Vogel-Wicke

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Vogel-Wicke
Vogel-Wicke

Vogel-Wicke

Systematik
Ordnung: Schmetterlingsblütenartige (Fabales)
Familie: Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Unterfamilie: Schmetterlingsblütler (Faboideae)
Tribus: Fabeae
Gattung: Wicken (Vicia)
Art: Vogel-Wicke
Wissenschaftlicher Name
Vicia cracca
L.
Hülsenfrucht und Samen.

Die Vogel-Wicke (Vicia cracca) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Wicken (Vicia) in der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae).

Merkmale[Bearbeiten]

Die Vogel-Wicke ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die eine Wuchshöhe von 30 cm bis 120 cm erreicht. Bei den gefiederten Laubblättern sind die letzten Fiederblättchen in eine verzweigte Ranke umgebildet. Abgesehen von den Ranken bestehen die Blätter aus acht bis zwölf Paaren schmaler, länglicher Fiederblättchen, die 2 bis 6 mm breit und etwa 1 cm lang sind.

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Vogel-Wicken besitzen traubige Blütenstände, in denen 10 bis 40 Blüten dicht zusammenstehen. Oft sind die Blütenstände einseitswendig. Die Blütenstandsschäfte besitzen ungefähr die Länge der Tragblätter. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und 8 bis 12 mm lang sowie fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf Kronblätter sind blauviolett bis purpurfarben.

Die Hülsenfrüchte werden bis 25 mm lang. Die Samen sind eiweißreich, kugelig, bis 3 mm dick und 9 bis 16 mg schwer.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Vogel-Wicke ist ein Hemikryptophyt, eine Kletterpflanze und eine Halbrosettenpflanze. Die Fiederblätter besitzen endständige Wickelranken, die aus umgewandelten Blattfiedern entstanden sind. Diese führen wie alle Ranken kreisende Suchbewegungen aus und reagieren auf Berührungsreize; es liegt also eine Thigmonastie vor. Die Vogel-Wicke ist ein Tiefwurzler und bildet wie alle Vicia-Arten Wurzelknöllchen mit symbiontischen, Stickstoff bindenden Knöllchenbakterien aus.

Die Blüten sind vormännliche „Schmetterlingsblumen mit Bürsteneinrichtung“. Die Staubbeutel entleeren den Pollen oft schon in der Knospe über dem behaarten Griffel. Beim Besuch durch Insekten klappt das Schiffchen herab, und die Griffelbürste drückt sich an den Bauch des Insekts. Nach mehrmaliger Wiederholung dieses Vorgangs ist die Griffelbürste frei von Pollen, und die zarte Narbenoberfläche abgewetzt. Dadurch ist sie jetzt klebrig und empfängnisfähig bei weiteren Besuchern, wie Bienen und Falter. Erdhummeln verüben nicht selten Nektarraub durch seitliches Aufbeißen der Blüte. Anschließend können an diesen Löchern auch Honigbienen den Nektar entnehmen. Die Blütezeit reicht von Juni bis August.

Da die Hülsenfrüchte schwarz sind können sie Wärme speichern. Es handelt sich um Austrocknungsstreuer mit einer Streuweite von 1 bis 2 Meter. Als „Rollsamen“ rollen sie meist noch ein Stück weiter. Daneben erfolgt Bearbeitungsausbreitung durch verschiedene Vögel, Zufallsausbreitung sowie Menschenausbreitung mit zum Beispiel Saatgut von Esparsette (Onobrychis viciifolia). Die Fruchtreife reicht von August bis Oktober. Die Speicherkeimblätter (Kotyledonen) bleiben bei der Keimung im Boden, es liegt also eine hypogäische Keimung vor.

Vegetative Vermehrung erfolgt durch unterirdische Ausläufer.

Vorkommen[Bearbeiten]

Das Verbreitungsgebiet der Vogel-Wicke erstreckte sich ursprünglich auf die gemäßigte Zone Eurasiens. Inzwischen kommt sie auch in Nordamerika vor. Als Standorte bevorzugt sie Wiesen, Weiden, Säume, Äcker und Ruderalstellen mit frischen bis mäßig-trockenen Lehm- und Tonböden. Sie steigt von der Ebene bis ins Gebirge. In den Alpen sind Standorte in Höhenlagen von bis zu 1180 Meter belegt[1].

Quellen[Bearbeiten]

  •  Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. Eugen Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3364-4.
  • Werner Rothmaler (Begr.), Rudolf Schubert, Klaus Werner, Hermann Meusel (Hrsg.): Exkursionsflora für die Gebiete der DDR und der BRD. Band 2: Gefäßpflanzen. 14. Auflage. Volk und Wissen, Berlin 1988, ISBN 3-06-012539-2.
  • Otto Schmeil, Jost Fitschen (Begr.), Werner Rauh, Karlheinz Senghas: Flora von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten. 84. Auflage. Quelle & Meyer, Heidelberg 1968.
  •  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1 (S. 507f.).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vogelwicke – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien