Andrés Segovia

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Andrés Segovia (1963)

Andrés Segovia (* 21. Februar[1] 1893 in Linares; † 2. Juni 1987 in Madrid) war ein spanischer Gitarrist. Er hatte großen Einfluss auf die Entwicklung des klassischen Gitarrenspiels im 20. Jahrhundert.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Segovia, dessen Mutter aus Málaga stammte und der am 24. März 1893 als Andrés Segobia[2] getauft wurde, gab mit vierzehn Jahren bereits in Spanien Konzerte. Er soll 1915 Schüler von Miguel Llobet gewesen sein, was jedoch in der Fachwelt nicht ganz unumstritten ist.[3] Segovia trug auf weltweiten Tourneen zur Popularität der klassischen Gitarre bei. 1924 hatte er sein Debüt in Paris[4] und zwischen 1926 und 1936 unternahm er auch längere Tourneen in Russland.[5]

Zahlreiche Kompositionen, die heute zum klassischen Gitarrenrepertoire gehören, sind eigens für ihn geschrieben worden, so z. B. von Mario Castelnuovo-Tedesco (1895–1968), John W. Duarte (1919–2004), Frank Martin (1890–1974), Frederic Mompou (1893–1987), Manuel María Ponce (1882–1948), Alexandre Tansman (1897–1986), Federico Moreno Torroba (1891–1982), Joaquín Turina (1882–1949) und Heitor Villa-Lobos (1887–1959). Segovia befasste sich auch als Vortragender und Bearbeiter von Vihuelamusik der Renaissance.[6] Außerdem gehen viele Bearbeitungen von Werken, die ursprünglich für andere Instrumente geschrieben wurden und die heute zum Standardrepertoire für Gitarre gehören, auf ihn zurück. Das bekannteste Beispiel ist wohl die Chaconne aus der Partita in d-Moll für Solo-Violine von Johann Sebastian Bach, welche Segovia erstmals 1935 in Paris[7] öffentlich darbot.

Segovia unterrichtete unter anderem an der Accademia Musicale Chigiana in Siena, in Santiago de Compostela und an der University of California in Berkeley. Viele bedeutende Gitarristen waren seine Schüler, so z. B. Oscar Ghiglia (* 1938), Christopher Parkening (* 1947) und John Williams (* 1941).

Selbst mit 89 Jahren machte er eine Tournee durch Deutschland und mit 91 Jahren trat er im November 1984 noch in der Berliner Philharmonie[8] auf.

1974 wurde Segovia mit dem Léonie-Sonning-Musikpreis und 1985 mit dem Ernst von Siemens Musikpreis ausgezeichnet. Er ist Ehrendoktor mehrerer Universitäten (u. a. Oxford 1972) und wurde vom spanischen König in den Adelsstand erhoben („Marqués de Salobrena“). In seiner Geburtsstadt Linares befindet sich heute ein Museum, das auch eine Krypta mit seinem Sarkophag enthält.

Segovia spielte auf Instrumenten von Benito Ferrer, Santos Hernández, Manuel Ramírez und José Ramírez, Hermann Hauser und Ignacio Fleta, den er 1955[9] dazu angeregt hatte, vermehrt Gitarren zu bauen. Der Bauplan seiner berühmten Hauser I von 1937, die sich heute im Metropolitan Museum of Art in New York befindet, kann bei dem amerikanischen Gitarrenbauer Richard Bruné käuflich erworben werden.

Bekannte Schüler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tárregas Erben: Andrés Segovia (1893–1987), Miguel Llobet (1878–1938), Daniel Fortea (1878–1953) und Emilio Pujol (1886–1980)

Internationaler Jugendwettbewerb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Musiker benannt ist der Internationale Jugendwettbewerb für Gitarre «Andrés Segovia».[10] Seit 2000 richtet die Sektion Deutschland der European Guitar Teachers Association[11] diesen Wettbewerb aus, der alle zwei Jahre stattfindet. Ausrichtungsort war zunächst Velbert, seit 2016 ist es Monheim am Rhein.

Bibliographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Andrés Segovia: An Autobiography of the Years 1893–1920. Boyars, London 1976, ISBN 0-026-09080-5.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joerg Sommermeyer: Andrés Segovia – Apostel und Patriarch der Gitarre. In: Zupfmusik – Gitarre. Jg. 36/1983, S. 15–18, S. 49f.
  • Soledad Alameda: Interview mit Andrés Segovia. In: Gitarre & Laute 5. 1983, 5, S. 286–293.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Andrés Segovia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolf Moser und Anton Stingl: Andrés Segovia *17.3.1893(?). In: Gitarre & Laute 5, 1983, Heft 2, S. 135.
  2. Domingo Prat: Diccionario de Guitarristas. Buenos Aires 1934, S. 289 f.
  3. David Mason Greene: Greene's Biographical Encyclopedia of Composers. Doubleday, New York 2007, ISBN 0-385-14278-1, S. 1043.
  4. Hermann Leeb: Von Segovia, Pujol und Llobet. Gitarre & Laute (1980), 6, S. 32 f.; S. 33c
  5. Matanya Ophee: Das erste Gitarrenkonzert und andere Legenden. In: Gitarre & Laute 7, 1985, Heft 3, S. 57–63; hier: S. 58 f.
  6. Wolf Moser: Das Repertoire aus zweiter Hand. Die Geschichte der Übertragung und ihrer Aufgaben. In: Gitarre & Laute 9, 1987, 3, S. 19–26; hier: S. 24 f.
  7. Wolf Moser (1987), S. 26
  8. Der Tagesspiegel vom 15. November 1984.
  9. C. Mermoudi, R. Misteli: Große Gitarrenbauer: Die Brüder Francisco und Gabriel Fleta über Holz, Lack, Klangideal und Don Ignacio. In: Gitarre & Laute 6, 1984, Heft 4, S. 36–38; hier: S. 38.
  10. Internationaler Jugendwettbewerb für Gitarre «Andrés Segovia»
  11. EGTA-D e.V., European Guitar Teachers Association, Sektion - Deutschland