Vihuela

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Dieser Artikel beschreibt die europäische Vihuela der Renaissancezeit. Zum mexikanischen Instrument siehe mexikanische Vihuela.

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Vihuela
engl.: vihuela, ital.: vihuela
GuadalupeVihuela.png
als älteste erhaltene Vihuela geltendes Instrument des 15. oder 16. Jahrhunderts
Klassifikation Chordophon
Zupfinstrument
Verwandte Instrumente Gitarre, Laute

Die Vihuela (abgeleitet von lateinisch fidicula, ‚Fiedel‘) ist ein spanisches Zupfinstrument, das im 16. Jahrhundert seine Blütezeit erlebte. Als Lauteninstrument mit Resonanzkasten und Hals gehört sie zu den Kastenhalslauten. Die Vihuela kann, wie die europäische Laute, als ein Vorgänger der modernen Gitarre angesehen werden.

Konstruktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der eher ovale Korpus der Vihuela war an beiden Seiten leicht eingeflankt und verfügte über einen flachen Boden, der mit der Decke durch Zargen verbunden war. Die Decke war mit einem oder mehreren Schalllöchern und meist kunstvoll geschnitzten Rosetten versehen. Auf der Decke war weiters ein Querriegel (Steg) zur Befestigung der Darmsaiten angebracht; oft mit Ornamenten geschmückt. Als Holz für Boden und Zargen diente wohl Ahorn; für die Decke eher Fichte.

Das Griffbrett war noch nicht aufgesetzt, sondern eben aus dem Deckenholz gearbeitet und besaß meist zehn bis zwölf Darmbünde. Die Besaitung war streng chörig und wies - im Gegensatz zur damals in der Regel noch vier- oder fünfchörigen Gitarre[1] - meist sechs, seltener fünf oder sieben[2][3] Darmsaitenpaare auf. Die Kopfplatte war flach und hatte im Gegensatz zur Laute hinterständige Wirbel aus Holz.

Wie aus ikonografischen Darstellungen und Abbildungen ersichtlich, waren viele Instrumente fein und aufwendig mit Einlegearbeiten und Intarsien verziert. Als Materialien dienten hierfür wohl Elfenbein, Schildpatt, Perlmutt, Ebenholz und in kostbaren Fällen sogar Gold.

Stimmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die allgemeine und wohl am weitesten verbreitete Stimmung der Vihuela entsprach prinzipiell der der Renaissancelaute. Unterschiede bestanden jedoch darin, dass alle Chöre der Vihuela unisono, bei der Laute jedoch ab dem 4. Chor in Oktaven gestimmt wurden. Außerdem verfügte die Vihuela meist über keine Chanterelle, also eine höchste Melodiesaite, sondern war chörig bespannt.

Die Stimmung lautete für sechschörige Vihuela: Quart – Quart – große Terz – Quart – Quart. Die Stimmung begann meist vom G oder A aus oder orientierte sich an der Zerreißgrenze des höchsten Saitenpaares. Von dieser Stimmung gab es regionale Abweichungen und Modifikationen. Juan Bermudo, ein spanischer Theoretiker, berichtet auch über Instrumente mit sieben Chören, diese dürften aber nicht von großer Bedeutung gewesen sein.

Frühe Quellen und Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Abbildungen der Vihuela sind in den Cantigas de Santa Maria aus dem 13. Jahrhundert von Alfons X. zu finden. Auch die ersten schriftlichen Erwähnungen, meist in Romanen, stammen aus dieser Zeit. Hier sind folgende Quellen zu nennen:

  • Libro de Apolonio (um 1250)
  • Milagros de Nuestra Señora und Libro de Alixandre von Gonzalo de Berceo (13. Jh.)
  • El Libro de Buen Amor (1330) von Juan Ruiz

Im Jahr 1484 erscheint in Neapel Johannes Tinctoris' Traktat De inventione et usu musicae, in dem er die Vihuela als eine Erfindung der Spanier beschrieb und sie baulich klar von der Laute abgrenzte. Außerdem wurde sie in Italien Viola da mano genannt und wurde laut Tinctoris auch dort gerne gespielt.

Noten- und Lehrwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit zwischen 1530 und 1580, dem siglo de oro der Vihuela, wurden zahlreiche Tabulaturausgaben[4] und Lehrwerke speziell für dieses Instrument geschrieben. Annala und Mätlik[5] nennen für den Zeitraum von 42 Jahren (1536–1578) elf Titel, darunter Werke von Luis de Milán, Luis de Narváez, Alonso de Mudarra, Enríquez de Valderrábano, Diego Pisador oder Miguel de Fuenllana. Sieben der wichtigsten Bücher liegen in einer modernen Edition auf CD-ROM vor[6].

Varianten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hier ist vihuela noch der ursprüngliche spanische Sammelname[7] für Saiteninstrumente mit Hals und Griffbrett:

  • Vihuela de Mano: Sie wurde mit den Fingern gezupft und bezeichnet die spätere „Vihuela“.
  • Vihuela de Pendola/Péñola: Sie wurde mit einem Plektrum (Vogelfederkiel) gespielt.
  • Vihuela de Arco: Sie wurde mit dem Bogen gestrichen und kann somit zur Familie der Streichinstrumente gezählt werden.

Erhaltene historische Vihuelas[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach heutiger Kenntnis sind lediglich drei historische Vihuelas erhalten[8].

Bei der am 6. Januar[11] 1936 von Emilio Pujol im Jacquemart-André-Museum entdeckten[12], auf das Jahr 1500[13] datierten, Vihuela Guadalupe, einen Stempel des spanischen Kloster Guadalupe tragend, könnte es sich aufgrund der sehr großen Mensur (800 mm)[14] um eine Bass-Vihuela handeln, auch da gerade in der Renaissance viele Instrumente in sogenannten Familien, also in verschiedenen Stimmlagen gebaut wurden. Zudem kann es sich um keine „Standardgröße“ (mit einer Mensur von etwa 46 bis 55 cm[15] bei einer vihuela común) handeln, da praktische Versuche, damalige Solo-Literatur aus den Vihuela-Büchern darauf zu spielen, misslangen, wohingegen eine Spielweise als Bass-Instrument in einem kleinen Orchester denkbar ist.[16] Im musikinstrumentenkundlichen Sinne könnte laut Frederick Cook diese „Vihuela“ auch eine modifizierte Renaissancegitarre sein.[17] Das in der Barockzeit umgebaute Instrument[18] ist oben abgebildet. Emilio Pujol erhielt zu seinem Geburtstag 1936 einen Nachbau der von ihm Paris gefundenen Vihuela durch den Gitarrenbauer Miguel Simplicio überreicht und am 24. April desselben Jahres gab Pujol in Barcelona erstmals ein Konzert mit Vihuelamusik auf dieser Kopie.[19]

Das in Quito gefundene Exemplar stammt ebenfalls aus dem 16. Jahrhundert. Mit den spanischen Entdeckern gelangte auch Kultur und Musik und somit die Tradition der Vihuela nach Südamerika.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Juan Bermudo: Declaracíon de instrumentos musicales. Osuna 1555
  • Victor Anand Coelho (Hrsg.): Performance on Lute, Guitar, and Vihuela: Historical Practice and Modern Interpretation 1998, Cambridge Univ. Pr. ISBN 0-521-45528-6
  • Carlos González, Gerardo Arriaga, Javier Somoza: Libros de Música para Vihuela 1536-1576. CD-ROM, Ópera Tres y Música Prima, 2003 ISBN 978-84-95609-41-0
  • Frank Koonce: The Renaissance Vihuela & Guitar in Sixteenth-Century Spain. Mel Bay, Pacific 2008 ISBN 978-0-78667-822-8
  • Luys Milán: Libro de muscia de vihuela de mano. Intitulado El maestro. 1535/1536
  • Wolf Moser: Vihuela, Gitarre und Laute in Spanien während des 16. Jahrhunderts, Teil I: Die Quellen - Die Vihuela. Gitarre & Laute 3 (1981), 2, S. 18–27
  • Oliver Schöner: Die Vihuela de mano im Spanien des 16. Jahrhunderts. (Europäische Hochschulschriften, Reihe 36, Bd. 198) Frankfurt/Main u.a. 1999 ISBN 3-631-35117-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vihuelas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Leeb († 1979): Die Gitarre. Betrachtungen von Hermann Leeb, Teil 1. In: Gitarre & Laute 2, 1980, 2, S. 34–40; hier S. 38
  2. Frederick Cock: Die Vihuela: große oder kleine Mensur? In: Gitarre & Laute 2, 1980, 3, S. 14–18; hier: S. 14
  3. Wolf Moser: Über die Unterschiede zwischen Gitarre und Vihuela bei Bermudo. In: Gitarre & Laute 2, 1980, 5, S. 32–43; hier: S. 36 f.
  4. Hermann Leeb († 1979): Die Gitarre. Betrachtungen von Hermann Leeb, Teil 2. In: Gitarre & Laute 2, 1980, 3, S. 32–41; hier S. 32 f.
  5. Hannu Annala, Heiki Mätlik: Handbook of Guitar and Lute Composers. Mel Bay, Pacific 2007, S. 10
  6. González, Arriaga, Somoza 2003
  7. Wolf Moser (1981), S. 21 f.
  8. Koonce 2008, S. 11ff.
  9. Frederick Cook: Die Vihuela: große oder kleine Mensur? In: Gitarre & Laute 2, 1980, 3, S. 14–18; hier: S. 15 f.
  10. Frederick Cook: Die Jacquemart-André-Vihuela: Ungeklärte Fragen. In: Gitarre & Laute 5, 1983, Heft 3, S. 177–182.
  11. Lebensdaten Pujols. In: Gitarre & Laute 8, 1986, S. 51.
  12. Wolf Moser: Vihuela, Gitarre, Weihgeschenk? Das „Unding“ aus dem Jacquemart-André-Museum. In: Gitarre & Laute 5, 1983, Heft 4, S. 276–278; hier: S. 276.
  13. Emilio Pujol: Die Vihuela und ihre Spieler. Hrsg. und übersetzt von Wolf Moser. In: Gitarre & Laute 8, 1986, Heft 2, S. 47–50; hier: S. 47.
  14. Frederick Cook: Noch einmal: Die Jacquemart-André-Vihuela. In: Gitarre & Laute 6, 1984, Heft 1, S. 74–77; hier: S. 74.
  15. Wolf Moser (1983), S. 277.
  16. Wolf Moser (1983), S. 277.
  17. Frederick Cook (1983)
  18. Frederick Cook (1983), S. 178.
  19. Lebensdaten Pujols. In: Gitarre & Laute 8, 1986, S. 51.