Vertrag von Tordesillas

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Demarkationslinien nach den spanisch-portugiesischen Vereinbarungen von
1493, 1494 und 1529
Erste Seite des Vertrags,
Biblioteca Nacional de Lisboa
Südamerika um 1650

Der Vertrag von Tordesillas (span.: Tratado de Tordesillas, port.: Tratado de Tordesilhas) kam 1494 auf Betreiben von Papst Alexander VI. zwischen den damals vorherrschenden Seemächten Portugal und Spanien zustande. Er sollte eine bewaffnete Konfrontation zwischen diesen beiden damals bedeutendsten katholischen Mächten verhindern, indem er die Welt in eine portugiesische und eine spanische Hälfte aufteilte.

Ziele[Bearbeiten]

Portugal wollte die Kontrolle des Seeweges nach Indien entlang der afrikanischen Küste behalten. Speziell ging es darum, den einträglichen Gewürzhandel im pazifischen Raum zu sichern und die Afrika-Route von spanischen Einflüssen freizuhalten.

Spanien dagegen wollte sich die Kontrolle und die Rechte über die erst kurz zuvor von Christoph Kolumbus entdeckten Länder im Westen (das für Indien gehaltene Amerika) sichern.

Hintergrund[Bearbeiten]

Bereits 1481 wurden in der päpstlichen Bulle Aeterni regis alle Gebiete südlich der Kanarischen Inseln den Portugiesen zugesprochen.

Im Mai 1493 legte Papst Alexander VI. (Rodrigo Borgia) in der Bulle Inter caetera eine Trennlinie fest, die bei 100 Leguas (ca. 480 km) westlich der Kapverdischen Inseln in Nord-Süd-Richtung von Pol zu Pol durch den Atlantischen Ozean verlief. Alle Territorien, die westlich dieser bei etwa 38° West verlaufenden Linie lagen (Amerika), wurden den spanischen Königen und ihren Erben zugesprochen, alle Gebiete östlich davon (Afrika und Asien) fielen an die Portugiesen.

Dagegen erhob der portugiesische König Johann II. Einspruch. Möglicherweise waren den Portugiesen schon Teile des brasilianischen Küstenverlaufs bekannt und sie drängten daher auf eine Verlegung der Trennlinie.

Die Vereinbarung[Bearbeiten]

In zähen Verhandlungen gelang es den Portugiesen unter ihrem Verhandlungsführer, dem Geografen, Astronomen und Seefahrer Duarte Pacheco Pereira, die Demarkationslinie auf 370 spanische Leguas (ca. 1770 km) westlich der Kapverdischen Inseln zu verschieben. Diese neue Grenzlinie entsprach einer Länge von 46° 37′ West. Sie erlaubte es später den Portugiesen, die östlich dieser Linie gelegenen Gebiete Brasiliens zu kolonisieren.

Der Vertrag von Tordesillas wurde am 7. Juni 1494 abgeschlossen und sehr zügig am 2. Juli von Spanien und am 5. September von Portugal ratifiziert.

Weitere Entwicklung[Bearbeiten]

Der Wortlaut des Vertrages wurde entsprechend den jeweiligen Interessen unterschiedlich interpretiert. Ein wichtiger Streitpunkt war, ob der Messpunkt auf der östlichsten oder der westlichsten der Kapverdischen Inseln lag (ca. 60 Leguas bzw. 290 km Unterschied). Darüber hinaus hatte die spanische Legua eine andere Länge als die portugiesische, die wiederum in eine alte und eine neue Legua unterteilt werden konnte.

Beide Mächte beanspruchten zum Beispiel die Molukken (wichtige Gewürzinseln) als in ihrem Bereich gelegen. Nach neuen Verhandlungen wurde im Vertrag von Saragossa 1529 festgelegt, dass die Trennlinie 297,5 Leguas östlich der Molukken verlaufe.

Die anderen großen Seemächte – z. B. England und Frankreich – erkannten den Vertrag nicht an. Der Vertrag von Tordesillas ist ein Beispiel für ein Rechtsgeschäft zu Lasten Dritter: Weder die Interessen der Menschen der aufgeteilten Länder waren einbezogen noch die Interessen derjenigen Länder, die ebenso wie Spanien und Portugal zu Eroberungen befähigt waren.

1750 wurde die inzwischen durch die Realitäten ohnehin gegenstandslos gewordene Demarkationslinie durch den Vertrag von Madrid aufgehoben.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tratado de Tordesillas – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Tratado de Tordesilhas – Quellen und Volltexte (portugiesisch)

Literatur[Bearbeiten]

  • „Vertrag von Tordesillas 1494 der Papst“, in: Anneliese Dangel: Alexander von Humboldt. Sein Leben in Bildern, 1769–1859, Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1959, S. 20.