William Brewer

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William Brewer (auch William de Briwerre) (* um 1145; † 24. November 1226) war ein englischer Adliger, Beamter und Richter. Er gilt als Musterbeispiel eines Beamten, der treu den vier angevinischen Königen Heinrich II., Richard Löwenherz, Johann Ohneland und Heinrich III. diente. Aus relativ niedrigen Verhältnissen stieg er durch seine Fähigkeiten, harte Arbeit und die skrupellose Ausnutzung der königlichen Gunst zu einem der engsten Ratgeber der Könige und zu einem mächtigen Baron auf. [1]

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

William Brewer war ein Sohn von Henry Brewer, der in Bere in Hampshire als königlicher Förster diente. Vermutlich stammte die Familie Brewer aus Hampshire, da bereits Williams Großvater, der ebenfalls William Brewer hieß, Grundbesitz bei Winchester besaß. Er gründete dazu das Nonnenkloster von Polsloe Priory in Devon.

Aufstieg und Dienst als königlicher Beamter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Nachfolger seines Vaters wurde Brewer Förster von Bere. Vor 1179 wurde er dazu Sheriff von Devon. 1185 übergab ihm der König die Verwaltung der Baronie von Brampton, nachdem deren Baron Fulk Paynel († 1208) aus England geflüchtet war. Brewer gelang es später, seine Tochter Alice mit Fulk Paynels Sohn und Erben William Paynel zu verheiraten. Um 1185 wurde Brewer dazu Aufseher der Zinnbergwerke in Cornwall. Unter Richard Löwenherz stieg Brewer vom lokalen Beamten zum Beamten am Königshof auf, was er wohl vor allem seiner Bekanntschaft mit anderen Beamten, die im Dienst des Königs aufstiegen, verdankte. Am Königshof diente Brewer im Schatzamt, weshalb er am 29. Juni 1193 in Worms war, wo die Höhe des Lösegelds für den gefangenen König ausgehandelt wurde. Neben seinen Aufgaben im Schatzamt diente Brewer unter Richard Löwenherz und Johann Ohneland als Richter, unter anderem des King's Bench und als Sheriff von zahlreichen Counties. Zeitweise diente er als Sheriff von mehreren Counties zugleich, die er anscheinend effektiv verwaltete. Zwar wandten sich die Vertretungen von Cornwall, Dorset und Somerset an König Johann, das sie Brewer nicht mehr als Sheriff wünschten. 1209 verhandelte Brewer in Dover erfolglos mit den päpstlichen Gesandten über eine Aufhebung des Interdikts, das der Papst 1208 über England verhängen ließ. Das Vertrauen, dass der König in Brewer setzte, zeigte sich, als Brewer nach der Aufhebung des Interdikts 1214 beauftragt wurde, acht Bischofswahlen zu überwachen. Auch während der Minderjährigkeit von Johanns Sohn und Nachfolger Heinrich III. gehörte Brewer zu den leitenden Beamten im Schatzamt. Ihm ist es mit zu verdanken, dass die nach dem Ersten Krieg der Barone zerrütteten königlichen Finanzen wieder saniert wurden. Brewer gehörte nun zu den führenden Ratgebern des Regenten William Marshal, 1. Earl of Pembroke. Nach dem Rücktritt des greisen Marshals am 9. April 1219 unterstützte er weiter die drei führenden Minister Hubert de Burgh, Peter des Roches und den päpstlichen Legaten Pandulf. Als es zwischen diesen Ministern vermehrt zu Spannungen kam, unterstützte Brewer den Justiciar Hubert de Burgh.

Machtzuwachs und Bereicherung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Brewer profitierte enorm von seinen Ämtern. Vor allem König Johann belohnte seinen wichtigen Beamten reichlich, und auch Rückschläge wie 1209, als Brewer die meisten seiner Sheriffämter niederlegen musste, führten nicht zum Ende seiner Karriere. 1203 erhielt Brewer Güter in Cornwall, 1204 weitere Güter in Derbyshire und Buckinghamshire. Dazu verlieh der König zahlreichen Orten in seinem Besitz Marktrechte oder den Status eines Boroughs, weiterhin wurden ihm noch Vormundschaften von minderjährigen Erben und die Verwaltung von königlichen Burgen übertragen. Bei seinem Tod soll Brewer Grundbesitz mit etwa 60 Knight’s fees besessen haben. Der Schwerpunkt seiner Güter lag in Südwestengland mit dem Zentrum in Bridgwater in Somerset. Dies erhielt er 1199 von Fulk Paynel geschenkt, nachdem er sich erfolgreich für dessen Begnadigung durch den König eingesetzt hatte. Auch zahlreiche weitere Barone bestachen ihn mit Geld und Geschenken, wenn er sich zu ihren Gunsten beim König einsetzte. William Ferrers schenkte ihm das Gut von Blisworth in Northamptonshire und Henry de la Pomeroy, Lord of Berry Pomeroy übergab ihm das Gut von Bradworthy in Devon, damit Brewer ihm gewogen war. König Johann erlaubte Brewer, in Bridgwater eine Burg zu errichten, und auch sein Gut in Ashley in Devon[2] und ein weiteres Gut in Hampshire durfte Brewer je ein weiteres Gut befestigen.

Brewer versuchte, aus diesen Gütern seine eigene Baronie zu bilden. Von den Gegnern des Königs als dessen schlechter Ratgeber geschmäht, setzte er seine Interessen skrupellos durch. Er überging die Erbrechte von Minderjährigen, schüchterte seine Gegner ein oder erpresste sie. Als Günstling des Königs, der Brewers Taten tolerierte, war er entsprechend ein Gegner der Adelsopposition und stand auch während des Kriegs der Barone auf Seiten des Königs. Noch 1223 versuchte er eine erneute Bestätigung der Magna Carta und der Charter of the Forests durch Heinrich III. zu verhindern, indem er ausführte, dass die Akzeptanz der Magna Carta König Johann gewaltsam abgerungen worden sei.

Religiöse Stiftungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund seines Reichtums konnte Brewer der Kirche großzügige Stiftungen machen. Dabei übertraf er seine adligen Nachbarn im Umfang seiner Schenkungen meist bei weitem. Zu seinen Stiftungen gehörten drei Ordensniederlassungen: 1196 gründete er die Prämonstratenserniederlassung von Torre in Devon, 1201 stiftete er eine Augustinerniederlassung in Mottisfont in Hampshire und 1201 die Zisterzienserabtei Dunkeswell in Devon. Bei seinem Hauptsitz Bridgwater in Somerset gründete er ein Hospital. Daneben machte er für zahlreiche Kirchen und Klöster Schenkungen. Die stattliche Summe von 4000 Mark stiftete er den Tempelrittern in Akkon mit der Auflage, damit den geplanten Kreuzzug seines Neffen Bischof William Brewer zu unterstützen. Er wurde vor dem Altar der Klosterkirche in der von ihm gestifteten Dunkeswell Abbey in der Ordenstracht der Zisterzienser beigesetzt.

Familie und Nachkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

William heiratete Beatrice de Valle († vor 1220), die angeblich die Geliebte von Reginald de Dunstanville, 1. Earl of Cornwall († 1175) und Mutter von dessen Sohn Henry FitzCount gewesen war. Von Reginald of Cornwall soll sie das Gut von Colton in Somerset erhalten haben. Mit ihr hatte er mindestens sieben Kinder, darunter zwei Söhne und fünf Töchter:

  1. ∞ Fulbert of Dover
  2. Baldwin Wake of Bourne, Lincolnshire
  • Johanna († vor 1232) ∞ William de Percy († 1245), Lord of Topcliffe, Yorkshire
  • Alice
  1. ∞ Reginald de Mohun aus Dunster, Somerset
  2. ∞ William Paynel of Bampton
  • Margery
  1. ∞ William de la Ferté
  2. ∞ Eudo de Dammartin
  3. Geoffrey de Say

Brewer versuchte, seine Kinder angemessen zu versorgen. Zwei seiner Töchter verheiratete er mit minderjährigen Adligen, deren Vormund er war. Sein ältester Sohn Richard erhielt bereits früh das Gut von Odcombe in Somerset sowie weitere Besitzungen in Wiltshire. Als Richard jedoch 1215 kinderlos starb, fielen die Güter wieder an Brewer. Sein Erbe wurde schließlich sein zweiter Sohn William Brewer. Als dieser 1232 kinderlos starb, wurden seine Besitzungen unter den Familien von Brewers fünf Töchtern aufgeteilt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ralph V. Turner: William Briwerre. In: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 1988. ISBN 0-8122-8129-2, S. 71–90

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ralph V. Turner: William Briwerre. In: Men raised from the dust. Administrative service and upward mobility in Angevin England. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 1988. ISBN 0-8122-8129-2, S. 71
  2. Gatehouse Gazetteer: Gains Castle, Ashley. Abgerufen am 20. Juni 2016.