Wildgehege Moritzburg

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Wildgehege Moritzburg
Logo-wildgehege2.jpg
Ort Radeburger Straße 2

01468 Moritzburg

Fläche 40 Hektar
Eröffnung 1693/1958
Tierarten > 30
Individuen > 200
Artenschwerpunkte heimische Tierarten
Besucherzahlen 143.587 (2018)[1]
Organisation
Leitung Rüdiger Juffa
Trägerschaft Staatsbetrieb Sachsenforst
www.wildgehege-moritzburg.sachsen.de
Wildgehege Moritzburg (Sachsen)
Wildgehege Moritzburg

Koordinaten: 51° 10′ 23,8″ N, 13° 41′ 53,4″ O

Wildschwein-Jungtiere im Wildgehege Moritzburg

Das Wildgehege Moritzburg ist ein circa 40 ha großer Wildpark in der sächsischen Gemeinde Moritzburg, etwa zehn Kilometer von der Landeshauptstadt Dresden entfernt. Die Einrichtung gehört zum sächsischen Staatsbetrieb Sachsenforst.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits im albertinischen Sachsen des 16. Jahrhunderts errichtete der sächsische Herzog Moritz im später nach ihm benannten Moritzburg ein herrschaftliches Jagdhaus. Er erklärte den Friedewald, einen etwa um 1500 durch Georg den Bärtigen umfriedeten Wald, zum ausschließlichen Jagdgebiet für die Herrscher Sachsens. Fortan war die Jagd im Friedewald den Adligen vorbehalten. Moritz’ Nachfolger, Kurfürst August von Sachsen, ließ Ende des 16. Jahrhunderts erste Gehege anlegen, um den Wildbestand für die zahlreichen Treib- und Parforcejagden zu sichern. Das Jagdhaus wurde von 1656 bis 1672 zum Jagdschloss Moritzburg ausgebaut. Der sächsische Kurfürst Johann Georg IV. ließ 1693 die ursprünglichen Wildgatter zu einem Thiergarten erweitern, um die Wildbestände für die zunehmenden herrschaftlichen Jagden weiter zu garantieren. Teile der originalen Bruchsteinmauern sind erhalten geblieben und dienen noch immer als Gehegebegrenzung. Aus der Zeit August des Starken, Kurfürst von Sachsen ab 1694, ist die Bezeichnung Menagerie aller seltenen Arten von Hochwild für das Wildgehege überliefert. Dieser Name deutet darauf hin, dass hier auch seltenere Tiere, wie zum Beispiel Wölfe und Bären, gefangen gehalten wurden. Sie dienten zum einen der Vorführung und der Demonstration des kurfürstlichen Reichtums, zum anderen kamen sie im Rahmen von Festlichkeiten am sächsischen Hof bei Tierkämpfen oder -hetzen zum Einsatz.[2]

Im 19. Jahrhundert wurden im Tiergarten Gastjagden für Diplomaten und Staatsgäste durchgeführt. Im Jahr 1893 durften erstmals interessierte Besucher den Tiergarten gegen ein Entgelt besuchen und Schaufütterungen besichtigen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde sämtliches Wild von den sowjetischen Besatzungstruppen erlegt und die Anlage weitestgehend demontiert. Das Wildgehege Moritzburg wurde in den folgenden Jahren neu aufgebaut und 1958 auf einem Teilstück des alten Tiergartens wiedereröffnet. In den Jahren nach der politischen Wende 1989 wurde das Wildgehege vor allem unter ökologischen und Artenschutz-Aspekten erweitert und ausgebaut. 2009 eröffnete ein neues Großgehege für Wölfe.[3]

2018 besuchten 143.587 Gäste das Wildgehege.[1] Mit 181.000 Gästen konnte im Jahr 2011 ein Nachwende-Besucherrekord erreicht werden.[4]

Das Wildgehege Moritzburg ist Partner bei verschiedenen europäischen Auswilderungsprojekten, zum Beispiel für Luchse, Wildkatzen und Fischotter.

Tierarten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Wildgehege Moritzburg werden mehr als 30 überwiegend einheimische Tierarten gehalten. Im Fokus der Haltung steht dabei die Unterbringung in naturgemäßen, artgerechten Quartieren. Gezeigt werden unter anderem Rot- und Damwild, Wölfe, Luchse, Elche, Mufflons, Wildschweine, Rehe und verschiedene Fuchsarten; außerdem Waschbären, Marderhunde, Nutrias, Fischotter, Feldhasen und Wildkaninchen.

Neben geführten Rundgängen werden je nach Jahreszeit „Wolfsnächte“, Exkursionen zur Hirschbrunft und andere Spezialführungen angeboten.

Besondere Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hochseilgarten Moritzburg

Hochseilgarten und Abenteuerpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gelände des Wildgeheges befindet sich ein Abenteuerpark und Waldhochseilgarten. Der sogenannte Kletterwald weist acht verschiedene Parcours in verschiedenen Schwierigkeitsstufen zwischen einem und dreizehn Metern Höhe auf. Die hoch gelegenen Strecken verlaufen dabei durch die Baumkronen in unmittelbarer Nähe zu den Tiergehegen.

Ameisenlehrpfad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

2009 wurde im Wildgehege Moritzburg ein Ameisenlehrpfad eröffnet. Vier große Nester hügelbauender Waldameisen können beobachtet werden. Die Ameisenstaaten wurden dafür vom Johannesfriedhof Meißen umgesiedelt. Neben den Ameisenhügeln werden Fakten über das Leben der Tiere auf verschiedenen Informationstafeln vermittelt. Diese Tafeln sind zum Teil speziell für Kinder angelegt, ebenso wurde ein Kontaktlehrspiel eingerichtet. Um interessierten Besuchern das Leben im Inneren eines Ameisenhügels zu visualisieren, wurde ein überlebensgroßes, begehbares Modell errichtet.[5]

Falknerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2011 wurde ein Jagdfalkenhof im Wildgehege Moritzburg eröffnet. Gezüchtet und gehalten werden unter anderem Riesen- und Weißkopfseeadler, Steinadler, Falken und verschiedene Eulen, zum Beispiel Uhus und Bartkäuze. Vorträge, Workshops und Greifvogelvorführungen werden für Interessenten angeboten.[6]

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 2005 bis 2014 war das Wildgehege Moritzburg durch den Landestourismusverband Sachsen mit dem Qualitätssiegel ServiceQualität Deutschland in Sachsen ausgezeichnet.[7] Die letzte Bestätigung des Siegels erfolgte 2011 und galt bis zum 31. Dezember 2014. Das Qualitätssiegel wird Einrichtungen verliehen, die besonderen Wert auf eine hohe Qualität bei Besucherservice, Umweltbildung und Waldpädagogik legen.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wildgehege Moritzburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Besucherplus im Wildgehege Moritzburg. In: Sächsische Zeitung. 7. März 2019.
  2. Reiseführer Moritzburg und Umgebung. Abgerufen am 11. März 2013.
  3. Porträt des Wildgeheges auf www.zoo-infos.de. Abgerufen am 26. Februar 2013.
  4. Sven Görner: Wildgehege will wieder Elche züchten. sz-online.de, 11. Januar 2013, abgerufen am 5. März 2013 (kostenpflichtig).
  5. Ameisenlehrpfad im Wildgehege Moritzburg. Bericht auf Dresden Fernsehen vom 23. September 2009. Abgerufen am 26. Februar 2013.
  6. In Moritzburg fliegen die Falken. (Artikel in der Freien Presse vom 21. April 2011). (PDF; 184 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 26. Februar 2013.@1@2Vorlage:Toter Link/www.falknerei-schaaf.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  7. Datenbank der mit dem Qualitätssiegel ServiceQualität Deutschland in Sachsen ausgezeichneten Unternehmen durch den Landestourismusverband Sachsen. (Nicht mehr online verfügbar.) Ehemals im Original; abgerufen am 26. Februar 2013.@1@2Vorlage:Toter Link/www.reiseland-sachsen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  8. Wildgehege Moritzburg erhält Qualitätssiegel - Bericht von Coswig TV, abrufbar auf YouTube. Abgerufen am 26. Februar 2013.