Friedrich August III. (Sachsen)

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Friedrich August III um 1916
Signatur

Friedrich August III. – gebürtig Prinz Friedrich August Johann Ludwig Karl Gustav Gregor Philipp von Sachsen – (* 25. Mai 1865 in Dresden; † 18. Februar 1932 auf Schloss Sibyllenort) aus der Linie der albertinischen Wettiner war von 1904 bis zu seiner Abdankung am 13. November 1918 letzter König von Sachsen.

Nach Gymnasialbesuch und Studium legte Friedrich August eine rasche Offizierskarriere in der Sächsischen Armee hin. Schon 1894 wurde er Generalmajor. 1898 zum Generalleutnant und 1902 zum General der Infanterie befördert, widmete er als solcher verstärkt der Um- und Neuorganisation seiner ihm unterstellten Truppenverbände. Im Oktober 1904 bestieg er den Thron.

Prinzenjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Elternhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mutter: Maria Anna von Portugal (1843–1884) Vater: Georg von Sachsen (1832–1904)
Mutter: Maria Anna von Portugal (1843–1884)
Vater: Georg von Sachsen (1832–1904)

Friedrich August wurde am 25. Mai 1865 gegen 21:30 Uhr als erster Sohn und viertes Kind des späteren Königs Georg von Sachsen und dessen Gemahlin Infantin Maria Anna von Portugal im Dresdner Zinsendorfpalais geboren. Das Ereignis – die Geburt eines Thronfolgers – wurde mit 101 Kanonenschüssen verkündet. Seine älteren Geschwister waren die bereits früh verstorbenen Prinzessinnen Marie Johanna (1860–1861) und Elisabeth Albertine (1862–1863), Mathilde sowie die nach ihm geborenen Prinzessin Maria Josepha sowie die Prinzen Johann Georg, Maximilian und Albert.

Am Tag nach seiner Geburt wurde das Kind durch Bischof Franz Vorwerk auf die Namen FRIEDRICH AUGUST Johann Ludwig Karl Gustav Gregor Philipp getauft. Taufzeugen waren Elisabeth Ludovika von Bayern als Großtante, Gustav von Wasa als Großonkel, Sophie von Bayern als Tante sowie Carl Theodor von Bayern als Onkel. Nach der Taufe begab sich die Gesellschaft zum Hoftheater, wo die Oper Der Barbier von Sevilla aufgeführt wurde. Vorausgegangen war ein Festgedicht, dass die Schauspielerin Pauline Ulrich vorgetragen hatte. Im Anschluss hieran ergingen an die Eltern zahlreiche Glück- und Segenswünsche aus allen Schichten der Bevölkerung. Am Sonntag dem 28. Mai 1865, fanden im gesamten Königreich Sachsen Feierlichkeiten zu Ehren des Neugeborenen Prinzen statt. Besonders festlich gestalteten sich diese in den Räumlichkeiten des Dresdner Rezidenzschlosses sowie der Katholischen Hofkirche wo das Geburtsfest abgehalten wurde. Vor der Kirche gab eine eigens aufgestellte 12-Pfünder-Batterie Ehrensalven. Beschlossen wurde die Festivitäten mit einer großen Galatafel. Noch am gleichen Abend wurde auf Geheiß König Johanns vor dem Hauptbahnhof die erste Litfaßsäule Dresdens errichtet, deren Plakatierung dem Wohl des neuen Thronerben galt.[1]

Kindheit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das frühkindliche Prinzenleben war geprägt von elterlicher Liebe und häuslicher Geborgenheit. Während sich der Vater durch militärische und repräsentative Verpflichtungen nur eingeschränkt um seinen Sohn kümmern konnte, umsorgte die Mutter ihre Kinder sehr. Die Erziehung oblag dabei, dem damaligen Gepflogenheiten nach, höfischen Angestellten. Friedrich Augusts Leben wurde bereits im Säuglingsalter auf eine spätere Militärlaufbahn hin gelenkt. So ernannte ihn sein Großvater König Johann am 25. Mai 1866, also anlässlich seines ersten Geburtstags, zum Chef der Infanteriebrigade „Prinz Maximilian“, aus welcher im Jahr darauf das nach ihm benannte 5. Infanterie-Regiment „Prinz Friedrich August“ hervorging.[2]

Besonders prägend war für den jungen Friedrich August der festlich umjubelnde Einzug der sächsischen Truppen vom Deutsch-Französischen Krieg am 11. Juli 1871 auf dem Dresdner Neumarkt. Bewunderung soll er in diesem Zusammenhang für Otto von Bismarck aufgebracht haben. Im Jahr darauf wurde dem mittlerweile 7-jährigen Prinzen ein Offizier zur Seite gestellt, welcher sich für die militärische Entwicklung des Kindes verantwortlich zeichnete. Analog hierzu erhielt Friedrich August privaten Elementarunterricht durch den katholischen Oberlehrer Heinrich Schmidt. Es wird berichtet, dass der Prinz hohes Interesse für das Fach Geografie gezeigt haben soll, mit Vorliebe Gedichte auswendig gelernt und sich durch ein gutes Zahlengedächtnis ausgezeichnet habe. Charakterlich soll er nachgiebig und gefällig bisweilen kindlich heiter gewesen sein. Der Unterricht fand dabei in den Räumlichkeiten des Dresdner Zinsendorfpalais oder aber in der Sommerresidenz seiner Eltern in Hosterwitz bei Pillnitz statt. Von dem dortigen Anwesen unternahm er in seiner Freizeit gern und oft Wanderungen durch die nahen Wälder und Weinstöcke. Hier entwickelte der Prinz auch sein späteres tiefes Verständnis für die Natur und die Liebe zur Heimat. Begleitet wurde er in dieser Zeit von seinen Hund mit dem Namen Schnips.[3]

Ab 1874 besuchte Friedrich August das Königliche Gymnasium in Dresden-Neustadt, wo er unter anderem von dem Physiker August Toepler unterrichtet wurde. Daneben erlernte der Prinz Latein und Griechisch, Mathematik, Deutsch, Erdkunde sowie Geschichte. Die Religionsunterweisungen übernahmen der spätere Bischof von Straßburg Adolf Fritzen sowie der künftige Apostolische Präfekt von Meißen Ludwig Wahl.[4]

Jugend und Studium[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich August als Unterleutnant 1878

An seinem Zwölften Geburtstag, dem 25. Mai 1877, trat Friedrich August unter gleichzeitiger Ernennung zum Unterleutnant der sächsischen Armee bei. Dort wurde er der 7. Kompanie im 1. (Leib-) Grenadier-Regiment Nr. 100 mit Sitz auf der heutigen Stauffenbergallee in der Albertstadt zugeteilt, wobei der Dienst neben der Erfüllung der schulischen Pflichten zu verrichten war. Mit diesem Regiment nahm der Prinz im Juni 1878 an der Parade anlässlich der Silberhochzeit des Königspaares Albert und Carola auf den Dresdner Alaunplatz teil sowie bei der im September 1882 abgehaltenen Kaiserparade auf der Mergendorfer Flur bei Riesa. Im Frühjahr 1883 legte Friedrich August vor einer Prüfungskommission unter Vorsitz des sächsischen Kultusministers das Abiturexamen mit Auszeichnung ab. Am 20. Juni 1883 leistete er seinen Fahneneid und trat damit den regulären Armeedienst in seinem Stammregiment an, wo Friedrich August am 19. September 1883 zum Premierleutnant befördert wurde.[5]

Im Mai 1884 nahm er an der Straßburger Kaiser Wilhelm Universität ein Studium auf. Er besuchte dort zwei Halbjahre lang Vorlesungen in Rechts- und Staatswissenschaften sowie Geschichte. Die studienfreie Zeit nutzte er für Reitausflüge oder Besuche des in Straßburg stationierten Infanterie-Regiments „König Wilhelm II. von Württemberg“ (6. Königlich Sächsisches) Nr. 105. Von April 1885 bis Ostern 1886 setzte er die Studien an der Landesuniversität Leipzig fort. Seine dortigen Professoren waren u.a. die Professoren Bernhard Windscheid und Springer.[6]

Damit war der Bildungsweg Ludwig Augusts noch nicht beschlossen. Um ihm tiefere Einblicke in die sächsische Verwaltungstätigkeit zu ermöglichen, arbeitete er zeitweilig in der Amtshauptmannschaft Dresden-Altstadt. Später in der Kreishauptmannschaft Dresden. Sein Wissen in praktischer Volkswirtschaft vertiefte der Prinz durch Besichtigungen von Industriestätten und Handwerksbetrieben. Daneben besuchte er, sofern es seine Zeit erlaubte, Sitzungen der sächsischen Landtagsverwaltung und des Berliner Reichstags oder aber war Zuhörer bei öffentlichen Gerichtsverhandlungen um die praktische Rechtspflege besser zu verstehen. Kurzum tat Friedrich August alles, um sich auf seine künftige Rolle als König vorzubereiten und seine rechts- und staatswissenschaftliche, aber auch ökonomischen und handelspolitischen Kenntnisse zu vertiefen.[7]

Danach bereiste der Prinz von Juni bis September 1886 zusammen mit seinem persönlichen Adjutanten Georg Freiherr von Wagner (1852–1905) die Länder Mitteleuropas. Wichtigste Stationen seiner ersten Bildungsreise waren die Städte Wien am Hofe Kaisers Franz Josef, Salzburg, Graz, Budapest und Belgrad wo ihm König Milan I. zum Empfang lud. Anschließend führte der weitere Weg über das Eisernen Tor über Breslau nach Berlin und weiter nach Hamburg. Und von dort per Schiff nach London, wo Friedrich August am 8. Juli eintraf. Dort besuchte er die Königin Victoria sowie den damaligen Prinzen von Wales und späteren König Eduard VII. Im August reiste Friedrich August nach Schottland weiter. Von Leith führte der Seeweg schließlich zurück nach Hamburg, wo Besichtigungen der Hansestädte Bremen, Lübeck, Wilhelmshaven und Kiel den Abschluss der Reise bildeten.[8]

Offizierslaufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich August um 1889 in der Uniform des 1. Husaren-Regiments Nr. 18

Nach seiner Rückkehr nahm Friedrich August wieder seinen Militärdienst auf. Hier wurde er mit Wirkung zum 9. September zum 1. Husaren-Regiment Nr. 18 nach Großenhain kommandiert, wo er im 3. Eskadron als Kavallerist diente. Mit seiner Beförderung zum Hauptmann am 16. September 1887 erfolgte die Rückversetzung zum Stammregiment nach Dresden. Die dortige Stellung als Kompaniechef bekleidete Friedrich August etwas über ein Jahr, um dann ab 1889 – im Zuge erneuter Dienstrotation – zur Artillerie kommandiert zu werden. Dort befehligte er im 1. Feldartillerie-Regiment Nr. 12 in Königsbrück die 5. Batterie. Nach der Beförderung zum Major im gleichen Jahr, erfolgte die abermalige Rückversetzung zum Stammregiment, wo Friedrich August die Charge als Bataillonskommandeur übernahm. In dieser Eigenschaft nahm er an der im Herbst 1889 stattfindenden Kaiserparade und den danach abgehaltenen Kaisermanövern zwischen Oschatz und Lommatzsch teil.[9][10]

Orientreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Stationen der großen Orientreise von Friedrich August

Mitte Oktober 1889 brach Friedrich August zu einer mehrmonatigen weiteren Bildungsreise auf. Ziel der Unternehmung war Jerusalem. Begleitet wurde er hierbei von seinen Adjutanten Georg Freiherr von Wagner (1852–1905), Karl von Rex, Dr. Fritzen und weiteren Gefolge. Die Reise führte zunächst nach Mailand, Venedig und Monza, wo Friedrich August dem Königspaar Umberto I. und dessen Gemahlin Margarethe die Ehre gab. Von Genua aus schiffte die Gesellschaft einem Dampfer nach Barcelona. Bei der weiteren Rundreise durch das Königreich Spanien wurden u.a. die Städte Valencia, Cordoba, Sevilla und Madrid sowie weitere Sehenswürdigkeiten besucht. Am 3. Dezember setzte die Gefolgschaft von Gibraltar nach Tanger über.

Der weitere Weg führte durch Marokko über Malta nach Sizilien. Dort verbrachte Friedrich August in Palermo das Weihnachtsfest. Von Messina aus erfolgte im neuen Jahr die Überfahrt nach Alexandria, wo Friedrich August am 13. Januar 1890 eintraf. Bei der sechswöchigen Ägyptenrundfahrt einschließlich Nilkreuzfahrt besuchte er Kairo, die Pyramiden von Gizeh, Assuan und Luxor. Mit Beginn des März erreichte der Tross Port Said am Suezkanal.

Nach Einschiffung in Beirut durchquerte Friedrich August zu Pferd Teile des Libanon und Syriens. Am 18. März erreichten die Reiter Damaskus. Nach einem weiteren 3-Wochen-Ritt durch das Jordantal mit Stationen in Nazareth, Haifa und Samaria zog Friedrich August samt Geleit am 3. April in Jerusalem ein. Nach wenigen Tagen Aufenthalt führte die weitere Tour nach Bethlehem, Jericho, Bethanien und Jaffa. Vom dortigen Hafen reiste Friedrich August samt Gefolge per Schiff nach Athen, wo er dem griechischen Hof um Georg I. eine Stippvisite abstattete. Nach einer kurzen Unterbrechung führte die weitere Reise den Prinzen nach Smyrna in das heutige Izmir, weiter nach Ephesos und schließlich nach Konstantinopel zum Hof des Sultans Abdülhamid II. Am 17. Mai erfolgte die Weiterfahrt auf einer sultanischen Jacht über das Schwarze Meer, weiter nach Bukarest und von dort aus über Österreich-Ungarn nach zurück nach Dresden.[11]

Weitere Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prinz Friedrich August als Generalmajor à la suite des Kgl. Preußischen Garde-Schützen-Bataillons 1895

Mit Dienstaufnahme bei der Armee am 29. August 1890 wurde Friedrich August zum Bataillonsführer im Schützen-(Füsilier-)Regiment „Prinz Georg“ Nr. 108 ernannt und gleichzeitig zum Garde-Reiter-Regiment abkommandiert. In dieser Stellung erfolgte am 18. Dezember 1891 seine Beförderung zum Oberstleutnant und neun Monate später avancierte er am 22. September 1892 als Oberst zum Kommandeur des Schützen-(Füsilier-)Regiments „Prinz Georg“ Nr. 108. Neben den Avan­ce­ments in der sächsischen Armee gingen die entsprechenden österreichischen und preußischen einher. So wurde Friedrich August beispielsweise am 19. November 1891 zum Major und 18. Dezember des gleichen Jahres zum Oberst in der K.u.K. Österreichischen Armee ernannt. Am 27. Januar 1893 erfolgte durch Kaiser Wilhelm I. die Ernennung zum Oberst à la suite des Garde-Schützen-Bataillons der Preußischen Armee. In letzterer Position so etwa am 2. Juni 1893 anlässlich der Frühlingsparade auf dem Tempelhofer Feld.[12]

Am 20. September 1894 wurde Friedrich August, unter Belassung des Zusatzes à la suite, zum Generalmajor befördert und zugleich zum Kommandeur der 1. Königlich Sächsische Infanterie-Brigade Nr. 45 ernannt. Zusätzlich wurde er mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Inspekteurs der Unteroffizierschule in Marienberg sowie der Soldatenkinder-Erziehungsanstalt in Struppen beauftragt. Analog hierzu erfolgte seine Beförderung zum preußischen Generalmajor à la suite im Garde-Schützen-Bataillon. In der sich anschließenden mehrjährigen Periode führte Friedrich August die ihm unterstellten Truppenverbände bei Paraden und Manövern. So etwa im Herbst 1896 bei der großen Gefechtsübung der Sächsischen Armee gegen das V. und VI. preußische Korps in der Lausitz sowie 1897 bei den Posener Herbstmanövern. Zugleich überwachte und leitete er die taktische Unterweisung seiner Einheiten. Zum weiteren Repertoire gehörte der Besuch von Kasernen und Militärübungen aller Art. In seiner Eigenschaft als Inspekteurs des Offiziersnachwuchses kümmerte sich Friedrich August verstärkt um deren Ausbildung, wohnte Schulprüfungen bei und nahm Kompanievorstellungen ab.[13] Mit Wirkung zum 22. Mai 1898 erfolgte seine Ernennung zum Generalleutnant und Kommandeur der 23. Division mit der er im Sommer 1900 am großen Artillerieschießen in Wahn bei Köln teilnahm. Im Mai 1901 besuchte Friedrich August einen Generalkurs an der Feld-Artillerie-Schule in Jüterbog.[14] Friedrich August galt im Dienst als strenger und pflichtbewusster Vorgesetzter, der keine Nachlässigkeiten duldete. Andererseits soll er sich stets um das Wohl seiner unterstellten Mannschaften gesorgt haben.[15]

Da er hinter seinem kinderlosen Onkel König Albert und seinem Vater zwischenzeitlich an zweiter Stelle der Thronfolge stand, wurde es für notwendig erachtet, Friedrich August Einblicke in administrative und legislative Entscheidungen zu gewähren. Daher durfte der königliche Prinz an den Sitzungen der I. Kammer des Sächsischen Landtags und des Gesamtministeriums teilnehmen.

Kronprinzenjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommandierender General[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Tod König Alberts am 19. Juni 1902 und der Thronbesteigung seines Vaters wurde Friedrich August im Alter von 37 Jahren Kronprinz. Seine erste Aufgabe als solcher bestand darin, die vollzogene Thronfolge gegenüber den verschiedenen Königshäusern zu notifizieren. Dies tat er am 2. Juli in Kiel gegenüber Kaiser Wilhelm, der ihn sogleich à la suite zum 1. Seebataillon der Marine-Infanterie stellte, sowie anschließend in Ischl vor dem Österreichischen und in München vor dem bayerischen Hof.[16]

Am 26. August 1902 wurde Friedrich August zum Kommandierenden General des XII. (I. Königlich Sächsisches) Armee-Korps ernannt; zu einem Zeitpunkt, indem sich das Sächsische Heer inmitten der größten Reorganisation seiner Geschichte befand. Die Hauptaufgabe des neuen Kronprinzen bestand daher zunächst in der Neu- und Umorganisation seiner ihn unterstellten Verbände. Schon bald nach seiner Ernennung zum Kommandieren General erfolgte auch die zum General der Infanterie mit kongruenter Rangangleichung in der preußischen und österreichischen Armee. Als solcher führte Friedrich August seine Truppen an der Spitze reitend bei der im Spätsommer 1902 stattfindenden großen Herbstparade auf dem Tempelhofer Feld. Hieran schlossen sich umfangreiche Manöver im sächsischen Grimma, Frankenberg und Freiberg an. Am 4. November überreichte ihn Graf Schmettow, im Namen des Kaisers, die China-Denkmünze. Zu dieser Zeit hatte das Kronprinzenpaar seine neuen Räumlichkeiten im Dresdner Taschenbergpalais bezogen. Etwa um Mitte November brach Friedrich August zu einen Jagdausflug nach Salzburg auf, wo er sich bei einem Sturz einen Bruch des linken Unterschenkels zuzog. Die anschließende Genesung zog sich hin und erst um die Jahreswende trat Friedrich August wieder öffentlich in Erscheinung.[17]

Das Jahr 1903 begann mit den üblichen Neujahrsglückwünschen von und gegenüber verschiedenen königlichen Repräsentanten oder deren Vertretern. Ende Januar wohnte Friedrich August an der Winterübung der 32. Division bei Zeithain bei. Im Februar und März folgten Besichtigungen des neuen Rekrutenjahrgangs in deren Kasernen. Am 30. März dieses Jahres, nachdem er am 9. und 16. März noch einmal an Konsolidierungssitzungen des Gesamtministeriums teilgenommen hatte, brach Friedrich August zu einer Erholungsreise nach Süditalien und Sizilien auf. Von Neapel aus setzte das Gefolge am 30. März nach Messina über, wo der Kronprinz Ausflüge in die nähere Umgebung unternahm. Am 14. April erfolgte die Rückreise über Gardone zurück nach Dresden, wo Friedrich August am 17. April eintraf. Unmittelbar im Anschluss hieran erfolgten obligatorische Kompanie- und Bataillonsbesichtigungen. Nach der Abhaltung größerer Manöverübungen im Mai folgten im Sommer abermals Truppenbesichtigungen. Zerstreuung fand Friedrich August dabei nur bei gelegentlich abgehaltenen Jagdausflügen. Neben erwähnten militärischen Verpflichtungen, wurde Friedrich August 1903 mehr noch als in seinen Prinzenjahren für repräsentative Pflichten herangezogen. Insbesondere für zahlreiche Deputationsempfänge, Teilnahme an Eröffnungs- und Jubiläumsfeierlichkeiten sowie für Veranstaltungen und Festlichkeiten aller Art. So auch zum Jahresende, wo er zum Neujahresempfang bei Kaiser Wilhelm II. geladen war.[18]

Regierungsstellvertreter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erklärung der Übernahme der Regierungsgeschäfte an Friedrich August vom 14. Oktober 1904

Bereits um die Jahreswende 1902/03 war bei Friedrich Augusts Vater Georg eine merkliche Abnahme der Lebenskräfte erkennbar. Zwar traten phasenweise immer wieder scheinbare Verbesserung in dessen Gesundheitszustand ein, aber zu Beginn des Jahres 1904 befürchtete der sächsische Hof das baldige Ableben des mittlerweile 71-jährigen Königs. Ungeachtet dessen, verliefen die ersten Monate des neuen Jahres für den Kronprinzen in gewohnter Manier. Neben Truppenbesuchen, Manövern und Militärübungen stellte sich bei Friedrich August in diesem Jahr ein erhöhtes Interesse an wissenschaftlichen Vorträgen ein. Insbesondere bei Reiseberichten über ferne Länder war der Kronprinz oft Gast. Nach seiner Sommerreise, die er zusammen mit seinen Kindern in Schmecks in der Hohen Tatra verbracht hatte, standen die Monate August/September 1904 widerrum im Zeichen größerer Manöver. Am 1. September nahm Friedrich August an der großen Parade des Gardekorps in Berlin tei, dem sich am 3. September ein Brigademanöver in der sächsischen Heimat anschloss, was gegen Monatsende von einem Divisionsmanöver beschlossen wurde. Etwa um diese Zeit traten ernste Veränderungen im Befinden des Vaters auf, die trotz aller ärztlicher Bemühungen wenig Linderung brachten. Anfang Oktober war dessen Atemnot soweit fortgeschritten, dass er die Ausübung seiner Regierungsgeschäfte per Dekret am 14. Oktober 1904 an Friedrich August abgeben musste. Am Tag darauf starb er.[19]

Königsjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Thronbesteigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit dem Tod seines Vaters und Königs wurde Friedrich August am 15. Oktober 1904 dessen Nachfolger und damit Herrscher über 3,5 Millionen Sachsen in einer der leistungsfähigsten Industrieregionen Deutschlands. Seine an diesem Tag von der Bevölkerung mit großer Spannung erwartete Ansprache an Volk und Armee endete mit folgenden Schlussworten:

„Ich bringe meinem Volke das größte Vertrauen entgegen, und es wird mein festes Bestreben sein, des Landes und des Volkes Wohl zu fördern und jeden, auch den letzten meiner Untertanen, glücklich und zufrieden zu machen.“

Friedrich August III anlässlich der Thronbesteigung am 15. Oktober 1904 in seiner Ansprache gegenüber dem Volk[20]

„Von meiner frühesten Jugend an war die Armee meine ganze Liebe. Wie ich bis jetzt in jedem Dienstgrade nur Freude an ihr erlebt habe, so hoffe ich auch, daß die Armee unter mir wie unter meinen Vorgängern getreu ihrer glorreichen Vergangenheit im Kriege wie im Frieden ihren ehrenvollen Platz im großen deutschen Heere behaupten wird.“

Friedrich August III anlässlich der Thronbesteigung am 15. Oktober 1904 in seiner Ansprache gegenüber der Armee[15]
König Friedrich August III. nach einer Aufnahme von Erwin Raupp um 1905

Insbesondere mit seiner Diktion an die Streitkräfte unterstrich Friedrich August deren hohen gesellschaftlichen Stellenwert und machte zugleich deutlich, dass er als König und Bundesfürst die Auffassung vertrete, dass Deutschlands künftige Unabhängigkeit und Entwicklung nur auf einer starken Armee beruhen könne und er es daher als seine Pflicht betrachte, die sächsische Armee zu einem schneidigen Werkzeug auszubilden.[15]

In dieser doch recht turbulenten Übergangszeit erließ Friedrich August in einer seiner ersten Amtshandlungen als neues Staatsoberhaupt eine Teilamnestie gegenüber Strafgefangenen. Zugleich wurde er Schirmherr des königlich sächsischen Militärvereinsbundes. Der Thronbesteigung folgte eine Vielzahl von Erwiderungs- und Begrüßungsansprachen. Analog hierzu erfolgten zahlreiche Ernennungen beziehungsweise Entlassungen höfischer Beamter und Staatsbediensteter.[21]

Am 17. Oktober legte er in Gegenwart der Staatsminister sein verfassungsmäßiges Gelöbnis ab. Tags darauf gab Friedrich August die Führung des XII. (I. Königlich Sächsischen) Armee-Korps an den designierten Nachfolger Generalleutnant Hermann von Broizem ab und beauftragte seinen Bruder Georg und andere Vertreter mit der Notifizierung seiner rechtmäßigen Thronbesteigung gegenüber dem Kaiserhof und ausgesuchten Königshäusern. Sodann folgten bis Jahresende zahllose Empfänge, Audienzen, Huldigungen, Deputationen und Loyalitätsverpflichtungen von Abgesandten der verschiedenen Herrscherhäuser.[21]

Erste Regierungsjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

10 Mark 1905 E, Friedrich August III., König von Sachsen, eine der ersten Goldmünzen seiner Regierungszeit aus der Münzstätte Muldenhütten

Im ersten vollen Regierungsjahr 1905 bereiste Friedrich August die sächsische Lande. Im Februar und März führten ihn seine Weg zunächst nach Westsachsen in die Städte, Leipzig, Chemnitz, Plauen und andere Gemeinden. Hier besuchte er zahlreiche Fabriken und Bergbaubetriebe. Danach schloss sich eine Rundfahrt durch die Orte Mittelsachsens an. Nach einem Besuch am Wiener Hof im April, führte die weitere Tour des Königs durch Ostsachsen mit wichtigsten Stationen in Kamenz, Bautzen, Löbau, Zittau. Überall wurde er herzlich empfangen.[22]

Im Jahr 1909 wurde Friedrich August Generaloberst[23] Im Frühjahr 1910 folgte eine weitere Reise des Königs in den Sudan und Ägypten. Am 11. September 1912 wurde er nach dem erfolgreich in Sachsen abgehaltenen Kaisermanöver durch Wilhelm II. unter Verleihung des Marschallstabs zum Generalfeldmarschall der Preußischen Armee ernannt.[24] Am 19. Oktober 1913 erfolgte in Anwesenheit des Kaisers und aller Bundesfürsten die Weihe des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig.[25]

Der Monarch gilt aus heutiger Sicht als typischer Landesvater, der stets das Wohl Sachsens im Blick hatte und vielfältig interessiert war. Er war ein Kunstmensch, liebte die Jagd, förderte die Wirtschaft auf allen Gebieten und galt vor allem deshalb als volkstümlich, weil er neben seinen schlichten und geraden Wesen nie einen Hehl daraus machte, nicht nur im Gespräch mit dem Volk, sondern auch im Umgang mit anderen deutschen Königshäusern Sächsisch zu sprechen. Friedrich August gelang es in seiner Amtszeit, in Sachsen nach seinem unpopulären Vater das Vertrauen der Bevölkerung zu ihrem König zurückzugewinnen.[26]

Politisch war es ein Mitverdienst des Königs, dass das konservative Wahlrecht (lediglich 20 Prozent der Wahlberechtigten entschieden über zwei Drittel der Parlamentssitze) 1909 durch ein demokratischeres Pluralwahlrecht ersetzt wurde.

Erster Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1914[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs übernahm Friedrich August als einziger der vier deutschen Könige nicht den Oberbefehl über seine eigene, die Sächsische Armee, sondern übertrug diese Aufgabe an den Kriegsminister Max von Hausen. Zugleich erließ er mit dem Tag der Mobilmachung am 2. August 1914 den Aufruf an Volk und Armee, in welchen er in Erster Linie an die Geschlossenheit seines Volkes appellierte. Deren Inhalt lautete:

„An mein Volk! Unsre Söhne und Brüder eilen zu den vaterländischen Fahnen. In diesem Augenblicke zu meinem getreuen Sachsen davon zu reden, was uns alle mächtig bewegt, ist mir ein Herzensbedürfnis. Unser deutsches Volk ist vor weltgeschichtliche Kämpfe gestellt. Ich erwarte von meiner Armee, deren Geschicke meine Söhne teilen werden, daß sie auf dem Schlachtfelde den alten Waffenruhm der Väter bewähren und erneuern wird. Ich bin dessen gewiß, daß mein ganzes Volk im Vertrauen auf die Gerechtigkeit unsrer guten Sache zu jedem Opfer an Blut und Gut bereit ist und in allen seinen Ständen und Schichten geschlossen zu Rat und Tat zusammensteht. Zu allen Staats- und Gemeindebehörden habe ich die Zuversicht, daß sie in unbedingter Hingabe an ihre Pflichten alle Anforderungen des Heeres erfüllen, die Wunden des Krieges lindern und unvermeidlichen Hemmnisse und Lasten erleichtern werden, die dem Erwerbs- und Wirtschaftsleben bevorstehen. Überall vertraue ich auf die entschlossene Tatkraft und den unbegrenzten Opfermut wie auf alle sittlichen Kräfte meines Volkes. In Demut beuge ich mich mit meinen Sachsen vor dem allmächtigen Lenker der Völkergeschicke. Möge er unsern Waffen Sieg geben und seine schirmende Hand gnädig halten über unser Heer und Volk, über Kaiser und Reich!“

Friedrich Augusts Aufruf an sein Volk vom 2. August 1914[27]

„Soldaten! In dieser ernsten Zeit, in dem ganz Deutschland dem Rufe Sr. Majestät des Kaisers folgend zu den Waffen eilt zu Schutz und Schirm des Vaterlandes, richte ich als König und Chef der Armee mein Wort an Sie. Sachsens Heer hat stets im Kriege seine Pflicht getan und unvergängliche Lorbeeren um seinen Fahnen gewunden. Bestreben Sie sich, dem Beispiel der Vorfahren folgend, so wie bisher im Frieden nun auch vor dem Feinde den ehrenvollen Platz zu behaupten, den die Armee im Rahmen des deutschen Heeres hat. Seien Sie überzeugt, daß ich jeden einzelnen von Ihnen in mein Herz geschlossen habe jnd sein Schicksal verfolgen werde. In diesen Stunden richten Sie ihren Block nach oben und flehen Sie zu Gott, dem allmächtigen Lenker aller irdischen Geschicke, daß er unsre Waffen segnen und uns den Sieg verleihen möge. Und nun ziehen Sie mit Gott. Der Spruch eines jeden braven Soldaten lautet: Mit Gott für König und Vaterland, für Kaiser und Reich!“

Friedrich Augusts Aufruf an seine Armee vom 2. August 1914[28]
Postkarte aus dem Ersten Weltkrieg

Zwei Tage später, am 6. August, verabschiedete Friedrich August sein früheres Leibregiment in welchem nun seine zwei ältesten Söhne Georg als Hauptmann und Friedrich Christian als Leutnant dienten, mit den besten Wünschen an die französische Westfront. Im September des gleichen Jahres eilte auch sein jüngster Sohn Ernst Heinrich seinen Brüdern nach.[29]

Der Fronteinsatz seiner Thronfolger bedeutete für Friedrich August und das sächsische Königshaus ein beträchtliches Risiko. Im Gegensatz zu seinen Kindern vermied es der König aber in den ersten Kriegsmonaten die Front zu besuchen. Stattdessen beschränkten sich seine Kriegsmaßnahmen auf rein karitative Aufgaben. Neben einer Spende an das Rote Kreuz in Höhe von 30.000 Mark, gab er Order das ehemalige Palais Kap-herr zu einem Lazarett umzufunktionieren. In der Folge entstanden in ganz Sachsen weitere Hilfseinrichtungen und Sanatorien für Kriegsgeschädigte.[30]

1915[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erst ab Juni 1915, also zu einem Zeitpunkt in welchen die Fronten im Westen längst zum Stellungs- und Grabenkrieg erstarrt waren, besuchte er verschiedene Kriegsschauplätze. Vom 7. bis 13. Juni weilte er in Ypern. Ende Juli begab er sich dann in diesem Gebiete bis in die vordersten Schützengräben um sich nach dem Ergehen seiner Truppen zu erkundigen.[31]

Weitere Kriegsjahre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Augusts Hoffnungen auf territoriale Zuwächse Sachsens in Kurland nach einem Siegfrieden zerschlugen sich 1918 nach dem zunehmend negativen Kriegsverlauf für das Deutsche Reich.

Revolutionswirren und Abdankung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im November 1918 griffen die revolutionären Unruhen auch auf die sächsischen Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz über, Arbeiter- und Soldatenräte wurden gebildet. Der König untersagte die blutige Niederschlagung der Aufstände. Am 13. November schließlich verzichtete Friedrich August, der vor den Ereignissen in Dresden auf Schloss Guteborn bei Ruhland Zuflucht gesucht hatte, auf den Thron und entband alle Offiziere, Beamten, Lehrer und Geistlichen von ihrem Treueid. Allerdings ist der ihm nachgesagte historische Satz „Nu da machd doch eiern Drägg alleene.“ (Nun, dann macht doch euren Dreck alleine!) bei der Abdankung 1918 historisch nicht belegt. Auch seine zweite Aussage „Ihr seid mer ja scheene Demogradn!“ (Ihr seid mir ja schöne Demokraten!) bei einer Ankunft im Neustädter Bahnhof in den 1920er Jahren, als eine jubelnde Menschenmenge ihn empfing, ist ebenso wenig historisch nachweisbar.

Chef des Hauses[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Abdankung zog er sich auf seine schlesische Besitzung Schloss Sibyllenort im Landkreis Oels zurück. Dort lebte er ein zurückgezogenes Leben im Kreise seiner Familie, widmete sich ausgiebig der Jagd und unternahm Reisen (u. a. auf die Kanaren, nach Brasilien und Ceylon). Erst 1924 kam es mit dem Freistaat Sachsen zu einem „Auseinandersetzungsvertrag“, der den Wettinern neben dem Erhalt des Grundbesitzes auch eine finanzielle Entschädigung zusicherte.

Tod und Beisetzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die feierliche Beisetzung des Exkönigs Friedrich August III. von Sachsen in Dresden am 23. Februar 1932. Eine Traditionskompagnie der Reichswehr stellte das Ehrengeleit. Dem Sarge folgten die drei Söhne des Verstorbenen sowie der Exkronprinz Rupprecht von Bayern. Der feierliche Leichenzug führt vorbei am Fürstenzug und dem Georgentor, über den Schloßplatz zur Hofkirche. Links eine Ehrenkompagnie der Reichswehr.

Am Morgen des 18. Februar 1932 wurde Friedrich August gegen 7:00 Uhr im bewusstlosen Zustand im Bett liegend von der Dienerschaft aufgefunden. Die zwei eilends herbeigerufenen Ärzte diagnostizierten übereinstimmend einen linksseitigen Gehirnschlag. Ohne noch einmal das Bewusstsein zu erlangen, starb der ehemalige König um 22:03 Uhr im Kreise der eilends herbeigerufenen Familienangehörigen im Alter von 67 Jahren. Die anschließende Totenmesse würde durch seinen ältesten Sohn Pater Georg gehalten. Danach wurde Friedrich Augusts Leichnam im großen Saal von Schloss Sibyllenort in der Uniform eines kaiserlichen Feldmarschalls aufgebahrt und am 22. Februar nach Breslau verbracht, wo der Sarg mit einen Sonderzug nach Dresden überführt wurde. Der Tod des Exkönigs wurde in Sachsen mit großer Bestürzung aufgenommen.

Als der Zug an diesem Tag gegen 10:00 Uhr am Dresdner Hauptbahnhof eintraf, säumten bereits hunderttausende Menschen die Straßen. Vom Bahnhof aus setzte sich der Trauerzug über die Bürgerwiese und Moritzstraße Richtung Hofkirche in Bewegung. Das militärische Ehrengeleit befehligte Generalmajor Ludwig Beck und das Ehrenbataillon der Reichswehr führte Oberstleutnant Friedrich Olbricht. Dem Sarg folgten unmittelbar die Söhne des Verstorbenen sowie weitere Angehörige verschiedener Adelsgeschlechter. Nach einer Stunde erreichte der Trauerzug die Hofkirche, wo er erneut aufgebahrt wurde. Das Gedränge der inzwischen auf 500.000 angewachsenen Menschenmenge war so dicht, dass der eigens eingerichtete medizinische Notfalldienst an die 1000 Einsätze vermeldete; darunter zahlreiche Quetschungen, dutzende Ohnmachtsanfälle und sogar zwei Tote.

Am 23. Februar zelebrierte der Bischof von Meißen Conrad Gröber die Totenmesse. Unter den anwesenden hochrangigen Vertretern befanden sich neben anderen Oberst Oskar von Hindenburg in Vertretung des Reichspräsidenten, Eitel Friedrich von Hohenzollern in Vertretung des Exkaisers, Ministerpräsident Walter Schick sowie der Dresdner Oberbürgermeister Wilhelm Külz. Die musikalische Untermalung wurde durch die sächsische Staatskapelle und der Solistin Helene Jung vorgenommen. Anschließend wurde der feierlich geschmückte Sarg unter Ehrensalven von sieben Unteroffizieren der Reichswehr in die königliche Gruft der Hofkirche verbracht.[32]

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eheleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich August III. und seine Familie (1901)

Am 21. November 1891 heiratete Friedrich August in Wien Erzherzogin Luise von Österreich-Toskana[33], zweite Tochter des Großherzogs der Toskana Ferdinand IV. und dessen Gemahlin Alicia von Bourbon-Parma. Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor:

∞ 1923 Elisabeth Helene von Thurn und Taxis (1903–1976)
∞ 1921 Sophie von Luxemburg (1902–1941)
∞ 1947 Gina Dulon (1910–2002)
  • Maria Alix Carola, Totgeburt (*/† 22. August 1898)
  • Margarete Carola Wilhelmine (1900–1962)
∞ 1920 Friedrich von Hohenzollern (1891–1965)
  • Maria Alix Luitpolda (1901–1990)
∞ 1921 Franz Joseph von Hohenzollern (1891–1964)
  • Anna Monika Pia (1903–1976)
∞ 1924 Josef Franz von Österreich (1895–1957)

Der lebenslustigen Prinzessin fiel es allerdings immer schwerer, sich in das konservative, streng katholische Leben am Dresdner Hof einzupassen. Auch die Beziehung des Paares litt zunehmend darunter. Im Dezember 1902 kam es zu einem großen Skandal, als die schwangere Prinzessin Luise mit dem Sprachlehrer ihrer Kinder vom Dresdner Hof in die Schweiz floh. Im Februar 1903 wurde die Ehe per Gerichtsbeschluss aufgehoben, eine Scheidung kam für den streng katholischen Friedrich August nicht in Frage. Er zog es vor, den Rest seines Lebens ohne Frau zu verbringen. Die Kinder blieben bei ihrem Vater.

Familienvater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Friedrich Augusts Verhältnis zu seinen Kindern wird in zeitgenössischen Quellen aber auch durch die Aussagen seiner Kinder als überaus herzlich beschrieben. Er galt als liebevoller Vater und gewissenhafter Erzieher, der stets um das Wohl seiner Kinder besorgt war. Bei der streng religiös geprägten Erziehung legte er großen Wert auf die Vermittlung christlicher Glaubenswerte. Insbesondere rief er seine Kinder zu Verzicht und Genügsamkeit auf. Der Tagesablauf folgte dabei einen bestimmten Ritus. Es gab gemeinsame Frühstück- und Abendmahle und wann immer es seine Regierungsgeschäfte erlaubten, unternahm Friedrich August mit seinen Kindern Ausflüge in die Natur, spielte mit ihnen oder nahm sie gelegentlich zu Empfängen mit. Damit seine männlichen Nachkommen nicht wie er einst abgesondert von anderen Kindern unterrichtet werden sollten, gründete er 1904 die Prinzenschule. Diese war in den Räumlichkeiten des Taschenbergpalais untergebracht und war Söhnen hoher Offiziere, Beamten, Ärzte und Geistlichen vorbehalten. Die dortigen Lehr- und Prüfungspläne entsprachen inhaltlich den staatlichen Schulverordnungen wobei der Sekundarunterricht in eine dreijährige und der gymnasiale Teil in eine achtjährige Phase unterteilt waren.[34]

Privatleben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alpinist[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits in frühen Jugendjahren bestieg Friedrich August zahlreiche Gipfel in der Sächsischen Schweiz. Beispielsweise das Kipphorn oder die Schrammsteine.[35] In späteren Jahren bestieg er unter anderem den Großglockner und andere Berge der Alpen.[36]

Pferdeliebhaber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Daneben galt Friedrich August als ausgezeichneter Reiter und unterhielt wie seine Vorgänger auch einen königlichen Marstall, allerdings ohne eigene Pferdezucht. Die Tiere wurden stattdessen durch Ankäufe erworben. Verantwortlich für Haltung und Unterbringung war ein Oberstallmeister im Generalsrang, dem weitere Gehilfen und Stallmeister unterstanden. Insgesamt verfügte der Marstall über an die 80 Kutschpferde, sogenannte Karossiers, die Friedrich August nach und nach durch Fuchsrösser ersetzen ließ. Organisatorisch gehörten diese Tiere dem königlichen Fahrstall an. Friedrich August legte bei der Auswahl der Tiere viel Wert auf deren Charakterzüge. Er bevorzugte wohlerzogene Pferde, lag ihm doch die körperliche Unversehrtheit seiner Kinder während der zahlreichen Kutschfahrten am Herzen. Sein königlicher Wagenpark umfasste etwa 160 Gespanne aller Art. Neben einfachen Fuhrwerken gab es offene und geschlossene Reisewagen, Gala-Wagen sowie einen Prunkwagen für höchste Anlässe. Neben den Arbeits- und Dienstpferden gab es die persönlichen Leibpferde des Königs, die Friedrich August selbst auswählte und deren Namen er gleichsam bestimmte. Sein Paradehengst war ein gescheckter Lipizzaner-Schimmel, der den Namen Maestoso trug. Diesen hatte er 1896 vom Wiener Kaiserhof geschenkt bekommen. Für Jagdausflüge oder sonstige Ausritte nutzte er eine Fuchstute namens Ingeborg. Für seine Kinder standen Ponys zur Verfügung.[37]

Jägersmann[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als größte Leidenschaft Friedrich Augusts galt die königliche Jagd, der er bereits seit frühsten Prinzenjahren nachging. Die oft drei bis viertägigen Jagdausflüge, die über das Jahr verteilt etwa zwei bis drei Wochen in Anspruch nahmen, verbrachte er größtenteils in heimatlichen Jagdrevieren, seltener im Ausland. Als Ausgangsort dienten zumeist königliche Besitzungen wie die Jagdschlösser in Rehefeld im Erzgebirge oder Moritzburg, aber auch Schloss Wachwitz vor den Toren der Dresdner Heide. Weitere gern besuchte Jagdgebiete waren die Sächsische Schweiz, das Lausitzer Bergland und die weit ausgedehnten Wälder um Schloss Sibyllenort. Mehr noch als Treibjagden liebte er die stundenlange Pirsch, hierbei fühlte er sich auf das Engste mit der Natur verbunden. Neben Hirschen und Rehen erlegte er auch Gämse und Auerhähne. Es wird berichtet, dass Friedrich August das Ausweiden erlegter Tiere selbst vornahm. Zu seinen Eigenheiten gehörte ferner der Jagdbrauch, die entnommene Leber des Wildbrets, zumeist vom Rehbock stammend, zubereitet und verspeist zu haben.[38]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Genealogie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anhang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Friedrich August III. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 27–30.; H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 9 f.
  2. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 45 f.; H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 11 f.
  3. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 12–15.
  4. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 34 f., 37.; H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 14 f.
  5. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 46–49.; H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 22.
  6. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 16 f.; Walter Fellmann: Sachsens letzter König, Friedrich August III. Berlin 1992, S. 33–38.
  7. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 18 f.
  8. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 68 f.; H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 20 f.
  9. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 40–51, 70 f.
  10. Walter Fellmann: Sachsens letzter König, Friedrich August III. Berlin 1992, S. 39–40.
  11. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 71–79.
  12. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 52–58.
  13. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 58–62.
  14. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 62.
  15. a b c H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 26.
  16. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 96 f.
  17. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 98–103.
  18. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 105–117.
  19. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 117–122.
  20. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 39.
  21. a b Walter Fellmann: Sachsens letzter König, Friedrich August III. Berlin 1992, S. 124–158.
  22. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 159–211; H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 39–45.
  23. Friedrich Arnold Brockhaus (Hrsg.): Brockhaus. Handbuch des Wissens. Band 2, Leipzig 1922, S. 162.
  24. Ansgar Reiß (Hrsg.), Ulrich Herr, Jens Nguyen: Die deutschen Generale sowie Kriegsministerien und Generalstäbe von 1871 bis 1914. Kataloge des Bayerischen Armeemuseums Ingolstadt, Band 10, Verlag Militaria, Wien 2012, ISBN 978-3-902526-60-1, S. 227.;H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 31.
  25. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 47.
  26. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 46.
  27. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 72.
  28. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 72 f.
  29. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 73 f.
  30. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 79.
  31. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 75.
  32. Reiner Groß: Die Wettiner. Kohlhammer, Stuttgart 2007, S. 273.; Walter Fellmann: Sachsens letzter König, Friedrich August III. Berlin 1992, S. 225–232.
  33. Walter Fellmann: Sachsens letzter König, Friedrich August III. Berlin 1992, S. 41 ff.
  34. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 34–36.
  35. H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 16.
  36. Bei einem seiner Aufenthalte in Tarvis, 1908, trat der König, der bei seinen Touren in Alpenvereinshütten einzukehren pflegte, der Sektion Villach, Gau Tarvis, als Mitglied bei. – Siehe: Allerlei. König Friedrich August von Sachsen Mitglied der S. Villach. In: Mitteilungen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Jahrgang 1908, (Band XXXIV), S. 236. oben links. (Online bei ALO).
  37. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 224–232.
  38. W. von Metzsch, Karl Siegismund: Friedrich August III. König von Sachsen. Ein Lebensbild. Imberg & Lesson, Berlin 1906, S. 120, 238–245.; H. Schindler: König Friedrich August III. Ein Lebens- und Charakterbild., Verlagsanstalt Apollo Dresden 1916, S. 32.
Vorgänger Amt Nachfolger
Georg I. König von Sachsen
1904–1918
Georg I. Chef des Hauses Wettin
1904–1932
Friedrich Christian