Vokalatmung

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Vokalatmung, auch Vokalsingen genannt, ist eine aus indischen Yogaübungen stammende Atemmethode, mit dem Schwerpunkt der Intonation der Vokale beim Ausatmen. Sie wird zur Stimmbildung genutzt, da nach Ansicht der Verwender die Stimme dadurch „geklärt“ und gekräftigt wird. Als alternativmedizinischer Ansatz findet sie in der Psychotherapie Anwendung.

Methode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In entspannter Sitzhaltung mit geradem Rücken wird langsam und tief eingeatmet. Daraufhin wird vollständig und kräftig ausgeatmet, bis möglichst die gesamte Luft ausgeatmet ist. Während des Ausatmens wird ein Vokal intoniert. [1]

Wichtig ist es, dass man mit voller Kraft ausatmet. Trotz des etwas irreführenden Synonyms Vokalsingen, geht es nicht darum, Töne zu modulieren, in verschiedenen Höhen „zu singen“. Es handelte sich bei Vokalatmung um einen Atmungsvorgang, bei dem nicht bewusst auf die Tonhöhe zu achten ist, denn diese ist irrelevant und bei jedem in der Grundtonlage verschieden.

Empfehlenswert ist die Reihenfolge I – E – A – O – U und nicht die übliche aber gleichwohl mögliche A – E – I – O – U.

Üblich ist es, die Vokale in Blöcken wiederholend zu intonieren. Für Menschen, die Sprechberufe ausüben, ist es sinnvoll, täglich zehn Blöcke der Vokale zu singen, also zehnmal auf IEAOU auszuatmen.

Besonderheiten einzelner Vokale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es ist darauf zu achten, dass jeder Vokal deutlich intoniert wird.

Beim I sollte man die Oberlippe deutlich hochziehen. Beim E muss der Mund wie ein liegendes Rechteck geformt werden. Beim A sollte der Mund weit geöffnet und die Zunge nach unten gedrückt werden. Beim O ist der Mund kreisförmig nach vorne zu wölben. Beim U ist der Mund noch weiter als beim O vorgeschoben. Der Ton sollte dunkel und weich klingen.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich stammt die Vokalatmung aus indischen Jogaübungen und wurde im Westen weiterentwickelt, um einen natürlichen Bezug zu Atem, Körper und Bewusstsein herzustellen. [2] Mit jedem der Vokale würde jeweils ein bestimmtes Chakra stimuliert.

Obwohl die Existenz von Chakren und Meridianen umstritten ist, wird die Vokalatmung zum Teil auch von der Schulmedizin empfohlen, weil die Intonation der Vokale möglicherweise durch die erzeugten Vibrationen einen Einfluss auf den Rachenbereich nimmt. Diese Schwingung kann man auch selbst mit der bloßen Hand fühlen, etwa wenn man auf A ausatmet und dabei die Handfläche auf den oberen unbekleideten Brustkorb legt.

Im deutschen Sprachraum wurde die Vokalatmung durch Benno Max Leser-Lasario, einen Pionier der Atemtherapie, zum ersten Mal einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Als gezielte Methode der rhetorischen Sprachschulung und der Persönlichkeitsbildung wurde die Vokalatmung im deutschen Sprachraum wahrscheinlich zuerst von Oscar Schellbach empfohlen. [3]

Stimmbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vokalatmung ist seit langem ein Mittel zur Stärkung der Stimme. Atem-, Stimm- und Sprechlehrer sowie Sprecherzieher bringen sie Berufssprechern und Sängern zu Beginn einer Gesangsausbildung bei, weil dadurch die Stimme langsam und systematisch gekräftigt werden kann. Auch viele Rhetoriktrainer, die seriös arbeiten, verweisen inzwischen auf diese Atemmethode.

Physiologisch gesehen werden einerseits die Stimmlippen (umgangssprachlich: Stimmbänder) gekräftigt sowie andererseits die Zwerchfellmuskulatur aufgebaut.

Stimmtherapie bei Parkinson[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit kurzem wird die Vokalatmung auch dazu eingesetzt, um Parkinson-Patienten zu helfen, die ihre Stimme wegen der Erkrankung nicht mehr richtig einsetzen können. Die Logopädin Katharina Pichler hat die Vokalatmung als eine Möglichkeit entdeckt, um die Stimmorgane speziell von an Parkinson erkrankten Menschen wieder muskulär zu stärken und aufzubauen. Bei regelmäßiger Übung kann allein durch die Intonation der Vokale - am besten unter logopädischer Anleitung - die Einschränkung der Sprechfähigkeit von Parkinson-Patienten fast völlig überwunden werden. Pichler hat hierzu eine systematische Anleitung entwickelt. [4]

Sonstige logopädische Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei bestimmten Sprachstörungen wie Stottern oder der Sprech-Sprachstörung Poltern ist die Vokalatmung meistens angezeigt, weil die Patienten ihre Sprechorgane durch Vermeidungsverhalten derart vernachlässigen, dass die Stimmlippen unterentwickelt sind. Im Zweifel sollte man bei derartigen Störungsbildern die Vokalatmung immer in eine Therapie einbauen, weil der Zusatzeffekt, dass nämlich Patienten ein besseres Gefühl für ihre Stimme und ihr Artikulationsverhalten entwickeln, bei der Therapie sehr hilfreich ist.

Psychotherapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Psychotherapie kann die Vokalatmung eingesetzt werden, um dem Patienten eine weitere Selbsterfahrungsmöglichkeit zu geben, die seine Persönlichkeit festigen kann. Der als Rhetoriktrainer tätige Psychologe Nikolaus B. Enkelmann, der die Vokalatmung auch zur Stimmbildung empfiehlt, bezeichnet die regelmäßige Praxis der Vokalatmung wegen ihres Einflusses auf die Persönlichkeitsbildung als psychogenes Atemtraining. [5]

In der Angsttherapie ist der Einsatz der Vokalatmung ebenfalls üblich. Hierbei wird versucht, ein beruhigendes Atmen hervorzurufen, welches die Angstgefühle auf ein Minimum reduziert. [6]

Ferner kann das Vokalsingen auch als Bestandteil einer kontrollierten Hypnoseeinleitung verwendet werden.

Siehe auch: Vocal meditation

Entspannungsmethode[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Atementspannung stellt die Vokalatmung überdies eine Entspannungsmethode dar, die idealerweise mit weiteren Atemübungen kombiniert werden sollte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Benno Max Leser-Lasario: Lehrbuch der Original-Vokalgebärden-Atmung, 2. Auflage, Büdingen-Gettenbach 1954, Lebensweiser-Verlag
  • Michael Reimann: Mit Vokalatmen zur inneren Heilung, Schirner-Verlag, 2005, ISBN 978-3-89767-223-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. auch zum Folgenden: Roland Wolff: Praktische Rhetorik – Stimmtraining, Heiligkreuztal 1994, Verlag Aktuelle Texte, ISBN 3-921312-57-4, S. 38 ff.; Nikolaus B. Enkelmann / Carin M. Mackenbach: Finde Deinen Stil. Motivations- und Arbeitsbuch für Jugendliche, Landsberg am Lech 1987, ISBN 3-478-03260-1, S. 145 ff.
  2. Vgl. Albert Schultz: Das Mantram und die Vokal-Atmung. Praktische Mantramistik. Wesen und Praxis der Konzentration und der Meditation, Pfullingen in Württemberg 1927, Verlag J. Baum.
  3. Vgl. Oscar Schellbach: Mein Erfolgssystem. Das positive Leben in Theorie und Praxis, 31. Auflage, Freiburg im Breisgau 1993, S. 42ff., 53.
  4. Vgl. Sabine George/Katharina Pichler/Edith Wagner-Sonntag/Andres Ceballos-Baumann/Deutscher Verband der Ergotherapeuten: Was tun bei Parkinson? Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige, Idstein 2007, Schulz-Kirchner, ISBN 978-3-8248-0513-6.
  5. Vgl. Nikolaus B. Enkelmann: Rhetorik Klassik, Offenbach 2004, Verlag Gabal, ISBN 978-3-89749-468-8 sowie den Vortrag: Psychogenes Atemtraining, Königstein/Taunus 1995.
  6. Vgl. Übungsanleitung bei Ergo-Online.de.
Gesundheitshinweis Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu diesen Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!