Volker Fleige

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Volker Fleige (* 14. Juni 1957 in Wimbern, jetzt Wickede) war von 2009 bis 2015 Bürgermeister der Stadt Menden[1][2] und damit als Mitglied der SPD der erste sozialdemokratische Verwaltungschef in der Geschichte der Stadt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während seiner Schul- und Studienzeit engagierte sich Volker Fleige unter anderem am Schülertheater, am Studententheater sowie beim Management einer Rockgruppe. Er studierte Verwaltungswissenschaften und schloss als Diplom-Verwaltungswirt (FH) ab.

Seine berufliche Laufbahn begann beim Kreis Unna, u. a. als Pressesprecher von 1982 bis 1984. 1984 wechselte Fleige als Leiter des Kulturamtes zur Stadt Menden. Von 1991 bis 2009 war er Fachbereichsleiter (Dezernent) für Schule, Sport und Kultur in Menden,[3] wo er heute lebt. Volker Fleige war von 2009 bis 2015 Bürgermeister der Stadt Menden. Am 27. September 2015 verlor er in der Stichwahl mit 54,43 % zu 45,57 % deutlich gegen seinen Herausforderer von der CDU, Martin Wächter, und schied deswegen am 20. Oktober 2015 aus dem Amt.

Kabarett, Theater und Bildende Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleinstadt Katastrophen Kombo und Scaramouche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während der Studienzeit baute Fleige für ein Umweltfest in Menden (Sauerland) eine Kabarettgruppe auf, aus der die „Kleinstadt Katastrophen Kombo“ (KKK) entstand, die bis Mitte der 1980er Jahre bestand. Mit dieser Kabarettgruppe gründete Fleige den Katastrophen Kultur e. V. als Trägerverein des Zimmertheaters Scaramouche in Menden, das am 25. Dezember 1983 seinen Spielbetrieb aufnahm und bis heute existiert.

theatrium – Junges Europäisches Theater in Menden (Sauerland)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1987 entwickelte Volker Fleige die Idee eines „Theaterfestivals für Schauspielschüler“. Im selben Jahr wurde der „Förderkreis Mendener Kulturprojekte e. V.“ gegründet mit dem späteren Bürgermeister Volkhard Wrage als Vorsitzendem und Volker Fleige als Geschäftsführer.

Nach drei Jahren Vorbereitung erfolgte 1990 die Realisierung dieser Idee als „theatrium – Junges Europäisches Theater in Menden (Sauerland)“ mit Unterstützung der Europäischen Gemeinschaft, der Bundesregierung, des Landes Nordrhein-Westfalen sowie mehrerer Sponsoren. Dafür wurde der Innenhof des neuen Mendener Rathauses mit einem eigens für diesen Zweck konstruierten Zeltdach überspannt.

Vom 1. Juli 1990 bis zum 18. September 1990 waren Schauspielschüler aus Kopenhagen, Arnhem, Hamburg, Graz, Stuttgart, Wien, Leipzig, Paris, Ottersberg und aus Polen sowie von mehreren Hochschulen für Bildende Künste und Gestaltung usw. in Menden zu Gast.

Von den Regisseuren Werner Kuhn (Zürich), André Hübner-Ochodlo (Gdynia) und Asger Schubert (Leipzig) wurden erarbeitet „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare, „Der Traum vom Leben“, eine Uraufführung und ein für das „theatrium“ geschriebenes Musiktheater von Jacek St. Buras (Text) und Jerzy Satanowski (Musik) sowie „Leonce und Lena“ von Georg Büchner. Kultusminister Hans Schwier eröffnete am 25. August 1990 eine Folge von insgesamt 15 Vorstellungen. Trotz des Erfolges gelang es nicht, „theatrium – Junges Europäisches Theater in Menden (Sauerland)“ dauerhaft in Menden zu etablieren. Auch ein späterer Versuch der Stadt Unna kam über eine einmalige Durchführung nicht hinaus.

Mendener Schaubühne und Theater Am Ziegelbrand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1990 baute Volker Fleige mit Theaterfreunden die Mendener Schaubühne auf. Die erste Inszenierung war Peer Gynt von Henrik Ibsen u. a. mit Holger Thews in der mehrfach besetzten Titelrolle.

Den „KlassenFeind“ von Nigel Williams inszenierte Fleige in einer Jahrzehnte leer stehenden Fabrik, zu der die Zuschauer mit Schulbussen gefahren werden. „Der Kirschgarten“ fand in einem Palmengewächshaus statt, wobei die Zuschauer in einer Vertiefung in der Mitte saßen, während das Geschehen um sie herum abläuft. Den Trofimow spielte Sascha Rotermund. Aus Anlass des 100. Geburtstages Brechts konzipierte Volker Fleige „Alles was Brecht ist“. Auszüge aus Stücken, Szenen, Songs, Lyrik sowie aus Werken Heiner Müllers und William Shakespeares wurden auf dem Gelände, in den Werkstätten und den Garagen des Mendener Baubetriebs aufgeführt.

Danach stellte der Mendener Baubetrieb eine Halle zur Verfügung. Die Stadt Menden übernahm den Umbau sowie den Anbau eines Foyers. Die Sparkasse Menden und die Unternehmen Bega und Gebr. Albert förderten die Ausstattung. Da der Ort eine ehemalige Ziegelbrennerei ist, erhielt die Stätte den Namen Theater Am Ziegelbrand.[4] Aufgrund der Initiative von Ferdi Schunck (1928–2005) etablierte sich parallel zur Mendener Schaubühne und später als Teil des Theaters Am Ziegelbrand die Lesebühne, später lesBar.

Seh-Container[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinsam mit Wolf-Ulrich Rohe, Absolvent der Kunstakademie Düsseldorf und dort Student von Joseph Beuys, entwickelt Volker Fleige die Idee der Seh-Container, die als Biennale stattfinden.

Jeweils ein Künstler oder eine Künstlergruppe erhalten einen See-Container, um darin auszustellen, zu arbeiten und sich zu präsentieren. Mit Hilfe von DHL und unterstützt vom Land Nordrhein-Westfalen wurden die Seh-Container erstmals 2008 in der Kulturregion Südwestfalen und den beteiligten Städten Menden, Hagen, Iserlohn und Siegen mit dem Kreis Siegen-Wittgenstein gezeigt.[5]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn seiner Amtszeit als Bürgermeister initiierte Fleige den Neubau des Bahnhof. Dieser war nach über zehnjährigem Leerstand zu einem Schandfleck verkommen. [6] Auch das angrenzende Gelände des Bahnhofs konnte mit Hilfe des Investors List+Wilbers zu einem Fachmarktzentrum entwickelt werden. [7]

Die katastrophale Haushaltslage der Stadt ließ Fleige den Vorschlag machen, mit dem Regierungspräsidium Arnsberg eine Vereinbarung zu schließen, um mit finanzieller Unterstützung des Landes NRW den Haushalt zu konsolidieren.[8] Diesem Vorschlag folgte der Rat der Stadt. Auf dieser Basis präsentierte die Stadt Menden erstmals nach über 10 Jahren 2012 einen genehmigten Haushalt. [9]

Die Demografie machte es notwendig, Mendens Schullandschaft neu aufzustellen. Fleige sah sich dabei heftigen Angriffen ausgesetzt. So führte die geplante Schulschließung der Grundschule in Hüingsen, dem Stammsitz der Firma Bettermann, zu einem vom Unternehmer Ulrich Bettermann angestrebten und von der FDP unterstützten Verfahren zur Abwahl Fleiges als Bürgermeister. [10] Vorausgegangen waren einige Affären des Bürgermeisters Fleige, die in der Mendener Öffentlichkeit für großen Unmut sorgten. U.a. empfahl er einer Bürgerin, die sich mit einem Anliegen an ihn wandte, ein Beruhigungsmittel zu nehmen.

Das Verfahren scheiterte im Januar 2013. Statt der gesetzlich vorgeschriebenen Anzahl von 7.800 Unterschriften, die zum Beginn eines solchen Verfahrens benötigt werden, wurden lediglich 7.447 Unterschriften gesammelt. Die Zahl der gesammelten Unterschriften ist allerdings nicht belegt.[11]

Jahrzehntelang besuchten Schülerinnen und Schüler aus Menden die Gesamtschule in Fröndenberg. In Menden fand sich keine Mehrheit zur Gründung dieser Schulform. Mit der Veränderung der Schullandschaft gelang es Fleige, eine Ratsmehrheit für die Gesamtschule Menden zu finden.[12]

Ein weiteres Schwergewicht lag auf der Entwicklung der Innenstadt. Dabei wurde der Alte Rathausplatz, das Herz der Stadt, neu gestaltet. [13] Außerdem gelang die Offenlegung des Glockenteichbachs. Dieser Bach war Jahrhunderte die einzige Frischwasserquelle der Stadt. Jetzt fließt er wieder mitten durch die Stadt und ist ein belebendes Element der Fußgängerzone und ihrer weiteren Entwicklung. [14]

Bei der Bürgermeisterwahl 2015 bewarben sich fünf Kandidaten. Im ersten Wahlgang am 13. September erreichte Volker Fleige mit 39,5 % die meisten Stimmen, aber nicht die erforderliche absolute Mehrheit.[15] In der Stichwahl am 27. September zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen unterlag er seinem Konkurrenten von der CDU, Martin Wächter. Volker Fleige wurde somit nach nur einer Amtszeit wieder aus dem Amt gewählt. [16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stadt Menden: Bürgerinformationssystem
  2. Seit Mitternacht ist Fleige Bürgermeister vom 21. Oktober 2009 bei DerWesten
  3. SPDMK-Wahlportal
  4. 10 Jahre Theater Am Ziegelbrand vom 14. August 2009 bei DerWesten
  5. Von Seh-Containern soll ganz Südwestfalen profitieren vom 2. Februar 2008 bei DerWesten
  6. Michael Koch: Bahnhof-Abriss in Menden lohnt nur bei Neubau. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 10. September 2010. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  7. Thorsten Bottin: Neues Fachmarktzentrum am Mendener Bahnhof eröffnet. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 31. Januar 2013. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  8. Stärkungspakt Stadtfinanzen. MIK NRW. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  9. Corinna Schutzeichel: Im kleinen Rahmen handlungsfähig. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 16. Mai 2012. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  10. Michael Koch: Bettermann will Fleige-Abwahl organisieren (PDF) bis-hueingsen.de. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  11. Unterschriften reichen nicht!. lokalkompass.de. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  12. Martina Dinslage: Start an Gesamtschule Menden. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 22. August 2012. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  13. Pia Maranca: Der Alte Rathausplatz ist eröffnet. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 9. Juni 2011. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  14. Thorsten Bottin: Bautrupps holen jetzt den Glockenteichbach ans Tageslicht. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. 13. Juni 2014. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  15. Bürgermeisterwahl - Wahl des/der Bürgermeisters/in 2015 in der Stadt Menden (Sauerland) - Gesamtergebnis. wahlen.citkomm.de. Abgerufen am 7. Mai 2016.
  16. Bürgermeisterstichwahl - Wahl des/der Bürgermeisters/in 2015 in der Stadt Menden (Sauerland) - Gesamtergebnis. wahlen.citkomm.de. Abgerufen am 7. Mai 2016.