Waldfriedhof Oberrad

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Der Waldfriedhof Oberrad liegt im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen[1] und wurde im Jahr 1914 südlich des Stadtteils Oberrad am Rande des Stadtwalds und westlich der Tellersiedlung angelegt.

Waldfriedhof Oberrad Trauerhalle
Islamisches Bestattungsfeld
Trauerhain
Niederländisches Ehrenfeld
Gedenkstätte Soldatenfriedhof

Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Waldfriedhof Oberrad ist mit 20,5 Hektar die drittgrößte Bestattungsfläche Frankfurts nach dem Hauptfriedhof und dem Friedhof Westhausen. Etwa 7000 Gräber sind vorhanden. Er wurde innerhalb einer Waldfläche des Frankfurter Stadtwalds angelegt und ist gekennzeichnet durch einen relativ dichten und gepflegten Baumbestand mit gärtnerisch gestalteten Grabflächen.

Außer den weitgehend naturnah belassenen Waldflächen gibt es auch große Lichtungen mit Kriegsgräbern, die durch die regelmäßige Anordnung der Grabsteine gekennzeichnet sind. Die Gräber liegen meist beidseits langgestreckter Rasenflächen. Zwei der Felder sind entlang einer Achse in der Mitte des Friedhofs angeordnet. Weitere Besonderheiten sind ein moslemisches Bestattungsfeld sowie mehrere Trauerhaine. In den kleinen Waldflächen werden Urnen anonym in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Baum beigesetzt, ähnlich einer Naturbestattung.

Am Friedhofseingang im Burgenlandweg 10 befinden sich ein Parkplatz, Betriebsgebäude und eine Bushaltestelle der Linien 81 und 82. Direkt dahinter liegt die historische Trauerhalle. Weitverzweigte, meist gewundene Wege erschließen die acht Gewanne.

Kriegsopferfelder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Friedhof befinden sich Gräber von 756 niederländischen Kriegstoten des Zweiten Weltkriegs sowie von 31 deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs und 2874 deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs.

Auf dem Niederländischen Ehrenfeld (Niederländisch: erebegraafplaats) sind Niederländer begraben, die im nationalsozialistischen Deutschland in der Zeit von 1940 bis 1945 als Zwangsarbeiter starben. Es befindet sich im Norden des Friedhofs und besteht aus 756 Gräbern mit weißen Grabsteinen und einer Gedenktafel mit 242 Namen von Opfern, die auf dem Ehrenfeld nicht bestattet werden konnten. Die Bronze-Skulptur Der Fallende Mann erinnert mit einer niederländischen Inschrift an die Opfer. Das Ehrenfeld wurde 1956 eingeweiht. Auf Initiative der Stiftung niederländische Kriegsgräberfürsorge wurden in dieser Zeit in Deutschland sieben niederländische Ehrenfelder angelegt.

Die Gräberfelder der deutschen Gefallenen liegen im Zentrum des Friedhofs. Die weite Fläche verläuft in Ost-West-Richtung und ist durch ein hohes Kreuz geprägt. Es besteht aus grob behauenem, rotem Sandstein, aus dem auch die Grabsteine bestehen. Unterhalb des Kruzifixes erinnert eine Inschrift an die Toten und mahnt zum Frieden.

Trauerhalle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Trauerhalle ist im Stil des Klassizismus gestaltet. Das hohe Schieferdach ist durch Zwerchhäuser gegliedert, die auf Säulen ruhen. Die Kapelle verfügt über 60 Sitzplätze. Das Gebäude ist ein Kulturdenkmal nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz ebenso wie die aus der Bauzeit stammende Einfriedung und das Tor.

Denkmalgeschützte Gräber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgenden Gräber stehen unter Denkmalschutz:


Bild Gewann Name(n) Jahr Steinmetz Beschreibung
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 A 10 Vogel.JPG 1 A 10 Vogel 1921 0 Neoklassizistische Stele zwischen Eckpfosten aus Kalk-Kunststein
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 A 11 Steinheimer-Wolf (1).JPG 1 A 11 Steinheimer-Wolf 1921 JeanWolf Neoklassizistische Ädikula mit kannelierten Pilastern unter Dreiecksgiebel aus Kalkstein. Auf den mit Voluten abschließenden Seitenflügeln befinden sich ovale Schriftfelder in Bronzerahmen. Die zentrale Nische ist mit einem mit Rosen hinterlegtem Kreuz geschmückt.
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 A 8-8a Jung-Nees.JPG 1 A 8-8a Jung-Nees 1933 0 Schlichte Stele auf trapezförmigem Grundriss aus Kalk-Kunststein
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 B 14 Ripp.JPG 1 B 14 Ripp 1924 Karl Zorbach Neoklassizistische Stele mit barockisierenden Elementen aus Kunststein-Muschelkalk.
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 B 5 Kuppenheim.JPG 1 B 5 Kuppenheim 1920 Gebr. Hasenbach Neoklassizistisches Denkmal aus Kirchheimer Muschelkalk in Form eines Altars. Die Altarplatte wird von Karyatiden getragen. Darauf befindet sich eine vollplastische Figurengruppe des Pietà-Motivs.
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 B 8 Hofmann-Neumann.JPG 1 B 8 Hofmann-Neumann 1929 Jean Schad Dreiteilige Wandstele aus geschliffenem Bluberg-Granit. In der Mitte ein Bronzerelief einer vor einem Altar trauernden weiblichen Gestalt.
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 E 13 Liebtrau.JPG 1 E 13 Liebtrau 0 0 Stele in Formen der Neurenaissance aus Marmor in Wiederverwendung.
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 G 1 Heller.JPG 1 G 1 Heller 1915 Gebrüder Wagner Neoklassizistische ädikulaartige Stele mit kannelierten Pilastern, ionischem Kapitell, rosettengeschmücktem Architrav und einem zu der Verdachung überleitendem Mäanderfries aus Kalkstein.
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 G 35 König.JPG 1 G 35 König 1921 Jos. Freudenberger Neoklassizistische Kalksteinstele, gefasst von gerundeten Pilastern mit ionischem Kapitell. Im Segmentbogengiebel befinden sich Reliefs eines Kreuzes, umrandet von floralen Ornamenten.
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 H 4 Jung.JPG 1 H 4 Jung 1918 Jakob Dietrich Neoklassizistische Ädikula ionischer Ordnung über einem abgetreppten Sockel. Auf beiden Seiten befinden sich Pfeiler mit Blumenschale aus Kalkstein.
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 H 12 Weiss.JPG 1 H 12 Weiss 1921 0 Kleine ädikulaähnliche Kalksteinstele.
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 K 6 Treser.JPG 1 K 6 Treser 1964 0 Georg Treser war Stadtrat in Frankfurt. Das Grabmal ist eine prismenförmige schlichte Kalksteinstele.
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 K 23 Dedecke-Rode.JPG 1 K 23 Dedecke-Rode 1919 (1953) Jakob Dietrich (Heinrich Stiegmann) Dreiteilige Wandstele aus Muschelkalk. Im Segmentbogengiebel befindet sich ein Relief eines Blumenkorbes. An den seitlichen Pfeilern sind Kranzreliefs zu sehen. 1953 wurden zwei Urnen aus Krensheimer Muschelkalk ergänzt.
0 1 M 13 Paatz 1925 Karl Zorbach Urnenstele aus Kunststein-Muschelkalk.
0 1 M 34 Beckert 1974 Hans Steinbrenner Hans-Georg Beckert (1927–1981) war Architekt. Das Grabmal ist eine obeliskartige Stele aus rotem Kunststein.
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 O 1 UG Wislicenus-Haag-Schütz.JPG 1 O 1 UG Wislicenus-Haag-Schütz 1950 0
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 1 O 11 Müller-Wolfart.JPG 1 O 11 Müller-Wolfart 1929 Karl Zorbach
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 A 12 Reinhard.JPG 2 A 12 Reinhard 1926 E. C. Klucken
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 A 20-22 Keck.JPG 2 A 20-22 Keck 1927 Gebr. Wagner
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 B 8 Pass.JPG 2 B 8 Pass 1930 Karl Zorbach
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 F 3 Krämer.JPG 2 F 3 Krämer 1920 Jos. Freudenberger
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 F 28 Krausgrill.JPG 2 F 28 Krausgrill 1930 Ernst Unger
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 G 16 Bender.JPG 2 G 16 Bender 1919 Jean Wolf
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 H 26 UG Krämer.JPG 2 H 26 UG Krämer 1933 (1949) O. Ufert
0 2 H 14 a-b Höfseß 1920 Kurt Hoppe
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 1 Grabanlage Frankfurter Schwesternverband.JPG 2 J 1 Grabanlage Frankfurter Schwesternverband 1931 W.F.C. Ohly
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 2 Ludwig.JPG 2 J 2 Ludwig 1924 F. Hofmeister
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 6 Palm.JPG 2 J 6 Palm 1931 E. Zorbach
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 12 Surla.JPG 2 J 12 Surla 1982 0
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 13 Hansen.JPG 2 J 13 Hansen 1932 Gebr. Wagner
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 14 Barth.JPG 2 J 14 Barth 1934 Gebr. Wagner
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 15 Auth.JPG 2 J 15 Auth 1937 Jos. Freudenberger
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 16 Wochele-Heiner.JPG 2 J 16 Wochele-Heiner 1936 W. Schüßler
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 17 Ruhl.JPG 2 J 17 Ruhl 1939 Th. Sigl
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 27 Seum.JPG 2 J 27 Seum 1939 Jos. Freudenberger
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 33 UG Stemmer.JPG 2 J 33 UG Stemmer 1938 F. Hofmeister
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 34 Bilhardt.JPG 2 J 34 Bilhardt 1939 E.C. Klucken
0 2 J 37 Seeger 1942 Martin Ricker
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 44 Düncher (1).JPG 2 J 44 Düncher 1940 0
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 50 Spielmann.JPG 2 J 50 Spielmann 1948 Ludwig Jakob
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 2 J 54 Hartoch-Weiss.JPG 2 J 54 Hartoch-Weiss 1993 F. Hofmeister
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 3-10 Kessler.JPG 3-10 Kessler 1960 Hermann Reichert
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 3-40 Trautmann.JPG 3-40 Trautmann 1942 Heinrich W.A. Wolf
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 3-50 Jung-Ludwig.JPG 3-50 Jung-Ludwig 1934 H. Dammann + H. Rochlitz, Berlin-Grunewald
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 3-107 Borck.JPG 3-107 Borck 1944 0
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 4 – 443 Dannemeyer.JPG 4 – 443 Dannemeyer 1960 Heinz Möritz
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 4 – 446 Nerlich.JPG 4 – 446 Nerlich 1959 Alois Schneider
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 4 – 447 Reinhardt.JPG 4 – 447 Reinhardt 1960 Hammerschmidt, Niederselters
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 4 – 448 John.JPG 4 – 448 John 1957 Heinz Möritz
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 4 – 449 Ganns.JPG 4 – 449 Ganns 1958 Nau & Mahr
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 4 – 450 Gerst.JPG 4 – 450 Gerst 1966 Joh. Ferd. Schad
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 4 – 451 Müßig-Walke.JPG 4 – 451 Müßig-Walke 1960 Nau & Mahr
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 4 – 452 Bayer.JPG 4 – 452 Bayer 1959 A. Martin Ricker
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 4 – 453 Schmitt-Grass.JPG 4 – 453 Schmitt-Grass 1959 Heinrich Stiegemann
Oberrad, Waldfriedhof, Grab 4 – 454 Sternnagel.JPG 4 – 454 Sternnagel 1959 Heinz Möritz
Waldfriedhof-Oberrad ValentinSenger-Grab.JPG 4 71 a Senger 1997 Eva Renée Nele Mantelskulptur auf dem Grab von Valentin Senger


Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Waldfriedhof Oberrad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadt Frankfurt am Main: Der Friedhofswegweiser – Diesseits und Jenseits, 2. Auflage, Mammut-Verlag Leipzig 2015

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geoportal Hessen. 7. Oktober 2014, abgerufen am 1. Juli 2018.

Koordinaten: 50° 6′ N, 8° 44′ O