Vogelsterben

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Von einer Hauskatze getötetes Rotkehlchen

Vögel gelten als prädestinierte Bioindikatoren, denn sie stellen ähnliche Ansprüche an Lebensraum und Nahrung wie der Mensch und gehören zu den am besten untersuchten Gruppen von Lebewesen. So kann man aus einem Rückgang der Biodiversität, beziehungsweise der Biomasse schließen, dass es dem Ökosystem schlecht geht.

Ausmaße in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1960 bis 2019 ist die Anzahl an Vogelindividuen in Deutschland um ca. 300 Millionen gesunken.[1] In Prozent sind es in Deutschland seit 1800 ca. minus 80 %.[2] Außerdem hat Deutschland von 1992 bis 2016 14 Millionen Brutvögel verloren. Davon ca. 4 Millionen Agrarvögel und ca. 5 Millionen Vögel aus dem Siedlungsbereich.[3] Etwa ein Drittel der Brutvogelarten nehmen aktuell zu und etwa genauso viele ab.[4] Zu den zunehmenden Arten zählen vor allem Großvogelarten wie zum Beispiel Schwarzstorch oder Kranich. Diese profitieren meist von gezielten, speziell auf sie zugeschnittenen Schutzmaßnahmen.[5]

Agrarvögel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor allem Agrarvogelarten, besonders jene die am Boden brüten oder sich vorwiegend von Insekten und Spinnentieren ernähren, zeigen starke Bestandsrückgänge. Aktuell gehören Vogelarten der Wiesen- und Feuchtlebensräume zu den am stärksten im Bestand rückläufigen Brutvogelarten.[5] So haben beispielsweise Kiebitz und Rebhuhn von 1992 bis 2016 um fast 90 % abgenommen.[3]Im Zeitraum von 1980 bis 2016 sind laut dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) die Agrarvögel in Deutschland um 34 % zurückgegangen.[6] EU-weit sind es sogar 56 %.[7] Besonders schlecht sieht es in Deutschland im Zeitraum zwischen 1980 und 2016 beispielsweise für diese Arten aus (1980 bis 2016): Kiebitz (−93 %), Rebhuhn (−91 %), Turteltaube (−89 %), Bekassine (−82 %), Braunkehlchen (−57 %) und die Feldlerche (−55 %).[6]

Wasservögel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Knapp zwei drittel der im Watt nach Nahrung suchenden Arten zeigen sowohl von 1992 bis 2016 als auch von 2004 bis 2016 Bestandsrückgänge. Bei Schwimmenten, Tauchenten und Sägern überwiegen die Bestandszunahmen.[3]

Ursachen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Agrarindustrie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die intensive Landwirtschaft ist einer der Hauptgründe des Vogelsterbens. Dies sieht man auch daran, dass Agrarvögel besonders abnehmen.[6]

Schädlingsbekämpfungsmittel, insbesondere Insektizide sorgen nicht nur für ein großes Insektensterben, sondern beeinträchtigen auch Vögel, Säugetiere und Amphibien. Durch Insektizide fällt die Nahrungsgrundlage vieler Insektenfresser, wie beispielsweise die des Wiedehopfs oder der Mehlschwalbe weg. Auch andere Arten füttern im Frühjahr ihre Jungen mit den eiweißreichen Insekten. Sind diese jedoch nicht vorhanden, kann die Versorgung der Jungvögel nicht gesichert werden.

Klimaerwärmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Windkraftanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein sehr emotional diskutiertes Thema unter Umwelt- und Artenschützern sind Windkraftanlagen. Auch diese werden zunehmend aufgrund der globalen Erwärmung eingesetzt, weil sie nach der Produktion so gut wie keine Emissionen erzeugen. Schätzungen zufolge töten sie in Deutschland an die 100.000 Vögel im Jahr, welche beim Vogelzug oder auf der Nahrungssuche von den Rotoren bzw. dessen Sog erfasst werden. Um diese Zahl mit anderen Faktoren wie der Katze zu vergleichen muss man auf folgendes beachten: die Größe der betroffenen Vögel und somit die Eier pro Brut bzw. Bruten pro Jahr. So ist es weniger dramatisch, wenn ein Wintergoldhähnchen einer Katze zu Opfer fällt, da diese bis zu zehn Eier pro Brut ausbrüten. Wenn jedoch ein Rotmilan von einem Windrad getroffen wird, hat dies deutlich fatalere Folgen für den lokalen Bestand, denn Rotmilane brüten ein bis zwei Eier pro Jahr aus. Windräder tragen auch zur Verknappung von Lebensräumen bei, denn sie haben einen gewissen Störfaktor für manche Vogelarten. Diese halten mehrere hundert Meter Abstand zu den Anlagen und verlieren so wichtige Lebensräume, was dramatische Auswirkungen auf die lokale Brutvogeldichte haben kann.[8]

Invasive Arten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Hauskatze stellt eine nicht zu unterschätzende Invasive Art dar. Zwar sind diese meist nur in Siedlungsbereichen anzutreffen, jedoch gibt es nur in Deutschland circa zwei Millionen verwilderte Hauskatzen, welche nicht nur als Zeitvertreib jagen. Deutsche Hauskatzen fangen laut Peter Berthold mindestens 30 Millionen Vögel jährlich. Aber auch durch die bloße Anwesenheit der Katze im Garten füttern Altvögel ihre Jungvögel nicht mehr oder bauen ihr Nest höher. Letzteres führt wiederum dazu, dass Prädatoren das Nest entdecken und zerstören.[9] Es gibt einige Lösungen für das genannte Problem. Wenn man Katzen mit Freilauf in den frühen Morgenstunden während der Brutzeit im Haus lässt, werden die gerade flügge gewordenen Jungvögel geschützt. Die größte Eindämmung des Problems würde jedoch die Sterilisation von allen verwilderten Katzen und auch Hauskatzen mit Freigang bringen.[10] Zum Schutz der Haubenlerche wurde in Walldorf eine Verfügung erlassen, wonach Hauskatzen deren Brutgebiet während der Brutzeit nicht betreten dürfen.[11]

Vogelschlag[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine in einem massiven Gittermattenzaun verendete Singdrossel

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gebäude mit großen verglasten Flächen stellen eine besondere Gefahr für Vögel dar. Beim Vogelschlag fliegen Vögel gegen Fenster, da sie entweder transparent sind oder den Hintergrund widerspiegeln. Verschiedenste Hochrechnungen der Opferzahlen pro Jahr kommen zu Ergebnissen im zweistelligen oder sogar dreistelligen Millionenbereich. Schon 1990 kam Daniel Klem zu dem Schluss, dass man mit mindestens einem Vogel pro Wohnhaus rechnen sollte. Dies ergäbe dann mit der Anzahl der Wohnhäuser Deutschlands multipliziert 18 Millionen. Neuere Berechnungen, die auch Hochhäuser und Wartehäuschen berücksichtigen, kommen zu dem Resultat von mehr als 100 Millionen toten Vögeln auf Deutschem Raum.[12]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vogelschwund im Verkehr kommt hauptsächlich durch die hohen Geschwindigkeiten zustande, jedoch auch durch den (mit dem Ausbau verbundenen) Lebensraumschwund. Wenn man die Mortalitätsraten der Vögel im Straßenverkehr mit der im Zugverkehr vergleicht, fällt auf, dass die Rate im Zugverkehr deutlich höher ausfällt. Es stellt sich die Frage, warum dies so ist, denn die Auto-Strecken werden viel häufiger befahren. Zum einen liegt es daran, dass Vögel auch an den Freileitungen der Bahn verunglücken durch das überraschende Auffliegen aufgrund des sich nähernden Zuges. Eine Untersuchung mit dem Namen „SCV“ dokumentierte die Kollisionsopfer an einer Bahnstrecke im Zeitraum von fünf Jahren. Sie kam zu dem Ergebnis, welches durch eine Hochrechnung erfolgte, dass 20 bis 50 Vögel pro Streckenkilometer umkommen. Dabei waren vor allem Eulen überdurchschnittlich stark betroffen. Sie fliegen bei der Nahrungssuche, die häufig durch das Gehör erfolgt, knapp über dem Boden und werden von Zügen erfasst. Im Winter wird der Schnee durch den Zugwind wegbefördert und die schneefreie Fläche bietet so für Greifvögel eine gute Nahrungsquelle.[13] Das deutsche Straßennetz ist sehr gut ausgebaut und stellt somit insgesamt eine große Gefährdung dar. Besonders Straßen mit Hecken und Büschen bilden ein hohes Risiko für Singvögel. Eine Studie in Radolfzell am Bodensee zeigt, dass circa zehn Prozent der dort brütenden Paare ein Elternteil verlieren, wonach die Brut beendet wird.[14]

Vergiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bleihaltige Jagdmunition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da bei der Jagd meistens nicht auf bleifreie Munition gesetzt wird, werden vor allem Greifvögel Opfer von Vergiftungen.[15]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Film "Uralte Paradiese" innerhalb der Reihe "Kielings Wilde Welt". Hier ein Link: https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/kielings-wilde-welt-uralte-paradiese-100.html
  2. Wie viel´ Vögel sind noch da? In: YouTube. ARD, 20. Juni 2018, abgerufen am 24. Februar 2021.
  3. a b c Vögel in Deutschland-Übersichten zur Bestandssituation. Bundesamt für Naturschutz, abgerufen am 25. Februar 2021 (deutsch, englisch).
  4. Vogelschutzbericht 2019: Bestandsentwicklung zahlreicher Vogelarten in Deutschland weiterhin kritisch. Bundesamt für Naturschutz, abgerufen am 25. Februar 2021 (deutsch, englisch).
  5. a b Nationaler Vogelschutzbericht 2019. Bundesamt für Naturschutz, abgerufen am 25. Februar 2021 (deutsch, englisch).
  6. a b c Vögel verschwinden auf Wiesen und Feldern. Naturschutzbund Deutschland (NABU), abgerufen am 24. Februar 2021.
  7. Jan Henne: Vogelsterben – neue Zahlen zeigen, wie dramatisch die Lage wirklich ist. In: Geo. Abgerufen am 24. Februar 2021.
  8. Peter Berthold: Unsere Vögel. Warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können. Ullstein Verlag, Berlin 2017, S. 122.
  9. Peter Berthold: Unsere Vögel. Warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können. Ullstein Verlag, Berlin 2017, S. 131 f.
  10. Lars Lachmann: Bedroht die Hauskatze die Artenvielfalt? Naturschutzbund Deutschland, 8. Juli 2020, abgerufen am 14. Juli 2020.
  11. Walldorfer sollen Katzen wegen brütender Haubenlerchen einsperren. In: swr.de. 16. Mai 2022, abgerufen am 28. Mai 2022.
  12. https://www.bund-nrw.de/meldungen/detail/news/vogelschlag-an-glas-ueber-18-millionen-oder-100-millionen-was-stimmt/news-topic/vogelschlag/, zuletzt besucht am 1. Januar 2020
  13. http://www.naturschutzrecht.eu/wp-content/uploads/2008/05/EBA-Wirkungsprognose-11-2006.pdf, Seite 37–48
  14. Peter Berthold: Unsere Vögel. Warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können. Ullstein Verlag, Berlin 2017, S. 118–119.
  15. Keystone-SDA: Durch bleihaltige Munition: 55'000 Greifvögel weniger in Europa. In: swissinfo.ch. 18. März 2022, abgerufen am 30. Mai 2022.