Wasserwerk Świnoujście

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Wasserwerk Świnoujście "Granica"

Das Wasserwerk Świnoujście "Granica" (polnisch stacja uzdatniania wody "Granica" w Świnoujściu) dient der Wasserversorgung der Stadt Świnoujście (Swinemünde) in der Woiwodschaft Westpommern. Es wurde 1910 mit fünf Tiefbrunnen als Wasserwerk Swinemünde nahe dem östlichen Ufer des Wolgastsees in Betrieb genommen. Das Leitungsnetz der Stadt hatte damals eine Länge von 26 Kilometern. Auf dem 53 m hohen Kalkberg befinden sich die Wasserbehälter. Gegenwärtig werden neun Tiefbrunnen zur Wassergewinnung genutzt. Elf Mitarbeiter sichern in einem zwei Schichtensystem die Versorgung der Stadt Świnoujście über ein mittlerweile 30 km langes Leitungsnetz. Wegen des Wasserwerkes wurde am 11. Juni 1951 die Oder-Neiße-Grenze so verschoben, dass 75 ha zu Polen kamen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Inseln Usedom und Wollin gehörten zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu den letzten von der Roten Armee eroberten Gebieten des Deutschen Reiches. Die eigentlichen Kämpfe um Usedom und Wollin begannen am 30. April 1945 mit Angriffen zunächst von Westen bei Zecherin und Wolgast als auch ab 2. Mai von Osten über Wollin.[1] Noch während der Kämpfe hatte sich Piotr Zaremba darum bemüht, eine polnische Verwaltung zu etablieren. Gleichwohl bestimmte die Potsdamer Konferenz die westlich der Oder liegenden Gebiete zum Verbleib unter deutscher Verwaltung. Im Schweriner Grenzvertrag von 1945 wurde das Land östlich von Swinemünde dann endgültig unter polnische Verwaltung gestellt. Im Görlitzer Abkommen vom 6. Juli 1950 wurde die Demarkation als Staatsgrenze der DDR zu Polen anerkannt. Das Wasserwerk gehörte zum Staatsgebiet der DDR. Im September 1950 nahm eine Grenzmarkierungskommission ihre Arbeit auf. In schwierigen Verhandlungen schloss sie ihre Arbeit noch im gleichen Jahr ab. In ihrem „Bericht über die vollzogene Unterzeichnung des Aktes betr. die Markierung der Staatsgrenze zwischen DEUTSCHLAND und POLEN“ wird im Punkt 1 die grundsätzliche Abweichung des Grenzverlaufes in einer „spitzen Nase“ westlich von Swinemünde in der Größe von 150 ha von polnischer Seite beantragt. In dem Übergabeprotokoll vom 11. Juni 1951 einigten sich der polnische Gaubeamte Felix Kazmierczak, der deutsche Volkspolizist Horst Weirandt und der Vertreter der Sowjetischen Kontrollkommission Gennadi Filippow über den Verlauf der Grenze beim Wasserwerk, was etwa einem Gebietsverlust von 75 ha für die DDR entspricht. Die „Nase“ wird von den Polen heute „Sack“ (pl. worek) genannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Jörg-Detlef Kühne: Zu Veränderungsmöglichkeiten der Oder-Neiße-Linie nach 1945, Nomos, 2007, 2., aktualisierte Auflage, ISBN 3-8329-3124-4.
  • Dieter Blumenwitz: Oder-Neiße-Linie. In: Werner Weidenfeld, Karl-Rudolf Korte (Hrsg.), Handbuch zur deutschen Einheit 1949–1989–1999, Schriftenreihe der bpb, Band 363, Campus Verlag, Frankfurt/M. 1999, ISBN 3-593-36240-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Wasserwerk Świnoujście – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dirk Schleinert: Volksbund Forum Zwischen Usedom und Uznam. Die Geschichte der deutsch-polnischen Grenze 1945–1951, Ausgewählte Beiträge der Tagung Zwischen Usedom und Uznam – Geschichte, Gegenwart und Perspektiven einer Grenze vom 14. bis 16. Oktober 2011 in der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm in Kamminke/Insel Usedom, S. 27

Koordinaten: 53° 54′ 49,1″ N, 14° 11′ 13,9″ O