Westfalen-Initiative

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Die Westfalen-Initiative mit Sitz in Münster ist eine gemeinnützige Stiftung und ein eingetragener Verein. Stiftung und Verein haben zwei Schwerpunkte: die Förderung des Subsidiaritätsprinzips und die Förderung der westfälischen Identität. Sie ist neben dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und dem Westfälischen Heimatbund einer der bedeutenden Förderer einer regionalen Identität.[1]

Die Stiftung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründung der Stiftung Westfalen-Initiative für Eigenverantwortung und Gemeinwohl geht auf das Testament des 1998 verstorbenen Unternehmers Martin Leicht zurück. Es handelt sich um eine Stiftung bürgerlichen Rechts. Die Stiftung Westfalen-Initiative ist satzungsgemäß eine operative, keine Förderstiftung. Ihre Projekte und Initiativen realisiert sie in der Regel gemeinsam mit Kooperationspartnern aus dem öffentlichen oder gemeinnützigen Bereich sowie aus der Wirtschaft. Die Projekte werden von der Stiftung nicht ausschließlich finanziell unterstützt, sondern selbst durchgeführt oder personell begleitet. Durch den ausdrücklichen Kooperationsauftrag wirkt die Stiftung Westfalen-Initiative als vernetzende Institution in Westfalen.[2]

Zur Zeit besteht der Vorstand aus dem Vorsitzenden Hans Moormann und dem stellvertretenden Vorsitzenden Klaus Strautmann. Der Vorstand wird durch ein zwölfköpfiges Kuratorium kontrolliert, dessen Vorsitz Andreas Kaefer aus Brilon ausübt. Sein Stellvertreter ist Berthold Schröder (Dortmund). Der laufende Betrieb in der Geschäftsstelle im Zentrum Münsters wird vom Geschäftsführer Gerd Meyer-Schwickerath geleitet.

Der Verein[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der überparteilich tätige Verein Westfalen-Initiative e. V. bildet das bürgerschaftliche Element der Westfalen-Initiative und ergänzt den Arbeitsbereich der Stiftung. Neben Privatpersonen zählen Gebietskörperschaften, Institutionen und Unternehmen zu seinen Mitgliedern.

Der Verein will insbesondere den Gedanken einer starken Region Westfalen in Europa fördern und das Bedürfnis der Bürger nach einer bürgernahen Politik durch umfassende regionale Selbstbestimmung berücksichtigen.[3]

Im Sinne des Subsidiaritätsprinzips steht die Förderung der Eigenverantwortung der Bürger im Vordergrund. Bürgerschaftliches Engagement zu stärken ist somit einer der Leitgedanken. Dabei versteht sich der Verein auch als eine politische Vertretung der Interessen Westfalens in Europa.

Zu Beginn dominierten in der Zusammensetzung der führenden Vereinsvertreter das Gebiet um Dortmund und Münster. Auch waren diese mehrheitlich dem politisch eher konservativen Lager zuzuordnen, ging es damals doch darum, die geplante Verwaltungsstrukturreform der rot-grünen Landesregierung zu verhindern. In den folgenden Jahren wandte man sich gestützt auf Gutachten insbesondere von Jörg Bogumil gegen ähnliche Vorhaben der nunmehr schwarz-gelben Landesregierung.[4]

Der Verein unterstützt die Vernetzung regionaler Marketinginitiativen wie Münsterland e.V., OstWestfalenLippe GmbH oder Sauerland Initiativ.[5]

Vorsitzender des Vereins Westfalen-Initiative e. V. ist Hans Moormann. Darüber hinaus gehören dem Vereinsvorstand Thomas Bentz (Melitta Group Management GmbH & Co. KG), Hans-Ulrich Predeick, Ludwig Jörder und Raimund Pingel an. Die Geschäfte des Vereins werden ebenfalls durch Gerd Meyer-Schwickerath geführt.

Aktivitäten und Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgergesellschaft

  • Jährlicher Wettbewerb WestfalenBeweger: Wettbewerb zur Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements. Der Wettbewerb zeichnet Projekte aus, von denen andere lernen können und ermöglicht den Know-how-Transfer durch Netzwerktreffen. Im Wettbewerb werden Preisgelder bis zu 35.000 Euro ausgeschüttet. Darüber hinaus können sich die Wettbewerbsteilnehmer in Workshops weiter qualifizieren und vernetzen.[6]
  • Stiftungsverbund Westfalen-Lippe: Ziel des 2006 initiierten und von der Stiftung Westfalen-Initiative koordinierten Stiftungsverbundes ist es, Stiftungen in Westfalen zu regionalen Kooperationen anzuregen und den Know-how-Austausch zu fördern. Hierfür bieten ein jährlich stattfindender Stiftungstag sowie verschiedene Workshop-Angebote die Grundlage und Plattform für Austausch und Vernetzung. Der Zusammenschluss der regionalen Stiftungen schafft Synergieeffekte, die nachhaltige Projekte in der Region ermöglichen.[7]

Kultur und Bildung

  • Gemeinsam erziehen in Elternhaus und Grundschule (GEEG): Ausgehend von der Erkenntnis, dass Eltern in hohem Maße für den Bildungs- und Schulerfolg ihrer Kinder verantwortlich sind, werden Lehrer in Schulungen qualifiziert, an ihren Schulen Erziehungskurse für Eltern anzubieten, um den Erziehungs- und Bildungsauftrag gemeinsam zu erfüllen. Das Projekt wird durch empirische Untersuchungen unter Leitung von Waldemar Magel wissenschaftlich begleitet.[8]

Demografischer Wandel

  • Die Westfalen-Initiative hat gemeinsam mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine Studie zu den aktuellen und künftigen demografischen und wirtschaftlichen Entwicklungen und Herausforderungen Westfalens und seiner Teilregionen in Auftrag gegeben. Auftragnehmer ist das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung. Im Juli 2018 wurde die fertige Studie als Publikation "Eine Region, viele Aussichten. Wie der demografische Wandel Westfalen fordert" in der NRW-Landesvertretung in Berlin vorgestellt. Besonders hervorzuheben ist die Clusteranalyse von 231 westfälischen Gemeinden.[9]

Europa – Subsidiarität und Regionen

  • Anlässlich des 20. Todestages des Stifters Martin Leicht wurde in Anlehnung an das Vermächtnis des Stifters eine neue Diskussion rund um die Kernbegriffe der Stiftung wie Gemeinwohl und Eigeninitiative, Subsidiarität, Europa der Regionen, Heimat Westfalen, gesellschaftliche Verantwortung und Stiftungswesen angestoßen. In diesem Zusammenhang fand bereits am 8. September 2018 die Vortragsveranstaltung „Subsidiarität im politischen System Europas“ mit Bundestagspräsident a. D. Norbert Lammert im Erbdrostenhof in Münster statt. Darüber hinaus erschien zu dieser Veranstaltung die Begleitpublikation „Europa – Subsidiarität und Regionen“ in der Schriftenreihe der Westfalen-Initiative. Im Rahmen der Reflexion der Kernthemen fand weiterhin im Oktober 2018 ein Kaminabend mit dem Präsidenten des Ausschusses der Regionen, Karl-Heinz Lambertz (Senator der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens) statt.

Publikationen

  • Die Organisation gibt eine eigene Schriftenreihe heraus.[10]

Projektarchiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • WestfalenSlam: Beim ersten WestfalenSlam ging es am 19. Juli 2014 in Lippstadt in zwölf Wettbewerben um Spiel, Sport, Können und Köpfchen. Poetry, Science, Film, aber auch Rock und Gaming standen auf dem Programm. Junge Westfalen haben in Lippstadt in teils ungewöhnlichen Slams mit Jury- und Publikumswertung ihr musikalisches, sportliches, technisches und kreatives Talent bewiesen.
  • WestfalenSprung – Martin Leicht-Preis für Stadt und Regionalentwicklung: Ein Wettbewerb um die besten Konzepte in der Stadt- und Regionalentwicklung (ab 2011, zuvor als Preis für Standortmarketing ausgeschrieben) Westfalens mit intensivem Austausch von Ideen.[11] Der Preis wurde zuletzt 2015 vergeben.
  • Verwaltungsstrukturreform NRW: Mit Gutachten und Expertise bemüht sich die Westfalen-Initiative, die immer wieder aufkommende Diskussion um die Verwaltungsstruktur des Landes zu versachlichen.[12] Neben dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe und dem Westfälischen Heimatbund, war die Westfalen-Initiative einer der maßgeblichen überlokalen Akteure, die sich gegen die Abschaffung der bisherigen Bezirksregierungen zu Gunsten von drei großen Nachfolgebehörden sowie gegen die Auflösung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe wandte.[13]
  • Westfälische Ehrengalerie: In die Westfälische Ehrengalerie wurden alle zwei Jahre im Rahmen eines Festakts eine historische und eine kongenial wirkende Persönlichkeit aufgenommen, die sich in einem bestimmten Gebiet besonders um Westfalen verdient gemacht haben. Zuletzt wurden 2013 Felix Gerritzen (Laudatio: Dieter Jütting) als historische und Christoph Metzelder (Laudatio: Carsten Cramer) als lebende Persönlichkeit in die Westfälische Ehrengalerie aufgenommen.[14]
  • „Westfalen erfahren“: Eine Radtour für Journalisten, die zwischen 2002 und 2015 insgesamt sechsmal stattfand und kulturelle, wirtschaftliche, landschaftliche und andere Highlights aus Westfalen präsentierte und erkundete.
  • Studiengang „Nonprofit-Management and Governance“: Dieser erste deutsche Studiengang, der auf eine Tätigkeit im gemeinnützigen Sektor vorbereitet, wurde gemeinsam mit dem Zentrum für Nonprofit-Management entwickelt und an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster umgesetzt.[15]
  • Internetportal „Westfälische Geschichte“: Dort findet sich die gemeinsam mit dem LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe entwickelte preisgekrönte Quelle für Materialien, Unterrichtseinheiten und Neuigkeiten zur Geschichte Westfalens.[16]
  • Ideen-Mining: Wissenstransfer aus den Universitäten in die Wirtschaft mit modernsten Methoden – Think-Tanks als Ideengeneratoren mit der Arbeitsstelle Forschungstransfer der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.[17]
  • Verantwortung lernen: Basierend auf dem Service-Learning-Ansatz werden Schüler durch eigenverantwortlich gestaltete Projekte im Unterricht für gesellschaftliche Probleme und bürgerschaftliches Engagement sensibilisiert. Kooperationsprojekt mit den Stiftungen Bürger für Münster und Bürgerwaisenhaus. In neuer Trägerschaft wird es seit 2008 von der WGZ-Bank unter dem Titel „sozialgenial“ finanziert und von der Aktiven Bürgerschaft NRW-weit durchgeführt.[18]
  • Zwischen 2004 und 2010 veranstaltete der Verein mit finanzieller Unterstützung der Stiftung das internationale Orgelfestival Westfalen-Lippe. Die Aufführungen fanden in verschiedenen Kirchen der Region statt. Darüber hinaus fand der westfälisch-lippische Orgelwettbewerb Westfalen Impro zwischen 2005 und 2016 statt. Der Wettbewerb wurde in andere Trägerschaft übergeben.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Scharte, Sebastian: Westfalenbilder und Westfalenbewusstsein. Die Herausforderungen Regionaler Kulturpolitik und Verwaltungsstrukturreform. Münster, 2003 S. 106
  2. Jahresbericht 2017/18 der Stiftung Westfalen-Initiative.
  3. §2 Satzung des Vereins Westfalen-Initiative e. V.
  4. Scharte, Sebastian: Westfalenbilder und Westfalenbewusstsein. Die Herausforderungen Regionaler Kulturpolitik und Verwaltungsstrukturreform. Münster, 2003 S. 106
  5. Thomas Hauff: Regionenmarketing für Westfalen – Westfalen als Marke?
  6. Westfalen bewegt | Die Westfalen-Initiative. Abgerufen am 3. Dezember 2018 (deutsch).
  7. Lange, Niels; Ueschner, Janina; Vilain, Michael: Miteinander statt Nebeneinander – Der Stiftungsverbund Westfalen Lippe als Motor regionaler Stiftungskooperationen, S. 48–66. In: Lange, Niels; Ueschner, Janina; Vilain, Michael(Hrsg.): Regionale Stiftungskooperation. Netzwerke und Stiftungsverbünde in Theorie und Praxis. Schriftenreihe der Stiftung Westfalen-Initiative Band 13, Ibbenbürener Vereinsdruckerei GmbH 2008
  8. Gemeinsam erziehen macht stark | Die Westfalen-Initiative. Abgerufen am 3. Dezember 2018 (deutsch).
  9. Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Eine Region, viele Aussichten. Abgerufen am 3. Dezember 2018.
  10. Publikationen | Die Westfalen-Initiative. Abgerufen am 3. Dezember 2018.
  11. Stiftung Westfalen-Initiative (Hg.): WestfalenSprung 2011. Dokumentation des Martin-Leicht-Preises für Stadt- und Regionalentwicklung. Münster: Ibbenbürener Vereinsdruckerei GmbH 2012.
  12. [Bogumil, Jörg; Reichard, Christoph; Siebart, Patricia: Gutachten zur Verwaltungsstrukturreform in NRW. Schriftenreihe der Stiftung Westfalen-Initiative Band 8, Münster: Ibbenbürener Vereinsdruckerei GmbH 2004, ISBN 3-932959-37-X.].
  13. Scharte, Sebastian: Westfalenbilder und Westfalenbewusstsein. Die Herausforderungen Regionaler Kulturpolitik und Verwaltungsstrukturreform. Münster, 2003 S. 105
  14. Wielens, Hans (Hg.): Westfälische Ehrengalerie. Münster: LIT-Verlag 2002, ISBN 3-8258-5876-6.
  15. Studiengang „Nonprofit-Management and Governance“ (Memento des Originals vom 16. Juni 2010 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.npm-online.de
  16. Internet-Portal 'Westfälische Geschichte'. 25. März 2014, abgerufen am 3. Dezember 2018.
  17. Arbeitsstelle Forschungstransfer der Universität Münster
  18. Service Learning mit sozialgenial - Stiftung Aktive Bürgerschaft. In: Stiftung Aktive Bürgerschaft. (aktive-buergerschaft.de [abgerufen am 3. Dezember 2018]).