge auf sich vereint und der Mutterkonzern United Internet damit nach der Anzahl der Breitbandanschlüsse auf dem 2. Platz hinter der Deutschen Telekom rangiert.[7] Bei dieser Zählweise wurden allerdings Vodafone und Kabel Deutschland noch als zwei getrennte Unternehmen behandelt und dargestellt.

Produktportfolio[Bearbeiten]

Versatel bietet verschiedene Dienstleistungen aus dem Telekommunikationsbereich für Privat- und Geschäftskunden an, wobei hierzu auch Vorleistungen anderer Telekommunikationsunternehmen gehören. Da Versatel über kein eigenes Mobilfunknetz verfügt, operiert es als sogenannter MVNO (Mobile Virtual Network Operator) über das Netz von Telefónica Germany und bietet darin eigene Mobilfunktarife für Privat- und Geschäftskunden an. Im Rahmen dieser Kooperation bietet Versatel seit August 2009 auch bundesweit Festnetz- und Mobilfunkprodukte im Geschäftskundenbereich an, darunter seit 2011 auch LTE-Tarife.[8] Dem gegenüber waren die Mobilfunkanschlüsse für Privatkunden bis Ende März 2014 ausschließlich im Mobilfunknetz von E-Plus geschaltet. Weitere bedeutende Geschäftsfelder von Versatel sind Internet Hosting und Unternehmensvernetzung auf Basis von Virtual Private Networks (VPN) und Glasfaser. So betreibt Versatel beispielsweise seit Januar 1998 (damals noch unter dem Namen Tesion) erfolgreich das Landeshochschulnetz BelWü von Baden-Württemberg.

Anfang 2015 (im Zeitraum von März bis April) wurde das Privatkundenportfolio des Unternehmens (mit Ausnahme des Festnetz- und DSL-Bereichs) konsolidiert. Versatel hat seine bislang eigenständigen Angebote für Privatkunden in den Bereichen Mobilfunk sowie Hosting und Homepage eingestellt. Seitdem verweisen die Versatelseiten im Privatkundenbereich auf die entsprechenden Privatkundenangebote des Schwesterunternehmens 1&1. Im Mobilfunkbereich haben Privatkunden von Versatel dadurch nun die freie Auswahl zwischen dem E-Netz von Telefónica Germany oder dem D-Netz von Vodafone.

Management[Bearbeiten]

(Stand 1. September 2015)

  • Johannes Pruchnow, Vorsitzender der Geschäftsführung (CEO)
  • Dr. Holger Püchert, Geschäftsführer Finanzen (CFO)
  • Martin Berchtenbreiter, Geschäftsführer Vertrieb (CCO)
  • Dirk Brameier, Geschäftsführer Technik (CTO)[9][10]

Unternehmensgeschichte[Bearbeiten]

Die ursprünglich in Deutschland operierenden Versatel-Gesellschaften waren über eine Holding-Gesellschaft Töchter der börsennotierten Versatel Telecom International N.V. mit Sitz in Amsterdam. Im Zuge eines einheitlichen Markt- und Markenauftritts in allen deutschen Kernmärkten und dem Aufbau unternehmensweiter Kompetenzzentren im Jahre 2004 wurde das Unternehmen grundlegend restrukturiert. Das heutige Unternehmen Versatel entstand 2005 durch den Zusammenschluss der deutschen Versatel-Gesellschaften und der Tropolys-Gruppe, die zuvor, ähnlich wie Versatel, zahlreiche infrastrukturbasierte Regional- und Stadtnetzbetreiber integriert hatte.

Akquisitionen[Bearbeiten]

Versatel begann im Jahre 1999 mit dem Erwerb der Anbieter VEW telnet und KomTel seine Präsenz auf dem deutschen Markt. In der Folge wurden die Unternehmen Tesion und Completel gekauft. In den folgenden Jahren stand vor allem der konstante Auf- und Ausbau des eigenen Glasfasernetzes im Fokus.

2004 konsolidierte das Unternehmen seinen Markt- und Markenauftritt. Im Sommer desselben Jahres wurde BerliKomm gekauft. Im Emscher-Lippe-Raum wurde Versatel durch den regionalen Anbieter GELSEN-NET vertrieben.

Im Juli 2008 übernahm Versatel alle Anteile am Kabelnetzbetreiber AKF. Fünf Monate später, im Dezember 2008, gründete Versatel ein Joint Venture zum Erwerb der MediaHome GmbH. Organisatorisch wurden beide Beteiligungen der Versatel Kabel GmbH unterstellt. Mit dem Verkauf dieser Gesellschaft (mit Ausgliederung umbenannt in DTK Deutsche Telekabel) an den französischen Finanzinvestor Chequers Capital zog man sich im Juli 2010 wieder vollständig aus dem Endkunden-Kabelgeschäft zurück. Im April 2009 erwarb die Versatel sämtliche Anteile eines lokalen Freiburger Telekommunikationsunternehmens. Damit stärkt Versatel vor allem sein Geschäftskunden-Segment in der Region Süd. Am 9. Mai 2009 wurde Alain D. Bandle Vorstandsvorsitzender der Versatel AG.

2012 übernahm Versatel von der Stadtwerke Kiel AG sowie der freenet Cityline GmbH 100 % der Anteile am lokalen Telekommunikationsanbieter KielNET.[11] Eine kleine Besonderheit stellt hiebei die Tatsache dar, dass Versatel seit der Übernahme die Marke KielNET gegenüber den Privatkunden im Einzugsbereich der KielNET bis heute weiter verwendet.

Am 21. Oktober 2013 gab Versatel den Kauf des Hamburger Glasfasernetzes von Telefónica Germany bekannt.[12]

Zusammenschluss mit Tropolys und Börsengang[Bearbeiten]

Die im Jahr 2000 gegründete Tropolys GmbH bündelte bis zum Zusammenschluss mit Versatel West-Deutschland insgesamt 14 Regionalnetzbetreiber, die verteilt im Bundesgebiet waren. Über die eigenen Netze boten diese Betreiber in verschiedenen Städten Dienstleistungen an. Neben den Regionalnetzbetreibern gehörten auch eine Service- und eine Netz-Gesellschaft zum Verbund. Im Jahr 2004 übernahmen der Private-Equity-Fonds Apax und die kommunalen Gesellschafter die Mehrheit von Tropolys vom bisherigen Hauptgesellschafter, dem deutschen Teil der finnischen Telekommunikationsgesellschaft Elisa.

Im Juli 2005 übernahm der schwedische Telekommunikationsanbieter Tele2 die niederländische Versatel. Deren deutsche Tochtergesellschaften wurden daraufhin an den Mehrheitsanteilseigner von Tropolys, die Private-Equity-Gesellschaft Apax, verkauft. Anschließend verkaufte Apax ihre Tropolys-Beteiligung an Versatel und vereinte damit beide Unternehmen unter einem Dach. Nach dem Börsengang im April 2007 war Versatel an der Frankfurter Börse notiert.

Eigentümerstruktur[Bearbeiten]

Nach dem IPO war die Vienna II S.a.r.l., Luxemburg, eine Holding von Apax, mit rund 42 Prozent nach wie vor größter Anteilseigner. United Internet hielt einen Anteil von 25 Prozent an Versatel. Cyrte Investments, ein niederländischer Private-Equity-Investor, besaß ebenfalls etwa 25 Prozent des Kapitals.

Im Mai 2011 übernahm die US-amerikanische Private Equity-Gesellschaft KKR über ihre Tochtergesellschaft VictorianFibre Holding GmbH die Versatel von den bisherigen Eigentümern für einen Kaufpreis von 240 Millionen EUR. Die bisherigen drei Großaktionäre, Apax Partners, Cyrte und United Internet erhielten einen Kaufpreis von EUR 5,50 je Aktie. United Internet erwarb wiederum über ein Optionsrecht im November 2012 25,1 % der Anteile an der Versatel-Obergesellschaft VictorianFibre Holding zurück. Schließlich folgte am 18. Dezember 2012 die Umwandlung der Rechtsform von einer AG in eine GmbH.[13]

Mit Wirkung zum 1. Oktober 2011 hat der Aufsichtsrat der Versatel AG den CEO Alain D. Bandle von seinen Aufgaben als Vorstandsvorsitzender entbunden und zeitgleich den COO Joachim Bellinghoven kommissarisch mit dem Vorsitz des Vorstandes beauftragt.[14] Am 1. Juli 2012 übernahm Johannes Pruchnow den Vorstandsvorsitz.[15]

Übernahme durch United Internet im Jahre 2014[Bearbeiten]

Am 3. September 2014 gab der bereits seit 2008 mit kurzer Unterbrechung (KKR-Deal) als Versatel-Ankerinvestor agierende Internetanbieter United Internet die wirtschaftlich zum 1. Juli 2014 rückwirkende Komplettübernahme von Versatel bekannt. Erwartungsgemäß wurde bereits wenige Tage später, am 26. September 2014, die Übernahmegenehmigung durch das Bundeskartellamt ohne jegliche Auflagen erteilt.[16] Für den noch ausstehenden Unternehmensanteil von 74,9 Prozent bezahlt United Internet rund 586 Millionen Euro in bar an KKR. Daneben erfolgt die Ablösung der Versatel-Nettobankverbindlichkeiten in Höhe von EUR 361 Mio. aus neuen Krediten, die United Internet aufnimmt. Über diese Einstiegsinvestitionen hinaus beabsichtigt United Internet künftig möglichst flächendeckend direkt vom neuen Tochterunternehmen Versatel DSL-Vorleistungen für die eigene, netzlose Tochter 1&1 bereitzustellen und damit jährlich bis zu ca. 55 Mio. Euro einzusparen. Außerdem hat United Internet bis 2019 erhebliche Investitionen für den weiteren Ausbau der Versatel DSL-Infrastruktur in Höhe von ca. 145 Mio. Euro fest eingeplant.[17] Perspektivisch beabsichtigt United Internet neben ADSL2+-Produkten auch eigene VDSL-Angebote über die gemeinsame technische Netzinfrastruktur mit Versatel zu implementieren.[18]

Für 2014 erwartet Versatel Umsätze in Höhe von ca. EUR 548 Mio. (Vorjahr: EUR 547 Mio.) und ein EBITDA von ca. EUR 164 Mio. (Vorjahr: EUR 155 Mio.). Der Free Cashflow soll ca. EUR 79 Mio. betragen (Vorjahr: EUR 75 Mio.). Das Versatel-Management begrüßt das große Engagement ausdrücklich und blickt positiv in die gemeinsame Zukunft im Unternehmensverbund von United Internet.[19]

Kritik[Bearbeiten]

Anfang 2007 wurden Fälle bekannt, in denen neben anderen Telekommunikationsanbietern auch Versatel personenbezogene Daten der Kunden gespeichert hatte, was in dieser Form nicht zulässig war. Unter anderem warf man Versatel vor, Daten von Nutzern nicht nur zu Abrechnungszwecken, sondern auch für Zwecke der nachträglichen Ermittlung des Nutzers einer dynamischen IP-Adresse gespeichert zu haben. Weiterhin wurden die Daten auf Anfrage nicht nur an die Strafverfolgungsbehörden, sondern auch an Rechtsanwaltskanzleien herausgegeben. Hierbei berief sich das Unternehmen teilweise auf Gesetze, die nicht für diesen Zweck vorgesehen waren.[20] Diese Praxis scheint von Versatel zwischenzeitlich allerdings aufgegeben worden zu sein. IP-Adressen werden bei Internetzugang zwischen 0 und 4 Tagen gespeichert.[21][22]

Im März 2014 wurde bekannt, dass Versatel seine Privatkunden im Mobilfunk zum 1. April vom bisher genutzten E-Plus-Netz in das Telefonica/o2-Netz migriert.[23] Dieser Schritt sorgte zuletzt – insbesondere angesichts der fusionsbedingt ohnehin mittelfristig anstehenden Netzzusammenschaltung von o2 und E-Plus – für einigen Unmut bei den betroffenen Versatel Mobilfunkkunden in Privattarifen.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.versatel.de/impressum
  2. a b http://www.versatel.de/versatel-ag/presse/pressemitteilungen/2012/versatel-ag/versatel-waechst-im-b2b-geschaeft/24657
  3. Geschäftsbericht 2014 der United Internet AG, Seite 152 ff
  4. http://www.versatel.de/versatel-ag/presse/pressemitteilungen/2012/geschaeftskunden/versatel-erweitert-und-verdichtet-sein-bundesweites-glasfasernetz/22717
  5. http://presse.versatel.de/de/versatel-ag/presse/pressemitteilungen/pressemeldung/article/versatel-bundesweit-verfuegbar.html
  6. http://blog.versatel.de/versatel-kunden-profitieren-echter-isdn-qualitaet-voraussichtlich-bis-mindestens-2020
  7. https://www.dslweb.de/breitband-report-deutschland-q4-2014.php
  8. http://www.versatel.de/versatel-ag/presse/pressemitteilungen/2011/geschaeftskunden/versatel-fuehrt-neue-mobilfunkprodukte-fuer-geschaeftskunden-ein/16909
  9. http://www.versatel.de/unternehmen/profil/geschaeftsfuehrer
  10. http://www.versatel.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen
  11. Pressemitteilung von Versatel zur KielNET-Übernahme
  12. http://www.golem.de/news/versatel-telef-nica-verkauft-ihr-hamburger-glasfasernetz-1310-102269.html
  13. http://www.versatel.de/unternehmen/presse/pressemitteilungen/2012/versatel-ag/versatel-aendert-die-rechtsform-von-einer-ag-eine-gmbh
  14. http://www.versatel.de/versatel-ag/presse/pressemitteilungen/2011/versatel-ag/alain-d-bandle-verlaesst-versatel/13491
  15. http://www.versatel.de/versatel-ag/presse/pressemitteilungen/2012/versatel-ag/johannes-pruchnow-uebernimmt-vorstandsvorsitz-der-versatel-ag/33251
  16. http://www.n-tv.de/ticker/Kartellamt-gibt-Versatel-Kauf-durch-United-Internet-ohne-Auflagen-frei-article13679621.html
  17. http://www.united-internet.de/news-presse/meldungen/meldungen-detail/news/united-internet-uebernimmt-100-der-versatel-anteile.html
  18. http://www.united-internet.de/unternehmen/geschaeftsfelder/access.html
  19. http://blog.versatel.de/versatel-im-unternehmensverbund-united-internet
  20. Artikel bei Telepolis
  21. Datenschutzhinweis Versatel-Website (Stand Juni 2014)
  22. wiki.vorratsdatenspeicherung.de/Speicherdauer
  23. http://www.versaforum.de/forum/showthread.php?t=13088