Weihnachtstauwetter

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Weihnachtstauwetter nennt man die mild-nasse Witterungsperiode, die in Mitteleuropa als klimatologische Singularität in knapp sieben von zehn Jahren zwischen dem 24. und dem 29. Dezember (also in der zeitlichen Nähe zu Weihnachten) eintritt.[1]

Ursache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auslöser für das Weihnachtstauwetter ist die Ende November in Skandinavien einsetzende Polarnacht. Sie führt in der Folge zur Bildung eines Kältehochs. Mit einer Ostströmung wird am Südrand des Hochs eisige Festlandluft auf den Atlantik geführt. Über dem um diese Jahreszeit immer noch milden Atlantik bilden sich in der Regel Tiefdruckgebiete, die in der zweiten Dezember-Hälfte wieder milde Luft gegen das Festland führen, das sogenannte Weihnachtstauwetter.[2]

Auswirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Weihnachtstauwetter stößt von West bis Südwesten her feuchtwarme Meeresluft nach Mitteleuropa vor. Sie bringt ergiebige Regenfälle und lässt eine zuvor im Frühwinter gebildete Schneedecke zum Teil bis hinauf in die Gipfellagen der Mittelgebirge abschmelzen. Da das Regen- und Schmelzwasser im meist noch gefrorenen Erdboden nicht versickern kann, führen die Flüsse in dieser Zeit häufig Hochwasser.

Nicht immer können sich die feuchtwarmen Luftmassen überall durchsetzen. Oft verläuft quer durch Mitteleuropa eine scharfe Grenze, die milde Luft im Südwesten von kalter Luft im Nordosten trennt. Entlang dieser Luftmassengrenze fällt nicht selten gefährlicher Eisregen.

Singularität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Singularität wurde als solche von Hermann Flohn in den 1940er Jahren definiert.[3]

Mythos Weihnachtstauwetter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach Auswertung der Daten den Deutschen Wetterdienstes der Jahre von 1921 bis 2020 muss man die Singularität des Weihnachtstauwetters relativieren, bzw. infrage stellen. In 50 Prozent der Fälle gab es keinen Schnee zum Tauen. In den Jahren mit Schnee gab es in 32 Prozent der Fälle ein Weihnachtstauwetter und in 68 Prozent keines. Betrachtet man die Temperaturen, so gab es über die Weihnachtsfeiertage in nur 30 Prozent der Fälle einen signifikanten Temperatursprung, der dem Weihnachtstauwetter zugeschrieben werden kann.[4]

Weihnachtstauwetter und der Klimawandel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Betrachtet man den Zeitraum von 1921 und 1970, so gab es in nur 13 Jahren keinen Schnee in der Vorweihnachtszeit. Das bedeutet, dass es in 74 Prozent eine weiße Vorweihnachtszeit und in 54 Prozent eine weiße Weihnacht gab.

Im Zeitraum von 1971 bis 2020 gab es in 39 Jahren keinen Schnee in der Vorweihnachtszeit. Damit reduzierte sich die weiße Vorweihnachtszeit von 74 auf 22 Prozent. In gerade einmal 12 Prozent der Fälle gab es noch ein weißes Weihnachtsfest.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hartmut Leser: Wörterbuch Allgemeine Geographie. Diercke Verlag, München 1997, S. o.A.
  2. Die Wetterwoche: Weihnachtstauwetter Auf: SRF vom 22. Dezember 2018
  3. H. Flohn, P. Hess: Großwetter-Singularitäten im jährlichen Witterungsverlauf Mitteleuropas (= Statistisch-synoptische Untersuchungen 2). In: Meteorologischer und Hydrologischer Dienst der Deutschen Demokratischen Republik: Meteorologische Rundschau 2, 1949, S. 258–263.
  4. Wir klären auf: Was ist dran am Mythos des Weihnachtstauwetters? Abgerufen am 1. Dezember 2021.
  5. Michael Hoffmann: Klimawandel und das Weihnachtstauwetter. Abgerufen am 1. Dezember 2021.