Wassertürme (Augsburg)

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Die beiden Wassertürme am Roten Tor. Im Vordergrund links das obere Brunnenmeisterhaus.

Die Wassertürme in Augsburg sind Denkmäler von Augsburgs historischer Wasserwirtschaft. Unter den mehreren historisch bedeutenden Wassertürmen in Augsburg ist der älteste Wasserturm Deutschlands.

Die ersten Wassertürme in Augsburg wurden in dem Gebiet am Roten Tor, der einstigen südlichen Stadtgrenze, errichtet. Die Pläne zu dem Wasserwerk am Roten Tor, mit dessen Hilfe der Niveauunterschied zur Maximilianstraße ausgeglichen werden sollte, gehen bis ins 15. Jahrhundert zurück. Das Wasser zur Stadtversorgung stammte aus dem Brunnenbach, in den mehrere Quellbäche aus dem Augsburger Stadtwald im Süden der Stadt mündeten. Es wurde in einem Reservoir gesammelt und schließlich über die Wassertürme an die Verbraucher weitergeleitet.

Während der Amtszeit des Augsburger Brunnenmeisters Caspar Walter gab es in Augsburg neun Wassertürme. Noch bis 1879 versorgten sieben Wasserwerke mit neun Wassertürmen die Stadt Augsburg mit Trinkwasser.[1]

Wassertürme am Roten Tor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwei Wassertürme befinden sich direkt am Roten Tor, die jeweils auf Unterbauten aus dem 15. Jahrhundert polygonale Obergeschosse aus dem 16./17. Jahrhundert haben. Der Innenausbau wird auf die Zeit um 1748 datiert. Am Heilig-Geist-Spital, etwa 50 Meter entfernt, befindet sich ein dritter Turm, der Kasten- oder Spitalturm.

Großer Wasserturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Rote Tor, der Große Wasserturm (dahinter verdeckt der Kleine) und der Kastenturm

Mit dem Bau des Großen Wasserturms wurde 1412 begonnen,[2] 1416 war er fertiggestellt. Er ist damit der älteste Wasserturm Deutschlands.[3] Er belieferte Augsburg bis 1879 mit Trinkwasser. Er wurde auf dem Grundriss eines Wehrturms am Roten Tor zunächst aus Holz errichtet. Nach einem Brand im Jahr 1463 wurde er durch einen Turm aus Backsteinen ersetzt und später um zwei Geschosse erweitert. Im obersten, dem siebten, Geschoss befand sich ein oktogonales Becken, in das zwei metallene Fische und ein Fischkopf Wasser aus vier Aufsteigröhren speiten. Über ein dickeres Ablaufrohr wurde das Wasser in die Stadt abgeleitet.

Kleiner Wasserturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1470 wurde direkt neben dem Großen Wasserturm, an diesen geschmiegt, ebenfalls über einem ehemaligen Festungsturm der Kleine Wasserturm erbaut. Der Turm wurde 1559 um zwei Sechseck-Geschosse und 1672 um ein weiteres Geschoss erhöht. Der Brunnenmeister Caspar Walter baute 1744 die bis zum obersten Geschoss führende hölzerne Wendeltreppe ein. Im obersten Geschoss war ein Wasserkessel mit zwei Fisch- und einem Fischkopfspeier aufgehängt. Von hier aus gelangt man noch heute in den benachbarten Großen Wasserturm.

Kastenturm[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kastenturm, aufgenommen aus dem Innenhof des Heilig-Geist-Spitals

1599 wurde eigens für die Wasserversorgung der Augsburger Prachtbrunnen ein Wehrturm zu einem weiteren Wasserturm umfunktioniert. Dieser Kastenturm, auch Spitalturm genannt, wurde dabei um zwei sechseckige Geschosse erhöht. Den flachen Dachabschluss ziert seit 1703 eine steinerne Balustrade. 1742 baute der hiesige Brunnenmeister Caspar Walter eine doppelläufige Wendeltreppe ein. Das Wasserbecken im obersten Stockwerk war kunstvoll hergerichtet. Seine Auslaufhähne stellten einen Brunnenjüngling und einen Fisch von Adriaen de Vries dar.

Weitere Wassertürme in Augsburg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Turm am Schwibbogenplatz / Sparrenlech

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Kluger: Historische Wasserwirtschaft und Wasserkunst in Augsburg. Kanallandschaft, Wassertürme, Brunnenkunst und Wasserkraft. 2. Auflage. Context Verlag, Augsburg 2012, ISBN 978-3-939645-50-4, S. 79.
  2. Hydraulic Engineering and Hydropower, Drinking Water and Decorative Fountains in Augsburg - UNESCO World Heritage Centre. In: unesco.org. whc.unesco.org, abgerufen am 29. Mai 2018 (englisch).
  3. Stadt Augsburg. In: augsburg.de. Abgerufen am 29. Mai 2018.
  4. Augsburg hat plötzlich einen Wasserturm mehr, Augsburger Allgemeine vom 23. August 2014

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martin Kluger: Augsburgs historische Wasserwirtschaft. Der Weg zum UNESCO-Welterbe. 1. Auflage. Context Verlag, Augsburg 2015, ISBN 978-3-939645-81-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wassertürme in Augsburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 21′ 35,7″ N, 10° 54′ 12,5″ O