Vor dem Sturm (Roman)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vor dem Sturm, Titelseite der 15./16. Auflage 1913

Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812 auf 13 ist ein historischer Roman von Theodor Fontane.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei seinen Wanderungen durch die Mark Brandenburg kam Fontane 1862 die Idee zu seinem Stoff, damals noch unter dem Arbeitstitel Lewin von Vitzewitz. Er unterbrach die Arbeiten daran 1863, um erst 1876 einen neuen Anlauf zu unternehmen. Der Roman erschien ab dem 5. Januar 1878 als 36-teiliger Vorabdruck in der Leipziger Wochenzeitschrift Daheim. Ein deutsches Familienblatt mit Illustrationen.

Bis zum Oktober 1878 war die vierbändige Buchausgabe (Hohen-Vietz, Schloß Guse, Alt-Berlin, Wieder in Hohen-Vietz) fertiggestellt, ab November 1878 begann der Verkauf.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor dem Sturm war Fontanes erster Roman und als Porträt der preußischen Gesellschaft aller Stände (Bürger, Bauern, Adel) zur Zeit der Befreiungskriege angelegt. Im Mittelpunkt der Handlung steht der adlige Student Lewin von Vitzewitz, in dessen privatem Schicksal sich die historischen Zeitereignisse widerspiegeln. Schauplätze des Romans sind die fiktiven Schlösser Hohen-Vietz und Guse sowie Frankfurt (Oder) und Berlin.

Winter 1812/13 im Oderbruch: In Dorf und Schloss Hohen-Vietz erwartet die Bevölkerung das Signal des Königs zum nationalen Aufstand gegen die napoleonischen Besatzer. Ungeduldig gründet Familienvorstand Berndt von Vitzewitz[1] schon vorab eine Landsturmtruppe und ist entschlossen, auch ohne die Zustimmung des Königs und seiner Minister loszuschlagen, weil er die Treue gegen sein Land höher bewertet als die Treue gegen seinen König. Er gewinnt die Adeligen auf den benachbarten Gütern für sein Vorhaben; auch sie beginnen, Landsturmkompanien zu rekrutieren. Geplant sind Überfälle auf die vom gescheiterten Russlandfeldzug zurückkehrenden französischen Regimenter. Berndts Sohn Lewin steht dem Vorhaben zunächst kritisch gegenüber, weil Preußen immer noch Bündnispartner Napoleons ist. Die Tage zwischen Weihnachten und Silvester verbringt die Familie im Freundeskreis, die Aussicht auf ein (kriegs-)bewegtes Jahr 1813 bestimmt die Gespräche. Hoffnung und Sorge halten sich die Waage.

Während die patriotische Begeisterung weite Bevölkerungskreise erfasst, kehrt Lewin, nachdem sich seine Hoffnungen auf eine Verbindung mit seiner polnischen Cousine Kathinka von Ladalinski zerschlagen haben, nach Hohen-Vietz zurück. Hier hat inzwischen der Landsturm unter dem Oberbefehl des Generalmajors von Bamme sein Hauptquartier aufgeschlagen. Lewin lässt sich von der Truppe rekrutieren. Bei einer Aktion dieses Landsturms, die wegen fehlender Unterstützung durch die regulären russischen Truppen scheitert, wird er gefangen genommen. Bei seiner Befreiung wird sein Freund und Vetter Tubal von Ladalinski, der Bruder Kathinkas, tödlich verletzt und stirbt in der darauffolgenden Nacht. Lewins Schwester Renate von Vitzewitz, die Tubal liebt und ihn nach dem Wunsch ihrer Tante, Gräfin Amelie, heiraten sollte, wird unverheiratet bleiben.

Lewin aber heiratet Marie Kniehase, ein Schauspielerkind mit unklarer Herkunft, das zusammen mit den Vitzewitz-Kindern erzogen wurde. Einer alten Weissagung zufolge wird damit das Geschlecht der Vitzewitz von einem alten Fluch erlöst. Die Heirat stellt die Standesschranken zur Disposition. Marie, so Berndt von Vitzewitz zu seinem Sohn, „wird uns freilich den Stammbaum, aber nicht die Profile verderben, nicht die Profile und nicht die Gesinnung. Und das beides ist das Beste, was der Adel hat“. (IV. Buch, 27. Kapitel)

Zu den biographischen Voraussetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gegenstand des Romans, der Beginn der Befreiungskriege, gibt Anlass zu den ausführlichsten Darstellungen militärischer Operationen, die sich in Fontanes Romanen finden. Dabei knüpft Fontane an seine Kriegsbücher an. Die genaue Schilderung der Mark stützt sich auf seine auf den Wanderungen durch die Mark Brandenburg erworbenen Kenntnisse.

Fontanes Erfahrungen im „Tunnel über der Spree“ schlagen sich in seiner Darstellung der Dichtergesellschaft Kastalia nieder, wobei der historisch interessierte Balladendichter Detleff Hansen-Grell nach dem Bilde des jungen Fontane gezeichnet ist und auch dessen Balladen Hakon von Borkenbart und General Seydlitz vorträgt.[2]

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die patriotische Familie der preußischen Vitzewitze ist der entwurzelten Familie der polnischen Ladalinskis gegenübergestellt. Der militärische Führer der Landsturmaktion, Generalmajor von Bamme, zeigt einige Gemeinsamkeiten mit der dem halbkriminellen Milieu der Forstackersleute zugehörigen Botenfrau von Hohen-Vietz, Hoppenmarieken. Der Konrektor Othegraven nimmt Bezug auf den preußischen General Karl Thomas von Othegraven. Dabei zeigt die Personenkonstellation einige Ähnlichkeiten mit der des Stechlin.

Verfilmung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Roman wurde im Jahr 1984 verfilmt, siehe Vor dem Sturm (Film).

Ausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theodor Fontane: Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812 auf 13. Hrsg. von Christine Hehle. Berlin 2011 (Große Brandenburger Ausgabe, Das erzählerische Werk, Bd. 1 und 2). ISBN 978-3-351-03114-5.

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. gezeichnet nach dem Bild des historischen Friedrich August Ludwig von der Marwitz
  2. In Büchern und auf Bänken / Da war er nicht zu Haus, / Ein Pferd im Stall zu tränken,/ Das sah schon besser aus; / Er trug blanksilberne Sporen / Und einen blaustählernen Dorn, / – Zu Calcar war er geboren, / Und Calcar, das ist Sporn. […]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]