Weißes Straußgras

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Weißes Straußgras
Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera)

Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera)

Systematik
Commeliniden
Ordnung: Süßgrasartige (Poales)
Familie: Süßgräser (Poaceae)
Unterfamilie: Pooideae
Gattung: Straußgräser (Agrostis)
Art: Weißes Straußgras
Wissenschaftlicher Name
Agrostis stolonifera
L.

Das Weiße Straußgras (Agrostis stolonifera), auch Flecht-Straußgras und Riesenstraußgras genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Straußgräser (Agrostis) innerhalb der Familie der Süßgräser (Poaceae). Es wird als weidefestes Futtergras vor allem im Feuchtgrünland verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blatthäutchen (Ligula)
Geriefte Blattoberfläche
Illustration aus Flora Batava, Volume 16
Karyopsen

Das Weiße Straußgras ist sehr formenreich.

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Weiße Straußgras ist eine immergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 8 bis 40 Zentimetern. Es breitet sich über blattreiche oberirdische Ausläufer aus und bildet dichte Rasen. Die ästig aufsteigenden Halme sind glatt, kahl und besitzen zwei bis fünf Knoten (Nodien). An den unteren Knoten bilden sich sprossbürtige Wurzeln und neue Triebe.

Das Blatthäutchen (Ligula) ist als ein 2 bis 6 mm langer, häutiger Saum ausgebildet. Die kahlen, fein zugespitzten, grau- oder blaugrünen Laubblätter sind 0,5 bis 5 mm breit und bis 10 Zentimeter lang. Sie sind in jungem Zustand eingerollt, später flach ausgebreitet. Die Blattspreiten sind dicht mit Nerven durchzogen und sehr fein rau.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blütezeit liegt zwischen Juli und August. Der rispige Blütenstand ist bei einer Länge von 1 bis 13 Zentimetern sowie einer Breite von 0,4 bis 2,5 Zentimetern länglich und zur Anthese ausgebreitet, sonst oft dicht zusammengezogen. Seine Seitenäste gehen zu dritt oder zu siebt von der Hauptachse ab. Die Ährchen stehen in dichten Büscheln. Die einblütigen Ährchen sind 2 bis 3 mm lang, lanzettlich-spitz geformt, glatt und kahl. Die kahlen Hüllspelzen sind einnervig und so lang wie das Ährchen. Die glatten, kahlen, meist unbegrannten Deckspelzen sind fünfnervig, um 2 mm lang und erscheinen am oberen Ende abgerundet. Die Vorspelze erreicht etwa drei Viertel der Länge der Deckspelze. Die Staubbeutel werden 1 bis 1,5 mm lang.

Die Karyopsen werden von den Deck- und Vorspelzen umschlossen.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28, 35 oder 42.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Weißen Straußgras handelt es sich um einen Hemikryptophyten.

Krankheiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Weiße Straußgras wird von verschiedensten Pilzarten befallen. So kommen die Rostpilze Puccinia agrostidis, Puccinia graminis und eventuell Uromyces agrostidis mit Uredien und Telien vor.[2] Sclerotinia homoeocarpa ist der Verursacher der Dollarflecken-Krankheit auf Straußgräsern. Fusarium tricinctum und Fusarium roseum lösen eine Fusarium-Welke aus. Microdochium nivale löst den Rosa-Schneeschimmel aus. Ferner kommen Rhizoctonia solani, Pythium-Arten und Typhula incarnata und Typhula ishikariensis vor.[3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Weiße Straußgras ist zirkumpolar auf der Nordhalbkugel von Europa bis nach Westasien und in Nordamerika sowie auf der Südhalbkugel und in der Antarktis verbreitet. In Australien, Neuseeland und Südafrika ist Agrostis stolonifera ein Neophyt.

Es besiedelt feuchte, nährstoffreiche, oft kalkhaltige, sandig-kiesige Lehm- oder Tonböden, kann jedoch auch auf Schlickböden im Überschwemmungsbereich der Gewässer vorkommen. Agrostis stolonifera ist die Ordnungskennart der Flutrasen (Agrostietalia stoloniferae). Agrostis stolonifera ist auch als Begleitart in Ampfer-Queckenrasen-Gesellschaften (Agropyro-Rumicion) und Vogelknöterich-Trittrasen-Gesellschaften (Polygonion avicularis) zu finden. An den Küsten formt es zusammen mit der Strand-Grasnelke den Verband Armerion maritimae. Das Weiße Straußgras wächst in frischen bis feuchten Rasen, Wiesen, Weiden und Äckern. Nicht selten ist es auch entlang von Ufern, Gräben und entlang von Wegsenken zu finden. Dieses salztolerante Gras wächst auch an der Küste auf der Außenseite der Dünen.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Agrostis stolonifera erfolgte 1753 durch Carl von Linné: Species Plantarum, Band 1, S. 62.[4] Das Artepitheton stolonifera leiter sich von stolonis für Ausläufer und floris für Blume ab. Synonyme für Agrostis stolonifera L. sind: Agrostis adscendens Lange, Agrostis alba L., Agrostis albida Trin., Agrostis ambigua Roem. & Schult., Agrostis aristulata Müll. Hal., Agrostis aspera Weber, Agrostis brevis Knapp, Agrostis bryoides Dumort., Agrostis caespitosa Gaudich., Agrostis caespitosa Gaudich. ex Mirb., Agrostis capillaris var. stolonifera (L.) Druce, Agrostis decumbens Hall. f. ex Gaudin, Agrostis depressa Mez ex Pilg., Agrostis depressa Vasey, Agrostis dulcis (Pers.) Sibth. ex Kunth, Agrostis eliasii Sennen, Agrostis filifolia Link, Agrostis flava O.F.Müll., Agrostis glaucescens (C.Presl) Spreng., Agrostis glaucescens Opiz ex Steud., Agrostis jacutica Schischk., Agrostis karsensis Litv., Agrostis macrantha Schischk., Agrostis maritima L., Agrostis maritima Lam., Agrostis maritima With., Agrostis mutabilis Knapp, Agrostis nemoralis Phil., Agrostis patula Gaudin, Agrostis polymorpha var. stolonifera (L.) Huds., Agrostis prorepens (W.D.J.Koch) G.Mey. ex Asch., Agrostis prostrata Hook. f., Agrostis pseudoalba Klokov, Agrostis reptans Rydb., Agrostis scabriglumis Boiss. & Reut., Agrostis sibirica Petrov, Agrostis sicula Guss. ex Steud., Agrostis sicula Kunth, Agrostis sinaica Boiss., Agrostis stolonizans Besser ex Schult. & Schult. f., Agrostis straminea Hartm., Agrostis zerovii Klokov., Agrostis stolonifera subsp. albida (Trin.) Tzvelev, Agrostis stolonifera subsp. maritima (Lam.) Vasc., Agrostis stolonifera subsp. stolonizans (Besser ex Schult. & Schult. f.) Soó, Agrostis stolonifera subsp. straminea (Hartm.) Tzvelev, Agrostis stolonifera var. compacta Hartm., Agrostis stolonifera var. maritima (Lam.) L. Vil'Yasoo, Agrostis stolonifera var. maritima (Lam.) W.D.J.Koch, Agrostis stolonifera var. patula (Gaudin) Rchb., Agrostis stolonifera var. straminea (Hartm.) Hartm., Agrostis stolonifera var. prorepens W.D.J.Koch [5]

Es gibt von Agrostis stolonifera beispielsweise die Varietäten:[6]

  • Agrostis stolonifera var. palustris (Huds.) Farw. (Syn.: Agrostis stolonifera subsp. palustris (Huds.) Tzvelev, Agrostis palustris Huds.)
  • Agrostis stolonifera L. var. stolonifera

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Joachim Conert: Pareys Gräserbuch. Die Gräser Deutschlands erkennen und bestimmen. Blackwell, Berlin/Wien 2000, ISBN 3-8263-3327-6.
  • Charles Edward Hubbard: Gräser. Beschreibung, Verbreitung, Verwendung (= UTB. Band 233). 2., überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1985, ISBN 3-8001-2537-4 (englisch: Grasses. Übersetzt von Peter Boeker).
  • Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. 10., bearbeitete Auflage. Band 4: Gefäßpflanzen: Kritischer Band. Elsevier, Spektrum Akademischer Verlag, München/Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1496-2.
  • Ernst Klapp, Wilhelm Opitz von Boberfeld: Taschenbuch der Gräser. Erkennung und Bestimmung, Standort und Vergesellschaftung, Bewertung und Verwendung. 12. überarbeitete Auflage. Paul Parey, Berlin/Hamburg 1990, ISBN 3-489-72710-X.
  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Unsere Gräser. Süßgräser, Sauergräser, Binsen. 11. Auflage. Kosmos, Stuttgart 1998, ISBN 3-440-07613-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 251.
  2. Peter Zwetko: Die Rostpilze Österreichs Supplement und Wirt-Parasit-Verzeichnis zur 2. Auflage des Catalogus Florae Austriae, III. Teil, Heft 1, Uredinales (= Biosystematics and Ecology. Band 16). Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien 2000, S. 1–67 (PDF-Datei; 1,8 MB).
  3. Michael D. Casler, Ronny R. Duncan (Hrsg.): Turfgrass Biology, Genetics, and Breeding. John Wiley & Sons, Hoboken, NJ 2003, ISBN 1-57504-159-6, S. 175–176, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. Carl von Linné: Species Plantarum, 1753, Band 1, S.62.
  5. Agrostis stolonifera bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis. Abgerufen am 29. September 2015.
  6. Agrostis stolonifera im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 29. September 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weißes Straußgras (Agrostis stolonifera) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien