Versicherungsmarkt

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Der Versicherungsmarkt ist ein Handelsplatz, an dem Versicherungsschutz geboten (Angebot) und nachgefragt wird. Vertraglich werden Versicherungsschutz gegen die kalkulierte Prämie „getauscht“. Dieser Markt ist geprägt durch die Informationslage und die Interessen der Marktbeteiligten.

Die Wissenschaftsdisziplin, die sich mit dem Versicherungsmarkt beschäftigt ist die Versicherungsökonomie.

Marktteilnehmer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Teilnehmer des Versicherungsmarktes sind:

Der Versicherungsmarkt kann in den privaten und industriellen Bereich eingeteilt werden.

Private Versicherungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Versicherungsgesellschaften für Privatkunden, die neben Pflichtversicherungen (z. B. KFZ-Haftpflicht), Sachversicherungen wie Hausrat-/Haftpflicht- oder Unfallversicherungen bzw. Lebens-/Renten-/Berufsunfähigkeits- oder Krankenversicherungen anbieten. Überschneidungen mit gewerblichen Risiken können sich beispielsweise im Lebensversicherungsmarkt ergeben. So im Bereich der Schlüsselkraftversicherung, der Teilhaberversicherung oder auf den Gebieten der betrieblichen Altersvorsorge (z. B.: Direktzusage).

Gewerbliche Versicherungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei den Versicherungsgesellschaften für industrielle Risiken werden in der Regel Großrisiken aus Handel, Produktion und Kapitalanlage versichert. Dieser Zweig der Versicherung wird wegen seiner Komplexität und Volatilität nur von wenigen, meistens global agierenden Versicherungsgesellschaften oder Konsortien angeboten. Konsortien agieren auch am Lebensversicherungsmarkt für Branchenbereiche wie beispielsweise Metall, Chemie oder das Klinikwesen.

Veranlassung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Sicherheit ist eines der Grundbedürfnisse des Menschen. Das Leben birgt Risiken und Gefahren, die Gesundheit, Leben, Eigentum oder das Vermögen bedrohen können. Aus Unsicherheit über künftige Ereignisse haben sich darum die Menschen von jeher mit Versicherungen „schützen“ wollen. Heute ist in den Industriestaaten ein Leben ohne Versicherungen kaum möglich.

Der Versicherungsmarkt ist ein wichtiger Arbeitgeber des tertiären Sektors in den hochentwickelten Volkswirtschaften und Voraussetzung, gewisse risikoreiche Aktivitäten überhaupt eingehen zu können.

Versicherungsmärkte einzelner Länder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Interessenvertretung der im privaten Versicherungsmarkt Österreichs tätigen Unternehmen ist der 1899 gegründete Verband der Versicherungsunternehmen Österreichs (VVO).

Am österreichischen Versicherungsmarkt lag das Prämienvolumen 2007 bei 15,874 Mrd. €. Dabei war das Prämienaufkommen der Sparten Lebensversicherung mit 7,206 Mrd. € und Schaden-/Unfallversicherung mit 7,184 Mrd. € am höchsten. In der Sparte Krankenversicherung wurden 1,483 Mrd. € vereinnahmt. Innerhalb der Schaden-/Unfallversicherung wurden bei Kfz-Versicherungen (Kfz-Haftpflicht und Kasko) 2,830 Mrd. € Prämieneinnahmen erzielt. Die Versicherungsleistungen des Jahres 2007 betrugen 10,759 Mrd. €.

Die österreichischen Versicherungsunternehmen wiesen zum Stand Ende 2007 Kapitalanlagen in Höhe von 71,175 Mrd. € aus.[1]

In der folgenden Tabelle sind die 10 größten Versicherungsunternehmen Österreichs nach Marktanteil 2007 (Prozentangaben) aufgelistet:[2]

Pos Unternehmen Marktanteil 2007 Marktanteil 2006
1 Wiener Städtische 15,33 15,30
2 Assicurazioni Generali 13,35 13,39
3 Uniqa Personen 7,87 7,94
4 Uniqa Sach 5,86 5,91
5 Allianz Elementar 5,68 5,81
6 Sparkassen Versicherung 5,09 5,52
7 Donau 4,45 4,32
8 Raiffeisen Versicherung 4,26 4,84
9 BA-CA Versicherung 3,43 -
10 Wüstenrot 3,23 3,37

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schweizer gehören weltweit zu den bestversicherten Menschen. Gemäß den Statistiken der Swiss Re entfielen 2002 auf 1 Einwohner des Landes umgerechnet 4.900 US-Dollar an Prämien für private Versicherungen. Natürlich muss man bei solchen Vergleichen aufpassen. In Ländern mit großenteils staatlich finanzierter Krankenversicherung oder Altersvorsorge können auch niedrigere Pro-Kopf-Prämien einen ähnlichen Versorgungsgrad bedeuten. In jedem Falle besitzt der Privatkundenmarkt in der Schweiz hohe Durchdringungsraten; fast jeder Haushalt hat bei unterschiedlichen Gesellschaften eine Police. Trotz bereits hoher Durchdringungsraten und hartem Wettbewerb zeigen die Prämien längerfristig steigende Tendenz. Vor allem die Kapital bildenden Lebensversicherungen zur privaten Vorsorge werden nach wie vor als Wachstumsbranche betrachtet.

Die Schweizer Privatassekuranz beschäftigte 2007 85.000 Personen, davon rund 47.000 in der Schweiz und 38.000 im Ausland. Das gesamte Prämienvolumen 2006 betrug 161,8 Milliarden Franken (Inlandgeschäft: 52 Mrd. Franken / Ausland: 109,8 Mrd. Franken). Siehe auch: svv.ch[3]

1885 wurde in der Schweiz das Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) eingeführt. Es dient in erster Linie dem Schutz der Versicherten. Die privaten Versicherungsgesellschaften werden seither vom Bund kontrolliert, einerseits durch Erteilung der Bewilligung zum Geschäftsbetrieb, andererseits durch eine laufende Kontrolle ihrer Versicherungstätigkeit. Derzeit wird das VAG total revidiert. Die Versicherer erhalten mehr unternehmerischen Spielraum, beispielsweise durch Abschaffung der präventiven Produktekontrolle. An ihre Stelle wird eine verfeinerte und risikobasierte Solvenzkontrolle treten; daneben werden auch weitere wirksame und für den Verbraucher wichtige Aufsichtsinstrumente für Verbesserungen in den Bereichen „Corporate Governance“, Transparenz und Konsumentenschutz geschaffen. Dadurch soll auch in Zukunft der Versicherungsschutz und die Zahlungsfähigkeit der Versicherungsgesellschaften gewährleistet werden.

Mit der Swiss Re stammt der zweitgrößte Rückversicherer der Welt (Nettoprämien 2008: 24,30 Mrd. US-Dollar) aus der Schweiz.[4]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geschäftsergebnisse der Versicherungswirtschaft 2007: Wachstum verbunden mit hohen Zahlungen, VVO.
  2. Emanuel Lampert: Auch kleine Versicherer können groß sein. In: Versicherungsjournal, 1. August 2008.
  3. Zahlen und Fakten auf svv.ch
  4. Reactions Supplement 2009