Weapons of Mass Migration

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Weapons of Mass Migration: Forced Displacement, Coercion, and Foreign Policy (engl., deutsch: Massenmigrationswaffen: Vertreibung, Erpressung und Außenpolitik) ist ein politisches Sachbuch der US-amerikanischen Politikwissenschaftlerin Kelly Greenhill.

Sie beschreibt darin den strategischen, grenzübergreifenden Einsatz von absichtlich erzeugten oder manipulierten Flüchtlingsbewegungen, um in dem betroffenen Staat ohne die Zuhilfenahme von konventionellen militärischen Mitteln politische, soziale und wirtschaftliche Veränderungen zugunsten des anwendenden Staates herbeizuführen. Der Buchtitel wurde als Analogie zu dem Begriff Weapons of Mass Destruction (Massenvernichtungswaffen) gewählt, um die katastrophalen Auswirkungen auf alle Beteiligten, insbesondere aber die betroffenen Migranten, zu verdeutlichen.[1]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wirkungsweise und Drohpotenzial der strategischen Migrations­steuerung durch Staaten werden anhand von Fallbeispielen aus der Geschichte wie der Mariel-Bootskrise, dem Verhalten der Europäischen Union zur Sanktionspolitik gegenüber Libyen und dem damaligen Diktator Muammar al-Gaddafi, oder der Politik von Konrad Adenauer beschrieben. Die Autorin analysiert dieses verbreitete, aber weitgehend unbekannte Mittel des staatlichen Zwangs dahingehend, in welchen Zusammenhängen, zu welchen Zeitpunkten, in welcher Quantität und wie erfolgreich es in der Vergangenheit eingesetzt wurde. Ferner werden die beteiligten Akteure hinsichtlich ihrer Motivation, ihres Aktivitätspotenzials und ihrer Durchsetzungskraft bei der Erzwingung von Veränderungen zu ihrem eigenen Vorteil eingeordnet.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gregor Schöllgen schreibt im März 2011 in einer Rezension in der FAZ, dass die Autorin „über die Dilemmata von Demokratien im Zeitalter der Globalisierung“ berichte.[1]
  • Im Jahr 2011 wurde das Buch von der International Studies Association (ISA) als bestes Buch des Jahres 2011 ausgezeichnet.[2]
  • Christopher Rudolph, American University, sieht in dem Werk einen soliden Beitrag zur „IR-(International Relations)Literatur“ bezüglich des in der Vergangenheit generell mit zu wenig Aufmerksamkeit bedachten Themenbereiches Migration.[3]
  • Emanuela Paoletti, Journal of Refugee Studies, Oxford Journals, beschreibt es als „schön geschriebene Analyse“, welche verdeutlicht, in welchem Umfang Flüchtlingsströme von Staaten genutzt werden, um die politischen Entscheidungen anderer beteiligter Protagonisten zu beeinflussen.[4]
  • Adam Luedtke, City University of New York, stellt 2012 in seiner Buchrezension fest, dass Kelly Greenhill die erste Politikwissenschaftlerin ist, die sich mit der Definition und Analyse von „coercive engineered migration“ (CEM) beschäftigt und Migration als politisch strategische Option für Staaten wissenschaftlich thematisiert.[5]
  • Die Zeitschrift Cicero führte im November 2015 ein Interview mit der Autorin, in dem sie die in ihrem Buch vertretene Theorie von Flüchtlingen als politisches Instrument auf das Verhältnis der Türkei gegenüber Europa überträgt.[6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im englischen Original:

In deutscher Übersetzung:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Gregor Schöllgen, FAZ: Migration & Erpressung Die neue Superwaffe. 22. März 2011; abgerufen am 28. November 2015.
  2. International Studies Association (ISA): Past Recipients. 2011; abgerufen am 28. November 2015.
  3. Rudolph, Christopher, Weapons of mass migration: forced displacement, coercion, and foreign policy, 2011 doi:10.1017/S1537592711001885, abgerufen am 28. November 2015
  4. Emanuela Paoletti: Weapons of Mass Migration: Forced Displacement, Coercion and Foreign Policy. By Kelly Greenhill. 2011; abgerufen am 29. November 2015.
  5. Luedthke, Adam, Weapons of mass migration: forced displacement, coercion, and foreign policy (Cornell studies in security affairs), 2012 doi:10.1080/00905992.2012.708126, abgerufen am 28. November 2015
  6. Interview mit Kelly M. Greenhill: Massenmigration als Waffe: .„Die Türkei hat ein großes Druckmittel in der Hand“. 17. November 2015; abgerufen am 28. November 2015.