Versiegelung (Religion)

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Der Begriff Versiegelung (auch Heilige Versiegelung, Geistestaufe oder Heilige Salbung) bezeichnet einen biblischen Begriff, mit dem an verschiedenen Stellen des Neuen Testaments die „Ausgießung“ bzw. das „Wirken“ des Heiligen Geistes beschrieben wird, unter anderem:

  • „Durch ihn (Jesus Christus) […] habt ihr das Siegel des verheißenen Heiligen Geistes empfangen, als ihr den Glauben annahmt.“ (Eph 1,13 EU)
  • „Paulus legte ihnen die Hände auf und der Heilige Geist kam auf sie herab; sie redeten in Zungen und weissagten.“ (Apg 19,6 EU)
  • „Der Vater des Publius lag gerade mit Fieber und Ruhr im Bett. Paulus ging zu ihm hinein und betete; dann legte er ihm die Hände auf und heilte ihn.“ (Apg 28,8 EU):

Des Weiteren wird die Versiegelung in verschiedenen apostolischen Gemeinschaften als ein Sakrament angesehen. Darunter wird die Handauflegung und die damit verbundene Vermittlung des Heiligen Geistes durch eine kirchliche Amtsperson verstanden.

Versiegelung als Sakrament[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholisch-apostolische Gemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schon in den katholisch-apostolischen Gemeinden wurde ab 1847 eine apostolische Handauflegung praktiziert. Sie sollte die Empfänger für das Wirken des Heiligen Geistes öffnen und die Geistesgaben in den Gemeinden stärken. Diese Handlung war den Aposteln vorbehalten.

Die „neuen“ apostolischen Bewegungen, die ab 1863 aus den katholisch-apostolischen Gemeinden entstanden, übernahmen zum großen Teil diese Handlung.

Neuapostolische Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Neuapostolische Kirche praktiziert die Heilige Versiegelung als drittes Sakrament neben Taufe und Abendmahl. Das katholisch-apostolische Verständnis wurde jedoch abgewandelt. In der NAK gilt die Versiegelung als Taufe mit Heiligem Geist. Erst durch das Zusammenwirken der Wassertaufe mit der Versiegelung, die durch einen Apostel unter Gebet und Handauflegung geschieht, wird ein Gläubiger zu einem „Gotteskind“ und Mitglied der Kirche. In der Versiegelung geschieht die Übermittlung der Gaben des Heiligen Geistes; sie wird auch an Kindern vollzogen.

Im Neuapostolischen Glaubensbekenntnis heißt es zur Versiegelung:[1]

„Ich glaube, dass die mit Wasser Getauften durch einen Apostel die Gabe des Heiligen Geistes empfangen müssen, um die Gotteskindschaft und die Voraussetzungen zur Erstlingsschaft zu erlangen.“

8. Glaubensartikel der Neuapostolischen Kirche

Andere apostolische Gemeinschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch andere apostolische Gemeinschaften kennen die Handlung einer Versiegelung. Bei der Vereinigung Apostolischer Gemeinden wird sie allerdings als „Feier des Heiligen Geistes“ verstanden. Sie wird frühestens mit 14 Jahren vollzogen und ist nicht mehr an das Apostelamt gebunden. Das Verständnis orientiert sich an der römisch-katholischen Firmung und der evangelischen Konfirmation.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht, Ludwig: Abhandlungen über die Kirche – besonders ihre Ämter und Gottesdienste, S. 112–134, Marburg/L. 1982 (5), ISBN 3-87598-042-5
  • Netzwerk Apostolische Geschichte: Die apostolischen Gemeinden im Umbruch – 1863 bis 1900. (mit Abhandlung über die Entwicklung der Hlg. Versiegelung in der NAK) Nürtingen 2008, ISBN 978-3-939291-03-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ergänzungen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erläuterungen siehe: Erläuterungen zu den zehn Artikeln des neuapostolischen Glaubensbekenntnisses