Westpaket

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Ein Westpaket, das wegen des Postkriegs zurückgeschickt wurde. Die West-Briefmarke zu 1 DM zeigt das Melanchthonhaus in Wittenberg in der DDR.

Westpaket war die in der DDR übliche Bezeichnung für Pakete, die Westdeutsche an Familienangehörige und Freunde in der DDR sandten.

Entwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ostdeutsche konnten westdeutsche Familienangehörige nach dem Bau der Mauer 1961 überhaupt nicht oder nur schwer besuchen. So nahmen persönliche Kontakte ab. Viele Westdeutsche schickten, wie vom Büro für gesamtdeutsche Hilfe in Bonn angeregt, ostdeutschen Verwandten mehr oder weniger regelmäßig – zum Beispiel zu Weihnachten oder zum Geburtstag – Westpakete. Im Gegenzug gab es das Ostpaket, das oft Dresdener Christstollen enthielt. Mangels ausreichender Möglichkeiten zum Telefonieren war das neben Briefen oft der einzige Kontakt, der vielen Familien blieb. Westpakete waren angenehme Ergänzungen für den täglichen und längerfristigen Bedarf.

Der Inhalt der Westpakete musste mit der Aufschrift Geschenksendung, keine Handelsware gekennzeichnet sein und ein Inhaltsverzeichnis enthalten. Verschickt wurden neben Kleidung und Bettwäsche vor allem Süßigkeiten, Kaffee und Backzutaten. Der Versand von Geld, d. h. Deutsche Mark, war verboten, mitunter wurde aber versucht, z. B. in Kaffeeverpackungen Geld zu verstecken.

Für die Verpackung der Pakete wurden oft bewusst „schöne“ Materialien wie z. B. Geschenkpapier benutzt, die in der DDR in dieser Qualität nicht erhältlich waren und daher vom Empfänger gerne aufbewahrt und weiterverwendet wurden.

Verboten war der Versand von „nicht visuell lesbaren Medien“ wie beispielsweise Tonträger. So wurden Tonbandkassetten regelmäßig von den DDR-Behörden beschlagnahmt.

Die durchschnittlich etwa 25 Millionen Pakete, deren Versand die westdeutschen Absender steuermindernd geltend machen konnten, enthielten pro Jahr etwa 1000 Tonnen Kaffee und fünf Millionen Kleidungsstücke. Beide waren auch als Tauschware von privat an privat begehrt.

Während die DDR zunächst versuchte, den Versand und die Auslieferung dieser Pakete zu behindern, etwa durch die Forderung eines Desinfektionsnachweises für gebrauchte Kleidungsstücke, waren die Pakete später fester Bestandteil in den Planungen zur Versorgung der Bevölkerung. So entschied das Politbüro der SED am 28. Juni 1977 über eine erste Vorlage „zur Produktion und der Versorgung mit Kaffee- und Kakaoerzeugnissen“ zwecks Verringerung des Devisenverbrauchs für den Import während der Kaffeekrise in der DDR: „Weiterhin ist damit zu rechnen, daß […] eine Zunahme der Versorgung […] durch andere Quellen, wie z. B. durch grenzüberschreitenden Päckchen- und Paketverkehr und beim Abkauf im Intershop erfolgen wird.“

Eine Kosmetikserie verwendet den Duft eines Westpaketes.[1]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Westpaket – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. westpaketduft.de. Abgerufen am 24. April 2016.