Weißseitendelfin

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Weißseitendelfin

Weißseitendelfin (Lagenorhynchus acutus)

Systematik
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
Überfamilie: Delfinartige (Delphinoidea)
Familie: Delfine (Delphinidae)
Gattung: Kurzschnauzendelfine (Lagenorhynchus)
Art: Weißseitendelfin
Wissenschaftlicher Name
Lagenorhynchus acutus
(Gray, 1828)

Der Weißseitendelfin (Lagenorhynchus acutus) ist ein Kurzschnauzendelfin, der in den kalten bis gemäßigten Regionen des nördlichen Atlantik anzutreffen ist.

Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Körpergröße im Vergleich zum Menschen

Mit einer Körperlänge vom maximal 2,70 Metern und einem Gewicht von 230 Kilogramm bei den Männchen und 2,20 Metern und einem Gewicht von 180 Kilogramm bei den Weibchen ist der Weißseitendelfin ein wenig größer als die meisten Delfinarten. Das Hauptkennzeichen dieser Art ist der große, weiße bis gelbliche Fleck, der beidseitig hinter der Rückenfinne beginnt und sich an den Flanken der Tiere entlangzieht. Das Kinn, die Kehle und der Bauch der Tiere sind weiß, die Flipper, die Finne und der Rücken sind bis auf den Seitenfleck dunkelgrau bis schwarz. Ein weiterer, kleinerer, weißer Fleck befindet sich außerdem unterhalb der Finne, darunter zieht sich ein hellgrauer Streifen von der Schnauze über die Augen und die Flanken bis zum Schwanzstiel. Im Oberkiefer befinden sich 29 bis 40, im Unterkiefer 31 bis 38 kleine, konische Zähne.[1]

Die Weibchen erreichen ihre Geschlechtsreife mit sechs bis zwölf Jahren, die Männchen mit sieben bis elf Jahren. Die Tragzeit dauert elf Monate und die darauf folgende Stillzeit dauert eineinhalb Jahre an. Bei der Geburt sind die Tiere etwa 1,20 Meter lang und haben ein Gewicht von 20 Kilogramm. Die männlichen Delfine werden maximal 22 Jahre alt, die weiblichen 27.[1]

Verhalten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weißseitendelfine bilden Gruppen, die abhängig vom Lebensraum in ihrer Größe von wenigen Exemplaren bis zu einigen Hundert variieren können. Dabei bilden sich im Bereich von Neufundland Gruppen von etwa 60 Tieren während die Gruppen um Island in der Regel aus weniger als zehn Exemplaren bestanden. Aufgrund von Magenanalysen gestrandeter Exemplare konnte festgestellt werden, dass die Hauptnahrung der Tiere aus Fischen wie kleinen Makrelen, Heringen, Stinten, Sandaalen, verschiedenen Dorschen und Seehechten, sowie aus Tintenfischen besteht. Weißseitendelfine tauchen nicht lange und wahrscheinlich auch nicht tief. Bei einem markierten Exemplar wurde eine maximale Tauchdauer von vier Minuten gemessen, wobei die meisten Tauchgänge weniger als eine Minute lang waren.[1] Weißseitendelfine sind akrobatisch und verspielt und kommen auch nahe an Boote heran, um auf der Bugwelle zu reiten, sind jedoch etwas zurückhaltender als der Gemeine Delfin und der Weißschnauzendelfin.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verbreitung

Der Weißseitendelfin lebt ausschließlich im gemäßigten bis kalten nördlichen Atlantischen Ozean. Er kommt dabei im Küstenbereich von Neufundland und Cape Cod sowie im Meeresbereich zwischen Großbritannien, Island, Grönland und Norwegen vor. Auch in der Nordsee, im Skagerrak und im Kattegat ist er anzutreffen. Die Nordgrenze des Verbreitungsgebietes ist nur wenig bekannt, reicht aber mit einiger Sicherheit bis zu den Südküsten von Grönland, Island und Spitzbergen.[1] Man geht dabei von aktuell zwischen 150.000 und 300.000 Individuen aus.[2]

Bejagung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hvalba (Färöer), 26. August 2006
Strand und Wasser nach der Treibjagd, Hvalba 2005

Der Weißseitendelfin wurde früher im gesamten Bereich zwischen Norwegen und Neufundland bejagt, heute nur bei den Färöern. Von 2011 bis 2015 waren es nach Angaben der IUCN im Durchschnitt jährlich 160 Exemplare, die gefischt wurden. Laut der IUCN ist diese Art nicht gefährdet.[2]

Seit der Besiedlung der Färöer vor mehr als tausend Jahren werden Treibjagden auf verschiedene Zahnwale betrieben, Grindadráp genannt. In einer Treibjagd wird eine Gruppe oder Schule von Delfinen von Booten in einem Halbkreis in eine zugelassene Walfangbucht getrieben, um dort erlegt zu werden. Bloch and Mikkelsen (2009) konnten historische Dokumente zu den Fangzahlen der Treibjagden bis in das Jahr 1872 finden. Offizielle Fischereistatistiken werden im färöischen Nationalarchiv aufbewahrt. Eine Kopie befindet sich im Naturkundemuseum der Färöer, das die Überwachung übernommen hat und bis heute eine kontinuierliche Statistik über den Treibjagdfang führt. Offizielle Berichte dokumentieren auch, welche Arten an welchen Standorten gefangen wurden und ob die gefangenen Schulen verschiedene Arten beinhalten. Diese Dokumente enthalten Informationen über insgesamt 9.435 gefangene Weißstreifendelfine, die bei 158 Fangfahrten im Zeitraum von 1872 bis 2009 gefangen wurden. Durchschnittlich wurden dabei 68 Tiere erbeutet. Sofern man die Jahre, in denen keine Tiere gefunden wurden, herausnimmt, kommt man auf einen Durchschnitt von 168 getöteten Weißseitendelfinen.[3]

Im September 2021 wurden 1428 Tiere im Fjord Skálafjørður erlegt.[4][5] Die dokumentierte Höchstmenge an erbeuteten Tieren betrug bislang 773 für das Jahr 2002.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Bernd Wursig, J.G.M. 'Hans' Thewissen, Kit M. Kovacs (Hrsg.): Encyclopedia of Marine Mammals. Academic Press, November 2017, ISBN 978-0128043271, S. 56–58.
  2. a b Lagenorhynchus acutus in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2019. Eingestellt von: Cetacean Specialist Group, 2019. Abgerufen am 14. September 2021.
  3. a b Bloch Dorete, Mikkelsen Bjarni: Catch history and distribution of white-sided dolphin (Lagenorhynchus acutus) of the Faroe Islands/Veiðisøga og útbreiðsla av skjórutum springara (Lagenorhynchus acutus) í Føroyum. In: Fróðskaparrit-Faroese Scientific Journal. 2009, 57. Jg., S. 190–198 ([ http://fsj.um.fo/ojs/index.php/frit/article/viewFile/82/174 PDF; 855 KB])
  4. Hunderte Delfine auf den Färöer-Inseln in Fjord getrieben und getötet. Abgerufen am 15. September 2021 (deutsch).
  5. 1428 Dolphins Slaughtered in the Faroe Islands Sunday Night. 14. September 2021, abgerufen am 15. September 2021 (englisch).