Frankfurter Stadtwald

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Der Frankfurter Stadtwald grenzt südlich an die städtische Bebauung Frankfurts an. Im Vordergrund ein Teil des Oberwaldes, Ansicht von Süden

Der Frankfurter Stadtwald ist der kommunale Waldbesitz der Stadt Frankfurt am Main. Im engeren Sinne bezeichnet der Begriff ein 5785 Hektar großes Waldgebiet im Süden Frankfurts, wovon 3866 Hektar innerhalb der Stadtgrenzen liegen.[1] Im weiteren Sinn bezeichnet der Begriff darüber hinaus alle Waldflächen, die auf Frankfurter Stadtgebiet liegen. Dazu gehören Biegwald, Enkheimer Wald und Fechenheimer Wald, das Ginnheimer Wäldchen, Niedwald, Nieder-Erlenbacher und Nieder-Eschbacher Wald sowie der Riederwald. Die Waldflächen gehören größtenteils zum Landschaftsschutzgebiet Frankfurter Grüngürtel.

Topografie[Bearbeiten]

Ein Abschnitt der Kelsterbacher Terrasse, postglaziale Geländestufe zwischen Schwanheimer Wald und Unterwald. Ansicht von Norden

Das Kerngebiet des Frankfurter Stadtwaldes erstreckt sich über eine west-östliche Breite von etwa 15 Kilometern sowie eine nord-südliche Ausdehnung von etwa 3 Kilometern[2] über die südlichen Gebiete der Stadtteile Schwanheim, Niederrad, Sachsenhausen und Oberrad sowie über den nördlichen Teil des Stadtteils Flughafen. Neben der Dresdner Heide gehört der Frankfurter Stadtwald zu den größten kommunalen Wäldern in Deutschland. Er bildet den nördlichen Teil des Dreieichforstes, der aus dem mittelalterlichen Wildbann Dreieich hervorging.

Während der größte Teil des Stadtwaldes erhöht liegt, befindet sich der zur früher selbstständigen und im 19. Jahrhundert zum Herzogtum Nassau gehörenden Gemeinde Schwanheim gehörende Waldanteil mit dem Naturschutzgebiet Schwanheimer Wiesen in der Mainebene. Zu dem südlich anschließenden Unterwald ist er durch die acht Kilometer lange Kelsterbacher Terrasse scharf abgegrenzt – eine Geländestufe aus dem Erdzeitalter Pliozän, die ein Abschnitt der südlichen Begrenzung des Urstromtales des Flusses Main ist. Oberhalb der Terrasse verläuft die Jahrhunderte alte Grenzschneise[3] als Teil einer Altstraße von Frankfurt am Main nach Mainz.

Gewässer im Stadtwald[Bearbeiten]

Der zentral im Stadtwald gelegene Jacobiweiher ist dort das flächenmäßig größte Stillgewässer. Uferblick von Nordosten
Das Königsbrünnchen, eine im 19. Jahrhundert in Stein gefasste Quelle an der Oberschweinstiege

Das mit sechs Hektar Wasserfläche größte Stillgewässer im Stadtwald ist der Jacobiweiher. Dieser von Oberforstmeister Hans Bernhard Jacobi in den Jahren 1931/32 durch Aufstauen des Königsbaches – neben der Kelster und dem Bach vom Mörderbrunnen einer von drei Wasserläufen, die durch den Stadtwald fließen – angelegte Teich wird von einigen Frankfurtern statt mit dem offiziellen Namen wegen seiner Form als Vierwaldstättersee bezeichnet. Dieser Beiname soll auch daher rühren, dass das Gelände des umliegenden Stadtwaldes die Gemarkungen von vier „Städten“ berührt – die der Frankfurter Stadtteile Niederrad, Oberrad und Sachsenhausen sowie im Süden die der Stadt Neu-Isenburg.[4]

Die meisten der insgesamt neun im Frankfurter Stadtwald liegenden, im 20. Jahrhundert von Menschenhand angelegten Stillgewässer tragen das Wort Weiher im Namen, obwohl es sich bei ihnen nach der Gewässerkunde um Teiche handelt. Dazu zählen neben dem Jacobiweiher der Tiroler Weiher, der Maunzenweiher, der Försterwiesenweiher und der Kesselbruchweiher. Das einzige natürlich entstandene Stillgewässer im Stadtwald, der Rohsee, ist dagegen ein Tümpel.[5]

Das Königsbrünnchen bildet die Fassung von vier Quellen und wurde 1881 errichtet. Das Wasser enthält Eisenhydroxid (Braunfärbung) und Schwefelwasserstoff (leicht fauliger Geruch). Das Quellwasser ist trinkbar, wird jedoch nicht von offizieller Seite auf Wassergüte untersucht.[6] Nach wenigen Metern mündet der Bach von rechts in den Königsbach. Weitere Brunnen im Stadtwald sind der in Stein gefasste versiegte Königsbrunnen wenige Meter westlich des Königsbrünnchens und der Mörderbrunnen im Süden des Oberwalds, dessen Wasser von rechts dem Königsbach zufließt.[3]

Fauna und Flora[Bearbeiten]

Buchenbestand am Jacobiweiher

Der Frankfurter Stadtwald beherbergt eine große Vielfalt von Tier- und Pflanzenarten. Für die Erfassung der Artenvielfalt ist eine Forschungsgruppe des Forschungsinstituts Senckenberg zuständig. Im Jahr 2000 wurden 700 verschiedene Arten von Pflanzen gezählt, davon gelten 45 Arten als gefährdet. Besonders große Veränderungen in der Zusammensetzung der Flora des Stadtwaldes fanden in den vergangenen 100 Jahren statt. Der Vergleich der jüngsten Zahlen mit historischen Erfassungen zeigt ebenso ein Verschwinden vieler Arten auf wie auch die Zunahme von nicht einheimischen Pflanzenarten (Neophyten). Diese durch Selbstverbreitung oder durch Anpflanzung hinzugekommene Flora stellt dann ein Problem dar, wenn eingebrachte Arten durch die Rate ihrer Ausbreitung einheimische Arten verdrängen.

Weitaus größer als die Anzahl der Pflanzenarten sind die ebenfalls aus dem Jahr 2000 stammenden Zahlen der erfassten Tierarten. Die artenreichste Gruppe bilden die Insekten: Neben über 1.300 Käferarten kommen im Stadtwald 376 Arten von Schmetterlingen vor – 50 davon gefährdet – sowie 30 Arten von Libellen, von denen ein Drittel als gefährdet eingestuft wird. Spinnentiere mit 357 Arten, darunter viele seltene, sind die nach Vielfalt nächstgrößere Gruppe. Es folgen rund 100 Vogelarten, von denen 79 Arten im Stadtwald brüten, 36 Arten von Säugetieren, davon 10 streng geschützte Arten von Fledermäusen, und 9 Amphibienarten, von denen 5 als gefährdet gelten.[7]

Gefährdungen für die Artenvielfalt im Stadtwald gehen besonders von den zahlreichen Verkehrsadern aus, die das Gebiet durchschneiden. Diese behindern nicht nur Tiere bei ihren Wanderungen auf Nahrungssuche und in der Fortpflanzungszeit, sondern belasten Fauna und Flora zusätzlich durch Schadstoffemissionen. Weitere Gefährdungen gehen von Störungen durch Fahrzeuge und Fußgänger aus, die beim Verlassen des Wegenetzes in Wohn- und Brutreviere von Tieren eindringen oder den Pflanzenbewuchs schädigen. Schließlich stellt auch die forstwirtschaftliche Nutzung durch Holzeinschlag und andere Maßnahmen einen Gefährdungsfaktor für die örtliche Fauna und Flora dar: Viele Tierarten sind auf alte Bäume und auf Totholz angewiesen; die Holzwirtschaft benötigt für die Gewinnung hochwertigen Nutzholzes jedoch jüngere Bäume. Nicht wenige Bäume werden daher gefällt, bevor sie in vollem Umfang von der Fauna genutzt werden können.[8]

Zum Schutz von Fauna und Flora existieren im Stadtwald unter anderem zwei Fauna-Flora-Habitat-Gebiete: Im westlichen Teil des Stadtwaldes liegt das ausgedehnte FFH-Gebiet Schwanheimer Wald mit dem Rohsee, den Schwanheimer Alteichen und Teilen des Unterwaldes.[3] Im Schwanheimer Wald und im Unterwald dominieren bodensaure Eichenwälder, die in ihrer Gesamtheit nahezu ein Drittel des gesamten hessischen Bestandes ausmachen. Eine dortige Besonderheit des Gebiets sind mit etwa 13 Hektar Ausdehnung die Schwanheimer Wiesen mit überwiegenden, bewirtschafteten Magerwiesen und einem kleinen Teil an submediterranem Halbtrockenrasen. Das FFH-Gebiet Oberwald östlich des Jacobiweihers wird durch rund 300 ha Buchenbestand charakterisiert.[8] Von den im Oberwald am Jacobiweiher stehenden Exemplaren der Rotbuche gelten einige als die höchsten ihrer Art in Hessen.[4]

Menschliche Nutzungsgeschichte[Bearbeiten]

Der Rest eines römischen Brunnens aus dem 2./3. Jahrhundert im Schwanheimer Wald

Prähistorische Nutzung und Antike[Bearbeiten]

Die ältesten, durch archäologische Funde von Artefakten belegten Spuren des Menschen im Frankfurter Stadtwald stammen aus der Altsteinzeit: Der bislang älteste Fund, eine Pfeilspitze aus Feuerstein, wird von der Forschung dem Neandertaler zugeschrieben. Auch die ältesten bisher vorgefundenen Siedlungsreste, ergraben im Raum der Kelsterbacher Terrasse, werden in diese Zeit datiert. Mehrere weitere Funde, ebenfalls aus der Gegend der Kelsterbacher Terrasse stammende Artefakte, sind der Jungsteinzeit zugeordnete Reste von Werkzeugen.[9]

Für die als europäische Bronzezeit bezeichnete Geschichtsepoche nimmt die Zahl der archäologischen Funde aus dem Stadtwald zu: So wurden im Schwanheimer Wald 67 Hügelgräber aus der Hallstattzeit vorgefunden. Diese Gräber sowie die am Rohsee vorgefundenen, als Überreste eines Flusshafens interpretierten Ergebnisse wissenschaftlicher Ausgrabungen weisen die Besiedelung des Gebiets durch Menschen in dieser Epoche nach. Die erwähnten Hügelgräber sind im Gelände allerdings weder besonders gekennzeichnet noch speziell hervorgehoben. Die dort gefundenen Exponate befinden sich im Museum der Weltkulturen (früher Museum für Völkerkunde), im Historischen Museum Frankfurt sowie im Heimatmuseum des Stadtteils Schwanheim.[10]

Ebenfalls im Schwanheimer Wald am westlichen Rand des Stadtwaldes, am Römerweg in der Nachbarschaft des Rohsees ist der Rest eines Brunnens aus spätrömischer Zeit zu besichtigen, der zu einer in der Nähe gelegenen Villa rustica gehörte. In dem zuvor mehrere Meter tiefen, heute zugeschütteten Brunnen wurde im Rahmen einer archäologischen Grabung eine römische Bestattung vorgefunden; die dazugehörenden Grabbeigaben sind im Heimatmuseum Schwanheim ausgestellt.[11]

Mittelalter[Bearbeiten]

Einer der aus dem 15. Jahrhundert stammenden Grenzsteine des Schäfersteinpfads

In der als europäisches Mittelalter bezeichneten Geschichtsepoche gehörte das Gebiet des Stadtwalds zum Wildbann Dreieich, einem königlichen Bannforst. Im Jahre 1221 schenkte der damals regierende Kaiser Friedrich II. Teile des heutigen Stadtwalds und die dazugehörenden Jagd- und Weiderechte dem Deutschen Orden. Kaiser Karl IV. verpfändete 1351 den an Frankfurt angrenzenden Teil des Königsforstes für 400 Pfund Heller an den Wetterauer Landvogt Ulrich III. von Hanau. Zusammen mit anderen Erwerbungen, vor allem im Bereich des Bornheimerberges, drohte er, die Stadt damit einzuschließen und zu einem Teil seines Herrschaftsgebietes zu machen. 1363 erwarb der Frankfurter Patrizier Siegfried zum Paradies das Pfand am Reichsforst. Daraufhin schlossen sich mehrere Frankfurter Schöffen, darunter Johann von Holzhausen, zusammen und verhandelten mit dem Kaiser über eine Ablösung der Pfandrechte durch die Stadt. Am 2. Juni 1372 stellte Kaiser Karl IV. die Urkunde aus, mit der die Stadt gegen Zahlung von je 8800 Gulden das Schultheißenamt und den Reichsforst erwarben. Damit war die Stadt reichsunmittelbar geworden. Der große Stadtwald sicherte nicht nur ihre Holzversorgung, sondern diente auch als Weide- und Jagdgebiet. Gemäß der Urkunde gliederte sich der Stadtwald in den hauptsächlich von Eichen bewachsenen westlichen Unterwald und den östlichen Buchwald oder Oberwald.

Im Jahr 1484 erwarb die Stadt schließlich durch einen Vergleich mit der Kommende des Deutschen Ordens für 1400 Gulden das Waldstück zwischen Sandhof und Niederrad, die Holzhecke. Noch heute sind die zahlreichen Grenzsteine dieses Vergleichs am Schäfersteinpfad zu sehen, einem im 20. Jahrhundert angelegten Rundwanderweg entlang dieser Flurgrenze.

Nutzung als Hutewald[Bearbeiten]

Gemarkungstafel Unterschweinstiege im Unterwald

Aus den Jahren von 1491 bis 1812 sind Mastlisten erhalten, die Aufschluss über den jährlichen Vieheintrieb geben. Unter der Aufsicht eines dazu bestimmten Ratsmitgliedes erkletterten die Stieger im Herbst mit Hilfe von Steigeisen einzelne Mastbäume, um den zu erwartenden Ertrag an Eicheln und Bucheckern zu schätzen. Hiernach bestimmte sich die Anzahl der in den Monaten Oktober und November einzutreibenden Schweine. Durchschnittlich trieb man 500 bis 600 Tiere jährlich ein, im besten Mastjahr 1779 waren es bis zu 1470. Die Anfang des 18. Jahrhunderts erbauten Schweinstiegen im Ober- und im Unterwald dienten den Herden als Unterstände oder Ställe. Im Stadtwald auf Schwanheimer Gebiet stehen Gruppen von sogenannten „Tausendjährigen Eichen“; das Alter der meisten davon wird jedoch auf höchstens etwa 500 Jahre geschätzt. Diese großen Bäume dienten bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts den Schwanheimer Landwirten als Huteeichen (→ Hutewald), deren reicher Ertrag vor Ort für die herbstliche Viehmast verwendet wurde.[12] Von der Nutzung als Hutewald zeugen bis in die Gegenwart die Ortsbezeichnungen Oberschweinstiege und Unterschweinstiege im Stadtwald.

Neuzeit[Bearbeiten]

Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Zur Pflege des Waldes und um devastierte oder licht gewordene Bestände wieder aufzuforsten, wurde ab 1426 im Stadtwald gesät. Die Ausführung lag dabei in den Händen von aus Nürnberg entsandten Tannensäern, die Nürnberger Waldsamen (zumeist Waldkiefer) nach der ursprünglich von Peter Stromer entwickelten Nürnberger Technik ausbrachten. Trotzdem litt der Wald durch den jährlichen Vieheintrieb und die intensive Holznutzung im Laufe der Zeit so sehr, dass der Rat 1696 beschloss, der zunehmenden Waldverödung durch eine systematische Forstwirtschaft gegenzusteuern. Der Rat erließ eine Verordnung, welche die beiden Bürgermeister jeweils nach Ablauf ihrer einjährigen Amtszeit für ein weiteres Jahr zu Forstmeistern bestimmte, die für die Sicherung der Waldgrenzen, die Besserung der Wege und die Aufforstung verantwortlich waren. Im Jahr 1729 bestellte der Rat den ersten hauptamtlichen Oberförster, der das neu erbaute Oberforsthaus bezog, das als Kupferstich um 1810 durch Johann Christian Berndt (1748–1812) in einer Ansicht wiedergegeben ist.[13] Ein weiteres Forsthaus entstand 1731 am Hinkelstein an der westlichen Waldgrenze.

Zur Pflege des Waldes teilte man den Unterwald in acht Teile, von denen immer zwei für jeweils 40 Jahre eingehegt bleiben sollten, um den Aufwuchs zu fördern. Weitere Verordnungen bestimmten, dass nur abgängiges, das heißt totes oder am Boden liegendes Holz gesammelt werden durfte, beschränkten die Holzabfuhr sommers auf einen Tag der Woche und winters auf zwei oder schränkten die Verwendung von Äxten ein. Trotzdem gelang es der zunächst geringen Zahl von Förstern nicht, den Waldfrevel der Sachsenhauser Bürger und der Bewohner der umliegenden Dörfer Schwanheim, Kelsterbach und Isenburg wirksam zu bekämpfen. Dies war vor allem auch eine Folge des raschen Bevölkerungsanstieges im 18. Jahrhundert. So stieg beispielsweise in Sachsenhausen die Zahl der auf das Einholen und den Handel von Holz angewiesenen Familien von 283 im Jahr 1729 auf 505 im Jahre 1763.

Erst unter dem aus Eppstein stammenden Oberförster Johannes Vogel, der von 1766 bis zu seinem Tode 1797 amtierte, gelang der Übergang zur modernen Forstwirtschaft. Er war so erfolgreich, dass sein Sohn Philipp Vogel (1797) und sein Enkel Friedrich Vogel (1822) zu seinen direkten Nachfolgern ernannt wurden und sein Werk fortführten.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts blieb das Waldgebiet weitgehend geschlossen, danach kam es durch den Eisenbahnbau und später durch den Bau von Straßen zu ersten Einschnitten. Größere Waldflächen gingen für den Bau der Pferderennbahn (1865) und des Waldstadions (1925) sowie für den Bau des Frankfurter Flughafens ab 1936 verloren. Die Waldverluste im 20. Jahrhundert belaufen sich auf insgesamt rund 500 Hektar.

Um die durch Grundwasserentzug verursachten Trockenschäden zu vermeiden, begann man 1907 zunächst versuchsweise und systematisch ab 1912 mit der gezielten Versickerung von Mainwasser. Ein Beispiel dafür ist der in den späten 1950er-Jahren angelegte Teich Tiroler Weiher südlich des Oberforsthauses.[14] Im 20. Jahrhundert litt der Wald vor allem unter der zunehmenden Luftbelastung. Im Jahr 1993 erklärte die Stadt deshalb den größten Teil des Stadtwaldes, etwa 3800 Hektar, zum Bannwald, um ihn vor künftigen Eingriffen zu schützen.

Da der Stadtwald als die „grüne Lunge“ der Mainmetropole gilt, existiert ein Magistratsbeschluss, wonach keine Eingriffe in den Baumbestand vorgenommen werden dürfen, es sei denn, es würde anderswo nachgepflanzt.

Forstverwaltung[Bearbeiten]

Nachdem das Gebiet des Stadtwaldes im 14. Jahrhundert in den Besitz der Stadt Frankfurt gekommen war, waren zunächst je zwei ehemalige Bürgermeister im Anschluss an ihre Amtszeit für die Dauer eines Jahres für die Forstaufsicht zuständig. Ab dem frühen 17. Jahrhundert konnte diese Frist bei erwiesener Eignung für das Sachgebiet auf unbestimmte Zeit verlängert werden. Seit dem Jahr 1726 wurden auf Erlass von Kaiser Karl VI. nur noch fachlich ausgebildete Personen zu Forstmeistern bestimmt.[2]

Forstamtsleiter von 1726 bis 2002[Bearbeiten]

  • 1726–1734: Reitender Oberförster Baur v. Eysseneck
  • 1734–1763: Oberförster Johann David Klotz
  • 1764–1766: Oberförster Johann Hermann Klotz
  • 1767–1797: Oberförster Johannes Vogel
  • 1798–1828: Oberförster Philipp Friedrich Vogel
  • 1829–1839: Oberförster Johannes Friedrich Vogel
  • 1840–1887: Forstmeister Schott von Schottenstein
  • 1887–1901: Forstmeister Carl Friedrich Philipp Hensel
  • 1901–1918: Forstmeister Ludwig Friedrich August Haus
  • 1918–1927: Oberforstmeister Carl Eduard Otto Fleck
  • 1927–1940: Oberforstmeister Hans Bernhard Jacobi
  • 1940–1972: Forstdirektor Kurt Ruppert
  • 1973–2002: Leitender Forstdirektor Werner Ebert

In der Gegenwart wird der Frankfurter Stadtwald von insgesamt sechs Forstämtern mit jeweils eigenen Forstrevieren verwaltet: Fechenheim, Goldstein, Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen und Schwanheim.[2]

Freizeit und Erholung[Bearbeiten]

Der Struwwelpeter-Baum, ein leicht modifizierter Weidenbaum (Salix; vgl. dazu: → Augenweide) ist eine von mehreren Skulpturen F. K. Waechters aus der Reihe Komische Kunst im Frankfurter Stadtwald

Vier Waldlehrpfade und Waldsportpfade durchziehen den Stadtwald. Gleichzeitig existieren 1600 Ruhebänke und 25 Schutzhütten, die bei schlechtem Wetter eine Unterstellmöglichkeit bieten. Sieben siedlungsnahe Waldspielplätze (darunter Tannenwald am Rande von Neu-Isenburg, Scheerwald, Louisa und Am Goetheturm, auf dessen Gelände eines der höchsten Holzgebäude Deutschlands, der Goetheturm steht) und neun Waldteiche bringen im Sommer zahlreiche Spaziergänger in diesen Teil Frankfurts.

  • Im Stadtwald findet jedes Jahr am Dienstag nach Pfingsten, dem Wäldchestag, ein traditionelles Volksfest statt. Seine Ursprünge lassen sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen.
  • Der Stadtwald war von 1925 bis 2005 Namensgeber des hier gelegenen Waldstadions.
  • Der Stadtwald bildet den südlichen Teil des Landschafts-, Naturschutz- und Naherholungsgebiets Frankfurter Grüngürtel. Durch Teile des Stadtwaldes verlaufen Abschnitte des Grüngürtel-Radrundwegs und des Grüngürtel-Rundwanderwegs.[3]
  • Mit dem „Monte Scherbelino“ befindet sich auch ein (ehemaliger) Müllberg im Stadtwald. Nachdem er seine eigentliche Funktion verloren hatte, wurde er ein beliebtes Ausflugsziel. Vor einigen Jahren wurde der gesamte Berg für den Besuch gesperrt, da eine Gesundheitsgefährdung nicht ausgeschlossen werden kann.[15]
  • Im Stadtwald befinden sich mehrere Skulpturen nach Entwürfen des Frankfurter Zeichners und Autors F. K. Waechter aus der Reihe Komische Kunst im Grüngürtel. Dazu zählen die Eule im Norwegerpullover, Monsterspecht und Monsterkinder (überdimensionierte Plastiken von Eicheln), der König der Eichhörnchen sowie der Pinkelbaum. In den Schwanheimer Wiesen steht die Skulptur Struwwelpeter-Baum, entworfen von Waechter.[16]
  • In der Nähe der Oberschweinstiege befindet sich die ehemalige Fasanerie und mit ihr das im Jahr 1995 gegründete Stadtwaldhaus (eigene Schreibweise: StadtWaldHaus). Es ist um den Stamm einer großen Eiche herum gebaut und dient als Waldinformationszentrum. Neben Ausstellungen und pädagogisch aufbereiteten Lehrpfaden befinden sich dort Tiergehege und Volieren mit zum Teil verletzten Stadtwaldbewohnern, die nach der Genesung dort wieder eingegliedert werden. Durch ein Bullauge kann vom Hausinnern aus der Lauf der Jahreszeiten in einem direkt angrenzenden Teich beobachtet werden. Ein künstlicher Bach verläuft mitten durch die Ausstellungsräume.[17]
  • Am nördlichen Rand des Stadtwalds befindet sich der 1913 gegründete Frankfurter Golf-Club, eine 18-Loch-Golfanlage, auf der schon nationale und internationale Meisterschaften ausgetragen wurden.

Verkehr[Bearbeiten]

Straßenbahnlinie 14 nach Neu-Isenburg im Stadtwald

Seit dem 20. Jahrhundert wird der Frankfurter Stadtwald von einer Vielzahl von Verkehrswegen durchquert oder tangiert, darunter viele stark frequentierte von überregionaler bis internationaler Bedeutung. Dazu zählen drei Bundesautobahnen (E 42 / A 3, E 451 / A 5 und A 661), mehrere Bundesstraßen (B 3, B 40 und B 43) sowie mehrere südliche Ausfallstraßen von lokalem Rang (Mörfelder Landstraße / Kennedyallee, Isenburger Schneise, Darmstädter Landstraße). Das Frankfurter Kreuz, einer der meistbefahrenen Straßenknotenpunkte Europas, liegt knapp südlich des Frankfurter Stadtwaldes.[18] Das Queren solcher Hauptverkehrswege ist für die Benutzer der zahlreichen Waldschneisen und Waldwege vielerorts nur mit der Inkaufnahme von längeren Umwegen möglich, die über wenige Unterführungen und Brücken leiten.[3]

Neben den Straßenverbindungen kreuzen mehrere bedeutende Bahntrassen den Stadtwald. Ein Beispiel ist die Riedbahn, auf der alle Fernzüge zwischen Frankfurt am Main Hauptbahnhof und Frankfurt am Main Flughafen Fernbahnhof den Wald auf einer teilweise untertunnelten Strecke durchqueren.[18] Im Stadtwald selbst liegt der Bahnhof Frankfurt am Main Stadion, Station der S-Bahn Rhein-Main und wichtigster Eisenbahnknotenpunkt im Süden der Stadt. Der Stadtwald wird zusätzlich von fünf Straßenbahnlinien (12, 14, 17, 19, 20 und 21) der Frankfurter Verkehrsgesellschaft VgF befahren, die auf die 1889 eröffnete Frankfurter Waldbahn zurückgehen. Zum lokalen Feiertag Wäldchestag fuhr bis zum Jahr 2013 eine zusätzliche Straßenbahnlinie, das Lieschen.[19]

Der Wald ist außerdem von einem rasterähnlichen Netz aus Schneisen und Waldwegen durchzogen – insgesamt rund 450 Kilometer – von denen alle Wege mit befestigter Decke für den Fahrradverkehr freigegeben sind. Auch bei den auf diesen Wegen durchgehend ausgeschilderten Wanderrouten erstreckt sich die Bedeutung von lokalen Verbindungen über regionale Routen bis zu internationalen Wanderwegen. Prominentestes Beispiel für Letzteres ist der Europäische Fernwanderweg E1, der den Oberwald in nord-südlicher Richtung durchquert. Weitere Wanderwege im Stadtwald sind der südliche Abschnitt des Grüngürtel-Rundwanderwegs sowie mehrere Wanderwege von historischer oder didaktischer Bedeutung. Ein Beispiel für die Kombination dieser beiden Eigenschaften ist der Historische Wanderweg Schwanheim, der über die geologische, botanische und stadtgeschichtliche Bedeutung des Schwanheimer Waldes informiert.[3] Hinzu kommen etwa 80 Kilometer Reitwege, die ebenfalls gekennzeichnet sind.

Eine Besonderheit stellt die Nähe des Frankfurter Flughafens dar, dessen Areal südlich an den Unterwald angrenzt. Je nach Windrichtung werden große Abschnitte des Stadtwaldes von dort landenden oder gestarteten Flugzeugen im Minutentakt überquert; der daraus resultierende Fluglärm kann von Besuchern des Waldes als Beeinträchtigung empfunden werden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Otto Fleck: Unser Stadtwald, in: Heinrich Bingemer, Wilhelm Fronemann, Rudolph Welcker, Rund um Frankfurt, Verlag Englert und Schlosser, Frankfurt am Main 1924.
  • Gerd-Peter Kossler (Hrsg.) und weitere Autoren: Wald im Süden Frankfurts: Stadtwald, Gravenbruch, Mönchbruch. Selbstverlag, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-9800853-2-5.
  • Vinz de Rouet: Ich liebe Sachsenhausen! 33 Gründe Sachsenhausen zu lieben. Epubli, Berlin 2010, ISBN 978-3-86931-738-0.
  • Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Artenvielfalt im Frankfurter Stadtwald. Faltblatt, 2011
  • Stadt Frankfurt am Main, Grünflächenamt (Hrsg.): StadtForst Frankfurt Wanderkarte, 2009. Stadtplan mit Darstellung sämtlicher zum Stadtgebiet gehörenden Waldgebiete sowie mit ausführlichen Informationen zu Geschichte, Verwaltung und Nutzung des Stadtwaldes.
  • Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Die GrünGürtel Freizeitkarte. 7. Auflage, 2011. Stadtplan mit detaillierter Darstellung des südmainischen Stadtwaldes
  • Verschiedene Autoren: Natur vor der Haustür – Stadtnatur in Frankfurt am Main. Ergebnisse der Biotopkartierung. Kleine Senckenberg-Reihe 50, E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2009, ISBN 978-3-510-61393-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frankfurter Stadtwald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtwald Frankfurt
  2. a b c Stadt Frankfurt am Main, Grünflächenamt (Hrsg.): StadtForst Frankfurt Wanderkarte, 2009
  3. a b c d e f Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Die GrünGürtel Freizeitkarte. 7. Auflage, 2011
  4. a b Magistrat der Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Stadtgewässer – Seen, Teiche, Tümpel entdecken. Frankfurt am Main, 2003. Darin: Kapitel Jacobiweiher, S. 46
  5. Magistrat der Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Stadtgewässer – Seen, Teiche, Tümpel entdecken. Frankfurt am Main, 2003. Darin: Kapitel Rohsee, S. 59
  6. Königsbach/Luderbach bei frankfurt.de
  7. Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Artenvielfalt im Frankfurter Stadtwald. Faltblatt, 2011: Arteninventar 2000.
  8. a b Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt (Hrsg.): Artenvielfalt im Frankfurter Stadtwald. Faltblatt, 2011.
  9. Josef Henrich (Hrsg.), verschiedene Autoren: Suenheim – Sweinheim – Schwanheim. Verlag Franz Jos. Henrich KG, Frankfurt am Main 1971. S. 14–16
  10. Stadt Frankfurt am Main, Forstamt (Hrsg.): Historischer Wanderweg Schwanheim. Darin: Kapitel Grenzschneise und Grenzsteine, S. 36 ff.
  11. Heimatmuseum-Schwanheim (abgerufen am 25. Mai 2015)
  12. Stadt Frankfurt am Main, Umweltamt, Projektgruppe GrünGürtel: Faltblatt Die Schwanheimer Alteichen im Frankfurter Grüngürtel, Regionalpark RheinMain, 2. Auflage, November 2009
  13. Ansicht des Forsthauses, eine Stunde von Frankfurt gelegen. Abgerufen am 27. Juli 2014.
  14. Umweltamt der Stadt Frankfurt: Stadtgewässer, S. 26: Tiroler Weiher
  15. Artikel Monte Scherbelino – was ist da los hinter dem Zaun? (PDF-Datei auf frankfurt.de, 466 KB, abgerufen am 11. September 2015)
  16. Artikel Komische Kunst auf der Website Kunst im öffentlichen Raum Frankfurt (abgerufen am 11. September 2015)
  17. StadtWaldHaus bei frankfurt.de
  18. a b Falk-Stadtplan Frankfurt a. M./Offenbach a. M., 64. Auflage, Falk-Verlag, Ostfildern 2011.
  19. Lieschen sagt leise „Adieu“. Zugegriffen am 27. März 2014.

50.0708333333338.6583333333333Koordinaten: 50° 4′ 15″ N, 8° 39′ 30″ O