Villa Heike

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Villa Heike
Ansicht der Villa Heike um 1911

Ansicht der Villa Heike um 1911

Daten
Ort Berlin-Alt-Hohenschönhausen
Architekt Richard Lotts
Bauherr Richard Heike
Baustil Historismus
Baujahr 1910–1911
Koordinaten 52° 32′ 33,3″ N, 13° 29′ 54,3″ OKoordinaten: 52° 32′ 33,3″ N, 13° 29′ 54,3″ O
Besonderheiten
Früher Stahlskelettbau

Die Villa Heike ist ein Atelier- und Bürohaus in der Freienwalder Straße 17 in Berlin-Alt-Hohenschönhausen.

Das Gebäude wurde 1910 bis 1911 nach Plänen des Architekten Richard Lotts für den Berliner Industriellen Richard Heike errichtet. Dieser war Gründer und Eigentümer einer Maschinenbaufabrik. Das Haus wurde vom Wiener Bauunternehmen Diss & Co in für damalige Zeiten äußerst fortschrittlicher Stahlbeton-Skelettbauweise errichtet. Als fünfgeschossiger Solitärbau mit seiner ungewöhnlichen Funktionsmischung aus Ausstellungshalle, Büro- und Wohnen stellt es einen für Berlin einzigartigen Bautypus dar. Im 4,8 m hohen und komplett mit Terrazzoboden ausgeführten Hochparterre sowie im Souterrain befand sich auf über 600 m² der Ausstellungsbereich für die auf dem rückwärtigen Werksgelände hergestellten Fleischverarbeitungsmaschinen. Im ersten und zweiten Obergeschoss waren Büros für den Vertrieb sowie die Konstruktionsabteilung untergebracht. Im dritten Obergeschoss befand sich auf 340 m² die Fabrikantenwohnung. Das Dachgeschoss war bis auf eine Mädchenkammer unausgebaut.

Der Baustil ist durch verschiedene Einflüsse gekennzeichnet: Elemente des Historismus finden sich im Hochparterre, den Treppenhäusern und in den Wohnräumen der Fabrikantenwohnung. Das imposante, 9,5 m hohe Vestibül ist mit starken Anklängen an einen Dorischen Tempel gestaltet und komplett mit Steinputz ausgekleidet. Besonders im Hochparterre finden sich, begünstigt durch die neuen konstruktiven und gestalterischen Möglichkeiten der Stahlbetonbauweise, ungewöhnliche Bauformen mit Anklängen an Art déco und Jugendstil.

Die Villa Heike und die Fabrik überstanden den 2. Weltkrieg weitgehend unbeschadet. Mitte Mai 1945 errichtete die sowjetische Geheimpolizei NKWD im Umkreis der Villa ein großes Sperrgebiet. Das Haus wurde Sitz der Berliner „Opergruppe 10“. Sie nutzte den Keller der Villa als Untersuchungsgefängnis. Einer der Häftlinge im „Heikekeller“ war Werner Pünder.[1] In unmittelbarer Nähe entstand das sowjetische Speziallager Nr. 3.

Im März 1951 übergab die Sowjetunion das Sperrgebiet der Regierung der DDR, die es nach wenigen Monaten dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zur Verfügung stellte.[2] Die Villa Heike war zunächst Standort der Hauptverwaltung Personenschutz. Ab Mitte der 1960er Jahre diente sie mit den rückwärtigen Fabrikationshallen dem geheimen „NS-Archiv“ des MfS. Um das Gebäude zu sichern wurden besonders Hochparterre und Vestibül baulich stark verändert. Nach der Auflösung des MfS 1990 übernahm das Bundesarchiv die Aktenbestände.[3] Nach kurzen Zwischennutzungen stand das Gebäude ab 1995 leer.

Anfang der 2000er Jahre brannte es in den Fabrikhallen. Daraufhin wurden diese komplett abgerissen, ebenso die rückwärtige Erweiterung der Ausstellungshalle. Nur der als Baudenkmal geschützte Haupttrakt der Villa blieb erhalten.

2015, nach 20-jährigem Leerstand und von akutem Verfall bedroht, wurde das Objekt durch den Berliner Architekten Christof Schubert mit der Idee eines Atelier- und Bürohauses entwickelt. Daraufhin erwarb eine kleine Bauherrengemeinschaft aus dem Kreativ-Bereich das Objekt. Nach fast vierjähriger Planungs- und Bauzeit fand am 16. Februar 2019 mit einer Kunstausstellung die Einweihung statt.[4]

Das Gebäude ist als Einzeldenkmal in die Berliner Denkmalliste eingetragen.[5]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Villa Heike – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Peter Erler: „GPU-Keller“. Arrestlokale und Untersuchungsgefängnisse sowjetischer Geheimdienste in Berlin (1945–1949). Bund der Stalinistisch Verfolgten, Landesverband Berlin, Berlin 2005, S. 69.
  2. Peter Erler, Hubertus Knabe: Der verbotene Stadtteil. Stasi-Sperrbezirk Berlin-Hohenschönhausen. Jaron, Berlin 2005, ISBN 3-89773-506-7, S. 32.
  3. Johannes Habermehl: Wofür die Stasi sieben Kilometer NS-Akten hortete. In: welt.de. 23. September 2018, abgerufen am 18. Februar 2019.
  4. Villa Heike. In: digitalcosmonaut.com. Abgerufen am 18. Februar 2019 (englisch).
  5. Eintrag in der Berliner Landesdenkmalliste