Weserstein

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Alter Weserstein von 1899
Inschrift (alter) Weserstein, Blick auf die Weser
Neuer Weserstein von 2000, Blick auf die Weser
Inschrift (neuer) Weserstein

Mit Weserstein oder Wesersteine werden zwei Gedenksteine bezeichnet, die im südniedersächsischen Landkreis Göttingen (Deutschland) in Hann. Münden am auf 116,5 m ü. NHN gelegenen Zusammenfluss von Werra und Fulda zur Weser stehen. Sie befinden sich am Weserspitze genannten Nordende des Tanzwerders, einer zweiteiligen und überwiegend in der Fulda gelegenen Flussinsel.

Jenseits des Weserursprungs steht hoch über dem gegenüber liegenden Flussufer auf dem Hang des Questenberg die Weserliedanlage.

Alter Weserstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der (alte) Weserstein ist ein am 2. September 1899 eingeweihter Gedenkstein, der auf den Beginn der Weser hinweist. Das damals symbolträchtige Datum des Sedanstags passt zur patriotischen vierten Zeile der Inschrift:

Wo Werra sich und Fulda küssen
Sie ihre Namen büssen müssen,
Und hier entsteht durch diesen Kuss
Deutsch bis zum Meer der Weser Fluss.
Hann. Münden, d. 31. Juli 1899

Der Stein (einheimischer Tertiär-Süßwasserquarzit) wurde vom damaligen Mündener Industriellen Carl Natermann senior (siehe hierzu Haendler & Natermann) gestiftet, dessen Sohn Carl Natermann junior die Inschrift verfasste. Der etwa 70 Zentner schwere Stein stammt aus dem Kaufunger Wald aus der Nähe des Wildgeheges Rinderstall. Die Kastanie neben dem Weserstein wurde 1879 vom örtlichen Verschönerungsverein gepflanzt.

Neuer Weserstein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenige Meter neben dem (alten) Weserstein wurde 2000, in Zusammenhang mit der EXPO 2000, der (neue) Weserstein als zeitgenössisches Pendant aufgestellt. Die Aufschrift (eigentlich ist es eine Inschrift) verfasste Nedko Solakov, ein aus Bulgarien stammender Künstler; er fabuliert ironisch humorvoll über Fulda, Werra und Weser:

Der enttäuschte Fluss

Mein lieber Wanderer, bitte schau doch einmal auf die Fulda (zu Deiner Linken).
Wirkt sie nicht irgendwie enttäuscht, sogar unglücklich, wenn man ihr Wasser
so müde fließen sieht? Ja, sie ist es auch und ich sage Dir warum.

Es trug sich zu, daß ihre innig geliebten Buchstaben F,U,L,D und A beim Zusammenschluß mit der WERRA vollkommen vernachlässigt wurden. Wie Du siehst, fehlen diese Buchstaben im neuen Namen des Flusses: WESER. Die arme FULDA durfte lediglich stellvertretend im neuen Wort erscheinen, so wählte sie den Buchstaben S. Dieses S ersetzte eines der beiden R's der WERRA. Warum das S? Die Kurven im S erinnerten die wehmütigen Buchstaben F,U,L und D an die lieblichen Kurven an der Quelle der FULDA. Dort, wo diese Buchstaben noch quirlige Bäche sind. Die empfindsame FULDA fühlte sich vom Schicksal ungerecht behandelt; hatte sie doch all die Jahrhunderte so hart gearbeitet – scheinbar für nichts und wieder nichts. Um wenigstens ihren seelischen Frieden zu bekommen, fing sie damit an, den Händlern behilflich zu sein. Die Händler mußten schreckliche Stapelrechte und hohe Steuern für Waren und Güter zahlen, die sie in die Stadt Hann. Münden brachten. Übrigens wurden diese fürchterlichen Steuern dafür verwendet, elegante Häuser an den Ufern der Konkurrentin WERRA zu bauen. Deshalb entschloß sich die FULDA, einige Waren über ihre Wasser zu schmuggeln – ein kleiner, aber stiller Akt der Vergeltung.

Die beiden A's aus FULDA und WERRA waren ebenfalls sehr unzufrieden mit dem Zusammenschluß. Stell Dir das einmal vor! Der erste Buchstabe im Alphabet wird auf eine so brutale Art und Weise übergangen! Jedoch erhielten die A's eine kleine Entschädigung. Es wurde eine Vereinbarung getroffen und nun erscheinen sie am Anfang im Namen einer schönen deutschen Stadt, irgendwo im Westen…

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weserstein war der Name eines 1953 erbauten ehemaligen Turbinenschiffs (seit 1964 Motorschiffs) der Weserstein-Klasse des Norddeutschen Lloyds (NDL), das 1953 den Ostasiendienst und 1954 den Australiendienst des NDL eröffnete. Das Schiff wurde 1973 verkauft und 1983 abgewrackt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Dietrich von Pezold: Der Weserstein in: Geschichte an den drei Flüssen. Streiflichter in die Vergangenheit der Stadt Hann. Münden an Werra, Fulda und Weser, Hann. Münden, 2008, S. 91–92
  • Karl Brethauer: 1899 Einweihung des Wesersteins in: Münden. Gesammelte Aufsätze. Vierte Folge. Hann. Münden, 1989, S. 96

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Weserstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Weserstein, 360-Grad-Panoramabild (HTML5), auf goecam.de

Koordinaten: 51° 25′ 16″ N, 9° 38′ 54″ O